Statt 80 kW Ladeleistung: Omoda 5 EV bekommt 130 kW und neues Cockpit

Statt 80 kW Ladeleistung: Omoda 5 EV bekommt 130 kW und neues Cockpit
Foto: Omoda

Der Omoda 5 EV erhält ein entscheidendes Upgrade. Der zentrale Schwachpunkt, die bisher sehr langsame DC-Ladeleistung von nur 80 kW, wird auf wettbewerbsfähige 130 kW angehoben. Das soll ihn vom Ladenhüter zum ernsthaften Konkurrenten machen.

Dieser Sprung ist technisch überfällig und behebt das größte Manko des chinesischen Kompakt-SUVs für den deutschen Markt. Für Fahrer bedeutet das eine drastisch verkürzte Standzeit an der Autobahn-Ladesäule.

Mit dem Facelift, das für den europäischen Markt angekündigt wurde, erhält der Omoda 5 EV neben dem Lade-Boost auch ein komplett neues Cockpit mit einem großen 15,6-Zoll-Zentraldisplay. Die Batterie bleibt ein LFP-Akku mit rund 61 kWh Kapazität. Der Praxis-Check analysiert, was der Ladesprung wirklich bringt, löst das Daten-Wirrwarr um Cockpit sowie Akku auf und rechnet vor, was der Omoda 5 EV im Unterhalt kosten wird, sobald der noch fehlende Preis feststeht.

Schneller laden: Der Sprung auf 130 kW

Die wichtigste Nachricht zuerst: Omoda hat die größte Schwachstelle des 5 EV ausgemerzt. Bisher war bei mageren 80 kW Spitzenleistung Schluss. Das war schon zum Marktstart nicht mehr konkurrenzfähig und bedeutete lange Pausen auf der Langstrecke. Mit dem Facelift steigt die maximale Ladeleistung auf 130 kW. Das ist zwar kein Spitzenwert im Segment – ein Tesla Model Y oder Kia Niro EV laden schneller. Es ist aber eben der Sprung in die Liga der alltagstauglichen Elektroautos.

Modell & Generation DC-Ladeleistung Ladezeit (30–80 %) Akkukapazität WLTP-Reichweite Infotainment Länge / Format
Omoda 5 EV Facelift (2026/27) 130 kW DC ca. 28 min 61,0 kWh (LFP) 430 km 15,6″ Zentraldisplay 4.424 mm (+110 mm)
Omoda 5 EV Vor-Facelift 80 kW DC ca. 35 min 61,0 kWh (LFP) 430 km 2x 12,3″ Display-Verbund 4.314 mm
BYD Atto 3 (Wettbewerber) 88 kW DC ca. 29 min 60,5 kWh Blade (LFP) 420 km 15,6″ Dreh-Display 4.455 mm

Doch genau hier beginnt die für neue Marken typische Verwirrung. Omoda selbst sorgt für widersprüchliche Angaben. Die offizielle Pressemitteilung zum Facelift spricht von 28 Minuten für einen Ladehub von 30 auf 80 Prozent. Das ist ein praxisnaher Wert für einen kurzen Stopp. Gleichzeitig geistert auf einigen offiziellen Länder-Websites noch eine Angabe von 34 Minuten für 10 bis 80 Prozent umher. Eine klare, offizielle Auflösung dieses Widerspruchs gibt es seitens Omoda bislang nicht. Was stimmt denn nun?

In meiner Praxis als Tester gehe ich davon aus, dass die 28 Minuten die neue, offizielle Angabe für das Facelift-Modell sind. Die 34 Minuten beziehen sich wahrscheinlich auf das alte Modell oder einen theoretischen Wert unter Einbeziehung der langsameren Ladephasen unter 30 Prozent. Der Sprung auf 130 kW bedeutet, dass der klassische „Kaffee-und-Toilette“-Stopp von rund 25-30 Minuten ausreicht, um wieder gut 200 Kilometer Reichweite nachzuladen. Das war mit dem alten Modell undenkbar.

