13 neue Modelle bis 2028: Volvo startet unter CEO Klaus Zellmer die große Produktoffensive

13 neue Modelle bis 2028: Volvo startet unter CEO Klaus Zellmer die große Produktoffensive
Foto: Volvo

Der schwedische Premiumhersteller Volvo Cars läutet unter seinem designierten CEO Klaus Zellmer eine strategische Kehrtwende ein: Bis 2028 rollen die Göteborger insgesamt 13 neue und tiefgreifend überarbeitete Modelle auf den Markt. Angesichts abgekühlter weltweiter Elektro-Zulassungen und anhaltender Software-Verzögerungen beim Luxus-Stromer EX90 korrigiert der Geely-Tochterkonzern sein ursprüngliches Ziel eines reinen Batterie-Portfolios bis 2030.

Stattdessen setzt Zellmer auf eine duale Antriebsstrategie aus vollelektrischen Modellen und hochentwickelten Plug-in-Hybriden (PHEV) mit über 100 km elektrischer Reichweite auf der weiterentwickelten SPA2-Plattform. Mit neuen Baureihen wie dem elektrischen Mittelklasse-SUV EX60 (ab ca. 55.000 €) und der Luxuslimousine ES90 will Volvo den Abstand zu BMW, Audi und Mercedes-Benz im DACH-Raum entscheidend verkürzen.

Zellmers Skoda-Doktrin für Göteborg

Modell & Segment
Antrieb & Systemleistung
Batterie & Reichweite
Plattform & Bordnetz
Preis / Marktstart
Volvo EX30 Single/Twin
RWD/AWD, 200 bis 315 kW (272-428 PS)
51-69 kWh (344-476 km WLTP)
SEA, 400V (bis 153 kW DC)
ab 39.790 € (verfügbar)
Volvo EX60 (Neuheit)
AWD, bis zu 400 kW (544 PS)
90-110 kWh (> 650 km WLTP)
SPA3, 800V (Megacasting)
ab ca. 56.500 € (2026)
Volvo XC60 / XC90 T8 PHEV
Plug-in-Hybrid, 335 kW (455 PS)
18,8 kWh (82-105 km elektrisch)
SPA1 Facelift (Benzin-Hybrid)
ab 67.900 € (verfügbar)
Volvo ES90 Luxuslimousine
AWD, 300 bis 380 kW (408-517 PS)
111 kWh brutto (ca. 620 km WLTP)
SPA2, 800V (bis 250 kW DC)
ab ca. 72.000 € (2026)
Volvo EX90 Flaggschiff
AWD, 380 kW / 517 PS (910 Nm)
111 kWh (580 km WLTP)
SPA2, 400V (Core Computer)
ab 105.800 € (Auslieferung)

Klaus Zellmers bisherige Karriere lässt tief blicken, was Volvo nun erwartet: Pragmatismus pur. Der ehemalige Deutschland-Chef von Porsche und zuletzt höchst erfolgreiche Sanierer bei Skoda ist ein Vertriebs- und Marketingprofi.

Er versteht es, Märkte zu lesen und Produkte für den realen Verkauf zu optimieren, anstatt nur technologischen Visionen zu folgen. Seine Zeit bei Skoda hat gezeigt, wie das funktioniert: Dort fokussierte die Sanierung auf eine scharfe Ausrichtung des Portfolios auf profitable Nachfrage und maximale Marge.

Seine wohl bezeichnendste Entscheidung war, dem eigentlich schon abgeschriebenen Verbrenner-SUV Karoq doch einen Nachfolger mit Plug-in-Hybrid zu spendieren. Zellmers Begründung war eine Lektion in Realpolitik: Der Verbrennermarkt, so Zellmers Logik, bleibt auch neben dem elektrischen Elroq relevant. Diese unideologische, datengetriebene Logik wird nun die Strategie in Göteborg bestimmen. Für Volvo bedeutet dies das Ende einer Phase, in der die technologische Vision die Kundennachfrage teilweise ignorierte. Zellmer wird den Fokus auf Profitabilität und Lieferfähigkeit legen. Es ist exakt der Ansatz, mit dem er bereits die Margen der tschechischen Marke eindrucksvoll sanierte.

