MGs nächste ZS-Generation: SolidCore-Akku und neue Hybrid-Antriebe im Check

MGs nächste ZS-Generation: SolidCore-Akku und neue Hybrid-Antriebe im Check
Foto: MG Motor

MG, eine Marke des chinesischen SAIC-Konzerns, plant einen technologischen Vorstoß, der die etablierte Konkurrenz unter Druck setzen soll. Kern der Strategie ist die Einführung einer als „SolidCore“ bezeichneten Semi-Festkörper-Batterie. Diese soll laut offiziellen Ankündigungen bereits Ende 2026 in reinen Elektrofahrzeugen debütieren. In einem zweiten Schritt wird die Technologie für eine neue Generation von „Plug-in Hybrid+“-Modellen adaptiert, beginnend mit dem Nachfolger des MG ZS. Diese PHEVs sollen mit neu entwickelten, hocheffizienten 1,1-Liter- und 1,5-Liter-Turbomotoren kombiniert werden.

Die Ankündigung verspricht auf dem Papier signifikante Vorteile: eine höhere Energiedichte, eine verbesserte Leistungsfähigkeit speziell bei niedrigen Temperaturen und eine insgesamt stabilere Leistungsabgabe über den gesamten Ladezyklus. Doch während die Marketing-Botschaft klar ist, wirft eine tiefgehende Analyse für den deutschen Markt erhebliche Fragen auf. Die für eine fundierte Kaufentscheidung essenziellen, harten Fakten zu Ladeperformance, realen Betriebskosten und vor allem zur Langzeitstabilität fehlen bislang vollständig. Die Versprechen aus China müssen sich erst noch an der Realität des anspruchsvollen europäischen Marktes messen lassen.

Unsere Recherche fokussiert sich daher gezielt auf die Informationslücken, die andere Publikationen bislang übersehen. Anstatt die Hersteller-Ankündigungen lediglich zu reproduzieren, konfrontieren wir die Versprechen mit den bekannten Schwachstellen aktueller MG-Modelle und den fundamentalen, unbeantworteten Fragen. Denn gerade die Analyse der Mängelhistorie bei Software und Antriebsstrang aktueller Fahrzeuge liefert kritische Indizien dafür, welche Herausforderungen SAIC bei der Einführung dieser neuen Technologie noch zu bewältigen hat.

Technologischer Sprung oder Marketing-Versprechen? Die Eckdaten im Detail

Die technische Basis für MGs Offensive bildet die „SAIC Intelligent Global Modular Architecture“ (SIGMA), eine flexible Plattform, die für Verbrenner, Hybride und reine Elektroantriebe ausgelegt ist. Für die neuen „Plug-in Hybrid+“-Modelle wird sie mit der SolidCore-Batterie kombiniert. Hierbei handelt es sich nicht um eine reine Feststoffbatterie, sondern um eine Semi-Festkörper-Technologie mit einem Feststoffanteil von 95 Prozent. Die erste Generation setzt auf eine Lithium-Mangan-Oxid-Kathode (LMO) in einer 3D-Spinel-Struktur sowie eine Silizium-Carbon-Anode. Diese Konfiguration soll die Energiedichte und Sicherheit im Vergleich zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus mit flüssigem Elektrolyt verbessern. Doch wie sich diese Laborwerte in der Praxis niederschlagen, bleibt abzuwarten.

Parameter
MG ZS Hybrid+ (aktuell)
MG ZS PHEV SolidCore (ab ca. 2027, Prognose)
Status / Kritische Anmerkung
Batterie-Technologie
Lithium-Ionen
Semi-Festkörper („SolidCore“)
Technologie-Sprung, aber Praxistauglichkeit unbewiesen
Zellchemie
NMC (Nickel-Mangan-Cobalt)
LMO-Kathode, Silizium-Carbon-Anode
Potenziell höhere Stabilität und Kälteresistenz
Motorisierung
1.5L Benziner + E-Motor (Systemleistung: 197 PS)
1.1 Turbo (ca. 98 PS) / 1.5 Turbo (ca. 161 PS) + E-Motor
Neue, effizientere Motoren mit >42% Wirkungsgrad
Plattform
SAIC-Plattform
SAIC SIGMA-Plattform
Anpassungen für SolidCore-Batterie unklar
Elektrische Reichweite (WLTP)
Kurzstrecke (Vollhybrid)
Unbekannt
Kritische Informationslücke; entscheidend für Förderfähigkeit
Ladeleistung AC/DC
Nicht zutreffend (Vollhybrid)
Unbekannt
Größte technische Unbekannte; keine Ladekurven verfügbar
Kofferraumvolumen
448 – 1.375 Liter
Unbekannt
Einfluss der neuen Batterieform auf das Ladevolumen ist offen
Basispreis (Deutschland)
ab 22.990 € (Launch-Preis)
Unbekannt (Prognose > 28.000 €)
Preisgestaltung für den deutschen Markt völlig unklar
Versicherung (Typklasse)
HP 16 / TK 20 (Beispiel)
Unbekannt
Direkter Einfluss auf laufende Kosten; Neueinstufung durch GDV nötig

