Chery startet in Deutschland: Omoda & Jaecoo greifen mit vier Hybrid-SUVs an

Marktstart 2026: Chery bringt Omoda & Jaecoo SUVs nach DE
Foto: Chery

Der größte chinesische Automobilexporteur, Chery Automobile, vollzieht im August 2026 seinen lange erwarteten Markteintritt in Deutschland. Anders als viele neue Wettbewerber, die mit einer reinen Elektro-Strategie starten, wählt Chery einen breit gefächerten Ansatz und greift mit den beiden neuen Marken Omoda und Jaecoo direkt das Herz des deutschen Volumensegments an: die Klasse der Kompakt- und Mittelklasse-SUVs. Zum Start rollen gleich vier Modelle in die Showrooms, die mit aggressiver Preisgestaltung, moderner Hybrid-Technologie und einem umfassenden Garantiepaket etablierte Bestseller wie den VW Tiguan, Kia Sportage und VW T-Roc unter Druck setzen sollen. Den Anfang macht der Omoda 5, ein 4,40 Meter langes Kompakt-SUV, das als 1.6-Liter-Turbobenziner bereits ab circa 27.900 Euro angeboten wird und als reine Elektroversion mit einer 61 kWh LFP-Batterie antritt. Ihm zur Seite steht der größere Omoda 7, ein Plug-in-Hybrid-SUV der Mittelklasse mit einer beachtlichen rein elektrischen WLTP-Reichweite von bis zu 95 Kilometern.

Parallel dazu positioniert Chery die Marke Jaecoo mit einem robusteren, auf Offroad-Ästhetik getrimmten Anspruch. Der Jaecoo 7, ein 4,50 Meter langer Konkurrent für den Kia Sportage, startet als sogenannter „Super Hybrid“ mit Allradantrieb zu Preisen ab voraussichtlich 32.500 Euro. Das vorläufige Flaggschiff der Offensive ist der Jaecoo 8, ein stattliches, 4,80 Meter langes Siebensitzer-SUV, dessen Plug-in-Hybrid-System eine beeindruckende Systemleistung von 428 PS (315 kW) mobilisiert. Um die in Deutschland traditionell hohe Skepsis gegenüber neuen Marken aus China zu überwinden, verzichtet Chery bewusst auf einen reinen Online-Direktvertrieb. Stattdessen baut der Konzern auf ein bundesweites Netz von zunächst 120 etablierten Mehrmarkenhändlern und flankiert die Markteinführung mit einem massiven Vertrauensversprechen: eine volle Werksgarantie über 7 Jahre oder 150.000 Kilometer. Diese strategische Kombination aus Produkt, Preis und Vertriebsstruktur markiert den bisher wohl ambitioniertesten Angriff eines chinesischen Herstellers auf den deutschen Automobilmarkt.

Omoda 5: Preis-Leistungs-Angriff auf T-Roc und Kona

Der Omoda 5 ist der designierte Volumenbringer und Speerspitze der Chery-Offensive. Mit einer Länge von 4,40 Metern zielt er exakt auf das Segment des VW T-Roc, Skoda Karoq und Hyundai Kona. Das Design, vom Hersteller als „Art in Motion“ beschrieben, ist mit seinem rahmenlosen „Diamant“-Kühlergrill, den schmalen LED-Tagfahrlichtern und der coupéhaften Dachlinie betont progressiv und soll eine junge, designorientierte Käuferschicht ansprechen. Die technische Basis bildet eine moderne Plattform, die von Beginn an für verschiedene Antriebsarten konzipiert wurde. (Lesen Sie dazu auch unseren ausführlichen Beitrag zum VW Tiguan gegen Hyundai Tucson).

Benziner und EV-Variante zum Kampfpreis

Zum Marktstart im Spätsommer 2026 wird der Omoda 5 zunächst mit einem 1.6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner verfügbar sein. Der Motor leistet 185 PS (136 kW) und wird mit einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert. Mit einem Einstiegspreis von circa 27.900 Euro unterbietet er preislich vergleichbar motorisierte und ausgestattete Konkurrenten teils deutlich. Kurz darauf folgt die rein elektrische Variante, der Omoda 5 EV. Dieser setzt auf eine 61 kWh große LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat), die für ihre Langlebigkeit und Sicherheit bekannt ist. Die prognostizierte WLTP-Reichweite liegt bei rund 450 Kilometern. An einer DC-Schnellladesäule soll der Akku in etwa 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden können. Der Preis für das E-Modell dürfte sich im Korridor von 38.000 bis 40.000 Euro bewegen und wäre damit ebenfalls höchst konkurrenzfähig. (Lesen Sie dazu auch unseren ausführlichen Beitrag zum Neuer Kompakt-König? Kia EV3 im Härtetest gegen VW ID.3 und Cupra Born).

