Tesla Roadster (2026) im „Test“: Die unendliche Märchenstunde des Elon Musk

Erinnern Sie sich noch an den Januar 2026? Vor gut zwei Monaten schrieben wir hier auf hh-autos.com (hoffnungsvoll), dass die ersten Auslieferungen des Tesla Roadster der zweiten Generation „unmittelbar bevorstehen“. Wir diskutierten (naiv) über Raketendüsen und Beschleunigungswerte unter zwei Sekunden. Heute schreiben wir den 29. März 2026. Und was ist passiert? Nichts. Absolut gar nichts. Außer vielleicht ein paar neuen, kryptischen Tweets von Elon Musk, der uns wieder einmal vertröstet.

Es ist Zeit, Klartext zu reden. Der Tesla Roadster ist kein Auto. Er ist ein psychologisches Experiment, wie lange man eine Fangemeinde mit Renderings, Prototypen und absurden Versprechungen bei Laune halten kann. Während Tesla uns seit fast einem Jahrzehnt (die Premiere war 2017!) hinhält, hat die Realität die Fiktion längst überholt. In China rollen bereits Elektro-Hypercars vom Band, während Elon Musk noch darüber nachdenkt, wie er Kaltgasdüsen durch den TÜV bekommt. Ich habe die Nase voll vom Warten und seziere diesen „Geist“ von einem Auto, um zu zeigen, warum die Legende des Roadsters im Jahr 2026 endgültig zerbröckelt.

Die Technik-Lüge: SpaceX-Düsen vs. deutsche StVO

Reden wir über die Zahlen, die seit 2017 durch das Internet geistern. 0 auf 100 km/h in 1,9 Sekunden (Basismodell). Über 400 km/h Höchstgeschwindigkeit. 1.000 Kilometer Reichweite dank eines 200-kWh-Akkus. Das alles für rund 200.000 Dollar.

Das klang 2017 revolutionär. Im Jahr 2026 klingt es… nun ja, immer noch beeindruckend, aber nicht mehr magisch. Andere machen das jetzt. Doch der eigentliche Marketing-Gag ist das optionale „SpaceX-Paket“. Zehn kleine Kaltgas-Reaktionsdüsen, die um das Auto herum angeordnet sind, sollen die Beschleunigung auf unter 1,3 Sekunden (!!!) drücken und das Auto sogar kurzzeitig schweben lassen.

Hier beginnt die Märchenstunde. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrem Roadster zum TÜV-Süd in München. Der Prüfer sieht die Hochdruck-Luftdüsen, die anstelle der Rücksitze verbaut sind. Was glauben Sie, was passiert?

  1. Er gibt Ihnen die Plakette und wünscht Ihnen viel Spaß beim Schweben über den Mittleren Ring.
  2. Er ruft die Polizei, weil Sie ein nicht genehmigtes Antriebssystem (das Passanten durch Kaltgasstrahlen verletzen könnte) spazieren fahren.

Fakt ist: Diese Technologie wird in Europa niemals eine Straßenzulassung erhalten. Ein Auto, das mit Raketentechnologie beschleunigt, ist ein Sicherheitsrisiko und verstößt gegen jede Lärm- und Sicherheitsvorschrift. Das SpaceX-Paket ist Vaporware für YouTube-Videos, aber kein Feature für ein Serienauto.

Das Zinsfrei-Darlehen der „Founders“

Das Geschäftsmodell hinter dem Roadster ist genial – für Tesla. Seit 2017 konnten Kunden die „Founders Series“ reservieren. Der Preis: Die vollen 250.000 Dollar. Sofort fällig. Tausende haben das getan. Rechnen wir kurz: Tausende Menschen geben Tesla im Jahr 2017 jeweils 250.000 Dollar als zinsloses Darlehen. Tesla arbeitet mit diesem Geld fast zehn Jahre lang, baut Fabriken, entwickelt das Model Y und kauft vielleicht sogar Twitter (X). Und die Kunden? Sie haben bis heute nichts außer einem Beleg und der vagen Hoffnung, „irgendwann“ ein Auto zu bekommen. Wer im Jahr 2026 immer noch an eine zeitnahe Auslieferung glaubt, ohne dass Tesla handfeste, homologierte Produktionsdaten liefert, dem ist nicht mehr zu helfen.

