BMW M4 Competition (2026): S58-Verbrenner im Test, 1,0%-TCO und der Carbon-Masochismus

BMW M4 Competition (2026): S58-Verbrenner im Test, 1,0%-TCO und der Carbon-Masochismus
Foto: BMW Group

Mit dem Facelift LCI II schärft BMW den M4 Competition M xDrive für das Modelljahr 2026 nochmals nach: Der 3,0-Liter-Biturbo-Reihensechszylinder (S58) erstarkt auf 390 kW (530 PS) bei 650 Nm Drehmoment und bleibt einer der letzten ungefilterten Verbrenner seiner Klasse, während Mercedes-AMG im C 63 auf einen komplexen Vierzylinder-Hybrid setzt.

In Kombination mit dem Allradantrieb M xDrive sprintet das 1.850 kg schwere Sportcoupé in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht mit M Driver’s Package 290 km/h Spitze. Bei einem Grundpreis ab 107.300 Euro und einer 1,0%-Dienstwagenbesteuerung von über 1.200 Euro monatlich fordert der G82 jedoch nicht nur finanzielle Disziplin, sondern nervt mit rein touchbasierter Klimabedienung im OS 8.5.

Technische Daten & Spezifikationen

Datenpunkt
BMW M4 Comp. M xDrive Coupé (G82 LCI II, 2026)
Motor & Antrieb
3.0L R6-Biturbo (S58), M xDrive (2WD zuschaltbar!)
Leistung / Drehmoment
530 PS (390 kW) / 650 Nm
Getriebe
8-Gang M Steptronic (ZF 8HP76Z)
Fahrwerk
Doppelgelenk-Zugstrebe vorn / 5-Lenker-Achse hinten
0-100 km/h / Vmax
3,5 s / 290 km/h (Mit M Driver’s Package)
Testverbrauch (Mix)
ca. 11,5 – 14,0 l/100 km (Super Plus)
Leergewicht (DIN)
ca. 1.850 kg (Für ein Coupé sehr schwer!)
Länge / Breite (m. Spiegel)
4.794 mm / 2.081 mm (Baustellen-Sieg!)
Listenpreis (Real DE)
ab ca. 112.000 € (Testwagen: ca. 143.500 €)
BMW M4 Competition - Bild 1
Foto: BMW Group

Unterhalt, Wertverlust und die 1,0%-TCO-Falle

In der Total Cost of Ownership (TCO) ist dieser bayerische Kraftsportler ein Fahrzeug für extrem liquide Überzeugungstäter. Flottenmanager werden sofort abwinken: Da keinerlei Plug-in-Hybrid-System (PHEV) verbaut ist, zwingt der reine Benziner den Dienstwagenfahrer knallhart in die 1,0%-Dienstwagenversteuerung. Bei einem Bruttolistenpreis von schnell 140.000 Euro summiert sich der geldwerte Vorteil auf der Gehaltsabrechnung zu einer monatlichen Schmerzgrenze.

Für Privatkäufer hingegen ist der M4 eine relativ berechenbare Anlage. Auch wenn Verbrenner-Sportwagen aktuell (als vom Aussterben bedrohte Spezies) sehr wertstabil sind, schützt das beim M4 nicht vor einem Wertverlust von rund 30 bis 40 Prozent in den ersten drei Jahren. Ein reines Rendite-Investment sind lediglich die limitierten CSL- oder CS-Modelle. Doch wer hier kauft, investiert in den vermutlich zuverlässigsten Hochleistungsmotor der Branche: Der S58-Block gilt (als radikale Weiterentwicklung des B58, dem oft titulierten „deutschen 2JZ“) als unzerstörbar, solange man ihn gewissenhaft warm- und kaltfährt.

Design, Abmessungen & der Millimeter-Baustellen-Triumph

Die gigantische, vertikale Niere an der Front bleibt auch 2026 das polarisierende Gesichts-Tattoo der Autowelt: Man starrt drauf, ob man will oder nicht. Doch mit den neuen, pfeilförmigen Laser-Rückleuchten (die im Dunkeln aussehen wie schwebende, glühende Glasfäden) wirkt das Coupé unfassbar aggressiv und präsent. Einzig die vielen Fake-Lufteinlässe aus Plastik an der Frontstoßstange stören das Bild eines 140.000-Euro-Fahrzeugs massiv.

Auf der deutschen Autobahn entscheidet sich die Nutzbarkeit: Das Coupé ist obszön breit geraten. Mit voll ausgeklappten Außenspiegeln misst der M4 exakt 2.081 Millimeter. Stehen Sie auf der A3 vor der Baustellen-Verengung „Linke Spur max. 2,1 m“, bricht Ihnen der kalte Schweiß aus. Doch das physikalische und juristische Urteil rettet Sie: Millimetergenauer Baustellen-Sieg! Sie bleiben zu 100 % legal, während Sie sich mit 1,9 Zentimetern Luft an einem schwankenden Lkw vorbeiquetschen. In engen städtischen Tiefgaragen aus den 1980er-Jahren werden die wuchtigen, langen Coupé-Türen jedoch zum unüberwindbaren Hindernis für den Ausstieg.

