Elektrische Krawallzwerge: Der neue Alpine A290 fordert Mini Cooper SE und Abarth 500e heraus

Die Luft im Segment der elektrischen Kompaktsportler knistert. Lange war es eine Domäne, die von wenigen, aber charakterstarken Akteuren besetzt wurde. Doch das ändert sich jetzt, im Jahr 2026, mit einem Paukenschlag aus Frankreich. Alpine, die legendäre Sportwagenschmiede aus Dieppe, steigt mit dem A290 in den Ring und fordert die etablierten Platzhirsche heraus. Auf der einen Seite steht der britische Charmeur mit deutschen Genen, der Mini Cooper SE, der das Premium-Gokart-Gefühl in die elektrische Ära transportiert. Auf der anderen Seite der italienische Stachel, der Abarth 500e, der mit künstlichem, aber emotionalem Sound die Herzen der Tifosi erobern will. Der A290 positioniert sich als der puristische Athlet, der die reine Lehre des Fahrens zelebriert. Es ist das Duell dreier grundverschiedener Philosophien, verpackt in Karosserien, die kaum mehr als vier Meter messen.

Wir bei hh-autos.com haben die drei Kontrahenten nicht nur auf dem Papier verglichen, sondern sie über kurvige Landstraßen, durch enge Stadtgassen und an die Ladesäule gezwungen, um eine fundamentale Frage zu klären: Welcher dieser elektrischen Krawallzwerge liefert die überzeugendste Synthese aus Performance, Alltagstauglichkeit und, am allerwichtigsten, Fahrspaß pro Kilowattstunde? Ist der Alpine A290 der lang ersehnte legitime Erbe der glorreichen GTI-Ära, nur eben mit Stecker? Kann der Mini Cooper SE seine Position als der schicke Alleskönner verteidigen, oder ist er zu sehr Lifestyle und zu wenig Sport? Und ist der Abarth 500e mehr als nur ein lauter Showman für die Innenstadt? Schnallen Sie sich an, es wird eine elektrisierende Auseinandersetzung.

Die Kontrahenten im Detail: Drei Charaktere, ein Ziel

Bevor wir in die Tiefen der Fahrdynamik und Ladekurven eintauchen, stellen wir die Protagonisten dieses Dramas einzeln vor. Jeder von ihnen bringt eine eigene Geschichte, eine eigene technische Basis und ein ganz eigenes Versprechen mit an den Start.

Alpine A290: Die Wiedergeburt der Sportlichkeit?

Der Alpine A290 ist mehr als nur ein Derivat des Renault 5 E-Tech. Er ist ein Statement. Die Ingenieure in Dieppe haben sich die bereits vielversprechende Ampere-Small-Plattform (ehemals CMF-B EV) vorgenommen und sie konsequent auf Sport getrimmt. Das Ergebnis ist ein Auto, das schon im Stand Aggressivität und Dynamik ausstrahlt. Die Spur wurde um satte 60 Millimeter verbreitert, was dem A290 zusammen mit den ausgestellten Kotflügeln und den markanten 19-Zoll-Felgen einen überaus bulligen Auftritt verleiht. Das X-förmige Leuchtendesign an der Front ist eine Hommage an die Rallye-Historie der Marke und lässt keinen Zweifel an den Ambitionen des kleinen Franzosen.

Unter der Haube arbeitet in der von uns getesteten Topversion GT Performance ein Elektromotor, der 160 kW (220 PS) und ein maximales Drehmoment von 300 Nm an die Vorderräder schickt. Gespeist wird er von einer 52-kWh-Batterie, die eine WLTP-Reichweite von rund 380 Kilometern ermöglichen soll. Doch die reinen Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Alpine hat massiv in das Fahrwerk investiert: Eine aufwendige Mehrlenker-Hinterachse, hydraulische Anschläge für die Stoßdämpfer, eine spezifische Lenkungskalibrierung und ein ausgeklügeltes Torque-Vectoring-System sollen für ein Höchstmaß an Agilität und Präzision sorgen. Im Innenraum empfängt den Fahrer ein konsequent auf ihn zugeschnittenes Cockpit mit Sportsitzen, einem griffigen Lenkrad samt „OV“-Knopf (Overtake) für kurzzeitigen Leistungsboost und einer klaren Trennung zwischen Fahrer- und Beifahrerbereich. Hier geht es nicht um Infotainment-Spielereien, hier geht es ums Fahren.

