Ein volles Jahr lang hatte der BMW i5 Touring eine einzigartige Stellung inne: Er war der unangefochtene Pionier, der erste und bis dato einzige vollelektrische Premium-Kombi, der in dieser Größenklasse überhaupt existierte. Doch diese exklusive Ära neigt sich nun ihrem Ende zu, denn Ende 2025 wird der Audi A6 Avant e-tron die Showrooms erobern. Dieser Ingolstädter wirkt mit seinem futuristischen Design beinahe wie ein Raumschiff, bringt einen beeindruckend großen 100-kWh-Akku mit sich und stellt dank seiner fortschrittlichen 800-Volt-Technologie die Ladezeiten der Wettbewerber in den Schatten. Betrachtet man diese Spezifikationen auf dem Papier, erscheint der BMW mit seiner etablierten 400-Volt-Architektur und dem etwas kleineren 81,2-kWh-Akku plötzlich wie ein Relikt aus einer vergangenen Technologie-Ära.
BMW hat jedoch nicht geschlafen, sondern im Verborgenen agiert. Für das Modelljahr 2026 spendierten die Bayern dem i5 Touring ein umfassendes Hardware-Update, das die Effizienz des Fahrzeugs spürbar optimiert. Ich habe den überarbeiteten i5 xDrive40 Touring ausgiebig gegen die aufstrebende Konkurrenz getestet und bin dabei zu einer Erkenntnis gelangt, die mich selbst überrascht hat: Obwohl das technologisch fortschrittlichere Elektroauto zweifellos aus Ingolstadt stammt, wird der in meinen Augen weitaus überzeugendere Kombi nach wie vor in Dingolfing gefertigt.
Technische Daten & Spezifikationen
| Kategorie | BMW i5 xDrive40 Touring (Modelljahr 2026) |
| Motor & Antrieb | 2 E-Motoren (Dual-Motor), Allradantrieb |
| Systemleistung / Drehmoment | 394 PS (290 kW) / 590 Nm |
| Batteriekapazität (netto) | 81,2 kWh (Lithium-Ionen) |
| 0-100 km/h / Vmax | 5,5 s / 215 km/h (abgeregelt) |
| Testverbrauch (Mix) | ca. 18,5 kWh/100 km |
| Reichweite (WLTP / Real) | bis zu 520 km / ca. 420 km |
| Max. Ladeleistung (DC) | 205 kW (10-80 % in ca. 30 Min.) |
| Fahrzeuglänge / -breite | 5.060 mm / 1.900 mm (ohne Spiegel) |
| Basispreis (Schätzung DE) | ab ca. 79.000 € |
Unterhalt und Marktlage: Der Rabatt-Verteidiger
Ein i5 xDrive40 Touring, der mit den üblichen Extras ausgestattet ist, überschreitet mühelos die 100.000-Euro-Grenze. In diesem Preissegment sind private Käufer eine absolute Ausnahme; dieses Fahrzeug ist primär als klassischer Dienstwagen konzipiert. Da sein Listenpreis die 70.000-Euro-Grenze für die vorteilhafte 0,25-Prozent-Regelung deutlich übersteigt, wird er mit 0,5 Prozent als geldwerter Vorteil versteuert – was im Vergleich zu einem ähnlich ausgestatteten 520d oder 530e immer noch einen erheblichen finanziellen Vorteil darstellt.
Besonders interessant gestaltet sich momentan die Situation auf dem Leasingmarkt. Um dem bevorstehenden Angriff des neuen Audi A6 e-tron entgegenzuwirken, subventioniert BMW die Leasingkonditionen für den i5 derzeit erheblich. Obwohl beide Modelle auf dem Papier vergleichbare Listenpreise aufweisen, zeigt sich der BMW im monatlichen Flotten-Leasing oft als die deutlich attraktivere Option. Meine Erfahrung zeigt: Wer hier geschickt verhandelt, sichert sich spürbar mehr Fahrzeug für sein Geld.
Design, Abmessungen und der Kofferraum-Sieg
Audi hat den A6 Avant e-tron konsequent dem Primat der Aerodynamik untergeordnet, um die maximale Reichweite zu erzielen. Diese Designphilosophie, insbesondere die extrem flach abfallende Heckscheibe, geht jedoch massiv zulasten des praktischen Nutzwertes. Genau an diesem Punkt spielt der BMW seine Stärken aus.
