24.900 Euro für ein kompaktes Elektro-SUV. Mit dem Leapmotor B03X startet Stellantis seit Frühjahr 2026 einen gezielten Angriff auf das europäische Volumensegment, die ersten Exemplare rollen bereits zu den deutschen Händlern. Das chinesische Fabrikat, vertrieben durch das von Stellantis geführte Joint Venture Leapmotor International, soll mit diesem Preis und einem für die Klasse außergewöhnlich großen Raumangebot punkten. Dem aggressiven Einstiegspreis steht eine moderne Ladetechnik zur Seite: Dank 2.5C-Schnellladung verspricht der Hersteller bis zu 133 kW Ladeleistung.
Schnellladung im Faktencheck: Bis zu 133 kW Ladeleistung und 16 Minuten Ladezeit
Leapmotor bietet den B03X in Europa mit zwei klar definierten Ausstattungsvarianten an: Die Basisversion B03X Pro (ab 24.900 Euro) kombiniert einen 130 kW (177 PS) starken E-Motor mit einem 39,8 kWh großen LFP-Akku und 292 Kilometern WLTP-Reichweite. Für anspruchsvollere Pendler und gelegentliche Langstrecken führt die offizielle Broschüre das Topmodell B03X Pro Max (ab 28.285 Euro). Diese Variante steigert die Leistung auf 145 kW (197 PS), beschleunigt in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 und erzielt dank des größeren 53,0-kWh-LFP-Akkus eine WLTP-Reichweite von bis zu 382 Kilometern.
Bei der Ladetechnik schafft der Hersteller mittlerweile Klarheit: Laut offiziellen Angaben auf der Leapmotor-Homepage unterstützt der B03X eine DC-Schnellladeleistung von bis zu 133 kW. Dank einer 2.5C-Laderate soll der Ladevorgang von 30 auf 80 Prozent unter optimalen Bedingungen in rund 16 Minuten absolviert sein. Für das Laden an heimischen Wallboxen und öffentlichen Wechselstrom-Säulen ist ab Werk ein 11-kW-Onboard-Lader verbaut. Damit positioniert sich das kompakte Budget-SUV im Alltag erfreulich konkurrenzfähig: Der MG4 Electric lädt mit bis zu 140–170 kW, während der BYD Dolphin bei 88 kW verharrt. Wie stabil das Ladeplateau bei winterlichen Minusgraden auf deutschen Autobahnen gehalten wird, muss sich im realen Messzyklus freilich erst noch beweisen.
| Merkmal | Leapmotor B03X Pro | Leapmotor B03X Pro Max |
| Preis (UVP) | 24.900 € | 28.285 € |
| Leistung | 130 kW / 177 PS | 145 kW / 197 PS |
| Beschleunigung 0–100 km/h | ca. 9,0 s | 8,6 s |
| Antrieb | Frontantrieb | Frontantrieb |
| Batterie (LFP) | 39,8 kWh | 53,0 kWh |
| WLTP-Reichweite | 292 km | 382 km |
| Max. DC-Ladeleistung | Bis zu 133 kW | Bis zu 133 kW |
| Ladezeit (30–80 % DC) | ca. 16 Minuten* | ca. 17 Minuten* |
| AC-Ladeleistung | 11 kW (dreiphasig) | 11 kW (dreiphasig) |
| Kofferraumvolumen | 400 Liter | 400 Liter |
Im direkten Marktumfeld trifft der B03X auf etablierte Preisbrecher. Der Citroën ë-C3 aus dem eigenen Konzern startet bei 23.300 Euro, bietet mit 310 Litern aber deutlich weniger Kofferraum und mit 299 km eine vergleichbare Reichweite. Der Dacia Spring (ab 16.900 Euro) ist zwar günstiger, spielt aber als Kleinstwagen mit nur 270 Litern Ladevolumen und 230 km Reichweite in einer anderen Liga. Der härteste Rivale dürfte der MG4 Electric sein. Er kostet in der Basis zwar rund 5.000 Euro mehr, bietet dafür aber eine höhere Ladeleistung und ein etabliertes Image. Der B03X muss sich also nicht nur über den Preis, sondern vor allem über sein Raumangebot definieren.
1,5 Milliarden Euro für den China-Plan
Der Markteintritt von Leapmotor folgt einem klaren Plan von Stellantis-CEO Carlos Tavares. Mit einer Investition von 1,5 Milliarden Euro sicherte sich der Konzern einen 21-Prozent-Anteil am chinesischen Mutterkonzern und zugleich 51 Prozent am Joint Venture „Leapmotor International“. Stellantis sichert sich damit die exklusiven Rechte für die Produktion. Der Konzern kontrolliert damit auch den Export und Vertrieb der Fahrzeuge außerhalb Chinas. Tavares will so eine Lücke im eigenen Portfolio schließen und eine Antwort auf die wachsende Konkurrenz aus China geben, ohne eine komplett neue Billig-Plattform entwickeln zu müssen. Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2030 sollen 500.000 Leapmotor-Fahrzeuge außerhalb Chinas verkauft werden. Neben dem kompakten SUV B03X wird dafür auch der Kleinstwagen T03 nach Europa gebracht, der direkt gegen den Dacia Spring antritt.