Mini Cooper SE: Das Premium-Gokart unter Strom

Der Mini Cooper SE, seit 2024 in seiner neuesten Generation auf dem Markt, ist eine Kooperation von BMW und dem chinesischen Hersteller Great Wall. Diese neue Plattform hat dem Mini gutgetan. Er wirkt erwachsener, ohne sein ikonisches Design und das vielzitierte Gokart-Feeling zu verraten. Im direkten Vergleich zum Alpine gibt er den eleganten Athleten. Die Überhänge sind kurz, die Linien klar, und die Verarbeitungsqualität im Exterieur wie im Interieur setzt den Maßstab in dieser Klasse. Unser Testwagen in der SE-Ausführung tritt mit 160 kW (218 PS) und einem kräftigen Drehmoment von 330 Nm an. Damit ist er auf dem Papier dem Alpine ebenbürtig, was die Leistung angeht.

Das Herzstück des neuen Mini ist jedoch sein Innenraum. Das riesige, runde OLED-Display in der Mitte ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch die zentrale Steuereinheit für fast alle Funktionen. Die Bedienung ist nach einer kurzen Eingewöhnung erstaunlich intuitiv, und die Darstellung brillant. Die Materialauswahl mit Textiloberflächen und hochwertigen Kunststoffen unterstreicht den Premium-Anspruch. Mit seiner 54,2-kWh-Batterie (brutto) verspricht der Mini die größte Reichweite im Trio – über 400 Kilometer nach WLTP. Dass der Mini nicht nur ein Lifestyle-Produkt, sondern auch ein solides Automobil ist, beweist ein Blick in die Pannenstatistiken. Laut dem aktuellen TÜV-Report 2026 ist der Mini Cooper SE das zuverlässigste Elektroauto seiner Klasse, ein starkes Argument für qualitätsbewusste Käufer. Doch kann er diese Solidität auch in puren, ungefilterten Fahrspaß ummünzen?

Abarth 500e: Italienische Leidenschaft mit künstlichem Herzschlag

Der Abarth 500e ist der Exot und der Rebell in diesem Vergleich. Basierend auf dem Fiat 500e, wurde er von Abarths Ingenieuren mit dem Skorpion-Gift infiziert. Mit 114 kW (155 PS) und 235 Nm ist er der Leistungsschwächste im Bunde, aber auch der leichteste und kompakteste. Sein Auftritt ist unmissverständlich: Giftgrüne Akzente, aggressive Schürzen, ein angedeuteter Diffusor und das omnipräsente Skorpion-Logo schreien förmlich „Achtung, bissig!“. Der Abarth will kein vernünftiges Auto sein, er will ein Spielzeug für Erwachsene sein, ein Generator für Emotionen.

Sein Alleinstellungsmerkmal ist der optionale „Sound Generator“. Ein externer Lautsprecher, der das Klangbild eines potenten Abarth-Verbrennungsmotors imitiert. Das System ist technisch aufwendig und fügt dem Fahrzeuggewicht einige Kilogramm hinzu, aber es ist auch verblüffend wirkungsvoll. Für Passanten und den Fahrer erzeugt es eine akustische Kulisse, die man bei einem E-Auto für unmöglich gehalten hätte. Puristen mögen die Nase rümpfen, doch in der urbanen Manege ist der Abarth damit der unangefochtene Star. Seine Energie bezieht er aus einer vergleichsweise kleinen 42-kWh-Batterie, die die Reichweite auf unter 300 WLTP-Kilometer begrenzt. Der Fokus liegt hier klar auf dem kurzen, heftigen Sprint, nicht auf der Langstrecke. Der Abarth ist ein Statement für Individualisten, die Performance nicht in Kilowatt, sondern in Dezibel und Pulsfrequenz messen.

Antrieb und Performance: Kilowatt ist nicht alles

Die Leistungsdaten mögen eine erste Orientierung geben, doch die Wahrheit liegt auf der Straße. Wie setzen die drei Kontrahenten ihre elektrische Kraft in Vortrieb und, noch wichtiger, in fahrdynamische Freude um?

