Statt Kampfansage: Fehlende Garantie macht den Forthing 5 zum Risiko-Kauf

Statt Kampfansage: Fehlende Garantie macht den Forthing 5 zum Risiko-Kauf
Foto: Indimo Automotive

Der Forthing 5 BEV startet in Deutschland mit einem Paukenschlag. 800-Volt-Technik und 501 km Reichweite für unter 41.000 Euro. Doch der Haken an diesem Angebot ist die dünne Informationslage des Importeurs Indimo Automotive. Kritische Daten zur Ladeleistung und Garantie fehlen. Das macht jeden Kauf zu einer riskanten Wette.

Für exakt 40.995 Euro brutto steht das 2027er Modell in den Bestelllisten. Angetrieben wird es von einem 200-kW-Motor und einem 75-kWh-LFP-Akku. Der Kofferraum fasst 410 Liter.

Mein Check zeigt, welche Daten wirklich belegt sind und wo die Widersprüche den Deal platzen lassen. Das größte Problem für deutsche Käufer bleibt aber das nicht tragbare Risiko durch fehlende Garantiezusagen.

Preis und Reichweite: Das Lockangebot

Auf dem Papier ist der Forthing 5 BEV eine Kampfansage. Ein elektrisches Kompakt-SUV mit 4,55 Metern Länge, das in eine Klasse mit etablierten Größen wie dem VW ID.4 oder Hyundai Ioniq 5 zielt, aber preislich deutlich darunter angesiedelt ist. Hinter der Marke Forthing steht mit Dongfeng Liuzhou Motor ein Ableger des riesigen chinesischen Staatskonzerns Dongfeng – also kein kleines Start-up, sondern ein Schwergewicht der chinesischen Autoindustrie. Den Vertrieb in Deutschland übernimmt die Indimo Automotive GmbH aus dem hessischen Alheim, die bereits Erfahrung mit dem Import verschiedener chinesischer Marken wie BAIC oder DFSK hat.

Das Angebot klingt fast zu gut, um wahr zu sein: 200 kW (ca. 272 PS) Leistung, 360 Nm Drehmoment und eine WLTP-Reichweite von 501 Kilometern. Das alles zu einem Preis, für den man bei der Konkurrenz oft nur Basismodelle mit deutlich kleinerem Akku und weniger Leistung bekommt. Doch genau hier beginnt das Problem. Während der Preis und die Reichweite klar kommuniziert werden, klaffen bei den Details, die im Alltag über Freude oder Frust entscheiden, riesige Lücken. Das macht aus einem potenziell großartigen Angebot eine Wundertüte mit erheblichem finanziellem Risiko.

Statt Kampfansage - Bild 1
Foto: Indimo Automotive

Das 800-Volt-System im Blindflug

Das technische Highlight des Forthing 5 BEV ist die beworbene 800-Volt-Architektur. In der Theorie ermöglicht diese Technik höhere Ladeleistungen bei geringeren Stromstärken, was zu weniger Abwärme und effizienterem Laden führt. Kürzere Stopps am Schnelllader sind die Folge. Fahrzeuge wie der Porsche Taycan oder der Hyundai Ioniq 5 haben gezeigt, was damit möglich ist. Doch die Angabe „800 Volt“ allein ist kein Garant für schnelles Laden. Sie ist nur die technische Voraussetzung.

Und genau hier wird es beim Forthing 5 kritisch. Der Importeur Indimo macht offiziell keine Angabe zur maximalen DC-Ladeleistung oder zur Ladezeit. Diese Stille ist ohrenbetäubend. Gleichzeitig kursiert in Medienberichten, die sich auf eine Agenturmeldung von SP-X berufen, die Angabe von 160 kW Ladeleistung und einer Ladezeit von unter 18 Minuten für den Hub von 20 auf 80 Prozent. Das wäre ein solider, wenn auch eben kein überragender Wert für ein 800-Volt-System.