Technische Daten & Versprechungen (Provisorisch)

Kategorie
Tesla Roadster (Fiktion seit 2017)
Motor & Antrieb
Tri-Motor (Allrad Plaid)
Leistung / Drehmoment
„Genug“ / 10.000 Nm Radmoment (claimed)
0-100 km/h
< 1,9 s (Basis) / < 1,3 s (SpaceX Pack, claimed)
Höchstgeschwindigkeit
> 400 km/h
Akkukapazität / Reichweite
ca. 200 kWh / ca. 1.000 km
Sitzplätze
2+2
Preis (Founders Series)
ca. 250.000 USD (Vorauszahlung seit 2017)

Konkurrenz-Check (Die Realität)

  • BYD Yangwang U9: Während Elon twittert, liefert China. Der Yangwang U9 ist ein elektrisches Hypercar mit vier Motoren, über 1.300 PS und einer Beschleunigung von 0 на 100 km/h in knapp 2 Sekunden. Das Besondere: Er hat ein intelligentes Fahrwerk (DiSus-X), das das Auto tanzen, springen und auf drei Rädern fahren lässt. Und das Wichtigste: Man kann ihn kaufen. Zwar primär in China, aber er existiert, hat eine Straßenzulassung und wird ausgeliefert. BYD hat Tesla hier technologisch und zeitlich links liegen lassen.
  • Rimac Nevera: Die kroatische Benchmark. Der Nevera ist seit Jahren auf dem Markt, hält Dutzende Weltrekorde (0-100 in 1,81s) und lädt mit über 500 kW. Ja, er kostet über 2 Millionen Euro. Aber er ist real. Mate Rimac hat bewiesen, dass man ein E-Hypercar homologieren und ausliefern kann, während Tesla noch über Raketendüsen philosophiert.

Pro & Contra (der ewigen Warterei)

  • Pro: Wenn er jemals kommt, werden die Fahrleistungen (0-100 in <2s) atemberaubend sein.
  • Pro: 1.000 km Reichweite (claimed) würden die Reichweitenangst bei Hypercars beenden.
  • Pro: Die Marke Tesla garantiert (hoffentlich) eine Top-Software und Supercharger-Zugang.
  • Contra: Seit 2017 nicht ausgeliefert – das Vertrauen in Liefertermine ist bei Null.
  • Contra: „SpaceX-Paket“ mit Kaltgasdüsen ist in Europa illegal und wird nie zugelassen.
  • Contra: Vorauszahlungen von bis zu 250.000 Dollar sind ein massives finanzielles Risiko für Kunden.
  • Contra: Die Konkurrenz (Rimac, BYD) hat Tesla technologisch überholt und liefert bereits.

Fazit: Alex Wind meint…

Klartext: Wer im März 2026 immer noch auf den Tesla Roadster wartet und Tesla sein Geld anvertraut, leidet unter dem automobilen Stockholm-Syndrom. Dieses Auto ist kein ernsthaftes Produkt mehr, sondern ein reines Marketing-Tool, um die Marke Tesla „cool“ und technologisch führend aussehen zu lassen, während man mit dem Verkauf von Model Y und Model 3 Geld verdient.

Wem empfehle ich das Warten: Niemandem. Ernsthaft. Wem rate ich ab: Jedem, der im Jahr 2026 ein echtes Elektro-Hypercar fahren will. Wer das Geld hat, kauft einen Rimac Nevera. Wer modernste chinesische Technik und krasse Performance sucht (und Import-Hürden nicht scheut), greift zum BYD Yangwang U9. Diese Autos sind real. Der Roadster ist nur ein schöner Traum, der von der Realität längst eingeholt wurde. Behalten Sie Ihr Geld und kaufen Sie sich ein Auto, das Sie auch anfassen können.

FAQ

Warum dauert die Entwicklung des Tesla Roadster so lange? Offiziell sagt Tesla, dass die Priorität auf dem Hochlauf der Massenmodelle (Model 3/Y, Cybertruck) und der Batteriezellproduktion (4680er Zellen) lag. Inoffiziell dürfte die Homologation eines Tri-Motor-Plaid-Antriebs in einem so flachen Auto und die Integration eines 200-kWh-Akkus deutlich komplexer sein als gedacht. Und das „SpaceX-Paket“ ist ohnehin eine Zulassungs-Sackgasse.

Wie viel wird der Roadster am Ende wirklich kosten? Tesla hat die Preise seit 2017 nicht angepasst. Aufgrund der massiven Inflation und gestiegener Rohstoffpreise für Batterien ist es im Jahr 2026 absolut unrealistisch, dass der Basispreis von 200.000 Dollar gehalten wird. Experten rechnen mit einem Marktstart-Preis (wenn er jemals kommt) von mindestens 280.000 bis 300.000 Euro.

Können die Kaltgasdüsen des SpaceX-Pakets das Auto fliegen lassen? Elon Musk twitterte einmal, der Roadster könne „kurzzeitig schweben“ (hovern). Physikalisch ist das mit Kaltgasdüsen (die komprimierte Luft ausstoßen) theoretisch machbar, erfordert aber einen enormen Tank und massive Drücke. In einem straßenzugelassenen Serienauto ist das jedoch Science-Fiction und wird in Europa aus Sicherheits- und Lärmschutzgründen niemals eine Zulassung erhalten.

Galerie

Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


    ⚠️ Fehler im Artikel entdeckt?


    Helfen Sie uns kurz mit einem anonymen Hinweis:

    Spam-Schutz: