BMW i1 ab 2028: Die radikale Kehrtwende zum Heckantrieb für 45.000 Euro

BMW i1 ab 2028: Die radikale Kehrtwende zum Heckantrieb für 45.000 Euro

München, 2026. Während der neue 1er (F70) mit Frontantrieb um Marktanteile kämpft, bereiten BMW-Ingenieure eine fundamentale Kehrtwende vor. Für 2028 ist der BMW i1 geplant. Der elektrische Kompaktwagen bricht mit der aktuellen Plattformstrategie und führt die Marke zu ihren Wurzeln zurück: dem Heckantrieb. Das Auto ist eine kalkulierte Provokation in einem von Pragmatismus dominierten Segment.

Zwei Plattformen, eine Strategie

Die Entscheidung für den i1 markiert einen der radikalsten strategischen Schwenks in der jüngeren BMW-Geschichte. Anstatt die bestehende Frontantriebs-Architektur des F70 zu elektrifizieren, wählt der Hersteller einen komplexeren Weg. Der i1 wird auf einer eigenen technischen Basis stehen, die maßgebliche Elemente der „Neuen Klasse“ und ihrer Gen6-Antriebsgeneration übernimmt. Damit entsteht ein Plattform-Paradoxon: Obwohl sich der Verbrenner-1er und der elektrische i1 optisch ähneln sollen, trennen sie technisch Welten.

Diese Doppelstrategie ist jedoch ein teures und komplexes Unterfangen. Die Entwicklung und Pflege zweier grundverschiedener Architekturen für ein Kompaktmodell bindet erhebliche Ressourcen in Forschung, Produktion und Logistik. Während Konkurrenten wie Mercedes mit der MMA-Plattform oder der VW-Konzern mit der SSP eine „One-size-fits-all“-Lösung anstreben, um Skaleneffekte zu maximieren, leistet sich BMW einen bewussten Bruch mit dieser Effizienzlogik. Der Konzern wettet darauf, dass die fahrdynamische Überlegenheit des Heckantriebs einen so hohen Preisaufschlag rechtfertigt, dass sich die Investition amortisiert.

Das Herzstück dieser Neuausrichtung ist die Abkehr vom Frontantrieb. Der i1 wird in seiner Basis ein reiner Hecktriebler. Für Enthusiasten der Marke ist das eine fast schon erlösende Nachricht. Es ist das Bekenntnis zur Fahrdynamik und zur lenkeinflussfreien Vorderachse – dem Markenkern, den viele seit der Umstellung des 1ers auf Frontantrieb vermissten. Gerüchte über eine mögliche dreitürige Karosserievariante befeuern die Hoffnung auf einen geistigen Nachfolger des legendären 2002. Die Konkurrenz aus Ingolstadt und Stuttgart wird gezwungen, auf diesen Angriff zu reagieren.

Modell (Stand 2026) BMW i1 (Prognose 2028) Audi A2 e-tron (Prognose 2027) Mercedes CLA (MMA, ab 2025)
Antriebskonzept Heckantrieb / Allrad Frontantrieb / Allrad Frontantrieb / Allrad
Plattform Gen6-Derivat SSP-Derivat MMA
Leistung (Basis) ca. 240 kW (326 PS) ca. 150 kW (204 PS) ca. 160 kW (218 PS)
Akku (netto, ca.) ~75 kWh ~70 kWh ~60 kWh / ~85 kWh (LFP/NMC)
Reichweite (WLTP, ca.) 550 – 600 km 500 – 550 km bis 750 km (mit NMC-Akku)
Startpreis (Prognose) ab ca. 45.000 € ab ca. 43.000 € ab ca. 47.000 €

Bis 469 PS aus dem Gen6-Baukasten

Unter dem Blech des i1 arbeitet die Zukunft des BMW-Antriebsstrangs. Die Rede ist von bis zu 240 kW (ca. 326 PS) für die Heckantriebsversion und 345 kW (ca. 469 PS) für das Allradmodell xDrive. Diese Werte positionieren den Kompakten auf dem Niveau des aktuellen iX3. Mit einem prognostizierten Startpreis von 45.000 Euro für 326 PS ergibt sich ein Wert von rund 138 Euro pro PS. Zum Vergleich: Der Basis-CLA von Mercedes liegt bei etwa 215 Euro pro PS (47.000 Euro für 218 PS). Diese Kennzahl allein unterstreicht die aggressive Positionierung des i1. Die Batterie soll zwar kleiner ausfallen als der 109-kWh-Speicher des kommenden iX3, doch mit einer prognostizierten Nettokapazität um 75 kWh sind WLTP-Reichweiten von über 550 Kilometern ein realistisches Ziel.

