Die Nachricht vom Produktionsende des BMW Z4 im Mai 2026 markierte für viele Enthusiasten das Ende einer Ära. Der klassische Roadster mit Stoffverdeck und Reihensechszylinder-Frontmotor schien endgültig Geschichte.
Doch in Buchloe, der Heimat von Alpina, sah man das anders. Die Gründerfamilie Bovensiepen tritt nun an, um dem Z4 ein letztes Denkmal zu setzen. Der Bovensiepen Spider ist eine auf 99 Exemplare limitierte Neuinterpretation, die genau dort ansetzt, wo BMW aufgehört hat – mit mehr Leistung und einem geschärften Design.
Das Ende einer Ära, der Anfang einer Manufaktur
Der BMW Z4 der Generation G29, entwickelt in Kooperation mit Toyota für deren Supra, litt unter einem schwindenden Markt für zweisitzige Sportwagen. Die Verkaufszahlen rechtfertigten für BMW keine Weiterentwicklung und erst recht kein echtes M-Modell.
Dieser unternehmerische Pragmatismus traf in Buchloe auf einen historischen Wandel: Die Familie Bovensiepen verkaufte die Markenrechte von Alpina mit Wirkung Ende 2025 an die BMW Group. Die Ära als offizieller Veredler und anerkannter Kleinserienhersteller fand damit ein geordnetes Ende.
Die Gründe für das Fehlen eines Z4 M liegen tief in der Kostenstruktur. Die Entwicklung eines eigenständigen M-Modells mit dem S58-Motor aus M3 und M4 wäre für die G29-Plattform, die man sich mit dem Toyota Supra teilt, schlicht zu teuer gewesen. Die M GmbH hätte umfangreiche Anpassungen an Karosserie, Achsen und Kühlung vornehmen müssen – ein Aufwand, der sich bei den prognostizierten Stückzahlen nicht rechnete. BMW zog die Reißleine.
Übrig blieb die Bovensiepen AG mit ihrer umfassenden Entwicklungs- und Manufakturkompetenz. Der Spider ist das erste Projekt dieser neuen, unabhängigen Identität und gewissermaßen ein inoffizieller Alpina Roadster B4, den es unter dem Markeneigner BMW so nie geben wird. Die Basis bilden fabrikneue Fahrzeuge der finalen Z4-Produktionscharge, die gezielt für diesen Umbau gesichert wurden. Das Ergebnis füllt eine Lücke, die BMW selbst nie geschlossen hat: die eines Topmodells oberhalb des M40i.
Die Bovensiepen AG konzentriert sich nun auf zwei automobile Säulen: die Entwicklung und Produktion von Kleinserien wie dem Spider sowie den Handel mit klassischen Automobilen. Als drittes, unabhängiges Standbein dient ein wachsendes Weingeschäft. Diese Diversifikation ist eine kluge strategische Neuausrichtung, die das ingenieurtechnische Erbe sichert, ohne in direkter Konkurrenz zum ehemaligen Partner BMW zu treten.
| Merkmal | Bovensiepen Spider (2026) | BMW Z4 M40i (bis 2026) |
|---|---|---|
| Motor | 3.0L R6 Turbo | 3.0L R6 Turbo |
| Leistung | 320 kW / 435 PS | 250 kW / 340 PS |
| Drehmoment | 580 Nm | 500 Nm |
| 0-100 km/h | 4,2 s | 4,5 s |
| Vmax | 260 km/h (optional 295 km/h) | 250 km/h (abgeregelt) |
| Grundpreis | 115.500 € | ab 69.300 € |
| Stückzahl | 99 Exemplare | Massenproduktion |
Hardware statt nur Software: Die Technik im Detail
Das Herzstück ist der bekannte B58-Reihensechszylinder mit drei Litern Hubraum. Dessen Leistungssteigerung auf 435 PS und kräftige 580 Nm Drehmoment ist das Resultat tiefgreifender Hardware-Eingriffe. Ein freier gestalteter Ansaugbereich mit Ram-Air-System verbessert die Beatmung, während eine komplett neue Sportabgasanlage mit vier Endrohren den Abgasgegendruck reduziert. Entscheidend ist jedoch die thermische Absicherung. Der B58-Motor gilt als robust, doch bei dauerhaft hoher Lastabforderung, etwa auf der Rennstrecke, gerät das Temperaturmanagement des Serien-Z4 an seine Grenzen. Bovensiepen verbaut deshalb ein optimiertes Kühlsystem und versieht sogar das Hinterachsgetriebe mit einem verrippten Deckel zur besseren Wärmeabfuhr. Das adressiert gezielt eine bekannte Schwachstelle und unterscheidet den Spider fundamental von reinem Chiptuning. Passend dazu erhält die ZF-Achtgangautomatik eine neue Software für schnellere Schaltzeiten und das Fahrwerk eine neue Justierung mit speziell abgestimmten Dämpfern.
