Skoda Kodiaq PHEV mit 272 PS: Warum der Frontantrieb Traktion verliert

272 PS PHEV: Neuer Skoda Kodiaq mit 50 kW DC-Laden
Foto: Škoda Auto

Skoda spendiert seinem Flaggschiff-SUV Kodiaq zum 10. Jubiläum ein unerwartetes Kraft-Update. Die neue Top-Version des Plug-in-Hybriden leistet satte 272 PS und rückt das Familien-SUV in eine neue Leistungsklasse. Für deutsche Fahrer bedeutet das: mehr Souveränität auf der Autobahn, aber auch neue Fragen zur Antriebsbalance und zum Preis, der noch nicht feststeht.

Die Leistungssteigerung von 68 PS gegenüber dem bisherigen Modell wird durch einen erstarkten 1,5-Liter-TSI-Benziner mit 177 PS und eine neue Software-Abstimmung erreicht. Erfreulicherweise bleiben die Eckpfeiler der Alltagstauglichkeit erhalten: Die große 25,7-kWh-Batterie für über 100 km E-Reichweite und das praxistaugliche 50-kW-DC-Schnellladen sind weiterhin an Bord. Bestellstart ist im Herbst 2026.

Skoda Kodiaq 2027: Die Neuheiten zum 10. Jubiläum im Überblick

Skoda feiert den runden Geburtstag des Kodiaq nicht mit einem limitierten Sondermodell, sondern mit zwei dauerhaften und strategisch wichtigen Erweiterungen des Portfolios. Zum einen wird die neue, besonders edle Ausstattungslinie „Laurin & Klement“ (L&K) eingeführt, die den Kodiaq endgültig in Richtung Premium-Segment positioniert. Zum anderen erhält der Plug-in-Hybrid (PHEV) eine deutliche Leistungsspritze.

Skoda Kodiaq PHEV mit 272 PS - Bild 1
Foto: Škoda Auto

Diese beiden Neuerungen werden für das Modelljahr 2027 eingeführt und sind als reguläre Optionen im Programm verankert. Käufer müssen sich also nicht auf eine zeitlich begrenzte Aktion einstellen, sondern können die neuen Varianten in ihre langfristige Kaufplanung einbeziehen.

Analyse: Der neue 272-PS-Plug-in-Hybrid im Detail

Das Herzstück der Neuheiten ist ohne Zweifel der erstarkte Plug-in-Hybridantrieb. Während die bisherige Version mit 204 PS bereits als ausreichend motorisiert galt, legt Skoda nun mit einer Systemleistung von 272 PS (200 kW) nach. Diese Kraftkur wird nicht durch einen größeren Elektromotor, sondern durch einen überarbeiteten Verbrenner erzielt:

  • Verbrennungsmotor: Der 1,5-Liter-TSI-Vierzylinder leistet nun 177 PS (130 kW) statt wie bisher.
  • Elektromotor: Die E-Maschine steuert unverändert 115 PS (85 kW) bei.
  • Software: Eine angepasste Steuerungselektronik orchestriert das Zusammenspiel der beiden Motoren, um die höhere Systemleistung freizugeben.

Die gute Nachricht für Praxis- und Langstreckenfahrer: Die für die Alltagstauglichkeit entscheidenden Komponenten bleiben unangetastet. Die Hochvoltbatterie verfügt weiterhin über eine Bruttokapazität von 25,7 kWh (19,7 kWh netto), was eine rein elektrische Reichweite von über 100 Kilometern nach WLTP-Norm ermöglicht. Noch wichtiger ist die beibehaltene Fähigkeit zum Gleichstrom-Schnellladen (DC) mit bis zu 50 kW. Damit bleibt der Kodiaq iV einer der wenigen Plug-in-Hybride, die an der Autobahn-Ladesäule nicht zum Verkehrshindernis werden.

Der stärkere Antrieb wird nicht auf eine einzelne Top-Version beschränkt sein, sondern soll unter anderem in den Ausstattungslinien Selection, Sportline und der neuen Laurin & Klement-Variante verfügbar sein.

Skoda Kodiaq PHEV mit 272 PS - Bild 3
Foto: Škoda Auto

Technische Daten im Vergleich: Kodiaq iV mit 272 PS vs. 204 PS

Die Gegenüberstellung zeigt, wo genau Skoda die Stellschrauben nachgezogen hat und welche Parameter identisch geblieben sind.

ParameterKodiaq iV (bisher)Kodiaq iV (neu ab MJ 2027)
Systemleistung204 PS (150 kW)272 PS (200 kW)
Leistung Verbrenner (1.5 TSI)ca. 150 PS177 PS (130 kW)
Leistung E-Motor115 PS (85 kW)115 PS (85 kW)
Batteriekapazität (brutto)25,7 kWh25,7 kWh
Batteriekapazität (netto)19,7 kWh19,7 kWh
Max. DC-Ladeleistung50 kW50 kW
Elektrische Reichweite (WLTP)über 100 kmüber 100 km (keine neue Angabe)

Alex Winds Werkstatt-Diagnose: 272 PS nur an der Vorderachse? Die ungestellten Fragen

Ein Leistungsplus von 68 PS ist eine Ansage. Doch was mich als Techniker sofort stutzig macht, ist die Frage nach der Kraftübertragung. Bisherige Berichte, die sich auf internationale Pressematerialien stützen, legen nahe, dass auch der 272-PS-Hybrid ausschließlich mit Frontantrieb kommen wird. Eine offizielle Bestätigung für den deutschen Markt steht zwar aus, aber sollte sich das bewahrheiten, sehe ich einen handfesten Zielkonflikt.