Motor, Leistung und Drehmoment im Direktvergleich

Auf dem Papier liefern sich Alpine A290 und Mini Cooper SE ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Alpine mit 160 kW / 220 PS und 300 Nm, der Mini mit 160 kW / 218 PS und 330 Nm. Der Abarth 500e folgt mit 114 kW / 155 PS und 235 Nm mit respektvollem Abstand. Beim Sprint von 0 auf 100 km/h spiegelt sich das wider: Der Alpine erledigt die Übung in beeindruckenden 6,4 Sekunden. Der Mini ist mit 6,7 Sekunden nur einen Wimpernschlag langsamer, was auf sein etwas höheres Leergewicht von rund 1.600 kg im Vergleich zu den ca. 1.480 kg des Alpine zurückzuführen ist. Der Abarth benötigt für dieselbe Disziplin exakt 7,0 Sekunden – ein Wert, der angesichts seiner geringeren Leistung bemerkenswert ist und von seinem niedrigen Gewicht (ca. 1.410 kg) und der aggressiven Kraftentfaltung profitiert.

Viel entscheidender als der Sprint aus dem Stand ist jedoch die Art der Leistungsabgabe. Der Alpine reagiert bissig, fast schon nervös auf jeden Befehl des Fahrpedals. Im Sport-Modus und erst recht mit gedrücktem Overtake-Knopf am Lenkrad schießt der Franzose nach vorne, als gäbe es kein Morgen. Die Kraftentfaltung ist linear, aber vehement. Der Mini gibt sich kultivierter. Sein Antritt ist ebenso kräftig, aber sanfter moduliert. Er schüttelt die Leistung souveräner aus dem Ärmel, weniger aufgeregt, aber nicht minder effektiv. Der Abarth wiederum fühlt sich in der Stadt bis 60 km/h am schnellsten an. Sein Antritt ist explosiv, die Reaktion auf das Pedal unmittelbar. Oberhalb von 100 km/h geht ihm im Vergleich zu den beiden stärkeren Konkurrenten aber merklich die Puste aus. Seine Höchstgeschwindigkeit ist bei 155 km/h abgeregelt, während Alpine und Mini bis 170 km/h bzw. 175 km/h stürmen dürfen.

Fahrdynamik: Wer lenkt am schärfsten ein?

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Und hier spielt der Alpine A290 seinen größten Trumpf aus. Seine Lenkung ist schlichtweg eine Offenbarung. Sie ist extrem direkt, präzise und liefert eine für ein Elektroauto außergewöhnliche Rückmeldung von der Straße. Man spürt förmlich, wie sich die speziell entwickelten Michelin Pilot Sport 5 Reifen in den Asphalt krallen. In Kombination mit der breiten Spur und der aufwendigen Mehrlenker-Hinterachse ergibt sich eine Kurvenagilität, die süchtig macht. Das Torque Vectoring mittels Bremseingriff funktioniert exzellent und zieht die Nase des Wagens förmlich in die Kurve hinein. Lastwechselreaktionen sind provozierbar und kontrollierbar – der A290 tanzt, er lebt. Der Preis dafür ist ein sehr straffes Fahrwerk. Selbst im Normalmodus werden kurze Stöße trocken durchgereicht. Dies ist kein Auto für Komfortfanatiker.

Der Mini Cooper SE schlägt einen anderen Weg ein. Seine Lenkung ist ebenfalls direkt, aber synthetischer und mit weniger Rückmeldung als im Alpine. Das Gokart-Feeling ist dennoch präsent. Der Mini liegt satt auf der Straße, wieselt flink durch Wechselkurven und bleibt dabei stets gutmütig und einfach zu beherrschen. Sein Fahrwerk ist der beste Kompromiss im Testfeld. Es ist straff genug für eine sportliche Gangart, bietet aber spürbar mehr Restkomfort als der Alpine. Auf schlechten Straßen ist der Brite der angenehmere Begleiter. Man merkt ihm seine höhere Masse und den Fokus auf eine breitere Zielgruppe an. Er ist der schnelle, kompetente Allrounder, während der Alpine der kompromisslose Spezialist ist.