Das Problem: Diese Zahl ist unbestätigt und steht im direkten Widerspruch zur Informationspolitik des Importeurs. Warum sollte man ein so wichtiges Verkaufsargument verschweigen, wenn es denn zutrifft? Aus meiner Erfahrung als Tester gibt es dafür meist nur zwei Gründe: Entweder die Werte sind noch nicht final homologiert, oder sie sind in der Praxis so enttäuschend, dass man sie lieber gar nicht erst nennt. Für Langstreckenfahrer ist das ein absolutes K.-o.-Kriterium. Ohne eine verlässliche, offiziell bestätigte Ladekurve kauft man die Katze im Sack. Ein 800-Volt-System, das am Ende kaum schneller lädt als ein gutes 400-Volt-System, ist das Marketing-Papier nicht wert, auf dem es steht.

Vollausstattung trifft auf Garantie-Lücke

Ein weiterer Punkt, der den Forthing 5 BEV attraktiv macht, ist die versprochene Vollausstattung. Für die knapp 41.000 Euro gibt es laut den ersten Ankündigungen nicht nur das Nötigste. Die Liste ist lang. An Bord sind serienmäßig ein großes Panoramadach und ein 15,6-Zoll-Touchscreen. Hinzu kommen elektrisch verstellbare Vordersitze mit Heizung und Belüftung. Eine Massagefunktion ist ebenfalls an Bord. Das ist eine Ausstattung, für die man bei deutschen Herstellern gerne mal fünfstellige Aufpreise zahlt.

Doch auch hier lauert der entscheidende Haken, der für mich als Diagnostiker und Chefredakteur alle Alarmglocken schrillen lässt: Es gibt keinerlei Informationen zu den Garantiebedingungen. Weder zur allgemeinen Fahrzeuggarantie noch zur viel wichtigeren Garantie auf die Hochvolt-Batterie. Wie viele Jahre? Welche Kilometerbegrenzung? Welche Bedingungen gelten für den Kapazitätserhalt des Akkus? All diese Fragen bleiben unbeantwortet.

Bei einer etablierten Marke mag man das als Detail abtun. Bei einem neuen Anbieter aus China ist es der wichtigste Punkt überhaupt. Eine lange und umfassende Garantie ist das Fundament für das Vertrauen der Kunden und die Absicherung des Wiederverkaufswerts. Ohne klare, schriftliche Garantiezusagen ist der Kauf eines neuen Autos von einer unbekannten Marke schlichtweg fahrlässig. Was passiert bei einem Defekt am Inverter oder am Ladegerät? Und was bei einem an der Batterie nach drei Jahren? Ohne Garantie drohen hier Kosten, die den ursprünglichen Preisvorteil pulverisieren. Das ist ein unkalkulierbares Risiko.

Statt Kampfansage - Bild 2
Foto: Indimo Automotive

kWh LFP-Akku und die Netto-Frage

Der Forthing 5 BEV setzt auf eine 75-kWh-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP). Das ist grundsätzlich eine gute Wahl. LFP-Akkus sind robuster und langlebiger als die üblichen NMC-Akkus (Nickel-Mangan-Cobalt). Zudem können sie ohne Bedenken regelmäßig auf 100 Prozent geladen werden, was im Alltag einen echten Reichweitenvorteil darstellt.

Allerdings verschweigt der Importeur auch hier ein entscheidendes Detail: Handelt es sich bei den 75 kWh um die Brutto- oder die nutzbare Netto-Kapazität? Der Unterschied kann erheblich sein und ist für die Berechnung der realen Reichweite essenziell. Bei LFP-Akkus ist der Puffer zwischen brutto und netto oft kleiner, aber eben nicht null.