Der B58-Motor selbst gilt als Juwel des modernen Motorenbaus und ist für sein enormes Tuning-Potenzial bekannt. Doch genau hier liegt die Gefahr vieler Nachrüst-Lösungen, die oft nur die Software anpassen. Bovensiepen geht den aufwendigeren, aber nachhaltigeren Weg der Hardware-Anpassung. Das ist klassische Ingenieurskunst, die Vertrauen schafft und die Langlebigkeit des Antriebs sichern soll.
Für die Optik zeichnet der britische Designer Frank Stephenson verantwortlich. Ich erkenne seine Handschrift sofort wieder, die schon den Ferrari F430 und den McLaren P1 prägte: eine Balance aus organischen Formen und aerodynamischer Funktion. Stephenson vermeidet brachiale Spoiler. Der neue Frontsplitter leitet zusammen mit den modifizierten Seitenschwellern die Luft gezielt um die Karosserie. Ergänzt wird das Konzept durch funktionale Radhausentlüftungen und einen markanten Heckdiffusor. Das Aerodynamik-Paket wird durch neue 20-Zoll-Schmiedefelgen im Zehn-Doppelspeichendesign komplettiert. Aufgezogen sind Michelin Pilot Sport 4 S-Reifen: 255/35 vorn und extrem breite 295/30 an der Hinterachse. Diese Kombination verspricht ein hohes Grip-Niveau auf trockenem Asphalt, birgt aber auch ein Risiko. Bei Nässe und Spurrillen steigt mit solchen Reifenbreiten die Aquaplaning-Gefahr deutlich.
Der Preis der Exklusivität
115.500 Euro ruft die Manufaktur in Buchloe für den Spider auf. Das ist ein hoher Preis. Die letzte „Final Edition“ des BMW Z4 M40i kostete 74.400 Euro. Der Aufschlag von 41.100 Euro entspricht einem Preis von rund 432 Euro pro zusätzlicher Pferdestärke. Ganz so einfach ist die Rechnung aber eben nicht. Der Preis rechtfertigt sich vor allem über die Exklusivität, die durch die Limitierung auf 99 Einheiten final ist. BMW wird keine weiteren Basisfahrzeuge mehr liefern.
Die Farbaufteilung ist bereits festgelegt und unterstreicht die Exklusivität. Der größte Anteil entfällt mit 40 Exemplaren auf Saphirschwarz, gefolgt von 25 Stück in Sanremo Green. Weitere 20 Fahrzeuge werden in Skyscraper Grau lackiert. Die seltensten Varianten sind Thundernight mit nur neun und Frozen Grey II mit lediglich fünf Exemplaren.
Stellt sich die Frage nach der Wertanlage. Historisch gesehen haben streng limitierte Alpina-Modelle, wie der B12 5.7 Coupé oder der Roadster V8, eine beachtliche Wertstabilität oder sogar -steigerung erfahren. Der Bovensiepen Spider hat das Potenzial, in diese Fußstapfen zu treten. Er ist das erste Werk der Familie nach der Alpina-Ära und zugleich das letzte Wort zum Thema Z4. Diese doppelte historische Einordnung macht ihn für Sammler besonders interessant, weit über die reinen Fahrleistungen hinaus. Der Innenraum wird mit viel Leder und Alcantara nach Kundenwunsch verfeinert, was den Manufakturcharakter unterstreicht.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hat Bovensiepen die Aufpreise für das optionale Performance-Paket mit der Vmax-Anhebung auf 295 km/h, der zusätzlichen Unterbodenversteifung und der verstärkten Bremsanlage mit 395er-Scheiben noch nicht kommuniziert. Eine finale Kalkulation für leistungsorientierte Käufer ist damit vorerst nicht möglich.
Fazit von Alex Wind: Der letzte echte Buchloer Roadster
Der Bovensiepen Spider krönt eine ausgereifte Plattform mit der Leistung und Exklusivität, die ihr gebührt. Er schließt damit eine Lücke, die BMW-Enthusiasten seit Jahren beklagen. Der Preis von 115.500 Euro ist hoch, doch er relativiert sich durch die strenge Limitierung und die handwerkliche Tiefe des Umbaus. Man kauft hier kein Auto von der Stange, sondern ein Stück Automobilgeschichte der Familie Bovensiepen. Der Spider ist damit das konsequente Ende des Z4, das BMW selbst nie gebaut hat. Er ist teuer und unvernünftig – und genau das macht ihn zu einem begehrenswerten Sammlerstück, das seinen Platz in der Geschichte der Marke sicher hat.
Mein Fazit als Testredakteur Alex Wind: In einer Ära, in der Roadster zugunsten tonnenschwerer Elektro-SUVs aus den Modellprogrammen gestrichen werden, ist der Bovensiepen Spider ein Fest für automobile Sinne. Mit 435 PS, seidigem Reihensechszylinder-Klang und feinstem Handwerk setzt die Gründerfamilie dem scheidenden BMW Z4 ein unvergessliches Denkmal. Für wohlhabende Sammler und Connaisseure ist der auf 99 Exemplare limitierte Spider trotz des stolzen Preises von 115.500 Euro eine sichere Investition mit Wertsteigerungspotenzial. Wer den unverfälschten Charme klassischer bayerischer Antriebskunst sucht, sollte sich schnell einen Produktionsslot in Buchloe sichern.