Cockpit-Upgrade: Warum 15,6 Zoll mehr sind als 24,6

Auf den ersten Blick wirkt die Ankündigung des neuen Cockpits wie ein Rückschritt. Statt des bisher beworbenen „24,6-Zoll Dual-Screen-Displays“ gibt es nun ein 8,9-Zoll-Instrumentendisplay und einen zentralen, schwebenden 15,6-Zoll-Touchscreen. Klingt nach weniger, ist aber ein deutlicher Fortschritt.

Das alte Setup war ein Marketing-Trick. Es handelte sich um zwei Bildschirme mit je rund 12,3 Zoll, die in einem gemeinsamen Gehäuse steckten und deren Diagonale man nicht einfach addieren kann. Dieses breite, aber nicht sonderlich hohe Layout ist technologisch überholt. Das neue Cockpit orientiert sich klar an Vorbildern wie Tesla oder BYD: Ein kleineres, auf das Nötigste reduziertes Fahrerdisplay und eine große, hochformatige Zentraleinheit für Navigation, Medien und Fahrzeugeinstellungen.

Dieser Wechsel ist ein klares Upgrade. Die Bedienlogik wird dadurch in der Regel besser, die Navigationskarte größer und die gesamte Anmutung moderner. Laut Hersteller kommen ein neues, belüftetes 50-Watt-Schnellladepad für Smartphones und eine verbesserte Ambientebeleuchtung hinzu. Omoda hat hier also klar modernisiert und nicht am falschen Ende gespart.

Mehr als nur Laden: Die versteckten Upgrades

Die Modellpflege ist tiefgreifender, als es die beiden Haupt-Schlagzeilen vermuten lassen. Auf der Hebebühne und mit dem Maßband wird deutlich: Das Auto ist gewachsen. Die Gesamtlänge legt um 10 Zentimeter auf 4,54 Meter zu, der Radstand wächst um 2 Zentimeter auf 2,63 Meter. Das verspricht etwas mehr Platz im Innenraum, insbesondere für die Passagiere im Fond.

Auch das Kofferraumvolumen profitiert, wenn auch nur geringfügig. Omoda gibt nun „mehr als 400 Liter“ an, die sich auf über 1.100 Liter bei umgeklappter Rückbank erweitern lassen. Das ist klassenüblich, aber kein Raumwunder.

Wichtiger sind die neuen Assistenzsysteme. Mit dem Facelift kommen eine 540-Grad-Panoramakamera (eine Erweiterung der 360-Grad-Sicht um eine „Bodenansicht“) sowie die Parkassistenten APA (automatisches Einparken) und RPA (ferngesteuertes Einparken per App) an Bord. Das sind Komfortmerkmale, die in dieser Preisklasse noch nicht selbstverständlich sind und den Omoda 5 EV technisch aufwerten.

Preise und Marktstart: Warum Omoda noch schweigt

Die entscheidende Frage bleibt offen. Was kostet der verbesserte Omoda 5 EV? Und wann steht er bei den Händlern? Hier hüllt sich der Hersteller in Schweigen. Das hat einen handfesten Grund.

Meine Recherchen bei der Marke bestätigen: Das Fahrzeug hat noch keine abgeschlossene Homologation für den deutschen Markt. Solange die finalen technischen Daten und Verbrauchswerte nicht offiziell vom Kraftfahrt-Bundesamt bestätigt sind, wird Omoda keine Preise nennen. Jeder zuvor kommunizierte Preis wäre rechtlich angreifbar.

Für Käufer bedeutet das: Geduld ist gefragt. Es ist davon auszugehen, dass der Marktstart nicht vor Anfang 2027 erfolgen wird. Ob der Preis stabil bleibt oder aufgrund der deutlichen technischen Aufwertung steigt, ist reine Spekulation. Ich rate dringend davon ab, Kaufentscheidungen auf Basis von Vorankündigungen zu treffen. Warten Sie auf die finalen, für Deutschland gültigen Preis- und Ausstattungslisten.

Der Omoda 5 EV im Kosten-Check

Auch ohne finalen Kaufpreis lässt sich schon jetzt eine erste Unterhaltskosten-Prognose erstellen. Auf Basis der ADAC-Testdaten und deutscher Stromtarife lässt sich der laufende Unterhalt bereits vor Marktstart transparent durchrechnen.

