Hyundai Tucson (2026): Die Rache der Analog-Fans

Erinnern Sie sich an die Zeit, als wir uns über Autos aufgeregt haben, die keine Knöpfe mehr hatten? VW war der Anführer dieser Bewegung. Hyundai folgte kurz. Doch Ende 2025 passiert etwas, das ich kaum glauben kann: Ein Autohersteller gibt einen Fehler zu. Der Hyundai Tucson (Modelljahr 2026) steht vor mir. Es ist das große Facelift des Bestsellers. Von außen sieht er mit seinen „Engelsflügel“-Lichtern noch immer aus wie ein Raumschiff. Aber innen? Da sind sie. Drehregler. Echte, griffige Drehregler für Lautstärke und Temperatur. Mitten in einer digitalen Welt. Während VW beim neuen Tiguan immer noch an (beleuchteten) Slidern festhält, geht Hyundai einen Schritt zurück, um zwei nach vorne zu machen. Und unter der Haube? Da fliegen die 48-Volt-Mildhybride aus den Basis-Benzinern raus. Klingt nach Rückschritt? Ich sage: Es ist Ehrlichkeit. Ich bin den neuen Tucson N Line X und den totgesagten Diesel gefahren. Ist der Koreaner jetzt der bessere Golf-SUV?

Innenraum: Das Cockpit, das VW hätte bauen sollen

Das Armaturenbrett wurde komplett umgebaut. Ein gebogenes Panorama-Display (2x 12,3 Zoll) schwebt frei. Darunter: Eine neu gestaltete Mittelkonsole mit physischen Drehreglern und haptischen Tasten. Der Wählhebel wanderte an die Lenksäule (wie beim Ioniq 5), um Platz für eine riesige Ablage zu schaffen.

Das ist der Moment, in dem der Tiguan-Fahrer neidisch wird. Die Bedienung ist ein Traum. Sie wollen die Musik leiser machen? Dreh. Sie wollen die Temperatur ändern? Dreh. Kein Wischen, kein „Hey Hyundai, mir ist kalt“. Einfach machen. Dazu kommt das neue ccNC-Infotainment. Es ist rasend schnell, unterstützt Wireless CarPlay (endlich!) und sieht mit seinem flachen Design extrem edel aus. Die Materialqualität im neuen Top-Modell N Line X (mit Alcantara-Leder-Mix und roten Nähten) ist auf einem Niveau, das Audi Sorge bereiten sollte. Nichts knarzt, alles fasst sich teuer an.

Motoren: 48-Volt ist tot? Lang lebe der Benziner!

Die Motorenpalette wurde aufgeräumt. Der 1.6 T-GDI leistet nun 160 PS (Front) oder 180 PS (Allrad). Überraschung: Die 48-Volt-Mildhybrid-Technik wurde bei diesen reinen Benzinern gestrichen.

Warum tut Hyundai das? Weil es ehrlich ist. Das 48V-System sparte auf dem Papier 0,2 Liter, machte das Auto aber teurer und das Bremsgefühl (Rekuperation) synthetisch. Der „neue“ reine 1.6 T-GDI ohne E-Hilfe fühlt sich natürlicher an. Er hängt direkter am Gas. Der Verbrauch? Real ca. 7,5 Liter. Das ist okay. Wer sparen will, muss zum Vollhybrid (HEV) greifen (215 PS Systemleistung). Der fährt sich in der Stadt zu 50% elektrisch und drückt den Verbrauch auf 5,5 Liter. Das ist der Antrieb der Vernunft. Und für die Vielfahrer: Der 1.6 CRDi Diesel (136 PS) ist zurück – und jetzt sogar als sportliche N Line bestellbar! Ein Diesel im Sportanzug. Danke, Hyundai, dass ihr die Langstreckenfahrer nicht vergessen habt.

N Line X: Mehr als nur Optik?

Die neue Ausstattungslinie „N Line X“ (über der normalen N Line) bringt serienmäßig den „Digital Key 2.0“ (Handy als Schlüssel) und das große Sitz-Paket (Belüftung!). Aber Achtung bei der Preisliste: Die adaptiven Dämpfer (ECS) sind selbst in dieser Top-Version nicht serienmäßig, sondern kosten rund 800 Euro Aufpreis. Mein Tipp: Kreuzen Sie diese Option unbedingt an!

Das optionale Fahrwerk ist nämlich die Überraschung. Im „Sport“-Modus strafft sich der Tucson dank ECS spürbar. Er wankt kaum noch. Die Lenkung ist präzise, wenn auch etwas gefühllos. Aber: Er ist kein echter „N“. Er ist ein sportlicher Gleiter. Mit 180 PS und Allrad (im Benziner) sind Sie flott, aber nicht schnell (0-100 in ca. 9 Sekunden). Ein Cupra Formentor fährt Kreise um ihn. Aber der Tucson ist komfortabler. Er bügelt Gullideckel weg, die im Cupra die Bandscheibe grüßen lassen.

Preis-Check 2026: Teurer, aber mit Rabatt

Ein Tucson N Line (160 PS) startet Liste bei ca. 44.500 Euro. Der neue N Line X liegt bei fast 48.000 Euro.

Klingt viel? Ist es auch. Aber schauen wir auf den Markt („Straßenpreis“). Händler geben derzeit massive Rabatte. Einen gut ausgestatteten N Line finden Sie auf Mobile.de oft schon für unter 35.000 Euro. Vergleichen Sie das mit einem VW Tiguan R-Line. Der kostet nackt 45.000 Euro und hat dann noch keine Matrix-LEDs. Beim Hyundai ist im N Line fast alles drin. Und das Killer-Argument: 5 Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung. VW gibt 2 Jahre. Das sind drei Jahre Sorgenfreiheit, die Sie beim Kauf geschenkt bekommen.

Der SUV-Vergleich 2026

Feature
Hyundai Tucson 1.6 T-GDI N Line (2026)
VW Tiguan 1.5 eTSI R-Line (2025)
Kia Sportage GT-line (Facelift)
Bedienung
Drehregler + Tasten (Top)
Touch-Slider + Screen
Touch-Leiste (Nervig)
Motor
1.6 Turbo (160 PS)
1.5 Mild-Hybrid (150 PS)
1.6 Mild-Hybrid (160 PS)
Garantie
5 Jahre
2 Jahre
7 Jahre
Cockpit
Curved Display (Offen)
Digital Cockpit (Integriert)
Curved Display
Fahrwerk
Adaptiv (ECS, Optional)
Adaptiv (DCC Pro)
Adaptiv (ECS)
Diesel?
Ja (auch als N Line)
Ja
Ja
Preis (Real)
ca. 34.000 €
ca. 42.000 €
ca. 35.000 €

Fazit: Der Volkswagen, den wir wollten

Der Hyundai Tucson (2026) ist das Auto, das VW heute eigentlich bauen müsste. Er ist modern, aber nicht futuristisch um jeden Preis. Er nutzt Technik, um das Leben leichter zu machen (Tasten!), nicht komplizierter. Wenn Sie einen soliden, schicken und bezahlbaren Familien-SUV suchen: Ignorieren Sie den Tiguan. Gehen Sie zu Hyundai. Mein Tipp: Nehmen Sie den Vollhybrid (HEV) in der „Trend“-Ausstattung und buchen Sie das N Line Paket dazu (dank „Black Weeks“ oft günstig). Das ist die goldene Mitte aus Sparsamkeit, Optik und Preis.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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