VW ID. Tiguan (2027): Echte Tasten zurück, aber 800-Volt-Technik fehlt

VW ID. Tiguan 2027: Echte Tasten, aber kein 800-Volt-Laden
Foto: VW AG

Volkswagen strukturiert seine elektrische Mittelklasse neu: Anfang 2027 ersetzt der VW ID. Tiguan die bisherigen Modelle ID.4 und ID.5. Die Neuvorstellung soll mit einem grundlegend überarbeiteten Cockpit, mehr Nutzwert und einer günstigeren LFP-Einstiegsbatterie punkten.

Doch während Bedienung und Materialien die Kritik am Vorgänger adressieren, stagniert die DC-Ladeleistung. Für Autokäufer entscheidet sich daran, ob das Warten auf 2027 lohnt oder Konkurrenten die bessere Wahl bleiben.

Warum VW den ID.4 beerdigt und auf das Tiguan-Erbe setzt

Mit dem ID. Tiguan führt Volkswagen die Strategie fort, bekannte Modellnamen in die Elektromobilität zu überführen. Das Fahrzeug tritt als direkter Nachfolger an, um die Rolle des ID.4 und des SUV-Coupés ID.5 zu übernehmen. Laut Hersteller soll der etablierte Name Kunden Orientierung bieten. Technisch handelt es sich jedoch nicht um eine komplette Neuentwicklung, sondern um eine tiefgreifende Überarbeitung des ID.4 auf Basis der weiterentwickelten MEB+-Plattform.

VW ID. Tiguan - Bild 1
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Die Abmessungen des neuen Modells wurden präzisiert: Der ID. Tiguan ist 4.618 mm lang, 1.855 mm breit und 1.619 mm hoch, bei einem Radstand von 2.765 mm.

Der Zeitplan für die Markteinführung in Deutschland ist konkret: Der Vorverkauf startet am 13. Oktober 2026, die Auslieferungen an Kunden sollen Anfang 2027 beginnen. Alle bisher von Volkswagen kommunizierten technischen Daten werden explizit als „vorläufig“ bezeichnet, da sie auf Vorserienmodellen basieren.

Analyse: Die zentralen Verbesserungen gegenüber dem ID.4

Volkswagen hat offensichtlich auf die wiederholte Kritik am ID.4 reagiert und die Weiterentwicklung auf zwei Kernbereiche konzentriert: die Bedienlogik im Innenraum und den praktischen Alltagsnutzen.

Bedienung und Innenraum: VW reagiert auf die Kritik

Der wohl größte Fortschritt findet im Cockpit statt. Das oft als nüchtern und wenig intuitiv kritisierte Ambiente des ID.4 weicht einem spürbar hochwertigeren und bedienfreundlicheren Konzept. Die umstrittenen Touch-Slider am Lenkrad werden durch physische, griffige Tasten ersetzt. Auch die Klimaanlage erhält eine separate, permanent sichtbare Tastenleiste für den Direktzugriff auf wesentliche Funktionen. Erste Testberichte, wie vom ADAC, der ein Vorserienmodell fahren konnte, beschreiben den neuen Innenraum als „schick, modern und hochwertig“ und heben die deutlich verbesserte Materialanmutung hervor.

VW ID. Tiguan - Bild 3
Foto: VW AG

Mehr Nutzwert im Alltag: Frunk und höhere Anhängelast

Praktische Nachteile des Vorgängers wurden ebenfalls adressiert. Der ID. Tiguan verfügt nun über einen vorderen Kofferraum, einen sogenannten „Frunk“. Mit 32 Litern Volumen ist er zwar klein, bietet aber ausreichend Platz, um beispielsweise das Ladekabel separat vom Hauptgepäck zu verstauen. Der hintere Kofferraum fasst bis zu 534 Liter.

Die Anhängelast macht den ID. Tiguan für Gespannfahrer interessanter. Bereits die Basisversion mit der kleineren Batterie darf bis zu 1.800 kg ziehen. Die Varianten mit dem größeren Akku sind sogar für eine maximale Anhängelast von 2.000 kg freigegeben.

Antrieb und Batterie: Die neue Strategie mit LFP- und NMC-Zellen

Zum Marktstart wird der ID. Tiguan in drei Leistungs- und Batterievarianten angeboten. Die Einstiegsversion nutzt eine LFP-Batterie, während die stärkeren Modelle weiterhin auf die bekannte NMC-Zellchemie (Nickel-Mangan-Cobalt) setzen.