Die Fertigung für Europa soll zudem kostengünstig im polnischen Stellantis-Werk in Tychy erfolgen. Das senkt die Logistikkosten und umgeht mögliche EU-Strafzölle auf chinesische Importe.
Das Ass im Ärmel und das Servicenetz alles ändert
Die größte Hürde für neue chinesische Marken in Europa war bisher der Aufbau eines flächendeckenden Servicenetzes. Genau dieses Problem löst Leapmotor durch die Partnerschaft. Kunden finden über das dichte Händlernetz von Marken wie Peugeot oder Opel eine vertraute Anlaufstelle für Kauf und Service. Das ist wohl der entscheidende Vorteil gegenüber anderen chinesischen Newcomern. Das Vorgehen erinnert an eine Lehre aus den Fehlstarts anderer chinesischer Marken vor über einem Jahrzehnt. Hersteller wie Brilliance oder Landwind scheiterten damals an zwei Fronten: Desaströse Crashtest-Ergebnisse zerstörten die Produktsubstanz, während ein fehlendes Servicenetz das Kundenvertrauen untergrub. Diesen fundamentalen Fehler schließt Stellantis für Leapmotor von vornherein aus.
Dennoch bleiben Risiken, die über die reine Hardware hinausgehen. Ein großes Fragezeichen steht hinter der passiven Sicherheit. Zum Zeitpunkt der Markteinführung liegen keinerlei Ergebnisse aus dem unabhängigen Euro NCAP Crashtest vor – ein erhebliches Manko für ein Fahrzeug, das auch Familien ansprechen soll. Ob die Fahrzeugstruktur den strengen europäischen Normen gewachsen ist oder ob zur Erreichung des Preisziels Kompromisse eingegangen wurden, ist völlig unklar. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gibt es hierzu keine bestätigten Informationen. Ein weiteres Risiko liegt im Cockpit. Der B03X nutzt Leapmotors eigene „Leap 3.0“-Plattform mit sogenannter Cell-to-Chassis-Technologie (CTC), bei der die Batteriezellen direkt in die Karosseriestruktur integriert sind. Das spart Kosten und Gewicht, wirft aber Fragen zur Reparierbarkeit nach einem Unfall auf. Berichte aus dem chinesischen Heimatmarkt deuten zudem auf eine starke Abhängigkeit des Betriebssystems von Online-Diensten und eine teils gewöhnungsbedürftige Menülogik hin. Ob die Software für den europäischen Markt sauber übersetzt und an hiesige Datenschutzstandards (DSGVO) angepasst wurde, ist noch offen. Auch die Materialqualität im Innenraum dürfte dem Preispunkt geschuldet sein; erste Bilder zeigen viel Hartplastik, was in dieser Klasse aber eben zu erwarten ist.
Mehr als nur ein Billig-SUV: Ein strategischer Testballon
Der Leapmotor B03X ist mehr als nur ein weiteres chinesisches Elektroauto. Dieser Angriff auf das europäische Budget-Segment wird vom Branchenriesen Stellantis orchestriert und abgesichert. Sein stärkstes Argument ist das Raumangebot mit 400 Litern Kofferraumvolumen zu einem Preis, bei dem die europäische Konkurrenz kaum mithalten kann. Gegenüber dem Citroën ë-C3, der mit einem ähnlichen Preis und ebenfalls einer LFP-Batterie antritt, punktet der B03X vor allem mit seinen 400 Litern Kofferraumvolumen (ë-C3: 310 Liter). Das ist ein Plus von fast 30 Prozent. Der Dacia Spring spielt mit seinen Abmessungen und nur 270 Litern Ladevolumen ohnehin in der Kleinstwagen-Liga. Rechnet man den Preis auf die Reichweite um, ergibt sich für das Basismodell ein Wert von rund 85 Euro pro Kilometer WLTP-Reichweite – eine Zahl, die die aggressive Kalkulation unterstreicht.
Der B03X positioniert sich damit als strategisches Manöver, weniger als ein bis ins letzte Detail ausgereiftes Produkt. Er dient Stellantis als Testballon für die Zahlungsbereitschaft europäischer Kunden und als Preissignal an die Konkurrenz. Für Käufer, die ein rein praktisches Fahrzeug für Stadt und Pendelstrecken suchen, stellt er eine rationale Wahl dar, zumal das dichte Servicenetz von Stellantis das übliche Risiko eines Markenneulings minimiert. Für mich persönlich ist der B03X ein beachtliches Signal im Budget-Segment: Mit bis zu 133 kW DC-Ladeleistung und rund 16 Minuten von 30 auf 80 Prozent auf dem Datenblatt räumt Leapmotor die größte Einstiegshürde bei der Alltagstauglichkeit ab. Wer das Fahrzeug als Erstwagen für Pendelstrecken und gelegentliche Autobahnetappen einplant, erhält dank des Stellantis-Servicenetzes und 400 Litern Kofferraum ein starkes Preis-Leistungs-Paket. Dennoch rate ich zu nüchterner Gelassenheit: Erst der reale Härtetest auf der Langstrecke wird zeigen, wie kälteresistent das Ladesystem im deutschen Winter tatsächlich agiert.