Modernes Cockpit mit Snapdragon-Power

Im Innenraum empfängt der Omoda 5 seine Passagiere mit einem aufgeräumten und digital geprägten Cockpit. Dominierendes Element ist eine gebogene Display-Einheit, die zwei 12,3-Zoll-Bildschirme für die Instrumente und das Infotainment vereint. Für eine flüssige Bedienung und schnelle Reaktionszeiten soll ein leistungsstarker Qualcomm Snapdragon Prozessor sorgen. Die Serienausstattung verspricht bereits in der Basisversion umfangreich zu sein und dürfte Posten wie eine Klimaautomatik, diverse Assistenzsysteme und eine vollständige Smartphone-Integration via Apple CarPlay und Android Auto umfassen. Die Materialanmutung und Verarbeitungsqualität werden entscheidend dafür sein, ob der Omoda 5 über den Preis hinaus überzeugen kann. (Lesen Sie dazu auch unseren ausführlichen Beitrag zum Dongfeng startet in Deutschland).

Omoda 7: Der Plug-in-Hybrid für die Tiguan-Klasse

Eine Klasse höher positioniert Chery den Omoda 7. Das Mittelklasse-SUV streckt sich auf rund 4,62 Meter und tritt damit in direkte Konkurrenz zum neuen VW Tiguan III und dem Hyundai Tucson. Während der Omoda 5 auf Preis-Leistung im Kompaktsegment zielt, soll der Omoda 7 mit anspruchsvoller Technik und hoher Effizienz im hart umkämpften Segment der Plug-in-Hybride punkten. Das Design wirkt gestreckter und eleganter als beim kleineren Schwestermodell, behält aber die progressive Linienführung der Marke bei.

Bis zu 95 km elektrische Reichweite dank DHT-Getriebe

Das technische Herzstück des Omoda 7 ist sein Plug-in-Hybrid-Antriebsstrang. Er kombiniert einen sparsamen 1.5-Liter-Turbobenziner mit einem oder mehreren Elektromotoren. Gekoppelt ist das System an ein sogenanntes DHT (Dedicated Hybrid Transmission). Anders als bei vielen Konkurrenten, die auf modifizierte Doppelkupplungs- oder Automatikgetriebe setzen, handelt es sich beim DHT um eine speziell für den Hybrid-Einsatz entwickelte Einheit. Sie integriert die E-Motoren und kann je nach Fahrsituation rein elektrisch, seriell-hybridisch (Verbrenner lädt Akku) oder parallel-hybridisch (beide Motoren treiben an) agieren. Das Resultat soll ein besonders effizienter und direkt Betrieb sein. Die Batteriekapazität ist noch nicht final bestätigt, doch die anvisierte rein elektrische Reichweite von bis zu 95 Kilometern nach WLTP-Norm ist eine klare Ansage und übertrifft viele aktuelle Angebote im Segment.

Jaecoo 7: Robuster Auftritt mit Allrad und Hybrid-Kompetenz

Mit der Marke Jaecoo bedient Chery eine andere Nische. Der Name, eine Wortschöpfung aus „Jäger“ und „cool“, soll einen aktiven, abenteuerlustigen Lebensstil suggerieren. Der Jaecoo 7 ist mit 4,50 Metern Länge ein direkter Rivale für den Kia Sportage oder Nissan Qashqai, differenziert sich aber durch ein betont kantiges und robustes Design. Große, senkrechte Streben im Kühlergrill, eine hohe Gürtellinie und eckige Radhäuser verleihen ihm einen Hauch von Land Rover. Diese Designsprache soll Kunden ansprechen, denen die meisten Kompakt-SUVs zu rundgelutscht und austauschbar erscheinen.