  • Stromkosten pro 100 km: Omoda gibt einen vorläufigen WLTP-Verbrauch von 15,9 kWh/100 km an. In der Praxis, inklusive Ladeverlusten von rund 10 %, rechne ich mit realen 17,5 kWh, die aus dem Netz gezogen werden. Bei einem aktuellen Haushaltsstrompreis von ca. 0,32 €/kWh kostet die 100-km-Distanz 5,60 Euro. An einer öffentlichen DC-Schnellladesäule (ca. 0,60 €/kWh) wären es hingegen 10,50 Euro.
  • KFZ-Steuer: Als reines Elektroauto ist der Omoda 5 EV in Deutschland bis mindestens Ende 2030 von der KFZ-Steuer befreit. Kostenpunkt: 0 Euro.
  • Versicherung: Die Typklassen für Haftpflicht und Kasko (Teil/Voll) stehen noch nicht fest. Neue Modelle von neuen Marken werden von Versicherern anfangs oft vorsichtig und damit eher teuer eingestuft. Hier sollten Interessenten mit einem Aufschlag gegenüber etablierten Modellen wie einem VW ID.3 rechnen.

Die entscheidende Frage, nach wie vielen Kilometern sich ein möglicher Mehrpreis gegenüber einem Verbrenner amortisiert, kann erst mit dem finalen Kaufpreis beantwortet werden. Die reinen Betriebskosten sind jedoch, wie bei E-Autos üblich, erfreulich niedrig.

Akkugröße: Das Daten-Chaos bei Omoda

Ein weiteres Beispiel für die ausbaufähige Kommunikation von Omoda ist die Batteriekapazität. In den Dokumenten finden sich Werte von 60,9 kWh, 61 kWh und sogar 58,9 kWh. Eine klare Unterscheidung zwischen der Brutto- (Gesamtkapazität) und der Netto-Kapazität (nutzbare Energie) fehlt völlig.

Diese Intransparenz ist ärgerlich, da nur die Netto-Kapazität für die reale Reichweite entscheidend ist. Basierend auf den Erfahrungen mit LFP-Akkus anderer Hersteller dürfte die nutzbare Kapazität bei knapp unter 61 kWh liegen. Der vom Hersteller angegebene WLTP-Wert von 430 Kilometern erscheint damit realistisch, im winterlichen Alltag dürften es aber eher 280 bis 320 Kilometer sein.

Fazit: Gutes Update mit Restrisiko

Können Besitzer des alten Modells auf ein Update hoffen? Bei reinen Software-Funktionen wäre ein Over-the-Air-Update (OTA) denkbar. Die zentralen Verbesserungen wie die höhere Ladeleistung oder das neue Cockpit sind jedoch Hardware-Änderungen und werden für Bestandsfahrzeuge nicht nachrüstbar sein. Wer das alte Modell besitzt, geht leer aus.

Mein Urteil zum Omoda 5 EV Facelift ist zweigeteilt. Auf der einen Seite ist es ein technisch umfassendes und notwendiges Upgrade. Der Sprung auf 130 kW Ladeleistung hievt das Auto aus der Nische der reinen Stadtautos heraus und macht es zu einem alltagstauglichen Begleiter. Das neue Cockpit ist eine klare Modernisierung. Omoda zeigt, dass sie schnell lernen und nachbessern können.

Auf der anderen Seite offenbart die Markteinführung die typischen Schwächen neuer Player. Die Datenkommunikation ist teils chaotisch, Preise fehlen und der Zeitplan ist unklar. Das schafft halt Unsicherheit. Der Omoda 5 EV ist mit diesem Update ein interessantes Auto geworden, aber eben noch kein fertiges Produkt für den deutschen Markt. Mein klarer Rat lautet daher: Abwarten. Beobachten Sie die Markteinführung und warten Sie auf unabhängige Tests. Kaufen Sie das Auto, das beim Händler steht, nicht die Versprechungen aus einer Pressemitteilung.


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