Merkmal
Basis (LFP)
Heckantrieb (NMC)
Allrad (NMC)
Motorleistung
140 kW (ca. 190 PS)
210 kW (ca. 286 PS)
220 kW (ca. 299 PS)
Antrieb
Heckantrieb
Heckantrieb
Allradantrieb
Akku (nutzbar)
58 kWh, LFP
77 kWh, NMC
77 kWh, NMC
Reichweite (WLTP, vorläufig)
bis zu 450 km
bis zu 600 km
bis zu 560 km
DC-Ladeleistung (max.)
105 kW
165 kW
165 kW
Anhängelast (max.)
1.800 kg
2.000 kg
2.000 kg

Die neue LFP-Batterie: Günstiger Einstieg mit Kompromissen

Die Einführung der 58-kWh-LFP-Batterie im Basismodell ist Teil einer größeren Strategie von Volkswagen. Über seine Batterietochter PowerCo plant der Konzern Joint Ventures mit dem chinesischen Spezialisten Gotion High-Tech, um LFP-Zellen künftig direkt in Europa zu produzieren. Die finalen Verträge dafür stehen laut Berichten allerdings noch aus. LFP-Zellen haben den Vorteil, dass sie ohne die teuren und kritischen Rohstoffe Kobalt und Nickel auskommen, was sie in der Herstellung günstiger macht. Sie gelten zudem als sehr langlebig und thermisch robust. Die Nachteile liegen in einer geringeren Energiedichte – was bei gleicher Kapazität mehr Gewicht oder Bauraum bedeutet – und einem potenziellen Leistungsabfall bei sehr kalten Temperaturen. Wie stark sich dies in der Praxis auswirkt, müssen unabhängige Tests des Serienmodells zeigen.

VW ID. Tiguan - Bild 5
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Stagnation bei der Ladeleistung: Kein Sprung auf 800 Volt

Ein kritischer Punkt, der potenzielle Käufer enttäuschen dürfte, ist die Ladeleistung. Mit maximal 105 kW für das LFP-Modell und 165 kW für die NMC-Varianten bewegt sich der ID. Tiguan auf dem Niveau seines Vorgängers. Einen Technologiesprung auf eine 800-Volt-Architektur, wie sie Konkurrenten wie Hyundai, Kia oder Porsche bereits seit Jahren anbieten und die deutlich schnellere Ladevorgänge ermöglicht, vollzieht VW bei seinem neuen Volumenmodell nicht. Der ADAC urteilt in seiner Analyse, dies sei „leider keine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger ID.4“.

Kaufberatung: Für wen lohnt sich das Warten auf den ID. Tiguan?

Die Entscheidung, auf den ID. Tiguan zu warten oder jetzt ein anderes Fahrzeug zu kaufen, hängt stark von den persönlichen Prioritäten ab.

Das Warten auf den ID. Tiguan lohnt sich vor allem, wenn:

  • Sie sich am bisherigen Bedienkonzept mit Touch-Slidern und der Materialanmutung im VW ID.4 oder ID.3 massiv stören. Die Verbesserungen im Innenraum sind der größte und spürbarste Fortschritt des neuen Modells.
  • Sie auf praktische Details wie einen Frunk für das Ladekabel oder eine Anhängelast von bis zu 2.000 kg Wert legen.
  • Sie auf einen potenziell günstigeren Einstiegspreis durch das neue LFP-Basismodell hoffen und Ihr Fahrprofil (bis zu 450 km Reichweite) dazu passt.

Sie sollten sich hingegen jetzt nach Alternativen umsehen, wenn:

  • Maximale Ladegeschwindigkeit für Sie auf der Langstrecke entscheidend ist. Der Verzicht auf die 800-Volt-Technik ist der größte Nachteil des ID. Tiguan gegenüber vielen modernen Konkurrenten.
  • Sie kurzfristig ein neues Fahrzeug benötigen. Die Markteinführung erfolgt erst Anfang 2027.
  • Sie Planungssicherheit beim Preis benötigen. Attraktive Angebote für den auslaufenden ID.4 oder bereits verfügbare Wettbewerber könnten eine sichere Kalkulationsgrundlage bieten.
VW ID. Tiguan - Bild 7
Foto: VW AG

Offene Fragen: Was wir vor dem Marktstart noch nicht wissen

Trotz der Vorstellung des seriennahen Modells bleiben bis zum Verkaufsstart wichtige Fragen unbeantwortet, die für eine endgültige Kaufentscheidung relevant sind:

  • Preise: Volkswagen hat noch keine Preise für die verschiedenen Varianten des ID. Tiguan für den deutschen Markt genannt.
  • Finale Spezifikationen: Alle technischen Daten sind vorläufig. Geringfügige Änderungen bei Reichweite, Verbrauch oder Fahrleistungen bis zum Serienstart sind möglich.
  • Performance der LFP-Batterie: Es liegen keine unabhängigen Testdaten zum realen Ladeverhalten und zur Leistung der neuen LFP-Zellen im Winter vor.
  • Zukunft der Coupé-Variante: Da der ID. Tiguan auch den ID.5 ersetzt, ist unklar, ob Volkswagen eine zweite Karosserievariante im Stil eines SUV-Coupés plant, um diese Nische weiterhin zu bedienen.
  • Ausstattungsdetails: Zwar wurden die Namen der Ausstattungslinien (Trend, Life, Style, R-Line) für Deutschland genannt, deren genaue Inhalte und die verfügbaren Sonderausstattungen sind aber noch nicht bekannt.

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