Aston Martin schärft seine Speerspitze im Segment der Super-SUVs nach. Für das Modelljahr 2026 rollt der neue DBX GT an, eine nochmals leistungsgesteigerte und vor allem luxuriösere Interpretation des britischen Hochleistungs-Crossovers. Angetrieben von einem 4,0-Liter-V8-Biturbo leistet das Aggregat nun 535 kW (727 PS) und stemmt gewaltige 900 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle. Damit katapultiert sich der Allradler in 3,3 Sekunden auf 100 km/h (3,1 Sekunden auf 60 mph) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h. Der Preis für diese exklusive Kombination aus Leistung und Grand-Touring-Komfort ist ebenso stattlich: In Deutschland werden mindestens 260.000 Euro fällig.
Die Neupositionierung ist klar: Der DBX GT soll der souveräne Langstreckengleiter mit schier endlosen Kraftreserven sein und zielt auf eine Rolle jenseits des reinen Krawallmacher-Images.
Doch kann diese Strategie im Jahr 2026 überzeugen? Die Konkurrenz von Porsche und Bentley ist härter als je zuvor, während Ferrari mit dem Purosangue eine eigene Nische besetzt. Die Faszination der Marke trifft auf eine harte Realität. Bekannte Software-Anfälligkeiten der Plattform und ein jüngst veröffentlichter KBA-Rückruf für das Fahrwerk werfen einen Schatten auf das handwerklich brillante Gesamtpaket.
Leiser, stärker, teurer?
Die Leistungsdaten des DBX GT sind eine Kampfansage. Die 20 zusätzlichen Pferdestärken gegenüber dem DBX707 klingen auf dem Papier nach einer marginalen Anpassung. Doch die Ingenieure haben die Turbolader-Technologie, die teils aus dem Mittelmotor-Supersportwagen Valhalla stammt, weiter verfeinert und das Ansprechverhalten des Motors sowie die Schaltstrategie des Neungang-Automatikgetriebes neu kalibriert. Der Aufpreis gegenüber dem DBX707 ist dennoch ambitioniert. Die wahre Rechtfertigung für den Mehrpreis liegt im spürbar gesteigerten Komfort, weniger in der reinen Längsdynamik. Aston Martin hat gezielt den Geräuschpegel im Innenraum gesenkt. Dafür wurde die Karosseriestruktur verstärkt und die Dichtungen verbessert. Zusätzliches Dämmmaterial in den Türen und Radhäusern reduziert Abrollgeräusche. Akustisch laminiertes Glas im Fond schirmt die Kabine ebenfalls weiter ab. Das Ergebnis: Der sogenannte Articulation Index, ein Maß für die Sprachverständlichkeit, verbessert sich um beachtliche 13 Prozent.
Positionierung im Wettbewerbsumfeld
Der Aston Martin DBX GT tritt in der absoluten Königsklasse der Performance-SUVs an. Ein Blick auf die direkten Konkurrenten zeigt, wie diversifiziert dieses Segment mittlerweile ist. Der Porsche Cayenne Turbo GT bleibt der unangefochtene Meister der Rennstrecke, ein präzises, fast schon klinisches Fahrdynamik-Werkzeug. Am anderen Ende des Spektrums thront der Ferrari Purosangue mit seinem glorreichen V12-Saugmotor als aristokratische Ausnahmeerscheinung. Der Lamborghini Urus SE versucht als Plug-in-Hybrid den Spagat zwischen brachialer Gewalt und politischer Korrektheit, während der Bentley Bentayga Speed die Rolle des unerschütterlichen Komfort-Gleiters perfektioniert.
| Merkmal | Aston Martin DBX GT (2026) | Aston Martin DBX707 |
|---|---|---|
| Leistung | 535 kW / 727 PS | 520 kW / 707 PS |
| Drehmoment | 900 Nm | – |
| 0-100 km/h | 3,3 s (3,1 s 0-60 mph) | – |
| Höchstgeschwindigkeit | 310 km/h | – |
| Kofferraumvolumen | 632 – 1.540 Liter | 632 – 1.540 Liter |
| Basispreis (UVP) | 260.000 € | 238.200 € |
Der Bentayga-Angriff
Aston Martin krönt seine SUV-Baureihe. Der neue DBX GT positioniert sich als luxuriösere, dezentere Alternative zum schärferen DBX707. Er zielt auf die Rolle des kultiviertesten Supersportlers im Smoking und überlässt die laute Provokation anderen.
Mit dem DBX GT zielt Aston Martin auf eine anspruchsvolle Klientel, die Understatement und souveräne Grand-Touring-Eigenschaften über aggressive Sportoptik stellt. Aston-Martin-CEO Amedeo Felisa spricht von einem echten Ultra-Luxus-Erlebnis, das durch verfeinerte Details und eine massive Aufwertung des Interieurs erreicht wird. Es ist ein direkter Angriff auf die Komfort-Könige von Bentley, ohne die dynamische DNA der Marke zu verwässern. Das Design soll ruhiges Charisma ausstrahlen, eine Gratwanderung zwischen Präsenz und Zurückhaltung, die Marek Reichman, Chief Creative Officer, als Kern der Neuentwicklung beschreibt.
