Hyundai Kona Elektro (2026) im Test: Geniales Raumschiff trifft auf Ladesäulen-Schnecke

Ich stehe an der Ionity-Ladesäule an der A8, trinke meinen zweiten Espresso und schaue resigniert auf die Ladeanzeige meines Testwagens. 41 Minuten. Exakt so lange dauert es laut offiziellem Datenblatt – und leider auch in der harten Realität –, bis der neue Hyundai Kona Elektro seine große Batterie von 10 auf 80 Prozent gefüllt hat.

Während der Fahrer eines großen Hyundai Ioniq 5 mit seiner modernen 800-Volt-Technik nach 18 Minuten Ladezeit längst wieder auf die linke Spur gewechselt ist, stehe ich hier wie ein automobiler Dinosaurier am Stecker. Das ist die eigentliche Tragödie dieses Autos. Denn wenn man das dicke Ladekabel einmal abzieht, entpuppt sich die zweite Generation des Kona (Modelljahr 2026) als einer der genialsten und durchdachtesten Kompakt-SUVs auf dem gesamten Markt. Hyundai hat bei der Entwicklung die Verbrenner-Tradition konsequent über Bord geworfen und das Auto strikt „EV-first“ konstruiert. Das Ergebnis ist ein mutiges Raumschiff mit extrem viel Platz. Aber reicht dieser gigantische Nutzwert im Alltag aus, um den veralteten 400-Volt-Ladefrust auf der deutschen Autobahn zu kompensieren?

Technische Daten & Spezifikationen

KategorieHyundai Kona Elektro (Long Range 2026)
Motor & AntriebElektromotor an der Vorderachse, Frontantrieb
Leistung / Drehmoment218 PS (160 kW) / 255 Nm
Batteriekapazität (netto)65,4 kWh (LG) oder 64,8 kWh (CATL)
0-100 km/h / Vmax8,1 s / 172 km/h
Testverbrauch (Autobahn)ca. 21,5 kWh/100 km (bei kühlen 130 km/h)
Reichweite (real)ca. 300 km Autobahn (WLTP: bis 514 km)
Max. Ladeleistung (DC)ca. 100 kW (10-80 % in bleiernen 41 Min.)
Kofferraumvolumen466 Liter (plus 27 Liter Frunk vorne)
Fahrzeugbreite (ohne Spiegel)1.825 mm (Perfekt für Baustellen!)
Basispreis (Schätzung DE)ab ca. 45.000 € (für die große Batterie)
Hyundai Kona Elektro - Bild 1

Design und Karosserie: RoboCop-Optik und der Baustellen-Segen

Optisch macht der neue Kona absolut keine halben Sachen. Die Front wird von einer durchgehenden LED-Lichtleiste dominiert, die Hyundai „Pixelated Seamless Horizon Lamp“ nennt. Zusammen mit der völlig glatten Frontschürze und den in Wagenfarbe lackierten Radläufen sieht der Wagen aus wie der Helm von RoboCop. Das ist mutig, aerodynamisch extrem effizient (hervorragender cW-Wert von 0,27) und sorgt auf der Landstraße für ordentlich Überholprestige.

Tipp für Sport-Fans: Wer die RoboCop-Optik noch aggressiver gestalten will, kann den Kona Elektro nun auch als N Line bestellen. Sie erhalten dann einen schärferen Front- und Heckstoßfänger, spezielle 19-Zoll-Felgen, schwarze Spiegelkappen und feine Alcantara-Sportsitze mit roten Ziernähten. Die Motorleistung von 218 PS bleibt dabei jedoch völlig unangetastet.

Der eigentliche Karosserie-Segen für den deutschen Autofahrer offenbart sich jedoch beim Blick in die Fahrzeugpapiere. Trotz des massiven und wuchtigen optischen Auftritts misst der Kona ohne Spiegel zierliche 1,825 Meter in der Breite. Endlich ein SUV, bei dem einem auf der A9 in der Dauerbaustelle nicht der kalte Schweiß ausbricht! Auf der linken 2,1-Meter-Spur zirkelt sich der Kona völlig tiefenentspannt an den Lkw vorbei. Auch in engen Innenstädten ist der Wagen ein Traum, zumal das hochauflösende 360-Grad-Kamerasystem gestochen scharfe Bilder liefert.

