In Deutschland fällt bei 21.000 Autos von Opel & Co. ein Helfer still aus

Stellantis Rückruf Notbremsassistent Sensor-Kalibrierung in Fachwerkstatt
Foto: Opel Automobile

Ein Softwarefehler bei neueren Stellantis-Modellen führt zum stillen Ausfall der Warnanzeige für den Notbremsassistenten. Das Problem tritt auf, wenn die Frontkamera durch Schmutz oder Schnee blockiert ist.

Der Fahrer wiegt sich dadurch in falscher Sicherheit. Allein in Deutschland sind über 21.000 Fahrzeuge von diesem Rückruf betroffen.

Der Rückruf betrifft diverse Modelle von Opel und Peugeot. Auch Citroën sowie DS der Baujahre 2023 bis 2025 benötigen ein Software-Update. Dieser Praxis-Check von hh-autos.com klärt, welche Modelle genau betroffen sind, wie Sie Ihr Fahrzeug mit den offiziellen Codes identifizieren und was der Fehler im Alltag für Sie als Fahrer wirklich bedeutet.

Das heimtückische Schweigen der Warnleuchte

Das Kernproblem dieses Rückrufs ist heimtückisch. Es ist eben kein lauter Defekt. Keine blinkende Warnlampe zwingt einen sofort zum Handeln. Die eigentliche Gefahr ist die stille Abwesenheit einer Warnung. Fällt bei den betroffenen Fahrzeugen der Notbremsassistent (AEB) aus, weil seine „Augen“ – die Frontkamera – durch Schnee, starken Regen oder Schmutz blockiert sind, erfährt der Fahrer davon nichts. Das System wird still deaktiviert. Im Cockpit bleibt alles ruhig.

Hier liegt der Trugschluss. Sie verlassen sich auf einen elektronischen Helfer, der aber schon längst ausgestiegen ist, ohne sich abzumelden. Die Bremsfunktion des Autos selbst ist davon nicht betroffen, Sie können also jederzeit normal bremsen. Doch der Sicherheitsgewinn des Assistenten, der im Notfall entscheidende Sekundenbruchteile schneller reagieren könnte als der Mensch, ist dahin. Gerade bei schlechter Sicht, wenn die Kamera am ehesten blockiert ist, wäre seine Unterstützung am wichtigsten. Ein gefährliches Paradoxon.

Als Diagnostiker bewerte ich das als kritischen Softwarefehler. Ein System muss jederzeit transparent über seinen eigenen Zustand informieren. Ein stiller Ausfall untergräbt das Vertrauen in die Technik und wiegt den Fahrer in einer trügerischen Sicherheit, die im Ernstfall fatale Folgen haben kann.

Über 21.000 Autos in Deutschland betroffen

Der vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) überwachte Rückruf betrifft insgesamt vier Marken des Stellantis-Konzerns. Für Opel, Peugeot und Citroën liegen genaue Stückzahlen für Deutschland vor, die sich auf über 21.000 Fahrzeuge summieren. Für das ebenfalls betroffene Modell DS 4 hat die Behörde allerdings keine Zahlen veröffentlicht. Die Dunkelziffer dürfte also durchaus noch etwas höher liegen.

Die folgende Tabelle fasst alle bekannten Daten zusammen, damit Sie eine erste Einschätzung vornehmen können. Aber Achtung: Der Bauzeitraum allein ist kein sicherer Indikator. Eine endgültige Gewissheit gibt nur die Prüfung der Fahrgestellnummer (VIN).

Marke Modell(e) Produktionszeitraum Betroffene Fahrzeuge (DE) Betroffene Fahrzeuge (Weltweit)
Opel Astra 04.01.2023 – 10.04.2025 17.432 32.923
Peugeot 308, 408, 3008, 5008 28.09.2023 – 12.07.2024 2.967 40.862
Citroën C5 X 24.04.2023 – 18.11.2024 918 5.586
DS DS 4 24.04.2023 – 18.11.2024 nicht angegeben nicht angegeben

Ein wichtiger Hinweis für Peugeot-Fahrer: Der angegebene Produktionszeitraum gilt für den gesamten Datensatz der vier Modelle. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesichert, dass jede Baureihe über den kompletten Zeitraum betroffen ist. Auch hier schafft nur eine individuelle Abfrage in der Werkstatt Klarheit.