Ein entscheidender technischer Punkt ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigt: Ob der i1 die volle 800-Volt-Architektur der Neuen Klasse erhält, ist unklar. BMW hat dies für das Kompaktsegment noch nicht final kommuniziert. Ein Verzicht zugunsten einer kostengünstigeren 400-Volt-Lösung würde die Ladezeiten an HPC-Säulen spürbar verlängern und den technologischen Vorsprung gegenüber Konkurrenten wie dem Mercedes CLA auf der MMA-Plattform schmälern. Für ein Modell, das als Technologieträger für eine junge Zielgruppe konzipiert ist, wäre dies ein schwer zu vermittelnder Kompromiss.

Diese Leistungsdaten fordern im Alltag ihren Tribut. Ein Heckantrieb mit hohem Sofortdrehmoment bedeutet einen signifikant höheren Reifenverschleiß an der Hinterachse, ein oft unterschätzter Kostenfaktor. Zudem wird die beeindruckende WLTP-Reichweite auf der deutschen Autobahn bei Geschwindigkeiten jenseits der 130 km/h rapide schmelzen. Erste interne Simulationen, die hh-autos.com vorliegen, deuten auf einen Realverbrauch von über 25 kWh/100 km bei zügiger Fahrt hin, was die Praxisreichweite auf unter 300 Kilometer drücken kann. Auch die Ladekurve im Winter bleibt ein kritisches Thema. Selbst ein 800-Volt-System kann seine Peak-Leistung nur bei optimaler Batterietemperatur abrufen, was im deutschen Winter ohne aufwendige Vorkonditionierung selten der Fall ist.

Reduktion als Risiko im Cockpit

Im Innenraum setzt der i1 konsequent auf die digitale Ästhetik der „Neuen Klasse“. Das Cockpit wird vom neuen, parallelogrammförmigen 17,9-Zoll-Zentraldisplay und dem „Panoramic Vision“ dominiert, einer Projektionsfläche am unteren Rand der Windschutzscheibe. Laut BMW-Insidern lässt sich dieses System „problemlos in jedes Auto einbauen“. Hier liegt der größte konzeptionelle Kompromiss des i1. Die radikale Reduktion physischer Tasten für Klimatisierung oder Lautstärke erzwingt eine Bedienung über den Touchscreen oder per Sprache. Was in der Theorie modern klingt, erweist sich im fahrdynamischen Alltag oft als Ablenkung, da ein kurzer, blinder Griff zum Temperaturregler nicht mehr möglich ist. Hinzu kommen praktische Einschränkungen: Die sportlich abfallende Dachlinie und der für den Heckmotor benötigte Bauraum werden das Platzangebot im Fond und das Kofferraumvolumen spürbar limitieren. Personen über 1,85 Meter dürften im Fond mit der Kopffreiheit kämpfen. Wir prognostizieren ein Kofferraumvolumen von rund 350 Litern – ein Minus von fast 8 Prozent gegenüber dem aktuellen Verbrenner-1er.

Fazit: Scharfe Positionierung gegen den Pragmatismus

Der BMW i1 zielt auf eine spitze Zielgruppe. Er ist eine scharf zugeschnittene Fahrmaschine für technikaffine Käufer, für die Fahrspaß über maximaler Ladekapazität steht.

Preisbewusste Familien oder Pragmatiker gehören nicht zur Kernzielgruppe. Wer ein reines Vernunftauto mit maximalem Raum und minimalen Betriebskosten sucht, findet bei Volumenherstellern wie VW und Cupra oder bei den koreanischen Marken bessere Alternativen. Der prognostizierte Einstiegspreis von rund 45.000 Euro für das Basismodell mit Heckantrieb platziert den i1 klar im Premium-Segment. Gut ausgestattete Modelle werden schnell die 55.000-Euro-Marke überschreiten. Dieser Preis ist die größte Hürde, um die anvisierte „jüngere Kundschaft“ in die Showrooms zu locken.

Der i1 ist eine Wette darauf, dass die klassischen BMW-Tugenden – Antrieb und Handling – den entscheidenden Kaufimpuls geben. Er opfert bewusst einen Teil der Alltagstauglichkeit für maximale Fahrdynamik. Statt auf den breiten Markt zu zielen, positioniert BMW den i1 als klares Statement: Im elektrischen Zeitalter definiert sich Premium in der Kompaktklasse wieder über die Hinterachse.