SIGMA-Plattform und die neuen Turbomotoren: Ein Effizienzversprechen?

Herzstück des konventionellen Antriebsstrangs werden zwei neu entwickelte Turbobenziner sein. Ein kleiner 1,1-Liter-Motor mit rund 98 PS und ein größerer 1,5-Liter-Vierzylinder mit circa 161 PS sollen zum Einsatz kommen. Für beide Aggregate gibt SAIC einen bemerkenswert hohen thermischen Wirkungsgrad von über 42 % beziehungsweise 43 % an. Solche Werte sind typischerweise Motoren vorbehalten, die im Atkinson- oder Miller-Zyklus arbeiten, was auf eine konsequente Auslegung auf Effizienz hindeutet. In Kombination mit der elektrischen Unterstützung könnten diese Antriebe tatsächlich neue Maßstäbe im Verbrauchs-Ranking setzen. Die Frage wird sein, wie harmonisch das Zusammenspiel zwischen den neuen Turbomotoren, dem Getriebe und dem Elektromotor unter realen Bedingungen funktioniert – ein Bereich, in dem aktuelle MG-Hybride durchaus Kritik erfahren.

Die Integration in die SIGMA-Plattform wirft ebenfalls Fragen auf. Während die Flexibilität der Architektur ein Vorteil ist, sind die spezifischen Anpassungen für die Aufnahme der SolidCore-Batterie noch gänzlich unbekannt. Die Form und das Volumen eines Festkörper-Akkupakets können sich von denen herkömmlicher Batterien unterscheiden. Dies hat potenziell direkte Auswirkungen auf die Gewichtsverteilung, den Fahrzeugschwerpunkt und, für viele Kunden entscheidend, das verfügbare Innenraum- und Kofferraumvolumen. Bislang gibt es keine Chassis-Codes oder detaillierte technische Zeichnungen, die Aufschluss darüber geben, ob Kompromisse bei der Raumökonomie eingegangen werden mussten. Die Konkurrenz schläft nicht, und die Erwartungen an kommende Modelle wie der Nächster Audi Q3 (2027?) zeigen, dass auch etablierte Hersteller ihre PHEV-Technologie weiterentwickeln.

Die Ladekurven-Leerstelle und das Winter-Dilemma

Die größte technische Unbekannte und damit das größte Risiko für potenzielle Käufer ist die Ladeperformance. MG verspricht eine bessere Leistung bei Kälte, doch ohne verifizierbare Ladekurven ist dies eine reine Behauptung. Eine Ladekurve dokumentiert die Ladeleistung in Kilowatt (kW) über den Ladezustand (SoC) der Batterie von 0 bis 100 Prozent. Sie ist der einzige verlässliche Indikator dafür, wie schnell ein Fahrzeug wirklich lädt und ob die hohe Ladeleistung nur für ein kurzes Zeitfenster anliegt oder stabil gehalten wird. Besonders kritisch ist das Verhalten bei niedrigen Temperaturen, da hier die Ladeleistung bei konventionellen Lithium-Ionen-Akkus oft drastisch einbricht.