Die Doppelstrategie: BEVs treffen auf 100-km-Hybride

Die angekündigten 13 Modelle sind das Fundament einer Doppelstrategie. Sie soll den Spagat zwischen der elektrischen Zukunft und der profitablen Gegenwart meistern. Ein zentraler Baustein sind optimierte Plug-in-Hybride, deren rein elektrische Reichweite auf über 100 Kilometer nach WLTP-Norm anwachsen wird. Das macht sie für viele Pendler und vor allem für Dienstwagenfahrer zu einer vollwertigen Elektro-Alternative im Alltag. Gerade im deutschen Flottenmarkt ist das ein strategischer Schachzug, der eine empfindliche Lücke bei der Konkurrenz ausnutzt.

Der finanzielle Hebel ist enorm. Für Dienstwagenfahrer fällt ein solches Fahrzeug unter die steuerlich hochattraktive 0,5-Prozent-Regelung. Fahrzeuge, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden steuerlich weitaus ungünstiger behandelt. Der monatliche Netto-Unterschied ist erheblich und macht diese Volvos zu einer kalkulatorisch kaum schlagbaren Option. Volvo besetzt damit eine Nische, die deutsche Premiumhersteller in ihrer Fokussierung auf reine BEVs zuletzt vernachlässigt haben.

Neue, kompaktere Crossover unterhalb des EX40 sollen dringend benötigtes Volumen generieren. Technologisch erfordert die Strategie einen Mix aus verschiedenen Plattformen. Die großen Modelle werden auf der rein elektrischen SPA2-Architektur oder der kommenden GPA (Global Product Architecture) aufbauen. Für die Volumenmodelle im Kompaktsegment kommt die flexible SEA-Plattform des Mutterkonzerns Geely zum Einsatz. Eine offizielle Zuordnung, welche der 13 Neuheiten auf welcher Basis steht, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Intern wird darüber wohl noch gerungen, was die finale Roadmap anfällig für weitere Anpassungen macht. Entscheidend wird zudem die beschleunigte Einführung moderner 800-Volt-Architekturen sein, um bei der Ladeleistung mit Konkurrenten wie dem Audi Q6 e-tron oder den Modellen von Hyundai und Kia gleichzuziehen. Die bisherigen 400-Volt-Systeme in Modellen wie dem EX30 sind ein klarer Nachteil an der Ladesäule und verlängern die Standzeiten auf der Langstrecke empfindlich.

Modell-Typ
Geplanter Zeitraum
Plattform-Fokus
Besonderheit für den deutschen Markt
Kompakt-BEV (B/C-Segment)
Laufend bis 2028
SEA (Geely)
Nachfolger/Ergänzung zum EX30, Fokus auf Volumen und Preis
Oberklasse-BEV (SUV/Limousine)
Laufend bis 2028
SPA2 / GPA
800-Volt-Architektur, Behebung der Software-Probleme
Plug-in-Hybride (PHEV)
Laufend bis 2028
SPA1 / CMA
Elektrische Reichweite > 100 km, ideal für Dienstwagenbesteuerung
Klassische Kombis (V-Serie)
Offen
SPA1 (PHEV) / GPA (BEV)
Zukunft unter Zellmer deutlich wahrscheinlicher geworden

Für viele treue Volvo-Fahrer in Deutschland und der Schweiz hängt die Zukunft der Marke an einer einzigen Frage: Was wird aus dem Kombi? Unter der vorherigen Führung schien das Ende der legendären V-Modelle wie des V60 und V90 beschlossen. Sie schienen in der rein elektrischen Strategie keinen Platz mehr zu haben. Mit Klaus Zellmers pragmatischem Ansatz hat sich die Lage geändert. Die Kombis sind für Volvo mehr als nur eine Karosserieform; sie sind ein Symbol für die Kernwerte der Marke wie Sicherheit und Langlebigkeit, gepaart mit einem unaufgeregten Luxus für Familien. Die neue Offenheit für reichweitenstarke Plug-in-Hybride bietet die perfekte technologische Grundlage, um diese Ikonen am Leben zu erhalten. Ein V60 oder V90 mit über 100 Kilometern elektrischer Reichweite wäre für viele Familien und Außendienstler die ideale Lösung. Diese Modelle könnten zu einem wichtigen Anker der Marke im Premiumsegment werden und eine loyale Kundschaft binden, die von den allgegenwärtigen SUV-Modellen wenig begeistert ist.

Software-Konsolidierung: Volvos Abkehr vom CARIAD-Dilemma

Klaus Zellmers wichtigste Baustelle in Göteborg ist die digitale Architektur: Die monatelangen Auslieferungsverzögerungen beim EX90 und die Software-Bugs beim kompakten EX30 führten zu spürbarem Vertrauensverlust bei europäischen Flottenkunden. Um das drohende Schicksal von Volkswagens Softwaresparte CARIAD abzuwenden, bündelt Volvo seine Entwicklung im sogenannten „Superset-Tech-Stack“. Alle künftigen Baureihen – vom EX60 bis zum ES90 – nutzen denselben modularen Software-Code und hochintegrierte Nvidia-Drive-Orin-Zentralrechner mit über 250 TOPS Rechenleistung.

Besondere Hoffnungen ruhen auf dem für 2026 terminierten Volvo EX60: Als direkter Rivale des Porsche Macan Electric, des Audi Q6 e-tron (ab 74.700 €) und des kommenden BMW iX3 auf Basis der Neuen Klasse soll das Mittelklasse-SUV mit 800-Volt-Architektur Ladeleistungen von bis zu 270 kW bieten (10 bis 80 % in rund 20 Minuten). Bei einer angestrebten WLTP-Reichweite von über 650 km und einem kalkulierten Einstiegspreis von rund 56.500 € bildet der EX60 das Rückgrat der künftigen Volumenstrategie.

Parallel dazu führt Volvo mit der neuen SPA3-Plattform das Megacasting-Verfahren ein: Indem der gesamte hintere Wagenboden aus einem einzigen Aluminium-Druckgussteil gefertigt wird, sinken das Fahrzeugleergewicht um 15 bis 20 % und die Fertigungskosten um rund 25 %. Ziel von Zellmers Offensive ist es, die operative EBIT-Marge von zuletzt 6,8 % bis 2027 wieder auf über 8,5 % zu steigern und gleichzeitig durch langlebige Plug-in-Hybride mit Reichweiten über 100 km die Restwerte im lukrativen deutschen Dienstwagensegment abzusichern.

Fazit von Alex Wind: Zellmers Pragmatismus ist Volvos größte Chance

Alex Wind zieht Bilanz: Der Abschied vom dogmatischen Verbrenner-Aus bis 2030 ist keine Schwäche, sondern das dringend benötigte Reifezeugnis für Volvo. Die reine Fixierung auf Batterieautos hatte den schwedischen Traditionshersteller in eine gefährliche Abhängigkeit von fehleranfälliger Software und zögerlichen Käuferschichten getrieben.

Mit Klaus Zellmer übernimmt ein ausgewiesener Vertriebsprofi das Steuer, der bei Škoda bewiesen hat, wie man erstklassige Technik bezahlbar und profitabel an den Kunden bringt. Die Entscheidung, Plug-in-Hybride wie den XC60 und XC90 mit elektrischen Reichweiten von über 100 km als Brückentechnologie weiterzuentwickeln, trifft exakt den Bedarf deutscher Dienstwagenfahrer und Familien. Wenn Zellmer die Software-Probleme des EX90 und EX30 endgültig löst, wird Volvo gestärkt aus der Krise hervorgehen und BMW sowie Audi im Premium-Segment das Leben wieder spürbar schwerer machen.


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