Innenraum und Platzangebot: Ergonomie-Gott mit 466-Liter-Schlund

Ich öffne die Tür, setze mich auf den Fahrersitz und möchte den koreanischen Ergonomie-Ingenieuren virtuell die Füße küssen. Während die europäische Konkurrenz (ein böser Blick geht in Richtung Wolfsburg) in diesem Segment fast alles in fehleranfälligen Touchscreens verbuddelt, hat Hyundai die perfekte Balance gefunden.

Es gibt zwar das hochmoderne „Panoramic Display“ mit zwei scharfen 12,3-Zoll-Bildschirmen, aber direkt darunter sitzt eine massive, physische Tastenleiste für die Klimaanlage und die wichtigsten Fahrzeugfunktionen. Sie können die Heizung bei 150 km/h völlig blind bedienen, ohne im Touch-Untermenü zu landen.

Dank der neuen Plattform ist der Kona in der Länge massiv auf 4,35 Meter gewachsen – und das spürt man extrem. Der Gangwahlhebel ist als klobiger Drehschalter an die Lenksäule gewandert, was zwischen den Vordersitzen gigantischen Raum für Becherhalter und Taschen schafft. Der Familien-Test im Fond? Schlichtweg überragend. Der Radstand ist auf 2,66 Meter gewachsen. Auf der fast flachen Rückbank habe ich (1,85 m) satte 77 Millimeter mehr Beinfreiheit als im Vorgänger. Der hintere Kofferraum schluckt nun gewaltige 466 Liter. Hier degradiert der kompakte Kona manchen teuren Mittelklasse-Kombi zum reinen Lifestyle-Laster. Zudem gibt es unter der vorderen Motorhaube endlich einen 27-Liter-Frunk. Er ist nicht riesig, aber perfekt dimensioniert, um das oft verdreckte Ladekabel zu verstauen, ohne den sauberen Hauptkofferraum zu blockieren.

Hyundai Kona Elektro - Bild 3

Antrieb, Akku und das Lade-Dilemma

Unter dem Blech unseres Testwagens arbeitet die große Batterie mit einem 218 PS (160 kW) starken Elektromotor an der Vorderachse. In der Stadt und auf der kurvigen Landstraße ist der Kona ein fahrerisches Gedicht. Das Fahrwerk federt geschmeidig, die Lenkung ist präzise, und das „i-PEDAL“ ermöglicht perfektes, bremsschonendes One-Pedal-Driving bis zum Stillstand. Die Geräuschdämmung ist hervorragend.

Doch dann kommt die Autobahn. Bis 130 km/h liegt der Kona satt auf der Straße. Der Verbrauch pendelte sich bei kühlen Temperaturen auf ehrliche 21,5 kWh/100 km ein. Von den utopischen 514 WLTP-Kilometern bleiben auf der zügigen Langstrecke also rund 300 reale Kilometer übrig. Und genau hier schlägt die harte Ladesäulen-Realität unerbittlich zu.

Da Hyundai (anders als beim Ioniq 5) hier nur ein klassisches 400-Volt-System verbaut hat, tröpfelt der Strom in der Spitze mit maximal rund 100 kW in die Zellen. Von 10 auf 80 Prozent vergehen bleierne 41 Minuten. Im Jahr 2026, in dem selbst chinesische Einsteiger-Modelle mit 900-Volt-Technik und 11 Minuten Ladezeit winken, ist diese Ladegeschwindigkeit für ein Auto jenseits der 45.000 Euro schlichtweg absolut nicht mehr konkurrenzfähig.

Batterie-Hintergrundwissen: Um Lieferketten in Europa abzusichern, verbaut Hyundai aktuell Zellen von zwei Herstellern. Je nach Charge erhalten Sie eine Batterie von LG (65,4 kWh) oder CATL (64,8 kWh). In der harten Praxis macht das absolut keinen Unterschied – Reichweite und die langsame 41-Minuten-Ladezeit sind bei beiden Akku-Paketen identisch.

