Citroën C4 X (2026) im Test: Der mutierte Kombi-Killer und das 510-Liter-Geheimnis

Wir Deutschen sind ein stures Volk, wenn es um Karosserieformen geht. Wir kaufen Kombis, weil wir glauben, jeden Tag eine Waschmaschine transportieren zu müssen, oder wir kaufen hochbeinige SUVs. Die klassische Limousine (das Stufenheck) gilt hierzulande als Auto für Rentner. Doch dann kommt Citroën und stellt uns den frisch gelifteten C4 X (Modelljahr 2026) vor die Tür. Dieses Auto ist ein absoluter Karosserie-Mutant: Es hat die Bodenfreiheit eines SUVs, die abfallende Dachlinie eines Coupés und das verlängerte Heck einer klassischen Limousine. Er ist mit 4,60 Metern exakt 24 Zentimeter länger als der normale C4-Kompaktwagen. Ich habe den neuen Mild-Hybrid-Antrieb (136 PS) durch den Alltag gejagt, um herauszufinden: Ist diese französische Kreuzung ein genialer Pragmatiker oder einfach nur ein Design-Unfall?

Das neue OLI-Gesicht und der Höhlen-Kofferraum

Mit dem kürzlich durchgeführten Facelift hat Citroën dem C4 X das neue, stolze Retro-Oval-Logo und eine deutlich schärfere, technischer wirkende Frontpartie (inspiriert vom OLI-Konzept) verpasst. Das steht dem Auto hervorragend und nimmt ihm das ehemals etwas verspielte Gesicht.

Der eigentliche Clou des C4 X verbirgt sich jedoch im Heck. Öffnet man die Kofferraumklappe, blickt man in ein schwarzes Loch mit gewaltigen 510 Litern Volumen (der normale C4 bietet nur 380 Liter). Sie bekommen hier das Gepäckabteil eines Mittelklasse-Kombis zum Preis eines Golfs! Aber hier kommt der „Stufenheck“-Haken: Die Heckscheibe schwingt beim Öffnen nicht mit nach oben. Die Ladeöffnung ist schmaler als bei einem Fließheck oder Kombi. Vier dicke Reisekoffer schluckt der C4 X mühelos, aber das Einladen des sperrigen Kinderwagens erfordert etwas Tetris-Erfahrung. Ein weiteres Manko der Coupé-Linie: Eine Heckscheibenwischer gibt es nicht. Bei starkem Regen auf der Autobahn ist die Sicht nach hinten gleich null.

Das Wohnzimmer: Physische Tasten und Sofa-Sitze

Wenn Sie sich in den C4 X setzen, spüren Sie sofort die DNA der Marke. Die „Advanced Comfort“-Sitze mit ihrem 15 Millimeter dicken Spezialschaumkern fühlen sich an wie teure Wohnzimmersessel. Selbst nach drei Stunden im Stau steigen Sie entspannt aus. Die Beinfreiheit in der zweiten Reihe ist durch den langen Radstand hervorragend, auch wenn die abfallende Dachlinie Personen über 1,85 Metern die Haare an den Dachhimmel drückt.

Das Armaturenbrett ist aufgeräumt. Das digitale Instrumentarium hinter dem Lenkrad ist extrem minimalistisch (fast schon zu klein), aber das optionale Head-up-Display fängt das gut auf. Der 10-Zoll-Touchscreen in der Mitte läuft flüssig, und – Gott segne die französischen Ergonomie-Designer – es gibt echte, massive Drehregler für die Klimaanlage! Keine Touch-Slider, keine Untermenüs. Einfach drehen, klick, Temperatur eingestellt. Perfekt.

Der neue e-DCS6-Hybrid: Aus der Stadt auf den fliegenden Teppich

Citroën hat den alten, oft kritisierten 1.2 PureTech Motor mit Zahnriemen-Problemen endgültig aussortiert. Unter der Haube arbeitet nun der Hybrid 136. Ein 1,2-Liter-Dreizylinder, der an ein neues 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (e-DCS6) gekoppelt ist. In diesem Getriebe sitzt ein 21 kW starker Elektromotor.

In der Stadt ist dieses System eine Offenbarung. Der C4 X fährt fast immer rein elektrisch und geräuschlos an. Beim Mitschwimmen im Verkehr auf der Landstraße schaltet sich der Verbrenner unmerklich ab und wieder zu. Citroën verspricht, dass man in der Stadt bis zu 50 Prozent der Zeit elektrisch unterwegs ist – und das stimmt! Der Verbrauch pendelte sich in meinem Test bei fantastischen 5,3 Litern auf 100 km ein. Geht es auf die Autobahn, fehlen dem 136-PS-Triebwerk naturgemäß etwas die Reserven. Beim Überholen ab 130 km/h wird der Dreizylinder laut, das Getriebe schaltet hektisch zurück.

Die Königsdisziplin bleibt das Fahrwerk. Auch der C4 X verfügt über die „Progressive Hydraulic Cushions“. Egal ob tiefes Schlagloch, fiese Kopfsteinpflaster in der Altstadt oder Temposchwellen: Die Federung bügelt alles weg. Es ist das komfortabelste Auto seiner Preisklasse.

