Jahrelang hieß es: “SEAT stirbt. Cupra übernimmt.” Doch Ende 2025 steht der SEAT Leon (Modelljahr 2026) immer noch im Showroom. Frisch poliert, technisch renoviert und lebendiger denn je. Warum? Weil der VW-Konzern gemerkt hat, dass nicht jeder Kunde bereit ist, Aufpreise für matte Lacke und kupferfarbene Logos zu zahlen. Es gibt eine riesige Gruppe von Käufern, die einfach nur einen guten, bezahlbaren Kompaktwagen wollen. Einen “Golf”, der funktioniert und gut aussieht. Der Leon 2026 ist genau das. Er hat die Kinderkrankheiten der frühen Jahre (Software-Abstürze, unbedienbares Cockpit) abgelegt. Er hat neue Motoren. Und er hat ein Feature, auf das wir fünf Jahre gewartet haben: Licht am Klimaregler. Ich bin den “Volks-Spanier” als 1.5 eTSI und als neuen e-Hybrid gefahren. Ist er der bessere Deal als der Cupra Leon?
Das Update: Endlich sieht man, was man tippt
Das wichtigste Update findet im Innenraum statt. Das neue Infotainment-System (12,9 Zoll optional, 10,4 Zoll Serie) läuft endlich flüssig. Und: Die Touch-Slider unter dem Bildschirm für Temperatur und Lautstärke sind jetzt beleuchtet.
Halleluja. Es hat eine halbe Dekade gedauert, aber jetzt können Sie auch nachts die Heizung verstellen, ohne das Innenlicht anzumachen. Ist das Cockpit damit perfekt? Nein. Echte Drehregler wären immer noch besser. Aber das neue System reagiert schnell, die Menüstruktur ist logischer, und Wireless CarPlay verbindet sich, bevor Sie angeschnallt sind. Der Leon wirkt innen jetzt erwachsen. Nichts klappert, die Materialien sind solide. Er ist weniger “verspielt” als der Cupra, aber ergonomisch sind sie jetzt Zwillinge. Wer auf die Sportschalensitze des Cupra verzichten kann, sitzt im SEAT genauso gut – und bequemer auf der Langstrecke.
Motoren: Hubraum statt Luftpumpe
Der 1.0-Liter-Dreizylinder ist Geschichte. Der Einstiegsmotor ist jetzt der 1.5 TSI (Vierzylinder!) mit 115 PS. Darüber rangiert der 1.5 TSI mit 150 PS (als eTSI mit Mildhybrid und DSG).
Das ist die beste Entscheidung, die SEAT treffen konnte. Der 1.5er mit 115 PS ist ein “Sahnestück” der Vernunft. Er läuft ruhiger als der alte Dreizylinder, hat mehr Drehmoment im Keller und verbraucht kaum mehr. Auf der Autobahn wirkt er souveräner. Sie müssen ihn nicht ausquetschen, um im Verkehr mitzuschwimmen. Für Vielfahrer ist der 2.0 TDI (150 PS) immer noch im Programm – ein Motor, den man pflegen sollte, solange es ihn gibt. Er ist der ungeschlagene Langstreckenmeister mit realen 5,0 Litern Verbrauch.
Der PHEV: 100 km elektrisch – wirklich?
Der neue 1.5 e-Hybrid (Plug-in-Hybrid) ersetzt den alten 1.4er. Er leistet 204 PS und hat einen netto 19,7 kWh Akku. Die Ladeleistung steigt auf 50 kW (DC).
Hier wird der Leon zum Pendler-König. Fast 20 kWh Akku in einem Kompaktwagen sind eine Ansage. Real sind im Sommer 100 bis 110 km rein elektrisch möglich. Im Winter immer noch 70-80 km. Das bedeutet: Sie fahren zur Arbeit, zum Sport, zum Einkaufen – alles elektrisch. Und wenn Sie mal weiter müssen? Dann laden Sie am Schnelllader (DC) in 25 Minuten wieder voll. Das macht den PHEV endlich sinnvoll für Menschen ohne eigene Wallbox. Der Übergang zwischen E-Motor und Benziner ist im neuen 1.5er System viel weicher als im alten 1.4er. Kein Ruckeln mehr.
SEAT vs. Cupra: Die 5.000-Euro-Frage
Ein SEAT Leon FR 1.5 eTSI (150 PS) kostet Liste ca. 34.000 Euro. Ein vergleichbarer Cupra Leon startet oft erst bei 38.000 Euro (und hat dann oft den stärkeren Motor oder mehr Ausstattung, aber der Einstieg ist teurer).
Hier ist die Wahrheit: Wenn Sie den 150-PS-Motor wollen (der meistverkaufte), kaufen Sie den SEAT. Er sieht als “FR” fast genauso sportlich aus (bis auf die Logos und Farben). Er fährt sich identisch (beide haben die Mehrlenkerachse ab 150 PS). Der Cupra lohnt sich nur, wenn Sie:
- Mehr Leistung wollen (den 300 PS VZ gibt es nur als Cupra).
- Auf matte Lacke und Kupfer-Details stehen.
- Das Image brauchen. Für den pragmatischen Familienvater ist der SEAT Leon FR das schlauere Auto. Sie sparen Geld, das Sie in Benzin investieren können.
Der interne Bruderkampf
Feature | SEAT Leon FR 1.5 eTSI (2026) | Cupra Leon (Basis) | VW Golf 8.5 Style |
Motor | 1.5 Turbo (150 PS) | 1.5 Turbo (150 PS) | 1.5 Turbo (150 PS) |
Optik | Sportlich / Dezent | Aggressiv / Kupfer | Konservativ |
Slider | Beleuchtet (Endlich!) | Beleuchtet | Beleuchtet |
Fahrwerk | Sportlich-Komfortabel | Straff | Ausgewogen |
Image | Vernunft | Lifestyle | Klassiker |
Preis (Real) | ca. 29.000 € | ca. 34.000 € | ca. 35.000 € |
Fazit: Der beste Golf, der nicht Golf heißt
Der SEAT Leon (2026) ist das Comeback-Kind des Jahres. Totgesagt, aber lebendiger denn je. Mit den neuen Motoren und dem endlich bedienbaren Cockpit ist er das rundeste Angebot im Konzern. Er ist günstiger als ein Golf, komfortabler als ein Cupra und sieht besser aus als ein Skoda Octavia. Mein Rat: Sichern Sie sich einen Leon Sportstourer (Kombi) FR mit dem 150 PS eTSI. Es ist das perfekte Alltagsauto, das keine Wünsche offen lässt – außer vielleicht dem nach einem “Premium”-Badge, das man an der Tankstelle eh nicht bezahlen kann.














