Cupra Formentor VZ (2026) im Test: Der 333-PS-Haifisch beißt zu – Besser als jeder GTI?

Wenn man im Jahr 2026 auf deutschen Straßen unterwegs ist, sieht man im Rückspiegel gefühlt nur noch zwei Arten von Autos: weiße Tesla Model Y und aggressive, meist graue Cupra Formentor. Dieses Fahrzeug ist ein absolutes Phänomen. Es hat die Kernmarke Seat in den Verkaufszahlen praktisch im Alleingang in den Schatten gestellt und „Cupra“ als das rebellische, coole Label des VW-Konzerns zementiert.

Jetzt steht das lang erwartete, massive Facelift des spanischen Bestsellers vor uns auf dem Asphalt. Die neue „Shark-Nose“ (Haifischnase) blickt extrem böse, das oft verfluchte Infotainment soll nach heftiger Kundenkritik endlich fehlerfrei funktionieren, und der legendäre 5-Zylinder (VZ5) aus dem Audi-Regal ist leider für immer Geschichte.

Kann der neue Top-Benziner mit 333 PS und dem grandiosen „Torque Splitter“ aus dem aktuellen VW Golf R diese riesige emotionale Lücke füllen? Oder ist der Formentor am Ende des Tages doch nur ein etwas höhergelegter Seat Leon im teuren spanischen Trainingsanzug, der viel zu viel Leasingrate verschlingt? Wir haben den VZ (Veloz) auf der Landstraße gnadenlos getestet.

Technische Daten & Spezifikationen

Kategorie
Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 4Drive (2026)
Motor & Antrieb
2.0L 4-Zylinder Turbobenziner, Allrad (Torque Splitter)
Leistung / Drehmoment
333 PS (245 kW) / 420 Nm
Getriebe
7-Gang-DSG (Doppelkupplung DQ381)
0-100 km/h / Vmax
4,8 s / 250 km/h (abgeregelt)
Testverbrauch (Mix)
ca. 9,5 l/100 km (Super Plus)
Anhängelast (gebremst)
1.900 kg (Sehr solider Wert)
Kofferraumvolumen
420 Liter (Verbrenner) / 345 Liter (PHEV)
Fahrzeuglänge / Breite
4.451 mm / 2.010 mm (inkl. Spiegel – Baustellen-Sieg!)
Basispreis (Schätzung DE)
ab ca. 53.500 € (Testwagen: 64.200 €)
Cupra Formentor VZ - Bild 1

Unterhalt, Dienstwagensteuer und die Lack-Falle (TCO)

Mit einem Grundpreis von über 53.000 Euro ist der Formentor VZ kein preiswertes Schnäppchen mehr. Für Flottenmanager und Dienstwagenfahrer entscheidet das Modelljahr 2026 brutal zwischen Vernunft und Wahnsinn:

  • Der VZ Verbrenner (Die 1,0%-Strafe): Unser Testwagen mit 333 PS muss als reiner Verbrennungsmotor zwingend mit der vollen, teuren 1,0%-Regelung versteuert werden. Das reißt in Verbindung mit den hohen CO2-Werten und dem Verlangen nach Super Plus ein tiefes Loch ins Budget.
  • Der VZ e-Hybrid (Der 0,5%-Retter): Die logische Alternative ist der neue VZ e-Hybrid (272 PS Systemleistung). Er hat jetzt eine riesige 19,7 kWh Batterie (netto) und schafft echte 100 km rein elektrisch! Zudem lädt er am Schnelllader (DC) mit 50 kW in unter 30 Minuten. Das halbiert die Dienstwagensteuer auf 0,5 Prozent und macht ihn zum perfekten Pendler-Auto.

