Cadillac Optiq (2026) im Test: Der amerikanische Traum im Kompakt-Format – Besser als das Model Y?

Cadillac ist zurück in Europa. Und diesmal meinen sie es ernst. Nach dem riesigen Lyriq kommt nun der Cadillac Optiq. Er ist das Einstiegsmodell. Die „E-Klasse“ der Amerikaner, wenn man so will. Er zielt genau auf den König des Segments: Das Tesla Model Y. Aber Cadillac macht alles anders. Wo Tesla spart (keine Tasten, kein Tacho, Kunstleder), klotzt Cadillac. Der Optiq ist ein Statement aus Chrom (oder schwarzem Hochglanz), Licht und 9K-Bildschirmen. Technisch basiert er auf der GM Ultium-Plattform (wie der Chevrolet Equinox EV), aber er trägt einen maßgeschneiderten Designer-Anzug. Ist das der Luxus-EV, auf den Europa gewartet hat, oder nur ein schwerer Ami-Schlitten mit Batterie? Ich habe den „Baby-Lyriq“ getestet.

Design: Lächeln durch LED-Zähne

Cadillac hat das Design-Spiel aktuell gewonnen. Punkt. Der Optiq sieht fantastisch aus. Er hat diese typischen vertikalen LED-Scheinwerfer und Rückleuchten, die ihn nachts unverkennbar machen. Der „Black Crystal Grille“ (beleuchtet!) ist eine Show für sich. Er wirkt geduckt, sportlich und breit. Der Anti-Ei-Effekt: Während Mercedes EQE und Tesla Model Y aussehen wie rundgelutschte Seifenstücke (wegen der Aerodynamik), hat der Optiq Kanten und Charakter. Die C-Säule hat ein interessantes Muster im Glas („Mondrian“-Grafik). Mit 4,82 Metern Länge ist er allerdings gar nicht so „kompakt“. Er ist länger als ein Model Y und kratzt fast an der Oberklasse. Das Parkhaus sollte also nicht zu eng sein.

Innenraum: 33 Zoll Kino und echtes Holz

Ich öffne die Tür. Wow. Das ist der Moment, in dem der Tesla-Fahrer weint. Vor mir erstreckt sich ein gebogenes 33-Zoll-LED-Display mit 9K-Auflösung. Es ist das gleiche Panel wie im großen Lyriq. Die Farben sind brillant, das Schwarz ist tiefschwarz. Und die Materialien? Echtes Holz (offenporig). Echtes Aluminium. Gewebter Stoff aus recyceltem Garn (im Armaturenbrett). Selbst die Lautsprechergitter sehen aus wie Schmuckstücke. Bedienung: Cadillac hat gelernt. Es gibt den riesigen Touchscreen (Google Built-in), aber es gibt auch echte Tasten für die Klimaanlage (eine elegante Leiste). Und auf der Mittelkonsole sitzt ein Dreh-Drück-Steller aus Kristallglas, mit dem man das Infotainment bedienen kann, ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen. Das Platzangebot ist dank fast 3 Metern Radstand riesig. Hinten sitzt man mit viel Beinfreiheit, der Boden ist flach. Der Kofferraum (744 Liter bis zum Dach) ist großzügig, aber die Ladekante ist etwas hoch. Nachteil: Kein Frunk. Unter der riesigen Haube ist nur Technik. Schade, GM.