Der i5 Touring präsentiert sich optisch als klassischer 5er, dessen Dachlinie über eine beachtliche Länge hinweg gerade verläuft, bevor das Heck steiler abfällt. Dieses durchdachte Design führt zu einem entscheidenden Vorteil: Der BMW stellt ein beeindruckendes Kofferraumvolumen von 570 bis 1.700 Litern zur Verfügung, während der Audi mit seinen 502 bis 1.422 Litern deutlich das Nachsehen hat. Wenn ich eine große Hundebox aus Metall, sperrige Möbelstücke oder das gesamte Urlaubsgepäck einer vierköpfigen Familie transportieren muss, erweist sich der BMW als der unangefochtene Meister der Praktikabilität. Er ist für mich ein echtes Lade-Werkzeug, weit entfernt von einem bloßen Lifestyle-Laster.
Einen aus meiner Sicht völlig unverzeihlichen Konstruktionsfehler leistet sich BMW jedoch auch im Modelljahr 2026 weiterhin: Es fehlt ein Frunk, also ein vorderer Kofferraum. Audi bietet hier immerhin 27 Liter Stauraum, ideal für das nasse Ladekabel. Beim i5 hingegen stehe ich im strömenden Regen am Schnelllader und muss das womöglich verschmutzte Kabel mühsam aus einem Fach unter dem bereits vollgepackten Heckkofferraum hervorholen. Eine solche Unpraktikabilität empfinde ich als eines Premium-Fahrzeugs schlichtweg unwürdig.
Innenraum: Die Bastion des iDrive-Controllers
Sobald ich im i5 Platz nehme, spüre ich sofort die unverkennbare bayerische DNA. Obwohl das imposante „Curved Display“ das Armaturenbrett dominiert, liegt die eigentliche ergonomische Meisterleistung auf der Mittelkonsole verborgen: der iDrive-Controller. Während ich im Audi während der Fahrt gezwungen bin, mit dem Finger auf einem Touchscreen herumzutippen, kann ich im BMW Menüs, Navigation und Medien völlig entspannt aus dem Handgelenk steuern, ohne dabei den Blick von der Straße abwenden zu müssen. Die Verarbeitungsqualität, sei es das optionale „Veganza“-Kunstleder oder die elegant illuminierte „Interaction Bar“, ist für mich schlichtweg über jeden Zweifel erhaben.
Antrieb und Reichweite: Das unsichtbare 2026er Update
Die größte Überraschung offenbarte der i5 xDrive40 Touring für mich auf der Autobahn. BMW hat dem Fahrzeug für das Modelljahr 2026 unauffällig, aber wirkungsvoll neue Inverter und optimierte Lager für die E-Motoren spendiert. Diese hochgradig effizienten Komponenten führen zu einer signifikanten Reduzierung des Energieverbrauchs.
Ich habe diesen 2,4 Tonnen schweren Kombi bei zügiger Autobahnfahrt mit einem Verbrauch von lediglich 18 bis 19 kWh/100 km bewegt. Das Update führte zu einer Steigerung des WLTP-Wertes um bis zu 47 Kilometer, was in der Praxis bedeutet: Der i5 überschreitet nun auch bei einer konstanten Geschwindigkeit von 130 km/h souverän die 400-Kilometer-Marke. Zwar mag der Audi A6 e-tron dank seiner beeindruckenden 95-kWh-Batterie fast 80 Kilometer weiter kommen, doch im täglichen Gebrauch erweist sich diese Differenz als irrelevant: Ob ich nach 400 oder 480 Kilometern die nächste Ladesäule ansteuere, wird letztlich eher von der Blase der Insassen als vom Fahrzeug selbst bestimmt. Die einst verbreitete Reichweitenangst gehört im i5 für mich endgültig der Vergangenheit an.
400 Volt vs. 800 Volt: Das Lade-Duell
An der Autobahn-Ladesäule entfaltet sich der Systemkrieg in seiner vollen Härte. Der BMW, der auf einer 400-Volt-Architektur basiert, lädt mit einer maximalen Leistung von 205 kW. Der Audi hingegen, mit seinem 800-Volt-System, presst beeindruckende 270 kW in den Akku.
- Audi A6 e-tron: 10 – 80 % in 21 Minuten.
- BMW i5 Touring: 10 – 80 % in 30 Minuten.
Objektiv betrachtet geht der Audi hier als Sieger hervor. Wer als Außendienstler täglich auf Ladevorgänge angewiesen ist, dem können diese neun Minuten auf das Jahr gerechnet tatsächlich bares Geld sparen. Doch BMW bietet eine Qualität, die sich nicht allein in Datenblättern abbilden lässt: die Konstanz. Die Ladekurve des i5 präsentiert sich als ein bemerkenswert langes, flaches Plateau. Er ist in der Lage, extrem hohe Ladeleistungen über einen langen Zeitraum aufrechtzuerhalten, anstatt nach einem kurzen Spitzenwert abrupt abzufallen. Darüber hinaus heizt die Batterie-Vorkonditionierung, die sich bei Bedarf manuell per Knopfdruck aktivieren lässt, den Akku im Winter derart effizient vor, dass die vollen 205 kW auch bei eisigen Temperaturen zuverlässig abgerufen werden können.
