Leapmotor D19: 1000-Volt-Architektur, 734 PS und das wahre Raumkonzept des 5,25-Meter-SUV

Leapmotor D19: 1000-Volt-Architektur, 734 PS und das wahre Raumkonzept des 5,25-Meter-SUV
Foto: Motor1 Brasil

Leapmotor bereitet den nächsten Paukenschlag vor. Nach den kompakten Modellen B03X und B05 debütiert das neue Flaggschiff D19 auf dem Pariser Autosalon im Oktober 2026. Das 5,25 Meter lange Luxus-SUV rollt auf einer kompromisslosen 1000-Volt-Plattform an und tritt mit bis zu 540 kW (734 PS) im Tri-Motor-Layout sowie einem 115-kWh-Akkupaket direkt gegen Schwergewichte wie den Mercedes EQS SUV an.

Dank der Partnerschaft mit Stellantis profitiert der Newcomer ab Marktstart von einem dichten, etablierten europäischen Werkstatt- und Händlernetz. Zudem verspricht Leapmotor extreme Ladeleistungen von bis zu 460 kW, mit denen in 15 Minuten Strom für rund 350 Kilometer nachgeladen werden soll. Für Diskussionsstoff sorgt derweil das Ladevolumen: Auf den ersten Blick wirken die im Datenblatt genannten 337 Liter Kofferraum für ein 5,25-Meter-Schiff bescheiden. Doch dieser Wert gilt bei voller Drei-Reihen-Bestuhlung – im direkten Vergleich mit der Luxus-Konkurrenz entpuppt sich das Raumkonzept als überraschend durchdacht.

Leapmotor D19 - Bild 1
Foto: Motor1 Brasil

Der Leapmotor D19 positioniert sich mit seiner schieren Größe direkt gegen etablierte Luxus-SUVs. Mit 5.252 Millimetern Länge stellt er selbst einen Mercedes EQS SUV (5.125 mm) oder einen Cadillac Vistiq (5.216 mm) in den Schatten. Nur der ebenfalls aus China stammende Xpeng X9 ist noch länger. Das Design folgt der glattflächigen Formensprache des kleineren C10. Es zeigt schmale Tagfahrlichter und tief sitzende Hauptscheinwerfer; die Türgriffe fahren elektrisch aus. Ein cW-Wert von 0,238 ist für ein Fahrzeug dieser Statur beachtlich, aber kein Rekord.

Modell Länge Breite Höhe Radstand
Mercedes EQS SUV 5.125 mm 1.959 mm 1.742 mm 3.210 mm
Cadillac Vistiq 5.216 mm 2.026 mm 1.787 mm 3.094 mm
Leapmotor D19 5.252 mm 1.995 mm 1.780 mm 3.110 mm
Xpeng X9 5.316 mm 1.988 mm 1.785 mm 3.160 mm

1000-Volt-Plattform und 734 PS im Daten-Check

Das technische Zentrum des D19 ist seine Lade- und Antriebsarchitektur. Leapmotor spricht von einem 1000-Volt-System, das eine maximale DC-Ladeleistung von 460 kW ermöglichen soll. Damit soll an 460-kW-Säulen in nur 15 Minuten Strom für rund 350 Kilometer nachgeladen werden – Zahlen, die selbst Porsche- und Hyundai-Fahrer aufhorchen lassen. Die Realität im Jahr 2026 sieht jedoch differenzierter aus. Viele öffentliche HPC-Lader sind zwar bis 1.000 Volt spannungsfest, können diese Leistung aber oft noch nicht vollständig abgeben. Die vollen 460 kW bleiben vorerst ein theoretischer Wert, der nur an wenigen, speziell dafür ausgelegten Ladehubs erreicht werden kann. Dennoch: Auch an einer 350-kW-Säule dürfte der D19 dank seiner hohen Systemspannung eine extrem stabile und schnelle Ladekurve halten. Offizielle WLTP-Reichweiten oder eine Angabe zur Netto-Kapazität des 115-kWh-Akkus hat Leapmotor bislang nicht genannt. Die chinesischen CLTC-Werte von bis zu 680 Kilometern für das Topmodell sind für europäische Fahrprofile nicht aussagekräftig. Ich erwarte unter realen Autobahnbedingungen bei 130 km/h eine Reichweite von rund 450 bis 500 Kilometern.

Leapmotor D19 - Bild 2
Foto: Motor1 Brasil

Raumkonzept im Klassenvergleich: Was bedeuten 337 Liter hinter Reihe drei?

Bei der ersten Betrachtung des Datenblatts sorgte die Angabe von 337 Litern Kofferraumvolumen für Irritationen. Wer diesen Wert jedoch isoliert mit herkömmlichen Fünfsitzern vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen: Die 337 Liter beschreiben das Gepäckabteil hinter der vollständig aufgestellten dritten Sitzreihe bei voller Sechs- oder Siebensitzer-Nutzung. Betrachtet man das Segment der großen Luxus-SUVs, liegt der D19 damit sogar über dem Klassendurchschnitt. Ein Mercedes EQS SUV bietet bei voller Siebensitzer-Bestuhlung lediglich 195 Liter, ein Audi Q7 begnügt sich mit 295 Litern, ein Volvo EX90 mit 310 Litern und selbst ein BMW X7 kommt hinter Reihe drei nur auf 326 Liter. Sogar klassische Raumwunder wie ein Ford Galaxy boten hier rund 300 Liter.