Fahrbericht: „Isolated Precision“

Wir starten. Dual Motor AWD. 224 kW (304 PS) und 480 Nm. Das klingt nach weniger als beim Tesla Model Y Long Range. Und ja, der Optiq ist kein Ampel-Sprinter. 0-100 km/h in ca. 6,0 Sekunden. Das ist flott, aber er drückt dir nicht die Augen in den Hinterkopf. Muss er auch nicht. Cadillac nennt das Fahrgefühl „Isolated Precision“. Und genau so fühlt es sich an. Der Wagen ist leise. Extrem leise. Doppeltes Glas, Active Noise Cancelling – man gleitet wie in einem Vakuum. Das Fahrwerk ist komfortabel, aber nicht schaukelig (wie alte Cadillacs). Er liegt satt. Bodenwellen werden einfach absorbiert. Die Lenkung ist präzise, aber leichtgängig. Es ist ein Cruiser. Ein Auto, mit dem man entspannt 500 km am Stück fährt und frisch aussteigt. One-Pedal-Driving: Cadillac hat das beste One-Pedal-System am Markt. Man kann die Stärke nicht nur im Menü einstellen, sondern es gibt eine Wippe am Lenkrad (links). Man zieht daran wie an einer Bremse, um den Wagen manuell bis zum Stillstand zu rekuperieren („Regen on Demand“). Das macht fast so viel Spaß wie Schalten.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Cadillac Optiq AWD (2026)
Alex Wind Kommentar
Batterie
85 kWh (Netto)
Ultium-Batterie. Solide Größe.
Leistung
224 kW (304 PS) / 480 Nm
Ausreichend, aber keine Performance-Bestie.
0-100 km/h
6,0 Sekunden
Souverän, nicht brutal.
Reichweite (WLTP)
ca. 480 km
Realistisch auf der Autobahn eher 350-380 km.
Laden (DC)
max. 150 kW
Das ist 2026 nur Durchschnitt.
Laden (AC)
11 kW (optional 22 kW)
Standard.
Verbrauch (Test)
21,5 kWh/100km
Er ist schwer und groß. Kein Sparwunder.
Kofferraum
ca. 744 Liter (Max)
Sehr gut nutzbar.
Länge
4.820 mm
Länger als die Konkurrenz (Q4, Model Y).
Preis (Basis)
ca. 56.000 €
Premium-Aufschlag inklusive.

Pro & Contra

  • Innenraum: Das 33-Zoll-Display und die Materialien sind Best-in-Class.
  • Komfort: Flüsterleise und sehr geschmeidig gefedert.
  • Design: Ein echter Hingucker, der sich von der Masse abhebt.
  • Bedienung: Gute Mischung aus Touch, Controller und echten Tasten.
  • Laden: 150 kW DC sind für einen 85 kWh Akku im Jahr 2026 etwas zäh (10-80% in ca. 35-40 Min).
  • Gewicht: Man spürt die fast 2,4 Tonnen in Kurven.
  • Kein Frunk: Wohin mit dem Ladekabel, wenn der Kofferraum voll ist?

Konkurrenz-Check

  • Tesla Model Y Long Range: Der Benchmark. Schneller, effizienter, lädt schneller, besseres Ladenetzwerk. Aber: Innenraum wirkt billig gegen den Cadillac und das Fahrwerk ist viel polteriger.
  • Audi Q4 e-tron: Der Deutsche. Solide, aber das Infotainment ist veraltet und der Innenraum wirkt steriler.
  • Genesis GV60: Der Exot. 800-Volt-Technik (lädt viel schneller!), „Crystal Sphere“ Schaltung. Technisch dem Cadillac überlegen, aber kleiner.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Cadillac Optiq (2026) ist das Auto für alle, die Tesla-Technik wollen, aber Tesla-Minimalismus hassen. Er bietet Google-Software, die funktioniert. Er bietet One-Pedal-Driving, das Spaß macht. Aber er verpackt das in eine Hülle aus amerikanischem Glamour. Echtes Holz, weiches Leder, Stille. Er ist kein Sportwagen. Er lädt nicht rekordverdächtig schnell (da merkt man die 400-Volt-Architektur). Aber er ist ein wunderbarer Luxus-Gleiter. Wer sich im Auto „zuhause“ fühlen will und nicht wie in einem Operationssaal, der kauft den Optiq. Er ist der coolste Einstieg in die amerikanische Luxus-Welt. Wem empfehle ich ihn: Individualisten, Komfort-Liebhabern und Design-Fans. Wem rate ich ab: Kilometerfressern (Ladezeit) und Ampel-Rennfahrern.

FAQ

1. Ist das nur ein teurer Chevrolet Equinox EV? Technisch ja (gleiche Plattform, gleiche Batterie). Aber Cadillac hat alles angefasst, was man sieht und fühlt. Dämmung, Fahrwerk, Materialien und Software sind zwei Klassen besser. Der Aufpreis ist gerechtfertigt.

2. Funktioniert Super Cruise in Europa? Cadillac rollt Super Cruise (freihändiges Fahren auf Autobahnen) langsam in Europa aus (Start in Deutschland/UK war geplant). In 2026 funktioniert es auf vielen kartografierten Autobahnen. Es ist eines der besten Systeme der Welt (überwacht aber streng die Augen des Fahrers!).

3. Wo kann ich den warten lassen? Das ist der Haken. Cadillac baut gerade erst sein Netz in Europa auf (Direct Sales + Flagship Stores). In großen Städten (München, Zürich, Berlin, Paris) kein Problem. Auf dem Land müssen Sie evtl. weitere Wege zum Service-Partner in Kauf nehmen.

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    Author: Alex Wind
    Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.