KVT, M3T, GU6: Die Codes für Ihre Werkstatt

Wenn Sie proaktiv auf Ihre Werkstatt zugehen oder am Telefon eine eindeutige Auskunft wünschen, sind die offiziellen Referenznummern Gold wert. Sie verhindern Missverständnisse und ermöglichen dem Service-Mitarbeiter eine sofortige Zuordnung. Jeder Rückruf wird vom KBA unter einer eigenen Nummer geführt und erhält vom Hersteller einen internen Aktionscode.

Für den aktuellen Stellantis-Rückruf gelten folgende Codes:

  • Opel Astra
    • KBA-Referenz: 16449R
    • Hersteller-Code: KVT
  • Peugeot 308, 408, 3008, 5008
    • KBA-Referenz: 16446R
    • Hersteller-Code: M3T
  • Citroën C5 X & DS 4
    • KBA-Referenz: 16447R (Citroën) / 16448R (DS)
    • Hersteller-Code: GU6 (für beide)

Notieren Sie sich diese Codes. Sie sind der schnellste Weg zu einer verlässlichen Information.

Was Sie als Halter jetzt tun müssen

Die gute Nachricht zuerst: Für die Behebung des Problems ist kein aufwendiger Teiletausch notwendig. Der Fehler liegt in der Software der Fahrzeugsystemverwaltung (VSM) und kann durch ein Update in der Werkstatt korrigiert werden. Die Maßnahme selbst ist also unkompliziert.

Die nächsten Schritte

  1. Auf Post warten: Als Halter eines betroffenen Fahrzeugs werden Sie in der Regel schriftlich vom Hersteller oder dem KBA informiert. In diesem Brief werden Sie aufgefordert, einen Termin mit einer Vertragswerkstatt zu vereinbaren.
  2. Proaktiv prüfen: Warten ist nicht mein Stil, und es muss eben auch nicht Ihrer sein. Mein Rat: Warten Sie nicht untätig auf den Brief. Kontaktieren Sie Ihren Servicepartner und lassen Sie anhand Ihrer Fahrgestellnummer (VIN) prüfen, ob Ihr Fahrzeug betroffen ist. Das schafft sofort Klarheit.
  3. Werkstatttermin vereinbaren: Sobald die Betroffenheit bestätigt ist, vereinbaren Sie den Termin für das Software-Update.

Über die Kosten müssen Sie sich keine Sorgen machen. Bei einem offiziellen, vom KBA überwachten Rückruf trägt der Hersteller die Kosten für die Behebung des Mangels vollständig. Stellantis selbst hat sich zur genauen Dauer des Updates noch nicht geäußert, was die Planung für Kunden erschwert. Aus Erfahrung mit ähnlichen Aktionen schätze ich den reinen Zeitaufwand für das Aufspielen der Software auf wohl 30 bis 60 Minuten, hinzu kommt die übliche Zeit für die Fahrzeugannahme und -übergabe.

Dieser Rückruf ist halt ein Lehrstück. Er zeigt eine der größten Gefahren moderner, software-gesteuerter Fahrzeuge: den stillen Fehler. Auf der Hebebühne sehe ich täglich, was passiert, wenn Mechanik versagt. Ein poröser Bremsschlauch oder ein ausgeschlagenes Gelenk sind oft schleichende Prozesse, aber sie sind greifbar. Ein Software-Bug wie dieser ist unsichtbar und wiegt den Fahrer in einer falschen Sicherheit, die ich für doch weitaus problematischer halte als eine rot leuchtende Warnlampe.

Wer sich auf seine Assistenzsysteme verlässt – und das tun wir alle zunehmend –, muss sich auch darauf verlassen können, dass das System Alarm schlägt, wenn es selbst nicht mehr arbeitsfähig ist. Wenn diese grundlegende Logik versagt, bricht das ganze Konzept in sich zusammen. Man vertraut auf einen Co-Piloten, der aber schon vor Minuten den Kopfhörer abgenommen hat, ohne ein Wort zu sagen.

Der Umstand, dass laut KBA bisher keine Unfälle mit Sach- oder Personenschäden bekannt sind, ist pures Glück. Es ist kein Verdienst des Systems. Dieser Rückruf ist deshalb eine klare Mahnung: Assistenzsysteme sind Helfer, keine Heiligen. Sie entbinden uns nicht von der Pflicht, das Auto und die Umwelt jederzeit im Blick zu haben. Die Verantwortung bleibt am Ende immer beim Fahrer.


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