Super Hybrid DHT und intelligenter Allradantrieb

Auch der Jaecoo 7 setzt auf einen Plug-in-Hybrid-Antrieb, der hier als „Super Hybrid“ vermarktet wird und ebenfalls auf der DHT-Technologie basiert. Zum Start in Deutschland wird er standardmäßig mit einem intelligenten Allradantrieb kombiniert. Das System, vom Hersteller ARDIS (All Road Drive Intelligent System) genannt, bietet verschiedene Fahrmodi für unterschiedliche Untergründe wie Sand, Schlamm oder Schnee und soll die Offroad-Optik mit tatsächlicher Traktionskompetenz untermauern. Der angepeilte Einstiegspreis von rund 32.500 Euro für ein Allrad-Hybrid-SUV dieser Größe ist äußerst wettbewerbsfähig und dürfte für Aufsehen sorgen.

MerkmalJaecoo 7 PHEV AWDVW Tiguan eHybrid (2026)Kia Sportage PHEV AWD
Einstiegspreis (ca.)32.500 €48.500 €46.290 €
Systemleistung (PS / kW)ca. 347 PS / 255 kW272 PS / 200 kW265 PS / 195 kW
Batteriekapazität (netto)ca. 18,3 kWh19,7 kWh13,8 kWh
Elektrische Reichweite (WLTP)ca. 88 kmca. 120 kmca. 70 km
Ladeleistung (AC / DC)k.A. / k.A.11 kW / 50 kW7,2 kW / –
AntriebsartAllradFrontantriebAllrad
Kofferraumvolumen (Liter)ca. 412 l490 l540 l
Garantie7 Jahre / 150.000 km2 Jahre / ohne km-Begrenzung7 Jahre / 150.000 km
Direkter Konkurrenzvergleich des neuen Jaecoo 7 mit den etablierten Plug-in-Hybrid-SUVs VW Tiguan und Kia Sportage im Modelljahr 2026.

Jaecoo 8: Das 428-PS-Flaggschiff als 7-Sitzer

Das vorläufige Topmodell des Deutschland-Portfolios ist der Jaecoo 8. Mit einer Außenlänge von 4,82 Metern und der Option auf eine dritte Sitzreihe positioniert er sich als geräumiges Familien- und Reise-SUV im Stil eines Kia Sorento oder Hyundai Santa Fe. Sein Auftritt ist nochmals imposanter als der des Jaecoo 7, mit einem massiven Kühlergrill und einer stattlichen Präsenz. Chery zielt hier klar auf Kunden, die maximale Leistung, Platz und Ausstattung für ihr Geld suchen.

Performance-Hybrid mit über 600 Nm Systemdrehmoment

Unter der Haube des Jaecoo 8 arbeitet die stärkste Ausbaustufe des Plug-in-Hybrid-Systems. Ein 1.5-Liter-Turbobenziner wird hier mit zwei Elektromotoren (einer pro Achse, für den Allradantrieb) zu einer Systemleistung von beeindruckenden 428 PS (315 kW) und einem Systemdrehmoment von über 600 Nm kombiniert. Damit stößt der Jaecoo 8 in Leistungsregionen vor, die sonst nur von Premium-Marken besetzt werden. Die Fahrleistungen dürften entsprechend souverän ausfallen, mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in deutlich unter sechs Sekunden. Trotz der hohen Leistung soll dank einer ausreichend dimensionierten Batterie auch hier eine praxistaugliche elektrische Reichweite möglich sein.

Vertriebsstrategie: Warum Chery auf Händler statt reinen Online-Verkauf setzt

Eine der strategisch wichtigsten Entscheidungen für den Erfolg in Deutschland ist Cherys Vertriebs- und Servicestrategie. Im Gegensatz zu Tesla oder Polestar, die mit einem reinen Online-Vertrieb und wenigen eigenen „Stores“ starteten, setzt Chery auf das klassische Händlermodell. Bis Ende 2026 soll ein Netz aus 120 Partnerbetrieben in ganz Deutschland etabliert sein. Dabei handelt es sich um erfahrene Mehrmarkenhändler, die bereits über eine bestehende Infrastruktur für Verkauf und vor allem Service verfügen. Dieser Ansatz soll von Anfang an Vertrauen schaffen. Deutsche Kunden legen traditionell Wert auf einen persönlichen Ansprechpartner, die Möglichkeit zur Probefahrt und eine Werkstatt in erreichbarer Nähe. Ein reiner Online-Verkauf hätte hier hohe Hürden bedeutet.