Die Leasing-Falle bei der Farbwahl: Die extrem coolen, matten Lackierungen (wie Petrol Blau Matt) sehen fantastisch aus, bergen aber ein massives Risiko. Sie dürfen damit absolut nicht in herkömmliche Waschanlagen mit Wachs-Programm fahren! Zudem kann man kleine Kratzer nicht einfach kostengünstig „rauspolieren“ – oft muss ein komplettes Bauteil teuer neu lackiert werden. Bei der Leasing-Rückgabe sorgt das oft für extrem teure Überraschungen.

Design, Abmessungen & die Baustellen-Freigabe

Cupra hat beim Facelift keineswegs nur gekleckert. Die Front wurde komplett neu modelliert. Der klassische Kühlergrill ist verschwunden, stattdessen gibt es eine spitze „Shark Nose“ und dreieckige Matrix-LED-Augen, die böse funkeln. Das kupferfarbene Logo ist provokant auf die Motorhaube gewandert. Besonders spektakulär ist das Heck: Das durchgehende LED-Leuchtenband integriert nun ein voll beleuchtetes Cupra-Logo. In der Nacht ist das ein unfassbar cooler Erkennungsfaktor.

Der urbane Sieg auf der Autobahn: Trotz dieser extrem aggressiven Optik verbirgt sich unter dem Blech eine extrem alltagstaugliche Kompaktheit. Mit 4,45 Metern Länge ist er deutlich parkplatzfreundlicher als ein Tiguan. Die wichtigste Nachricht für deutsche Pendler betrifft jedoch die Fahrzeugbreite: Mit ausgeklappten Spiegeln misst der Formentor exakt 2.010 Millimeter. Das Urteil ist ein rechtlicher Segen! Sie dürfen mit diesem Auto in deutschen Autobahnbaustellen völlig legal, versichert und stressfrei die linke, meist auf 2,1 Meter limitierte Spur nutzen.

Cupra Formentor VZ - Bild 2

Innenraum: Haptik-Check, neues Infotainment und Lenkrad-Frust

Wir klettern über die breiten Seitenschweller in die tief montierten, grandiosen „CUPBucket“-Schalensitze (optional von Sabelt). Man sitzt in diesem SUV nicht kutschbockartig „auf“ dem Auto, sondern wunderbar tief integriert „im“ Auto.

Der lang ersehnte Software-Triumph: Das Infotainment des Vorgängers war eine ruckelnde, ergonomische Katastrophe. Im Jahr 2026 ist zum Glück alles besser. Der neue 12,9-Zoll-Screen (MIB4) läuft flüssig, die Menüstruktur ist logisch (die Klima-Steuerung bleibt endlich fix am unteren Rand). Und der absolute Meilenstein: Die berüchtigten Touch-Slider unter dem Display für Lautstärke und Temperatur sind endlich beleuchtet! Man findet sie nun auch nachts, ohne einen Unfall zu riskieren. Ein weiteres akustisches Highlight ist das neue, audiophile Soundsystem von Sennheiser, das den oft zu basslastigen Beats-Vorgänger qualitativ ablöst.

Der ergonomische Sündenfall: So brillant das Display nun ist, so grauenhaft ist das Lenkrad. Cupra hält weiterhin an den kapazitiven Touch-Flächen auf den Lenkradspeichen fest. Wenn man auf der Landstraße das griffige Lenkrad schnell durch die Hände gleiten lässt, verstellt man oft versehentlich das Radio oder aktiviert die Lenkradheizung. Es ist im sportlichen Einsatz extrem nervig. Echte Tasten wären hier eine Wohltat. Die Verarbeitung ansonsten? Das Armaturenbrett ist aufgeschäumt, die Mittelkonsole lederbezogen, aber an den hinteren Türtafeln dominiert für diese Preisklasse (über 60.000 €) etwas zu viel einfaches Hartplastik.