Ein geniales, technisches Trostpflaster bleibt: Der Kona EV ist dank Vehicle-to-Load (V2L) eine rollende Mega-Powerbank. Sie können über eine normale 230-Volt-Steckdose im Innenraum oder per Adapter direkt am Ladeanschluss Ihre Kaffeemaschine, den Laptop oder ein E-Bike mit bis zu 3,6 kW Leistung betreiben.

Hyundai Kona Elektro - Bild 5

Konkurrenz-Check

  • Volvo EX30 (Extended Range): Der extrem schicke Schwede. Der kleine Volvo ist auf dem Papier ein Performance-Monster, beschleunigt brutal und lädt an der Schnellladesäule mit bis zu 153 kW spürbar schneller als der Hyundai. Dafür scheitert er kläglich am Alltag: Der Kofferraum (318 Liter) ist winzig, die Rückbank eine dunkle Zumutung für Erwachsene, und die Tesla-artige Bedienung fast ausschließlich über den Zentralbildschirm lenkt massiv vom Fahren ab.
  • Smart #1: Ebenfalls ein hipper Lifestyle-Flitzer. Er lädt dank 150 kW DC-Ladeleistung deutlich zügiger und bietet einen sehr hochwertig wirkenden Premium-Innenraum. Aber auch der Smart kann beim puren Nutzwert, dem Platzangebot für die Familie und dem gigantischen 466-Liter-Kofferraum des Kona nicht im Ansatz mithalten.

Pro & Contra

  • Pro: Sensationelles Raumangebot für Passagiere und ein gigantischer 466-Liter-Kofferraum.
  • Pro: Perfekte Ergonomie im Cockpit dank echter, massiver Tasten für die Klimasteuerung.
  • Pro: 27-Liter-Frunk unter der Haube schluckt das schmutzige Ladekabel problemlos.
  • Pro: Praktische V2L-Funktion (230-Volt-Steckdose) macht das Auto zur Mega-Powerbank.
  • Contra: Sehr langsame DC-Ladezeit von 41 Minuten (400-Volt-System) ruiniert Langstrecken.
  • Contra: Ziemlich selbstbewusster Preis für die Topversion mit der großen Batterie.
  • Contra: Der EU-vorgeschriebene ISA-Tempowarner ist extrem nervig und erfordert bei jedem Start Klicks im Untermenü zur Deaktivierung.
Hyundai Kona Elektro - Bild 7

Alex Wind meint:

Klartext: Der Hyundai Kona Elektro (2026) ist das wahrscheinlich beste und pragmatischste Alltags-Auto, das leider mit der völlig falschen Lade-Hardware auf die Straße gelassen wurde. Das Platzangebot, die wunderbar intuitive Bedienung mit echten Tasten und der clevere Innenraum sind in dieser Fahrzeugklasse absolut ungeschlagen.

Wem empfehle ich ihn? Allen Familien, städtischen Pendlern und Dienstwagenfahrern (die von der 0,25-Prozent-Versteuerung profitieren!), die zu 95 Prozent bequem zu Hause oder in der Firma an der AC-Wallbox laden und nur ein- oder zweimal im Jahr geduldig in den Urlaub fahren. Wer das Auto als extrem geräumigen und flüsterleisen Daily-Driver im urbanen Umfeld nutzt, wird den Kona bedingungslos lieben.

Wem rate ich dringend ab? Allen Außendienstlern und Autobahn-Vielfahrern. Wenn Ihr Job darin besteht, mehrmals pro Woche 600 Kilometer über deutsche Autobahnen zu fressen, wird Sie die Ladesäulen-Standzeit von 41 Minuten unweigerlich in den Wahnsinn treiben. Legen Sie in diesem spezifischen Fall etwas Geld drauf und kaufen Sie den großen Bruder Hyundai Ioniq 5 mit genialem 800-Volt-System – der halbiert diese Ladezeit auf sensationelle 18 Minuten.

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