Und der Abarth? Er ist der Hooligan. Sein kurzer Radstand und das geringe Gewicht machen ihn extrem wendig. In engen Kehren fühlt er sich am wohlsten. Die Lenkung ist spitz und direkt, das Fahrwerk bretthart. Der Abarth springt und tänzelt über Unebenheiten, was Teil seines unterhaltsamen Charakters ist. Bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn wird er jedoch schnell nervös und unruhig. Seine Domäne ist die kurvige Landstraße zweiter Ordnung und die Innenstadt, wo er seine Kompaktheit voll ausspielen kann. Er bietet den unmittelbarsten, ungefiltertsten Fahrspaß, solange das Tempo nicht zu hoch wird. Er ist weniger präzise als der Alpine und weniger souverän als der Mini, aber vielleicht derjenige, der einem am häufigsten ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Akku, Reichweite und Ladeleistung: Die ungeschönte Wahrheit

Fahrspaß ist das eine, doch im elektrischen Alltag zählen auch Reichweite und Ladegeschwindigkeit. Gerade bei sportlicher Fahrweise kann der Energievorrat schnell zur Neige gehen. Wer hat hier die Nase vorn?

Batteriekapazität und Realreichweite im Alltag

Der Mini Cooper SE bietet mit seiner 54,2 kWh Brutto-Batterie, von der rund 50 kWh netto nutzbar sind, das größte Reservoir. Offiziell sind 402 km nach WLTP drin. In unserem Test bei gemischter Fahrweise und Temperaturen um 15 Grad Celsius kamen wir auf einen realistischen Wert von rund 320 Kilometern. Bei reinem Stadtverkehr sind auch 350 Kilometer möglich, bei forcierter Gangart auf der Autobahn schmilzt die Reichweite aber schnell auf unter 250 Kilometer. Der Durchschnittsverbrauch pendelte sich bei 17,8 kWh/100 km ein.

Der Alpine A290 verfügt über einen 52 kWh Akku (netto). Die WLTP-Angabe von 380 Kilometern ist ambitioniert. Wir ermittelten eine Praxis-Reichweite von etwa 300 Kilometern. Dank seines etwas geringeren Gewichts und einer effizienten Antriebssteuerung lag unser Testverbrauch bei 17,1 kWh/100 km, trotz der sportlichen Auslegung. Wer das Potenzial des Alpine jedoch häufig abruft, muss mit Verbräuchen jenseits der 22 kWh/100 km und Reichweiten von kaum mehr als 220 Kilometern rechnen.

Der Abarth 500e ist mit seinem 42 kWh Akku (ca. 37,3 kWh netto) klar im Nachteil. Die WLTP-Reichweite von 265 Kilometern ist bereits bescheiden. Im realen Testbetrieb waren es selten mehr als 210 Kilometer. Sein geringerer Verbrauch von durchschnittlich 16,4 kWh/100 km kann die kleine Batterie nicht kompensieren. Der Abarth ist und bleibt ein Fahrzeug für die Kurz- und Mittelstrecke. Längere Reisen werden zur Lade-Odyssee.

Ladekurve und Langstreckentauglichkeit

Alle drei Kandidaten setzen auf eine 400-Volt-Architektur, was in dieser Fahrzeug- und Preisklasse der Standard ist. Aufwendige 800-Volt-Systeme, wie sie für große und teure Reiselimousinen oder SUVs wie den angekündigten Lucid Cosmos für ultraschnelles Laden unabdingbar sind, finden hier keine Anwendung. An der DC-Schnellladesäule zeigt der Alpine A290 eine solide Leistung. Er lädt mit bis zu 100 kW in der Spitze. Der wichtige Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent war in unserem Test in exakt 31 Minuten erledigt. Ein guter Wert, der auch mal eine längere Etappe ermöglicht.

Der Mini Cooper SE liegt hier leicht zurück. Seine maximale Ladeleistung beträgt 95 kW. Für den Hub von 10 auf 80 Prozent benötigte er trotz der etwas größeren Batterie 33 Minuten. Die Ladekurve fällt nach Erreichen von 60 Prozent SoC (State of Charge) etwas stärker ab als beim Alpine. Der Abarth 500e kann trotz der kleinsten Batterie mit einer maximalen Ladeleistung von 85 kW punkten. Da weniger Kilowattstunden nachgeladen werden müssen, ist der Stopp am Kürzesten: Von 10 auf 80 Prozent vergehen nur rund 28 Minuten. Das relativiert seine geringe Reichweite etwas, da die Zwangspausen kürzer ausfallen. Für die AC-Ladung an der Wallbox sind alle drei mit einem 11-kW-Onboard-Lader ausgestattet, was eine vollständige Ladung über Nacht problemlos ermöglicht.