Hinzu kommt ein entscheidender Konstruktionsvorteil der dedizierten Elektro-Plattform: Der D19 verfügt unter der Fronthaube über einen gewaltigen Frunk mit 176 Litern Fassungsvermögen – ein Fach, das beim Mercedes EQS SUV komplett fehlt. Zusammen mit dem 81-Liter-Unterbodenfach stehen selbst bei voller Besetzung mit sechs oder sieben Passagieren über 513 Liter echtes Stauvolumen bereit. Wird die dritte Sitzreihe elektrisch im Ladeboden versenkt (Fünfsitzer-Modus), wächst der Laderaum auf über 850 Liter an und übertrifft etablierte Dickschiffe wie den BMW X7 (750 Liter) oder Audi Q7 (770 Liter) spürbar. Bei komplett umgeklappter zweiter und dritter Sitzreihe eröffnet sich mit bis zu 2.677 Litern schließlich eine Ladefläche im Transporter-Format. Die Priorität liegt zwar spürbar auf First-Class-Reisekomfort für die Passagiere (mit Zero-Gravity-Sitzen und integriertem 8,1-Liter-Kühlschrank), doch von einem Raumdefizit kann im realistischen Klassenvergleich keine Rede sein.

Die Leistungsdaten sind eine Ansage. Das Topmodell mit drei Motoren leistet 540 kW (734 PS) und sprintet in exakt 3,94 Sekunden auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 210 km/h abgeregelt. Auch die schwächeren Varianten mit 410 kW (Dual-Motor) oder 400 kW (Range Extender) sind alles andere als untermotorisiert. Im Innenraum dominieren Bildschirme: ein 17,3-Zoll-Touchscreen in der Mitte, ein 10,25-Zoll-Instrumentendisplay und ein großer Monitor im Dachhimmel für die Fondpassagiere. Bei den günstigeren Modellen der Marke spürte ich an manchen Stellen den Rotstift bei Materialauswahl und Verarbeitungsdetails. Ob Leapmotor beim Flaggschiff D19 den Sprung auf das Niveau von Mercedes oder Audi schafft, muss die erste Sitzprobe in Paris zeigen.

Leapmotor D19 - Bild 3
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Stellantis-Vertrieb und die aggressive Preisfrage

Der entscheidende Vorteil von Leapmotor gegenüber anderen chinesischen Newcomern liegt in der Strategie. Der Vertrieb über das etablierte Händler- und Servicenetz von Stellantis senkt die Kaufhürde für viele Kunden erheblich, die bei reinen Online-Vertriebsmodellen oder unbekannten Servicepartnern zögern. Für ein Flaggschiff wie den D19, das sich im Premiumsegment bewegt, ist dieser Faktor entscheidend. Niemand kauft ein Auto in dieser Preisklasse ohne die Sicherheit einer funktionierenden Werkstatt-Infrastruktur.

Offizielle Preise für Deutschland gibt es noch nicht. Als Orientierungspunkt dient der ebenfalls sehr große Xpeng X9, der in Deutschland bei 77.600 Euro startet. Sollte Leapmotor den D19 in einer ähnlichen Region positionieren, wäre das eine direkte Kampfansage. Eine aggressive Preisgestaltung würde die Struktur der Oberklasse massiv unter Druck setzen. Damit könnte der D19 preislich dort enden, wo ein nackter Mercedes EQE SUV gerade erst anfängt.

Leapmotor D19 - Bild 4
Foto: Motor1 Brasil

Alex Winds Fazit zum Leapmotor D19: Technologie-Statement mit echter Langstrecken-Reife

Der Leapmotor D19 ist ein faszinierendes Stück Ingenieurskunst. Er demonstriert, wozu Chinas Autoindustrie fähig ist, wenn sie Kosten- und Größengrenzen sprengt. Die 1000-Volt-Architektur und die Ladeleistung von 460 kW setzen ein klares Ausrufezeichen in Richtung Zuffenhausen und Stuttgart. Die schiere Kraft der Tri-Motor-Version mit 734 PS ist brachial. Entgegen vorschneller Urteile über das Gepäckabteil ist der D19 keineswegs unpraktisch: Mit 337 Litern hinter der dritten Reihe, kombiniert mit dem riesigen 176-Liter-Frunk, schlägt er beim Kofferpacken für die Großfamilie sogar einen Mercedes EQS SUV oder BMW X7.

Leapmotor beweist mit dem D19 eindrucksvoll, dass die technologische Lücke zur deutschen Premium-Elite geschlossen ist. Wer maximale Variabilität, First-Class-Gestühl und rasend schnelles Nachladen sucht, findet im D19 ein ernstzunehmendes Luxus-SUV – vorausgesetzt, die Serienverarbeitung auf dem Pariser Autosalon hält, was die Papierform verspricht.


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