Technische Daten & Realitäts-Check

Kategorie
Citroën C4 X Hybrid 136 e-DCS6 (Facelift 2026)
Fahrzeugkonzept
Crossover-Limousine (Stufenheck)
Motor & Antrieb
1.2L 3-Zyl. Mild-Hybrid + 21 kW E-Motor, Frontantrieb
Systemleistung / Drehmoment
136 PS (100 kW) / 230 Nm
0-100 km/h / Vmax
8,0 s / 206 km/h
Testverbrauch (Mix)
5,3 l/100 km
Länge / Breite / Höhe
4.600 mm / 1.800 mm / 1.525 mm
Kofferraumvolumen
510 Liter (bis max. 1.360 Liter)
Basispreis (Schätzung DE)
ab ca. 29.500 Euro

Konkurrenz-Check

  • Renault Arkana (Mild Hybrid 140): Der direkte französische Rivale. Der Arkana sieht noch mehr nach SUV-Coupé aus und bietet eine große, praktische Fließheck-Klappe. Er fährt sich deutlich dynamischer und straffer in Kurven. Allerdings ist die Federung des Renault auf schlechten Straßen bockhart, und der Innenraum bietet weniger Schulterfreiheit als der des Citroën.
  • Skoda Octavia Limousine (1.5 TSI mHEV): Der tschechische Vernunfts-Kaiser. Der Octavia ist hochwertiger verarbeitet, bietet mit 600 Litern einen noch größeren Kofferraum und fährt sich auf der Autobahn erwachsener. Aber: Er sieht im direkten Vergleich bieder aus, ist in der Anschaffung merklich teurer und hat nicht den Charme und den überragenden Sitzkomfort des weichen Franzosen.

Pro & Contra

  • Pro: Sensationeller Fahrkomfort dank „Advanced Comfort“ Federung.
  • Pro: Riesiger Kofferraum (510 Liter) in einer kompakten Karosserie.
  • Pro: Sehr effizienter Hybrid-Antrieb (viel elektrischer Anteil in der Stadt).
  • Pro: Physische Drehregler für die Klimaanlage!
  • Contra: Keine große Heckklappe, Ladeöffnung des Stufenhecks ist etwas unpraktisch.
  • Contra: Fehlender Heckscheibenwischer nervt bei Regen massiv.
  • Contra: Kopffreiheit im Fond ist für große Erwachsene (> 1,85 m) durch die Dachlinie eingeschränkt.

Fazit: Alex Wind meint…

Klartext: Der Citroën C4 X ist ein Auto für Individualisten mit Taschenrechner. Er ist kein Sportler und auch kein praktischer Kombi für den Ikea-Einkauf. Aber er sieht extravagant aus, federt wie eine Oberklasse-Limousine und bietet einen Kofferraum, der für den Familienurlaub locker ausreicht. Dass Citroën das neue Gesicht mit echten Tasten im Cockpit kombiniert, macht ihn im Jahr 2026 zu einer seltenen, pragmatischen Perle.

Wem empfehle ich ihn: Komfort-Liebhabern, Pendlern und Taxifahrern (gerade als E-Version). Wer einen Bandscheibenvorfall hat, ein Auto mit hohem Einstieg sucht, aber kein klobiges SUV fahren will, wird den C4 X lieben. Wem rate ich ab: Kombi-Fetischisten und Autobahn-Rasern. Wer regelmäßig Fahrräder, Waschmaschinen oder riesige Hundeabteile im Kofferraum transportieren muss, wird an der Stufenheck-Klappe verzweifeln. Greifen Sie in diesem Fall zu einem klassischen Kombi.

FAQ

Ist der neue 1.2 Hybrid 136 Motor noch anfällig für Zahnriemen-Probleme? Nein. Das ist die wichtigste technische Neuerung bei Stellantis (Citroën, Peugeot, Opel). Die alten 1.2 PureTech Motoren, bei denen sich der in Öl laufende Zahnriemen auflösen konnte, wurden ausgemustert. Der neue Mild-Hybrid-Motor (136 PS) nutzt eine robuste Steuerkette. Das bekannte Problem gehört damit der Vergangenheit an.

Gibt es den C4 X auch als reines Elektroauto? Ja, das Modell heißt dann „ë-C4 X“. Mit dem neuen Modelljahr 2026 ist er mit der neuen, verbesserten 54-kWh-Batterie und dem 156-PS-Elektromotor ausgestattet. Die WLTP-Reichweite liegt bei sehr respektablen 420 Kilometern. Er ist besonders in den Niederlanden als komfortables Flottenfahrzeug extrem beliebt.

Kann man mit dem C4 X Hybrid einen Anhänger ziehen? Ja, aber mit Einschränkungen. Die Anhängelast für den Mild-Hybrid 136 e-DCS6 beträgt in der Regel 1.200 kg (gebremst). Das reicht problemlos für einen kleinen Wohnwagen, einen Motorradanhänger oder den Transport von Gartenabfällen. Für schwere Pferdeanhänger ist das Auto jedoch nicht ausgelegt.

Galerie

Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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