Interieur, Platz und Praktikabilität: Mehr als nur Spielzeug?

Ein Sportler muss nicht nur schnell sein, er muss sich auch gut anfühlen. Und selbst im kleinsten Segment spielt ein Mindestmaß an Alltagstauglichkeit eine Rolle.

Cockpit-Konzepte: Zwischen Reduktion und digitalem Overkill

Das Cockpit des Alpine A290 ist eine fahrerorientierte Kommandozentrale. Das kleine, abgeflachte Lenkrad liegt perfekt in der Hand. Die digitalen Instrumente sind klar ablesbar und auf das Nötigste reduziert. Der zentrale 10,1-Zoll-Touchscreen ist leicht zum Fahrer geneigt. Physische Tasten für die Klimasteuerung sind ein Segen. Die Materialqualität ist eine Mischung aus sportlichem Alcantara und Hartplastik, das man vom Renault 5 kennt. Funktional, aber nicht unbedingt premium.

Der Mini Cooper SE ist das genaue Gegenteil. Sein Innenraum ist eine Design-Lounge. Das runde 24-cm-OLED-Display dominiert alles. Es ist gestochen scharf und die Bedienlogik mit den „Mini Experience Modes“ ist verspielt und umfangreich. Die Kippschalterleiste darunter für wichtige Funktionen ist eine gelungene Reminiszenz. Die verwendeten Stoffe und Materialien fühlen sich hochwertig an und die Verarbeitungsqualität ist tadellos. Hier fühlt man sich am wohlsten, auch wenn die Konzentration auf den einen Bildschirm nicht jedermanns Sache ist.

Der Abarth 500e übernimmt das Grundlayout des Fiat 500e und spritzt ihm eine Dosis Testosteron. Alcantara am Armaturenbrett und am Lenkrad, Sportsitze mit integrierten Kopfstützen und zahlreiche Skorpion-Logos schaffen eine sportliche Atmosphäre. Die Ergonomie ist gut, die digitalen Instrumente sind übersichtlich. Im Vergleich zum Mini wirkt das Interieur aber enger und weniger luftig, die Materialgüte kann nicht ganz mithalten. Es ist ein emotionales, aber kein luxuriöses Cockpit.

Raumangebot und Kofferraum

Wunder darf man von keinem der drei erwarten. Der Alpine A290 profitiert von seiner Basis als Fünftürer. Der Zustieg in den Fond ist unkompliziert, die Beinfreiheit für Personen bis 1,80 Meter gerade noch ausreichend. Sein Kofferraum fasst beachtliche 326 Liter – der Bestwert im Test. Damit ist er der praktischste Alltagsbegleiter des Trios. Der Mini Cooper SE ist traditionell ein Dreitürer, was den Fondzugang erschwert. Hinten sitzt man deutlich beengter als im Alpine. Sein Kofferraum ist mit 210 Litern ebenfalls knapp bemessen. Er ist eher ein Zweisitzer mit Notsitzen. Wer mehr Platz braucht, muss bei der Marke bleiben, aber in eine andere Fahrzeugklasse wechseln, etwa zu den größeren Modellen, die wie die Smart-Modelle #1 und #3 auf mehr Variabilität setzen. Der Abarth 500e ist als Dreitürer ebenfalls kein Raumwunder. Sein Fond ist nur für Kinder oder als zusätzliche Ablage zu gebrauchen. Das Kofferraumvolumen ist mit 185 Litern das kleinste im Vergleich. Für den Wocheneinkauf reicht es, für den Urlaub zu zweit wird es eng.