272 PS und ein hohes, sofort anliegendes Drehmoment des E-Motors auf die Vorderräder loszulassen, ist eine echte Herausforderung für jede Traktionskontrolle. Besonders bei Nässe oder beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven erwarte ich hier deutliche Einflüsse in der Lenkung (Torque Steer) und potenziell überforderte Reifen. Für mich ist es absolut entscheidend, wie Skoda dieses Problem fahrwerksseitig gelöst hat. Ein Allradantrieb wäre hier die saubere technische Lösung gewesen, die aber im VW-Konzern-Baukasten für die Plug-in-Hybride dieser Plattform (noch) nicht vorgesehen ist.

Auffällig ist auch, dass Skoda bisher keinerlei Angaben zu den Fahrleistungen, insbesondere zur Beschleunigung von 0 auf 100 km/h, macht. Das ist ungewöhnlich und lässt Raum für Spekulationen. Entweder ist der Zuwachs geringer als die reine PS-Zahl vermuten lässt, oder man möchte die Debatte über die Traktion eines so starken Fronttrieblers nicht vor den ersten Tests anfachen.

Skoda Kodiaq PHEV mit 272 PS - Bild 5
Foto: Škoda Auto

Die neue Luxus-Klasse: Das bietet der Kodiaq Laurin & Klement

Parallel zur neuen Motorisierung wertet Skoda den Kodiaq mit der traditionsreichen Laurin & Klement-Ausstattung auf. Diese Linie zielt klar auf Komfort-orientierte Käufer, die bisher vielleicht bei Premium-Wettbewerbern geschaut haben. Die L&K-Version hebt sich durch eine Reihe exklusiver Merkmale ab:

  • Exterieur: Stoßfänger, Seitenschweller und weitere Anbauteile sind vollständig in Wagenfarbe lackiert, was für einen edleren und weniger rustikalen Look sorgt. Eine silberne Dachreling, L&K-Plaketten an den Kotflügeln und eigenständige Leichtmetallfelgen runden das Bild ab.
  • Interieur: Der Fokus liegt auf Komfort. Die Vordersitze verfügen über eine integrierte Massagefunktion – ein echtes Novum und ein klares Komfort-Plus in dieser Klasse. Hochwertigere Materialien und spezielle Dekoreinlagen sollen den Premium-Anspruch unterstreichen.

Ich persönlich finde, dass gerade die Massagesitze einen echten Mehrwert auf langen Strecken bieten. Man sollte jedoch bedenken, dass die eleganten, voll lackierten Stoßfänger im rauen Familien- oder Parkplatzalltag deutlich empfindlicher für Kratzer und Rempler sind als die robusten Kunststoffteile der Standardversionen.

Skoda Kodiaq PHEV mit 272 PS - Bild 7
Foto: Škoda Auto

Preise und Verfügbarkeit: Ab wann kann bestellt werden?

Skoda hat einen klaren Zeitplan kommuniziert: Die neuen Versionen des Kodiaq, also sowohl die L&K-Ausstattung als auch der stärkere Plug-in-Hybrid, sollen ab Herbst 2026 bestellbar sein. Die ersten Auslieferungen dürften dann Anfang 2027 erfolgen.

Die entscheidende Information fehlt jedoch noch: der Preis. Weder für die L&K-Linie noch für den 272-PS-Antrieb hat Skoda bisher eine offizielle Preisliste für Deutschland veröffentlicht. Es ist davon auszugehen, dass sich der stärkere Hybrid preislich oberhalb der bisherigen 204-PS-Version einordnen wird und die L&K-Ausstattung die neue Spitze des Modellprogramms markiert.

Skoda Kodiaq PHEV mit 272 PS - Bild 9
Foto: Škoda Auto

Fazit und Ausblick: Für wen lohnt sich das Warten?

Mein klares Urteil: Skoda macht mit dem Kodiaq-Update vieles richtig, lässt aber auch entscheidende Fragen offen. Die Kombination aus starkem Hybrid, großer Batterie und schnellem DC-Laden ist im Segment der Familien-SUVs nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal und wird durch die Leistungssteigerung noch attraktiver.

Für wen lohnt sich das Warten? Vor allem für Fahrer, die ein souveränes, langstreckentaugliches und geräumiges SUV suchen, aber aus steuerlichen oder ökologischen Gründen einen Plug-in-Hybrid bevorzugen. Die 272 PS sind eine verlockende Ansage für alle, die gerne Leistungsreserven haben. Die neue L&K-Ausstattung spricht zudem Käufer an, denen Komfort und eine hochwertige Anmutung wichtiger sind als der letzte Euro Ersparnis.

Ich warne Autokäufer aber ausdrücklich davor, die Katze im Sack zu kaufen. Ohne Kenntnis der finalen Preise und vor allem ohne eine Probefahrt, die das Traktionsverhalten des starken Fronttrieblers klärt, sollte keine Bestellung unterschrieben werden. Der Kodiaq bleibt ein exzellentes Familienauto, doch ob die 272-PS-Version die beste Wahl im Portfolio ist, muss sich erst noch in der Praxis auf deutschem Asphalt beweisen.


    ⚠️ Fehler im Artikel entdeckt?


    Helfen Sie uns kurz mit einem anonymen Hinweis:

    Schließen
    Schließen