BMW M4 Competition - Bild 3
Foto: BMW Group

Innenraum: OS 8.5 Touch-Wahn und der Carbon-Masochismus

Wir öffnen die Tür und fallen tief hinab. Unser Testwagen ist mit den optionalen M Carbon Schalensitzen (Aufpreis ca. 5.000 Euro) bestückt. Klartext: Wenn Sie nicht regelmäßig auf die Nordschleife fahren, lassen Sie diese Stühle zwingend aus dem Konfigurator! Ja, sie fixieren Sie im Karussell wie ein stählerner Schraubstock. Doch im Alltag lauert der Schmerz: Zwischen den Beinen ragt ein harter, senkrechter Carbon-Hubbel („Schrittgurt-Durchlass“) empor, der das Ein- und Aussteigen zur täglichen gymnastischen Demütigung macht. Sparen Sie das Geld, bestellen Sie die exzellenten, langstreckentauglichen M-Sportsitze.

Das Interieur-Design (feinstes Merino-Leder, echte Carbon-Leisten) wird von der gewaltigen Bildschirm-Wand des „Curved Display“ dominiert. Hier entlädt sich der ergonomische Zorn: Mit dem Update auf OS 8.5 hat BMW die perfekte analoge Bedienung teilweise ruiniert. Die Klimaanlage ist in den Touchscreen gewandert. Um bei 250 km/h die Sitzheizung anzupassen oder die 10-stufige „M Traction Control“ feinzujustieren, müssen Sie den Blick von der Piste nehmen und im Display wischen. Das ist fahrlässig! Die glorreiche Rettung: BMW hat die roten M1- und M2-Tasten auf dem Lenkrad unangetastet gelassen. Ein Druck, und das Auto mutiert in Millisekunden von „Dr. Jekyll“ zum brüllenden „Mr. Hyde“.

Antrieb und Fahrdynamik: S58-Magie, M xDrive und das 1,9-Tonnen-Gewicht

Wir aktivieren M1 (alles auf Sport Plus, Klappen offen, Allrad auf „4WD Sport“). Der S58-Reihensechszylinder liefert im 2026er LCI nun 530 PS und schiebt mit der Urgewalt eines Naturereignisses. Die 8-Gang-Wandlerautomatik von ZF knallt die Gänge derart hart und präzise rein, als handele es sich um ein sequenzielles Renngetriebe. Die 3,5 Sekunden auf 100 km/h sind im Alltag lächerlich konservativ, der Wagen drückt weitaus aggressiver.

Das fahrerische Meisterstück ist jedoch das M xDrive-System: Sparen Sie sich das Modell mit reinem Heckantrieb! Der M xDrive bietet die perfekte Dualität. Bei Nässe oder Ampelstarts bringt der vollvariable Allrad die 530 PS absolut schlupffrei auf den Boden. Drücken Sie jedoch tief im Menü das DSC komplett aus, entkoppelt das System die Vorderachse physisch! Sie haben auf Knopfdruck einen 100-prozentigen Hecktriebler (2WD-Modus), der sich per aktivem M Differenzial quer durch jede Kurve rauchen lässt.

Der Feind auf der Landstraße ist die Physik: Der M4 ist kein leichtes Skalpell mehr. Fast 1,9 Tonnen Leergewicht schieben beim harten Anbremsen vor Kurven unerbittlich nach außen. Die Lenkung ist zwar telepathisch präzise, doch die Masse lässt sich nicht wegdiskutieren. Die (optionalen, extrem teuren) Carbon-Keramik-Bremsen beißen bissig und fadingfrei zu, während Stahlbremsen bei extremer Hatz auf dem Pass schnell zu riechen beginnen.

Die Tankstellen-Tragödie: Bei 130 km/h cruist der M4 mit sparsamen 9,8 Litern. Doch wer die Maschine artgerecht zelebriert, kratzt mühelos an der 16-Liter-Marke. Gekoppelt mit einem winzigen 59-Liter-Tank stehen Sie auf der schnellen Langstrecke alle lächerlichen 300 Kilometer an der Zapfsäule.