Ein Blick auf den offiziellen WLTP-Verbrauch von 17,2 kWh/100 km lässt mich ebenfalls aufhorchen. Rechnet man diesen Wert gegen eine angenommene Netto-Kapazität von vielleicht 72 kWh, ergibt sich eine rechnerische Reichweite von rund 418 Kilometern. Die versprochenen 501 Kilometer sind also wohl nur unter den sehr verbrauchsarmen Anteilen des WLTP-Zyklus erreichbar. Die Realität auf der deutschen Autobahn bei 130 km/h dürfte sich eher bei 300 bis 350 Kilometern einpendeln. Das ist nicht schlecht, aber man sollte sich von der 500-km-Marketingzahl nicht blenden lassen.

Technische Daten: Forthing 5 BEV (Modelljahr 2027, DE-Markt)

Merkmal Wert
Motorisierung Frontantrieb
Leistung 200 kW (272 PS)
Max. Drehmoment 360 Nm
Beschleunigung 0-100 km/h k. A.
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Batteriekapazität 75 kWh (LFP, Brutto/Netto unklar)
WLTP-Reichweite 501 km
WLTP-Verbrauch 17,2 kWh/100 km
Max. DC-Ladeleistung k. A. (160 kW laut Agentur, unbestätigt)
Länge / Breite / Höhe 4.546 / 1.860 / 1.680 mm
Kofferraumvolumen 410 – 1.420 Liter
Preis (brutto) ab 40.995 Euro

Servicenetz ohne Ersatzteil-Sicherheit

Der Forthing 5 BEV ist laut Importeur Indimo ab sofort bestellbar. Die Auslieferung und Betreuung sollen über ein Netz autorisierter Fachhändler erfolgen. Indimo hat bereits ein solches Netz für seine anderen Marken aufgebaut, das man auf der Webseite des Unternehmens einsehen kann. Ein Händler in der Nähe ist die Grundvoraussetzung für den Kauf eines Autos. Er ist der erste Ansprechpartner für Wartung, Reparaturen und eben auch für Garantiefälle.

Doch ein Händler kann nur so gut sein wie die Strukturen, die der Importeur im Hintergrund bereitstellt. Eine schnelle und zuverlässige Ersatzteilversorgung ist hier entscheidend. Ob Indimo bereits ein zentrales Ersatzteillager in Deutschland oder der EU betreibt, ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht bekannt. Diese Information war auf Nachfrage nicht zu erhalten. Nichts ist frustrierender als ein wochenlanger Werkstattaufenthalt, weil ein simples Bauteil aus China geliefert werden muss. Ohne klare Regelungen zur Abwicklung von Garantiefällen steht der Händler im Regen. Der Kunde erst recht.

Ich will ehrlich sein: Das Angebot des Forthing 5 BEV hat mich auf den ersten Blick elektrisiert. Ein schickes E-SUV mit toller Ausstattung, viel Reichweite und moderner Technik zu einem Preis, der die etablierte Konkurrenz alt aussehen lässt. Das ist genau die Art von Wettbewerb, die der deutsche Markt braucht. Doch bei genauerer Betrachtung auf meiner gedanklichen Hebebühne entpuppt sich der vermeintliche Top-Deal als Lockvogelangebot mit extrem hohem Risiko.

Die Informationspolitik des Importeurs ist inakzeptabel. Kaufentscheidende Fakten wie die reale Ladeleistung und die Garantiebedingungen einfach zu verschweigen, grenzt an Ignoranz gegenüber dem Kunden. Das 800-Volt-System ist ohne bestätigte Ladekurve ein reines Marketing-Gimmick. Die fehlende Garantie ist ein unkalkulierbares finanzielles Risiko für jeden Käufer. Man investiert über 40.000 Euro in ein Produkt, ohne zu wissen, wie man im Schadensfall abgesichert ist.

Unterm Strich kann ich daher nur eine klare Empfehlung aussprechen: Hände weg! Zumindest vorerst. Solange der Importeur keine belastbaren, in Deutschland gültigen Garantiebedingungen und eine verifizierte Ladekurve vorlegt, ist der Kauf schlicht unvernünftig. Der Forthing 5 BEV mag ein gutes Auto sein. Unter diesen Umständen ist er aber kein gutes Angebot. Ein günstiger Preis allein reicht eben nicht.


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