Antrieb und Fahrdynamik: Warum der Torque Splitter ein Meisterwerk ist

Wir drücken den kupfernen Startknopf am Lenkrad. Der 2.0 TSI (EA888 evo4) mit 333 PS brabbelt heiser los. Wer das nötige Kleingeld investiert hat, bestellt zwingend die Akrapovič-Titan-Auspuffanlage. Sie liefert im „CUPRA“-Modus noch echtes, mechanisches Ploppen und Knallen, das nicht nur künstlich über die Lautsprecher (Sound-Aktuator) erzeugt wird.

  • Das fahrdynamische Herzstück: Auf der kurvigen Landstraße demonstriert der Formentor, warum er jeden VW Tiguan vernichtet. Er nutzt den grandiosen „Torque Splitter“ an der Hinterachse (bekannt aus dem Golf R und Audi RS3). Zwei elektronisch gesteuerte Lamellenkupplungen verteilen die Kraft nicht nur stur zwischen Vorder- und Hinterachse, sondern vollvariabel zwischen dem linken und rechten Hinterrad.
  • Das Ergebnis: Der Formentor leidet unter absolut keinem Untersteuern (das sonst übliche, sture Schieben über die Vorderräder in der Kurve). Er drückt das Heck beim Beschleunigen aktiv und extrem agil mit in die Kurve hinein. Es gibt auf abgesperrter Strecke sogar einen reinen Drift-Modus. Ein Kompakt-SUV, das quer fährt? Ja. Und es macht einen Heidenspaß.
  • Autobahn & Verbrauch: Der Durchzug auf der unlimitierten Autobahn ist brachial. 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden. Das straffe adaptive Fahrwerk (DCC) saugt sich auf dem Asphalt fest, Vmax liegt bei abgeregelten 250 km/h. Wer diese 333 PS fordert, muss Super Plus füttern. Im Alltag auf der Autobahn (140 km/h) messen wir rund 9,2 Liter. Im harten Landstraßen-Einsatz sind es schnell 11,5 Liter. Ein Test-Schnitt von 9,5 Litern ist für diese Leistungsgewicht-Klasse in Ordnung, aber weit entfernt von politischer Korrektheit.

(Hinweis: Der brachiale 5-Zylinder-Motor VZ5 wurde mit dem Facelift ersatzlos aus dem Programm gestrichen. Ihn gibt es nur noch gebraucht.)

Cupra Formentor VZ - Bild 3

Platzangebot für Familien und Freizeit

Die aggressive Coupé-Linie täuscht: Der Formentor ist ein vollwertiges Familienauto. Im Fond sitzen selbst Personen bis 1,85 Meter Körpergröße überraschend bequem und haben ausreichend Kniefreiheit.

Der Kofferraum des VZ 4Drive fasst im Normalzustand gut nutzbare 420 Liter (beim reinen Fronttriebler ohne Allrad sind es 450 Liter, beim Plug-in-Hybrid aufgrund der Batterie nur noch knappe 345 Liter). Das reicht für den Wocheneinkauf oder den kurzen Familienurlaub völlig aus, ein Kinderwagen erfordert jedoch etwas Pack-Disziplin. Mit einer Anhängelast von 1.900 kg ist er zudem ein potenter Begleiter für kleine Wohnwagen oder den Pferdeanhänger.

Konkurrenz-Check

Der interne Konzern-Bruderkampf in der Kompaktklasse:

Feature
Cupra Formentor VZ (333 PS)
VW Tiguan R-Line (265 PS)
BMW X2 M35i (300 PS)
Motor
2.0L 4-Zylinder Turbo
2.0L 4-Zylinder Turbo
2.0L 4-Zylinder Turbo
Antrieb
Allrad (Torque Splitter)
Allrad (Klassisch 4MOTION)
Allrad (xDrive)
Fahrwerk
Extrem dynamisch & agil
Sehr komfortabel
Hart, sportlich
Kofferraum
420 Liter
652 Liter (Benchmark)
560 Liter
Ergonomie
Beleuchtete Slider (OK)
Beleuchtete Slider (OK)
Ohne iDrive-Regler (Schlecht)
Preis (Real)
ca. 64.200 € (Testwagen)
ca. 60.000 €
ab ca. 65.000 €