BMW M4 Competition - Bild 5
Foto: BMW Group

Konkurrenz-Check: BMW M4 gegen AMG C 63 und Porsche 911 Carrera

Die Performance-Coupé-Elite im elitären DACH-Duell:

Feature
BMW M4 Comp. xDrive (G82)
Mercedes-AMG C63 S E Coupé
Porsche 911 Carrera (992.2)
Motor
3.0L R6-Biturbo (530 PS)
2.0L R4-PHEV (680 PS)
3.0L B6-Biturbo (394 PS)
Leergewicht
ca. 1.850 kg
ca. 2.150 kg (Zu schwer!)
ca. 1.595 kg (Leichtbau!)
Antrieb
M xDrive (2WD zuschaltbar)
Allrad (Vollvariabel)
Heckantrieb
Emotionen
Mechanisch, wild, laut
Synthetisch, künstlich
Präzise, chirurgisch
Preis (Real)
ab ca. 112.000 €
ab ca. 118.000 €
ab ca. 128.700 €

Analyse: Rational betrachtet verliert der Mercedes-AMG C63 trotz wahnwitziger 680 System-PS das Herz-Duell krachend. Sein Vierzylinder-Klang ist synthetisch tot, sein Gewicht von über 2,1 Tonnen zerstört die Querdynamik. Der Porsche 911 Carrera (992.2) bleibt der unantastbare Maßstab für Präzision, Leichtbau und Wertstabilität. Er ist auf der Landstraße das bessere, reinere Sportgerät. Doch der Einstiegspreis bringt Sie lediglich in eine „nackte“ Kassen-Version. Der BMW M4 gewinnt das Trio für die Alltagstauglichkeit: Er bietet mehr PS fürs Geld, nutzbare Rücksitze (440 Liter Kofferraum!) und den brachialsten Motorenklang.

BMW M4 Competition - Bild 7
Foto: BMW Group

Pro & Contra

  • ✅ S58-Motor: Ein freidrehender, unfassbar potenter Reihensechszylinder, der jeden Vierzylinder-Hybrid emotional demütigt.
  • ✅ M xDrive Dualität: Auf Knopfdruck vom unfassbar sicheren, traktionsstarken Allradler zum wilden 100%-Hecktriebler.
  • ✅ Baustellen-Sieg: Mit 2,08 Metern Außenbreite (inkl. Spiegel) ist die schmale linke Autobahnspur physikalisch und legal befahrbar.
  • ✅ Alltagstauglichkeit: Mit dem großen Kofferraum und ISOFIX im Fond dient das 530-PS-Coupé notfalls als Erstwagen.
  • ❌ Carbon-Sitze (Optional): Der harte Mittel-Hubbel macht das Ein- und Aussteigen zur Qual; reiner Trackday-Masochismus.
  • ❌ Touch-Zwang (OS 8.5): Die Verlagerung von Sitzheizung und Klima-Regelung in das Untermenü des Displays ist ein extremer Rückschritt.
  • ❌ Leergewicht: Fast 1,9 Tonnen auf der Waage sind für ein zweitüriges Coupé, das „Motorsport“ im Namen trägt, zu viel Masse.
  • ❌ Tankvolumen: 59 Liter Spritvorrat zwingen bei forscher Autobahnfahrt zu absurd häufigen Tankstopps.

Fazit von Alex Wind: Der BMW M4 Competition vor dem Elektro-Zeitalter

Alex Wind zieht Bilanz: Der BMW M4 Competition (2026) ist ein glorreicher, rotziger und unfassbar potenter Anachronismus. Er ist provokant laut, er verbrennt rücksichtslos fossilen Kraftstoff und er schert sich auf dem Papier keinen einzigen Millimeter um brave CO2-Bilanzen. Und exakt aus diesem Grund muss man ihn abgöttisch lieben!

Er ist absolut nicht fehlerfrei. Er schleppt für ein Sportcoupé definitiv zu viele Kilos mit sich herum, die Sitzklimatisierung im Touchscreen ist ein ergonomischer Witz, und voll ausgestattet wildert er preislich gnadenlos in elitären Porsche-Revieren.

Aber dieser Wagen hat Charakter! Während Mercedes seine Legenden mit Vierzylindern und Batterien amputiert, bleibt der M4 der unerschütterliche Fels in der automobilen Brandung. Für wen dieser Wagen die perfekte Wahl ist: Für echte Petrolheads, die einen V6 oder R6 als Mindestanforderung ansehen und ein All-in-One-Werkzeug suchen: Sonntags die Nordschleife attackieren, montags souverän ins Büro pendeln. Mein eiserner Rat an den Verkaufstresen: Sparen Sie das Geld für die masochistischen Carbon-Schalensitze, kaufen Sie aber unter allen Umständen den M xDrive Allradantrieb (um die 530 PS bei Nässe zu überleben) und das M Driver’s Package! Wer das reine, ungefilterte Leichtbau-Fahren sucht, greift zum Porsche Cayman GT4. Der M4 hingegen ist ein hochluxuriöser, rasender Panzer mit Raketenantrieb. Genießen Sie ihn, solange es diese S58-Gewalt noch gibt.

Galerie


    ⚠️ Fehler im Artikel entdeckt?


    Helfen Sie uns kurz mit einem anonymen Hinweis: