BMW i3 (Gebraucht-Check 2026): Das Auto, das seiner Zeit zu weit voraus war

Haben Sie mal versucht, heute einen Kleinwagen zu kaufen, der nicht aus Kostengründen aus billigem Stahl und Hartplastik zusammengeschustert wurde? Viel Glück. Wir schreiben Ende 2025. Die Autowelt wartet gespannt auf den neuen BMW i3 der “Neuen Klasse”, der nächstes Jahr starten soll. Aber während wir auf die Zukunft warten, realisieren wir plötzlich, was wir an der Vergangenheit hatten. Der originale BMW i3 (gebaut bis 2022) war ein wirtschaftliches Desaster für BMW, aber ein Geschenk für die Menschheit. Ein Chassis aus Carbon (CFK), geklebt auf einen Aluminium-Rahmen. Suicide Doors. Ein Innenraum wie ein dänisches Design-Wohnzimmer. Sowas wird nie wieder gebaut. Zu teuer. Heute, im Jahr 2026, ist der i3 auf dem Gebrauchtwagenmarkt kein “altes Auto”. Er ist eine Stilikone. Ein Statement gegen den Einheitsbrei. Aber ist er technisch noch brauchbar? Ich habe mir die Marktlage angesehen und erkläre, warum Sie jetzt einen kaufen sollten – bevor die Sammlerpreise durch die Decke gehen.

Carbon rostet nicht: Der ewige Zustand

Der i3 besteht aus dem “Life-Modul” (Fahrgastzelle aus Carbon) und dem “Drive-Modul” (Alu-Chassis).

Das ist Ihr größter Vorteil beim Gebrauchtkauf 2026. Ein 10 Jahre alter VW Golf rostet. Ein 10 Jahre alter i3 sieht untenrum aus wie neu. Carbon altert nicht. Aluminium korrodiert nur selten. Das bedeutet: Wenn Sie einen unfallfreien i3 finden, ist der Zustand der Karosserie fast egal. Sie müssen sich nur um die Technik kümmern. Und diese Technik ist erstaunlich robust. Die E-Motoren halten ewig. Die Batterien (besonders die späten Samsung SDI Zellen) zeigen selbst nach 150.000 km oft noch über 85% Kapazität. Es ist das nachhaltigste Auto, weil es nicht verrottet.

Welcher Akku? 60Ah, 94Ah oder 120Ah?

BMW hat den i3 über die Jahre stetig verbessert.

  • 60Ah (22 kWh): Finger weg. Real 100-120 km Reichweite. Nur als absolutes Stadtauto für unter 10.000 Euro interessant.
  • 94Ah (33 kWh): Der Vernunft-Kauf. Ca. 200 km Reichweite. Solide, oft günstig.
  • 120Ah (42 kWh): Der König (ab Ende 2018).

Mein Rat für 2026: Suchen Sie den 120Ah. Er bietet reale 260 bis 300 km Reichweite. Das macht den i3 vom Stadtwagen zum Pendler-König. Mit dem 120Ah-Akku brauchen Sie keinen Range Extender mehr (dazu gleich mehr). Er lädt an DC-Säulen mit 50 kW. Das klingt langsam (moderne Autos schaffen 150+ kW), aber da der Akku klein ist, sind Sie in 35 Minuten wieder bei 80%. Für die Langstrecke ist das zäh, für den Alltag völlig egal.

Der Range Extender (REX): Fluch oder Segen?

Viele i3 haben den kleinen 2-Zylinder-Roller-Motor im Heck, der Strom erzeugt (“REX”).

Im Jahr 2026 sage ich: Lassen Sie ihn weg. Warum?

  1. Wartung: Der REX macht aus einem wartungsfreien E-Auto einen Verbrenner mit Ölwechsel, Zündkerzen und Auspuffproblemen. Er ist die häufigste Fehlerquelle.
  2. Nutzen: Mit dem dichten Ladenetz von 2026 brauchen Sie den REX nicht mehr, wenn Sie den großen 120Ah-Akku haben.
  3. Fahrgefühl: Wenn der REX anspringt, klingt es, als würde im Kofferraum ein Rasenmäher laufen. Das zerstört die Ruhe des i3. Der REX war 2014 eine Brückentechnologie. 2026 ist er Ballast. Suchen Sie einen reinen BEV (Battery Electric Vehicle).

Fahrgefühl: One-Pedal-Pionier

Der i3 war eines der ersten Autos, das konsequentes “One-Pedal-Driving” ermöglichte. Geht man vom Gas, bremst er stark bis zum Stillstand.

Das macht im Stadtverkehr süchtig. Zusammen mit dem winzigen Wendekreis (unter 10 Meter!) und dem sofortigen Antritt (besonders als i3s mit 184 PS) wieselt der i3 durch den Verkehr wie nichts anderes. Er ist hoch, man hat Übersicht, aber der Schwerpunkt ist tief (Akku im Boden). Vorsicht bei Nässe: Die schmalen “Teerschneider”-Reifen (155er vorne!) haben wenig Grip. Ein i3s ist bei Nässe mit Vorsicht zu genießen, das Heck wird lebendig. Und: Ersatzreifen sind teuer, da es eine Sondergröße ist, die nur wenige Hersteller bauen.

Marktlage 2026: Stabilisierung auf hohem Niveau

Ein gepflegter BMW i3 120Ah (Baujahr 2019-2022) kostet Ende 2025 immer noch zwischen 18.000 und 24.000 Euro.

Ist das viel? Verglichen mit einem neuen Dacia Spring (17.000 Euro): Ja. Aber setzen Sie sich rein. Im Dacia sitzen Sie auf Campingstühlen in einer Plastikhöhle. Im i3 sitzen Sie in einer Lounge aus Eukalyptus-Holz und Schafwolle. Der i3 ist Premium. Er fühlt sich auch nach 100.000 km nicht verbraucht an. Der Wertverlust ist gestoppt. Ich prognostiziere, dass gepflegte i3s (Sportversion) in Zukunft sogar im Wert steigen werden, weil sie einzigartig sind.

Alt gegen Billig-Neu

Feature
BMW i3 120Ah (Gebraucht)
Dacia Spring (Neu 2026)
Mini Cooper SE (J01 Neu)
Karosserie
Carbon/Alu (Rostfrei)
Stahl (Dünn)
Stahl
Leistung
170 PS / 184 PS (i3s)
65 PS
184 PS
Reichweite (Real)
ca. 280 km
ca. 180 km
ca. 300 km
Laden (DC)
50 kW
30 kW
75 kW
Innenraum
Design-Ikone
Zweckmäßig
Verspielt
Preis
ca. 20.000 €
ca. 17.000 €
ca. 35.000 €

Fazit: Das Smart-Money-Auto für Ästheten

Der BMW i3 ist im Jahr 2026 das intelligenteste Stadtauto, das Sie kaufen können. Er ist nachhaltiger als jeder Neuwagen (weil er schon da ist und nicht rostet). Er fährt sich besser als jeder Kleinwagen. Und er sieht immer noch aus wie aus einem Science-Fiction-Film. Wenn Sie einen finden, der den großen Akku (120Ah), das Harman-Kardon-System und das große Navi “Professional” hat: Kaufen. Ignorieren Sie die schmalen Reifen. Genießen Sie das Carbon. Wir werden so ein Auto nie wieder sehen.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.