BMW i4 (2026): Das letzte große Hurra vor der Revolution

Es ist eine komische Situation. Jeder bei BMW spricht nur noch über die “Neue Klasse”. Über 800 Volt, über Head-up-Displays über die ganze Scheibe, über die Zukunft. Aber im Showroom steht die Gegenwart. Und die hat es in sich. Zum Modelljahr 2026 hat BMW dem i4 noch einmal eine Herz-OP verpasst. Die wichtigste Nachricht: Der Bestseller i4 M50 ist Geschichte. Er wurde befördert. Sein Nachfolger heißt i4 M60 xDrive. Er hat fast 600 PS, neue Technik unter der Haube und ein Ziel: Die Wartezeit auf die Neue Klasse so süß wie möglich zu machen. Gleichzeitig profitieren auch die zivilen Modelle (eDrive40) von neuen Invertern, die endlich den Verbrauch senken sollen. Ist der i4 damit das perfekte ausgereifte Elektroauto, oder kauft man hier veraltete 400-Volt-Technik zum Premium-Preis? Ich bin den neuen M60 und den optimierten eDrive40 gefahren.

Aus M50 wird M60: Muskelspiele zum Abschied

Der neue i4 M60 xDrive leistet im Sport-Modus bis zu 442 kW (601 PS) – ein Sprung gegenüber den 544 PS des alten M50. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 3,6 Sekunden. Wichtiger: Neue Siliziumkarbid-Inverter (SiC) im Antriebsstrang verbessern die Effizienz um ca. 5%.

Lassen wir die Zahlen kurz wirken. 3,6 Sekunden. Das ist schneller als ein aktueller M3 Competition Touring. Der i4 M60 ist eine Waffe. BMW hat das Drehmoment-Management nachgeschärft. Wenn Sie aus der Kurve feuern, fühlt sich das Heck lebendiger an, der Allradantrieb agiert hecklastiger. Aber das eigentliche Upgrade sind die SiC-Inverter. Warum? Weil sie das Hitzeproblem bei Vollgas minimieren. Der alte M50 regelt nach drei “Launch Control” Starts die Leistung runter. Der M60 macht das zehnmal hintereinander, ohne zu schwitzen. Er ist standfester. Ein echtes M-Performance-Auto, nicht nur ein Marketing-Gag. Für die Autobahn bedeutet das: Er hält hohe Geschwindigkeiten effizienter. Der Verbrauch bei 160 km/h ist spürbar gesunken.

eDrive40: Der heimliche Reichweiten-König

Auch der Hecktriebler eDrive40 profitiert von der SiC-Technik. Die WLTP-Reichweite kratzt nun an der 600-km-Marke (je nach Felgen).

Das ist der Sweetspot. Vergessen Sie den M60, wenn Sie Kilometer fressen müssen. Der eDrive40 des Modelljahres 2026 ist der effizienteste i4, den es je gab. Ich bin ihn bei 5 Grad Außentemperatur gefahren, und er zeigte immer noch 420 km echte Reichweite an. Das liegt auch an der verbesserten Wärmepumpe, die BMW stillschweigend optimiert hat. Für Dienstwagenfahrer ist das die sicherste Bank. Er ist schnell genug (unter 6 Sekunden auf 100), komfortabel und kommt weiter als fast jeder Konkurrent in diesem Segment – außer vielleicht dem aerodynamischen Hyundai Ioniq 6.

Das 400-Volt-Dilemma: Warten auf die Neue Klasse?

Der i4 bleibt bei der 400-Volt-CLAR-Architektur. Ladeleistung: max. 205 kW. Der kommende i3 (Neue Klasse, erwartet Ende 2026) wird 800 Volt haben.

Hier müssen Sie sich entscheiden. Der i4 lädt von 10 auf 80% in ca. 30 Minuten. Die kommende Neue Klasse wird das in unter 15 Minuten schaffen. Ist der i4 deshalb veraltet? Jein. Für den Alltag reicht die Ladeleistung völlig. Die Ladekurve ist stabil, Plug & Charge funktioniert tadellos. Das Risiko liegt im Wiederverkauf. Wenn 2027 die 800-Volt-Autos den Markt fluten, wird ein 400-Volt-i4 als “altes Eisen” gelten. Wer heute kauft und 5 Jahre fährt, muss mit einem höheren Wertverlust rechnen. Wer least (3 Jahre), dem kann es egal sein. Genießen Sie das ausgereifte Auto jetzt, wechseln Sie später auf die Neue Klasse, wenn die Kinderkrankheiten dort beseitigt sind.

Innenraum: Weniger Knöpfe, mehr Glas

Das Facelift (LCI) brachte schon 2024/25 das neue Lenkrad und weniger Tasten. 2026 gibt es neue “CraftedClarity” Glas-Applikationen (optional) und aktualisierte Software (OS 8.5 oder 9).

BMW hat den i4 innen aufgeräumt. Vielleicht zu sehr. Die Klimasteuerung im Touchscreen nervt immer noch, auch wenn die “QuickSelect”-Leiste es besser macht. Aber die Qualität ist über jeden Zweifel erhaben. Wo ein Tesla Model 3 “Highland” zwar besser geworden ist, aber immer noch steril wirkt, ist der i4 eine Burg. Die Türen fallen satt ins Schloss, die Sportsitze sind perfekt. Der i4 fühlt sich an wie ein klassischer BMW, der zufällig elektrisch fährt. Das ist sein größter Vorteil gegenüber den “Computer-Autos” aus China oder den USA. Er überfordert nicht.

Preis-Check 2026: Premium bleibt Premium

Der i4 eDrive40 startet bei ca. 62.000 Euro. Der neue M60 xDrive wird die 75.000 Euro Marke knacken (nackt).

Das ist viel Geld. Ein Tesla Model 3 Performance kostet 57.000 Euro und ist ähnlich schnell wie der M60. Aber der BMW bietet Individualisierung. Mattlacke, Carbon-Pakete, Merino-Leder. Sie können einen i4 auf 100.000 Euro konfigurieren. Das macht ihn exklusiv. Einen Tesla sieht man an jeder Ecke. Einen i4 M60 in “Frozen Portimao Blau” nicht.

Der Generationskonflikt

Feature
BMW i4 M60 (2026)
BMW i3 “Neue Klasse” (Prognose 2027)
Tesla Model 3 Perf.
System
400 Volt (CLAR)
800 Volt (NCAR)
400 Volt
Leistung
601 PS
ca. 600+ PS (M-Modell)
460 PS
Laden
30 Min (10-80%)
ca. 12 Min
25 Min
Reichweite
ca. 520 km
ca. 700 km
528 km
Design
Klassisch BMW
Futuristisch/Clean
Minimalistisch
Status
Ausgereift & Verfügbar
Warten & Risiko
Massenware
Preis
ab 75.000 €
ab 75.000 €?
ca. 57.000 €

Fazit: Der Spatz in der Hand

Der BMW i4 (2026) ist kein technologischer Pionier mehr. Er ist der Höhepunkt der “alten” Ära. Mit dem M60-Upgrade und den SiC-Invertern hat BMW alles aus der Plattform geholt, was physikalisch möglich ist. Es ist das perfekte Auto für Menschen, die jetzt fahren wollen. Die keine Lust haben, Beta-Tester für die Neue Klasse zu spielen. Wenn Sie ein solides, unfassbar schnelles und qualitativ hochwertiges Auto suchen: Kaufen Sie den i4. Wenn Sie der Typ sind, der immer das neueste iPhone haben muss: Warten Sie auf den i3. Aber sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht vor den Kinderkrankheiten gewarnt.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.

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