Die große Abrechnung: Die Tabelle der Wahrheit

Merkmal
Alpine A290 GT Performance
Mini Cooper SE
Abarth 500e Turismo
Motorleistung
160 kW / 220 PS
160 kW / 218 PS
114 kW / 155 PS
Drehmoment
300 Nm
330 Nm
235 Nm
0-100 km/h
6,4 s
6,7 s
7,0 s
Höchstgeschw.
170 km/h
175 km/h
155 km/h
Akku (netto)
52,0 kWh
ca. 50,0 kWh
37,3 kWh
WLTP-Reichweite
380 km
402 km
265 km
Real-Reichweite (Test)
ca. 300 km
ca. 320 km
ca. 210 km
Real-Verbrauch (Test)
17,1 kWh/100 km
17,8 kWh/100 km
16,4 kWh/100 km
Ladeleistung (DC max.)
100 kW
95 kW
85 kW
Ladezeit 10-80% (DC)
ca. 31 min
ca. 33 min
ca. 28 min
Leergewicht (ca.)
1.480 kg
1.600 kg
1.410 kg
Kofferraumvolumen
326 Liter
210 Liter
185 Liter
Anzahl Türen
5
3
3
Basispreis (Testversion)
ca. 41.500 €
ab 36.900 € (SE)
ab 37.990 € (Turismo)
Direkter Vergleich der technischen Daten und Testwerte

Alex Winds Fazit: Herz, Hirn oder Hooligan?

Nach intensiven Tagen mit diesem ungleichen Trio steht fest: Den einen, perfekten elektrischen Krawallzwerg gibt es nicht. Stattdessen haben wir drei extrem starke, aber grundverschiedene Charaktere, die unterschiedliche Käufertypen ansprechen. Die Wahl zwischen Alpine, Mini und Abarth ist keine Frage von besser oder schlechter, sondern eine Entscheidung für Herz, Hirn oder den inneren Hooligan.

Der Alpine A290 ist der Purist. Er ist derjenige, der dem Ideal eines klassischen Hot Hatch am nächsten kommt. Seine Fahrdynamik ist über jeden Zweifel erhaben, die Lenkung eine Klasse für sich und das gesamte Fahrzeugkonzept konsequent auf den Fahrer und die Kurve ausgerichtet. Er ist der schnellste und agilste des Trios. Wer ihn kaufen sollte? Der ambitionierte Fahrer, der regelmäßig kurvige Landstraßen unter die Räder nimmt, vielleicht sogar den einen oder anderen Track Day plant und dafür Kompromisse beim Komfort und der Materialanmutung in Kauf nimmt. Er ist der legitime Nachfolger der Clio V6 und Mégane R.S. dieser Welt. Wer die Finger davon lassen sollte? Komfortorientierte Fahrer und jene, die ein primär repräsentatives oder besonders leises Auto suchen. Der A290 ist fordernd, direkt und immer präsent.

Der Mini Cooper SE ist die Vernunft-Wahl mit Premium-Anspruch. Er ist der beste Allrounder. Er kombiniert spritzige Fahrleistungen mit dem besten Innenraum, der höchsten Verarbeitungsqualität und der größten Realreichweite. Sein Fahrwerk bietet den gelungensten Spagat aus Sportlichkeit und Alltagskomfort. Er ist das erwachsenste Auto im Test. Wer ihn kaufen sollte? Design- und markenbewusste Käufer, die einen hochwertigen, agilen und alltagstauglichen Kleinwagen für den täglichen Weg zur Arbeit und die gelegentliche Spaßfahrt suchen. Er ist das Schweizer Taschenmesser unter den E-Sportlern. Wer die Finger davon lassen sollte? Hardcore-Dynamiker, denen die letzte Spitze an Rückmeldung und Aggressivität fehlt, und Käufer, für die ein Fünftürer Pflicht ist. Der Mini ist ein exzellentes Auto, aber kein kompromissloses Sportgerät.

Der Abarth 500e ist die pure Emotion. Er ist der Underdog, der Leistungsschwächste, der mit der geringsten Reichweite – und doch stiehlt er oft die Show. Sein Sound Generator ist ein Geniestreich für alle, die dem Verbrenner-Klang nachtrauern. Seine Kompaktheit und sein explosives Antrittsverhalten machen ihn zur ungeschlagenen Waffe im Stadtverkehr. Er ist ein Auto, das man nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen kauft. Wer ihn kaufen sollte? Extrovertierte Stadtbewohner, Zweitwagen-Besitzer und alle, für die Autofahren ein emotionales Erlebnis sein muss. Er ist der Espresso unter den E-Autos: klein, stark und belebend. Wer die Finger davon lassen sollte? Langstreckenfahrer, Familien und jeder, der auch nur einen Funken Pragmatismus in seiner Kaufentscheidung zulässt. Der Abarth ist unvernünftig, unpraktisch und genau deshalb für eine kleine, aber feine Zielgruppe absolut unwiderstehlich.

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