Genau hier liegt die Achillesferse aktueller MG-Modelle. Fahrer des MG EHS Plug-in-Hybrid berichten in Foren übereinstimmend von einer massiv sinkenden elektrischen Reichweite im Winter, die von den offiziellen 52 Kilometern auf teils nur noch 25 bis 30 Kilometer abstürzt. Wenn die neue SolidCore-Batterie ihr Kälte-Versprechen nicht halten kann, droht den Käufern eine ähnliche Enttäuschung. Die Behauptung einer überlegenen Technologie muss durch Daten untermauert werden. Solange MG keine Ladekurven für verschiedene Temperaturbereiche (z.B. +20°C, 0°C, -10°C) vorlegt, bleibt die tatsächliche Alltags- und Wintertauglichkeit reine Spekulation. Andere Hersteller gehen hier transparenter vor; so wird etwa für den Kia EV9 bereits über die Vorzüge der nächsten LFP-Akkugeneration für die Modellpflege diskutiert, was eine klare Erwartungshaltung schafft.

Preisgestaltung und laufende Kosten: Die entscheidende Frage für den deutschen Markt

MG hat sich in Deutschland über eine aggressive Preispolitik positioniert. Der aktuelle MG ZS Hybrid+, ein Vollhybrid, wurde zu einem Kampfpreis von 22.990 Euro eingeführt. Für das neue Modell mit aufwendigerer Festkörper-Technologie ist eine Preiserhöhung unausweichlich. Im Netz kursierende Umrechnungen ausländischer Preisprognosen, die von einem Startpreis um die 22.000 Dollar ausgehen, sind für den deutschen Markt irrelevant. Sie ignorieren Mehrwertsteuer, Homologationskosten, Zölle und die typischerweise höhere Basisausstattung für Europa. Realistisch dürfte der Einstiegspreis für den MG ZS PHEV mit SolidCore-Batterie eher in Richtung 28.000 bis 30.000 Euro tendieren, um einen Respektabstand zu reinen Elektroautos wie dem MG4 zu wahren.

Viel wichtiger für die Gesamtkostenbetrachtung (TCO) sind jedoch die laufenden Posten, und hier herrscht absolute Intransparenz. Die Einstufung in die Versicherungstypklassen durch den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist völlig offen. Während der neue ZS Hybrid+ mit Haftpflichtklasse 16 recht günstig eingestuft ist, zeigen andere Varianten wie der ZS 1.0T (Haftpflichtklasse 21), dass die Kosten innerhalb einer Modellreihe stark variieren können. Ebenso unklar ist die zukünftige Kfz-Steuer. Hinzu kommen die Wartungskosten. Aus Nutzerkreisen aktueller MG-Hybride wird berichtet, dass jährliche Inspektionen zwischen 300 und 700 Euro kosten, wobei größere Wartungen auch die 1.000-Euro-Marke überschreiten können. Ein weiterer Kritikpunkt ist die starke Abhängigkeit von offiziellen MG-Vertragswerkstätten, da viele freie Werkstätten aufgrund fehlender technischer Informationen oder Spezialwerkzeuge die Wartung dieser Fahrzeuge ablehnen. Gerade im preissensiblen Segment, in dem auch Modelle wie der kommende Dacia Spring 2027 oder der anvisierte Dacia Hipster 2027 um Kunden werben, sind unkalkulierbare Folgekosten ein erhebliches Verkaufshemmnis.

Mängel-Historie und Software-Schwächen als Warnsignal

Da das Zukunftsmodell noch nicht existiert, ist eine direkte Mängelanalyse unmöglich. Ein kritischer Journalismus erfordert jedoch, die Qualitätsbilanz der aktuellen Fahrzeuggeneration als Indikator für die Zukunft heranzuziehen. Die Analyse von Foren wie Motor-Talk, Reddit und dem britischen MG Drivers Club zeichnet ein konsistentes Bild von wiederkehrenden Problemen, die vor allem die komplexe Interaktion von Hard- und Software betreffen.