Analyse: Der VW Tiguan R-Line ist der unaufgeregte, extrem vernünftige Bruder. Er bietet gigantisch viel mehr Platz und mehr Federungskomfort für die Langstrecke, verströmt aber exakt null sportliche Emotionen. Wer Kinder hat, nimmt den Tiguan. Der neue BMW X2 M35i provoziert mit seiner extrem kantigen Optik, fährt sich sehr hart und direkt, hat aber ergonomisch durch den völligen Wegfall des legendären iDrive-Drehreglers in der Mittelkonsole massiv an Bedienkomfort verloren. Der Cupra bietet den besten Kompromiss aus fahrerischer Ekstase und urbaner Alltagstauglichkeit.

Cupra Formentor VZ - Bild 4

Pro & Contra

  • Pro: Fahrdynamische Benchmark: Der Torque Splitter killt jedes Untersteuern und macht ihn extrem agil.
  • Pro: Atemberaubendes, emotionales Design (Shark-Nose) mit fantastischer LED-Lichtsignatur.
  • Pro: Sieg der Software: Infotainment läuft flüssig, Klimaslider sind endlich bei Nacht beleuchtet.
  • Pro: Mit 2,01 Metern Außenbreite (inkl. Spiegel) ist die linke Baustellenspur auf der Autobahn völlig legal!
  • Contra: Ergonomie-Desaster am Lenkrad: Touch-Flächen führen zu permanenten Fehlbedienungen in Kurven.
  • Contra: Der Wegfall des legendären VZ5 (5-Zylinder Audi-Motor) schmerzt emotionale Puristen enorm.
  • Contra: Die coolen matten Lackierungen sind im Leasing ein extrem teures Risiko (Kratzer/Waschanlage).
  • Contra: Sehr selbstbewusstes Preisniveau: Ein vollausgestatteter VZ durchbricht mühelos die 60.000-Euro-Marke.

Alex Wind meint:

Der neue Cupra Formentor VZ (2026) ist der fahrdynamische, laute Beweis auf Rädern, dass pure Vernunft extrem langweilig ist.

Ja, ein VW Tiguan ist im Alltag deutlich praktischer. Ja, ein Dacia Duster ist an der Kasse um Welten billiger. Aber der Formentor schafft diesen magischen Spagat, an dem viele Konkurrenten kläglich scheitern: Er ist geräumig und alltagstauglich genug, um die Familie samt Hund zu transportieren, und gleichzeitig dank des Torque Splitters wild und aggressiv genug, um am Sonntagmorgen auf der leeren Landstraße ein echtes, ehrliches Grinsen ins Gesicht zu zaubern.

Dass Seat/Cupra nach massiver Kritik die katastrophale Software repariert und die Slider beleuchtet hat, rettet die Innenraum-Ergonomie (wenn man das furchtbare Touch-Lenkrad ignoriert). Der endgültige Wegfall des klanggewaltigen 5-Zylinders schmerzt uns Enthusiasten tief in der Seele. Aber der neue 333-PS-Vierzylinder ist fahrerisch derart gut und präzise appliziert, dass man den alten Motor nach der ersten Kurve fast vergisst. Wem empfehle ich dieses Auto? Dienstwagenfahrern, die keinen biederen Passat-Kombi wollen, und sportlichen Eltern. Nehmen Sie den VZ e-Hybrid (272 PS), wenn Sie steuerlich massiv sparen müssen. Nehmen Sie den reinen VZ Verbrenner (333 PS), wenn Sie das Fahren noch wirklich spüren wollen.

Galerie

Author: Alex Wind
Alex Wind ist Senior Technical SEO Analyst und Automotive-Experte mit Fokus auf Datenprüfung und Marktanalysen für den DACH-Raum.


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