Äußerlich manifestiert sich dieser Anspruch in einem neuen Kühlergrill mit Doppellamellen und dezenten Chromapplikationen, die an die Uhrmacherkunst erinnern sollen. Die unteren Karosserieelemente sind nun in Wagenfarbe lackiert, was dem Fahrzeug eine weniger rustikale, elegantere Präsenz verleiht. Im Innenraum wird der Luxusanspruch greifbar. Die Sitze wurden neu geformt und mit einer zehn Millimeter dicken Schicht aus Memory-Schaumstoff unterfüttert. Besonders der Fond profitiert von einem neuen Layout mit zwei ausgeformten Einzelsitzen. Die Materialauswahl mit Semi-Anilin-Leder und tiefflorigen Fußmatten ist exquisit. Mich beeindruckt vor allem die Liebe zum Detail: Allein für die Herstellung eines Vordersitzes werden laut Aston Martin 691 Meter Faden, 3.297 Perforationslöcher und über viereinhalb Stunden reine Handarbeit aufgewendet. Das ist eben Manufaktur-Niveau, das man in dieser Preisklasse erwartet und hier auch bekommt.
Fahrwerk: Hightech-Anspruch und die harte Realität
Ein offizieller Rückruf trübt das Bild der mechanischen Solidität. Das Kraftfahrt-Bundesamt warnt unter der Referenz 16319R vor fehlerhaften Bolzen am hinteren Drehmelenker bei bis 2025 gebauten DBX-Modellen, deren Versagen zu erheblichen Folgeschäden führen kann. Ob die für den GT produzierten Fahrzeuge ab Werk bereits mit modifizierten Bolzen ausgeliefert werden, hat Aston Martin zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht bestätigt. Diese Unsicherheit ist für Käufer in dieser Preisklasse ein erhebliches Risiko.
Diese Warnung steht in einem bizarren Kontrast zur hochentwickelten Fahrwerkstechnologie des DBX GT. Das System mit seiner 48-Volt-Wankstabilisierung, der Luftfederung und den adaptiven Dämpfern gehört zum Besten, was der Markt zu bieten hat. Für den GT wurden die Dämpferventile neu kalibriert, um hochfrequente Stöße, etwa auf rauem Asphalt, besser zu filtern und weniger Vibrationen in die Kabine zu leiten. Gleichzeitig sollen zwei neue Längsdämpfer zwischen Karosserie und hinterem Hilfsrahmen die Torsionssteifigkeit erhöhen. Es ist genau diese Dualität, die mich nachdenklich stimmt: Auf der einen Seite eine Software- und Hardware-Kalibrierung auf höchstem Niveau, auf der anderen Seite das Risiko eines Versagens bei einem fundamentalen, mechanischen Bauteil.
Handwerkskunst trifft Software-Bugs
Der zweite wunde Punkt der DBX-Plattform ist seit Jahren bekannt und wird auch beim GT eine Rolle spielen: die Software. Während das Leder von Hand genäht und das Holz poliert wird, stammt das Infotainmentsystem in seinen Grundzügen noch aus einer älteren Mercedes-Generation. Diese Abhängigkeit von Stuttgarter Technik ist ein spürbarer Kompromiss: Sie sichert den Zugriff auf erprobte Komponenten, bedeutet aber auch, dass man technologisch stets eine Generation hinterherhinkt.
Besitzer der ersten DBX-Generationen berichten in Foren immer wieder von gelegentlichen elektrischen Problemen und Software-Abstürzen, die außerplanmäßige Werkstattbesuche erfordern. Für ein Fahrzeug, das einen Basispreis von 260.000 Euro aufruft, ist das im Jahr 2026 wohl schlichtweg nicht akzeptabel. Die Konkurrenz aus Deutschland, insbesondere Porsche mit seinem neuen, stabilen System, ist hier meilenweit enteilt. Es ist das klassische Dilemma vieler Kleinserienhersteller: Die mechanische und handwerkliche Kompetenz ist über jeden Zweifel erhaben, doch bei der digitalen Integration fehlt es an den Entwicklungsressourcen der großen Konzerne.
Für wen der DBX GT die richtige Wahl ist
Der Aston Martin DBX GT ist kein Auto für Pragmatiker. Wer einen reinen Rundstrecken-Performer sucht, ist beim Porsche Cayenne Turbo GT besser aufgehoben. Der Bentley Bentayga Speed bleibt die erste Wahl für maximale Isolation und den Komfort einer Sänfte. Der DBX GT positioniert sich exakt zwischen diesen Welten. Er ist eine emotionale Entscheidung für den Connaisseur, der ein Statement für britisches Design und exklusive Handwerkskunst setzen möchte. Er ist der Grand Tourer unter den Super-SUVs, dessen Domäne die schnelle Reise von Hamburg nach St. Moritz ist – den Rundenrekord auf der Nordschleife überlässt er anderen.
Für mich ist der DBX GT eine faszinierende, aber auch riskante Wahl. Die Faszination der Marke, die Schönheit des Designs und die schiere Gewalt des Antriebs sind unbestreitbar. Doch die Investition von über einer Viertelmillion Euro verlangt nach Perfektion, die durch die bekannten Software-Schwächen und die Fahrwerks-Rückrufe der Plattform infrage gestellt wird. Für Käufer, die den Klang des Motors und das Prestige der Marke über alles stellen, mag der DBX GT eine der charakterstärksten Alternativen im Segment sein. Die gebotene Exklusivität ist für sie ein entscheidender Faktor. Alle anderen sollten sich des Risikos bewusst sein. Denn wer 260.000 Euro investiert, erwartet makellose Zuverlässigkeit. Das reale Risiko, dass die ersten Monate des Besitzes durch Werkstattbesuche statt durch Fahrspaß geprägt sind, könnte den Restwert empfindlicher treffen als bei seinen deutschen Wettbewerbern.