Besonders bei den Plug-in-Hybriden von MG kristallisieren sich spezifische Schwachstellen heraus, die für Käufer der nächsten Generation relevant sein könnten:

  • „Motoremissionsstörung“ beim MG HS PHEV: Ein häufig gemeldeter Fehler tritt auf, wenn die Hochvoltbatterie leer ist und der Verbrennungsmotor während der Fahrt versucht, diese nachzuladen. Dies führt zu einem abrupten Anstieg der Motordrehzahl und einer spürbaren Leistungsreduktion, begleitet von der entsprechenden Fehlermeldung. Ein solches Verhalten kann insbesondere in kritischen Situationen, etwa bei einem Überholvorgang auf der Landstraße, gefährlich werden.
  • Probleme mit der 12V-Batterie: Zahlreiche Fahrer berichten von sich schnell entleerenden 12-Volt-Batterien, die das Fahrzeug lahmlegen. Als Hauptverdächtiger gilt das Infotainmentsystem, das sich nach dem Abstellen des Fahrzeugs nicht vollständig in den Ruhemodus versetzt und so kontinuierlich Strom zieht.
  • Software- und Infotainment-Glitches: Die Software der MG-Fahrzeuge wird durchweg als langsam und fehleranfällig beschrieben. Das System neigt zum Einfrieren, Touch-Eingaben werden nur mit erheblicher Verzögerung erkannt, und es kommt zu sporadischen Fehlermeldungen, die teilweise sogar in chinesischer Schrift angezeigt werden – ein klares Zeichen für mangelhafte Lokalisierung und Qualitätskontrolle.

Auch offizielle Rückrufe und KBA-Meldungen stützen dieses Bild. Für den MG HS PHEV existiert ein Rückruf (Aktion R21-001) wegen Brandgefahr, verursacht durch eine falsch verlegte Teppich-Unterlage, die einen elektrischen Massepunkt beschädigen konnte. Für das neuere Elektro-SUV MG Marvel R (in China als S5 EV bekannt) gab es eine KBA-Warnung (Referenznummer 16617R), da der Kühlerlüfter des Inverters bei Frost vereisen und blockieren kann, was zu einer Überhitzung des Inverters führt. Diese Mängel zeigen, dass SAIC in den Bereichen Software-Stabilität, elektrische Absicherung und Dauerhaltbarkeit noch Hausaufgaben zu erledigen hat, bevor eine noch komplexere Technologie wie die Festkörper-Batterie zuverlässig in Serie gehen kann. Die bloße Ankündigung einer neuen Technologie, wie sie auch beim Konzept des Toyota GR GT zu sehen ist, ist noch kein Garant für eine fehlerfreie Umsetzung im Massenmarkt.

Alex Winds Urteil: Jetzt auf reife Alternativen setzen

Die Ankündigung von MG, die SolidCore-Batterie bereits Ende 2026 in reinen E-Autos und kurz darauf auch in Plug-in-Hybriden einzuführen, ist aus technologischer Sicht beachtlich und zeugt vom Ehrgeiz des SAIC-Konzerns. Doch für den kritischen Autokäufer in Deutschland ist die Ankündigung aktuell nicht mehr als eine Absichtserklärung mit vielen Unbekannten. Die wirklich entscheidenden Daten, die eine fundierte Bewertung ermöglichen würden – verifizierte Ladekurven unter realen Bedingungen, offizielle WLTP-Reichweiten, eine transparente Preisstruktur für den deutschen Markt und eine verbindliche Aussage zu den laufenden Kosten –, fehlen vollständig. Das Versprechen einer überlegenen Kälteresistenz klingt gut, muss sich aber erst gegen die dokumentierten Winter-Schwächen aktueller MG-Modelle beweisen.

Besonders kritisch sehe ich die Ergonomie und Software-Qualität. Die in Foren breit diskutierten Probleme mit einfrierenden Infotainmentsystemen, langsamen Reaktionen und sogar chinesischen Fehlermeldungen in aktuellen Fahrzeugen sind ein klares Warnsignal. Eine zunehmende Verlagerung von Funktionen auf einen zentralen Touchscreen ist nur dann akzeptabel, wenn die dahinterliegende Software absolut stabil, schnell und intuitiv funktioniert. Die aktuelle Mängelhistorie von MG lässt hier erhebliche Zweifel aufkommen. Die Abhängigkeit von einem unzuverlässigen Touchscreen für klimarelevante oder fahrzeugspezifische Einstellungen ist nicht nur ein Komfortproblem, sondern kann zu einer echten Ablenkung und damit zu einem Sicherheitsrisiko werden. Solange MG diese fundamentalen Software- und Qualitätsprobleme nicht in den Griff bekommt, bleibt auch die fortschrittlichste Batterietechnologie nur ein Versprechen mit eingebautem Risiko.


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