Fahrkomfort: König der Langstrecke
Serienmäßig ist der i5 Touring mit einer Luftfederung an der Hinterachse ausgestattet, die eine Niveauregulierung beinhaltet. Die Abstimmung des Fahrwerks empfinde ich schlichtweg als phänomenal.
Der neue Audi A6 e-tron vermittelt mir ein Fahrgefühl, das ich als hochgradig „digital“ beschreiben würde – er lenkt zwar präzise ein, wirkt aber gleichzeitig etwas von der Fahrbahn entkoppelt. Der BMW i5 hingegen fühlt sich „mechanisch“ und ungemein verbindlich an; er kommuniziert regelrecht mit dem Fahrer. Das Fahrwerk absorbiert selbst die bösartigsten Querfugen auf der A3 mit einer Souveränität, die ich selbst in der Oberklasse nur selten erlebe. BMW kaschiert das Leergewicht von 2,4 Tonnen derart meisterhaft, dass es sich nicht als Trägheit, sondern vielmehr als die Solidität eines rollenden Tresors anfühlt. Für mich ist er das leisere, ruhigere und insgesamt entspanntere Reiseauto.
Der Business-Kombi Showdown
| Feature | BMW i5 xDrive40 Touring (2026) | Audi A6 Avant e-tron quattro |
| Systemarchitektur | 400 Volt | 800 Volt |
| Batterie (netto) | 81,2 kWh | 94,9 kWh |
| Laden (10-80%) | ca. 30 Min. | ca. 21 Min. |
| Kofferraumvolumen | 570 – 1.700 L | 502 – 1.422 L |
| Frunk (Kabel-Fach) | Nein | Ja (27 Liter) |
| Ergonomie / Bedienung | iDrive-Controller (herausragend) | Touch-lastig |
| Fahrkomfort | Satt und tiefenentspannt | Straff und sportlich |
Pro & Contra
- ✅ Pro: Meiner Meinung nach bietet er deutlich mehr Kofferraum und Nutzwert als die extrem aerodynamisch optimierte Konkurrenz.
- ✅ Pro: Das unauffällige Update für das Modelljahr 2026 senkt den Verbrauch spürbar, was eine reale Reichweite von über 400 km ermöglicht.
- ✅ Pro: Der Langstreckenkomfort ist dank der serienmäßigen Hinterachs-Luftfederung überragend.
- ✅ Pro: Für mich ist der iDrive-Controller das sicherste und intuitivste Bediensystem auf dem Markt.
- ❌ Contra: Die etablierte 400-Volt-Architektur führt beim Schnellladen zu einem Zeitverlust von einigen wertvollen Minuten.
- ❌ Contra: Der fehlende Frunk macht das Verstauen nasser Ladekabel, besonders bei vollem Kofferraum, zu einer echten Herausforderung.
- ❌ Contra: Der Anschaffungspreis ist extrem hoch; mein Testwagen lag deutlich über 100.000 Euro.
Alex Wind meint:
Für mich steht fest: Der BMW i5 Touring des Modelljahres 2026 mag technologisch nicht mehr das absolute Nonplusultra darstellen. Sein 400-Volt-System ist im direkten Vergleich zum 800-Volt-Angriff aus Ingolstadt ein messbarer Nachteil an der Ladesäule. Doch der i5 kontert präzise an jenen Stellen, die im automobilen Alltag wirklich ins Gewicht fallen: Er ist schlichtweg der überlegenere Kombi. Während Audi für einen spektakulären cW-Wert massiv an Kofferraumvolumen einbüßt, schluckt der bayerische Platzhirsch weiterhin mühelos den großen Hund und das gesamte Urlaubsgepäck. Das unauffällige, aber wirkungsvolle Effizienz-Update für das Modelljahr 2026 hat zudem den größten Kritikpunkt, den Autobahnverbrauch, endgültig eliminiert. Wenn Sie ein Technik-Enthusiast sind, dem neun Minuten an der Ladesäule über alles andere gehen, dann empfehle ich Ihnen den Audi. Suchen Sie jedoch einen vollwertigen, überragend komfortablen Luxus-Kombi, der sich intuitiv und ohne Ablenkung bedienen lässt, dann bleibt der BMW i5 Touring für mich die unangefochtene Referenz in seiner Klasse.


