7 Jahre Garantie als zentrales Vertrauensversprechen

Um die letzten Zweifel an der Qualität und Langlebigkeit der Fahrzeuge auszuräumen, flankiert Chery den Markteintritt mit einem in Deutschland nur von wenigen Marken gebotenen Garantieversprechen. Wie Kia gewährt Chery für alle Omoda- und Jaecoo-Modelle eine volle Herstellergarantie über 7 Jahre oder eine Laufleistung von 150.000 Kilometern. Dies ist ein klares Signal an den Markt und ein starkes Argument gegen die typische Skepsis. Es zeigt, dass der Hersteller vom eigenen Produkt überzeugt ist und bereit ist, dafür auch finanziell geradezustehen. In Kombination mit dem physischen Händlernetz entsteht so ein Service- und Sicherheitsversprechen, das viele andere Importmarken bei ihrem Start vermissen ließen.

Alex Winds Fazit: Ist Cherys Großangriff mit Omoda und Jaecoo mehr als nur ein weiteres China-Strohfeuer?

Der Markteintritt von Chery mit den Marken Omoda und Jaecoo im August 2026 ist in seiner Konzeption und Professionalität bemerkenswert. Hier versucht kein kleiner Nischenanbieter sein Glück, sondern der größte chinesische Autoexporteur startet einen generalstabsmäßig geplanten Angriff auf die profitabelsten Segmente des deutschen Marktes. Das Portfolio ist mit vier Modellen vom Start weg breit aufgestellt und deckt mit Benzinern, reinen E-Autos und vor allem hochmodernen Plug-in-Hybriden die aktuell gefragtesten Antriebsarten ab. Die Fahrzeuge wirken auf den ersten Blick modern, technologisch auf der Höhe der Zeit und vor allem preislich extrem aggressiv positioniert.

Die größten Stärken der Offensive liegen in der intelligenten Kombination aus Produkt und Strategie. Die DHT-Hybridtechnologie verspricht hohe Effizienz, die Leistungs- und Reichweitendaten sind absolut konkurrenzfähig. Die Entscheidung gegen einen riskanten Online-Vertrieb und für ein klassisches Händlernetz mit 120 Standorten ist für den konservativen deutschen Markt goldrichtig. Gekrönt wird dies von der 7-Jahres-Garantie, die als entscheidend Instrument zur Vertrauensbildung dient. Chery hat seine Hausaufgaben gemacht und die Fehler analysiert, die andere chinesische Marken in Europa in der Vergangenheit begangen haben. Dieses Gesamtpaket ist eine direkte Kampfansage an die Preis-Leistungs-Champions von Hyundai und Kia sowie an die Volumenmodelle des Volkswagen-Konzerns.

Die entscheidenden Fragen bleiben jedoch in der Praxis zu klären. Wie fühlt sich die vielversprechende DHT-Technik im realen Fahrbetrieb an? Sind die Verbrauchs- und Reichweitenangaben realistisch? Funktionieren Software und Infotainment im deutschen Alltag stabil und intuitiv? Und vor allem: Wie ist die tatsächliche Material- und Verarbeitungsqualität, wenn man die Fahrzeuge abseits des Messestands im Detail inspiziert? Auch die Entwicklung der Restwerte wird für viele Käufer ein entscheidender Faktor sein. Die größte Hürde bleibt, die Marken Omoda und Jaecoo aus dem Nichts im Bewusstsein der Käufer zu verankern und sie davon zu überzeugen, ihr Geld für ein unbekanntes Logo auszugeben.

Für wen ist das Angebot also geeignet? Ganz klar für preissensible und pragmatische Autokäufer, die maximale Ausstattung, moderne Technik und ein umfassendes Garantieversprechen für ihr Geld wollen und bereit sind, dafür auf ein etabliertes Markenimage zu verzichten. Wer offen für Neues ist und den Wert eines Autos primär an seinen Fakten misst, findet hier potenziell hochinteressante Alternativen. Wer hingegen auf bewährte Technik, ein über Jahrzehnte gewachsenes Servicenetz und vor allem auf einen möglichst stabilen Wiederverkaufswert setzt, sollte die Entwicklung zunächst noch ein bis zwei Jahre beobachten. Fest steht aber: Der Angriff von Chery ist der bisher ernsthafteste Versuch, den europäischen Massenmarkt aufzurollen. Wenn die Produkte im harten Testalltag halten, was sie auf dem Papier versprechen, werden sich die etablierten Hersteller in Wolfsburg, Rüsselsheim und Seoul ab 2027 sehr warm anziehen müssen.


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