Mit dem vollelektrischen Ford Capri schickt Köln im Modelljahr 2026 ein 4,63 Meter langes Crossover-Coupé auf der MEB-Architektur des Volkswagen-Konzerns an den Start. Das eigenständig gezeichnete Schrägheck mit markanten Vieraugen-LED-Scheinwerfern tritt direkt gegen den Plattformbruder VW ID.5 sowie den Polestar 2 und Volvo EC40 an.
Angetrieben von der 79-kWh-Batterie und bis zu 250 kW (340 PS) im Allradmodell bietet der Kölner bis zu 598 Kilometer WLTP-Reichweite und 572 Liter Kofferraumvolumen. Bei Einstiegspreisen ab 51.950 Euro für den Hecktriebler muss der Capri im Praxistest beweisen, ob die spürbar straffere Kölner Fahrwerksabstimmung den sportlichen Namen rechtfertigt.
Technische Daten & Spezifikationen
|
Kategorie
|
Ford Capri Premium AWD Extended Range (2026)
|
|
Motor & Antrieb
|
2 E-Motoren (Dual Motor), Allradantrieb
|
|
Systemleistung / Drehmoment
|
340 PS (250 kW) / 545 Nm
|
|
Batteriekapazität (netto)
|
79 kWh (Lithium-Ionen)
|
|
0-100 km/h / Vmax
|
5,3 s / 180 km/h (abgeregelt)
|
|
Testverbrauch (Mix)
|
ca. 17,5 kWh/100 km
|
|
Reichweite (WLTP / Real)
|
592 km / ca. 420 – 450 km
|
|
Max. Ladeleistung
|
11 kW AC / 185 kW DC (10-80 % in 26 Min.)
|
|
Kofferraumvolumen
|
572 bis 1.510 Liter
|
|
Fahrzeuglänge
|
4.634 mm
|
|
Basispreis (Schätzung DE)
|
ab ca. 45.000 € (Testwagen: ca. 61.500 €)
|
Unterhalt und die interne Explorer-Rivalität
Ford ruft für den Hecktriebler einen Basispreis von rund 45.000 Euro auf. Eine selbstbewusste Ansage. Kurioserweise liegt er damit sogar über dem praktischeren Schwestermodell, dem Ford Explorer EV. Mein voll ausgestatteter Testwagen als Premium AWD mit Wärmepumpe knackt locker die 61.000-Euro-Marke. In dieser Liga trifft er auf das gnadenlos effiziente und meist günstigere Tesla Model Y. Der Capri kontert jedoch mit einem Design, das auf dem Firmenparkplatz garantiert für mehr Gesprächsstoff sorgt als die allgegenwärtige Konkurrenz aus den USA.
Design und Abmessungen: Bullige Zitate statt blinder Kopie
Wenn man den historischen Namen für einen Moment ausblendet, steht hier ein wirklich schickes Auto. Mit 4,63 Metern Länge ist der Capri sogar länger als der hauseigene Explorer. Die Frontpartie zitiert mit ihren vier LED-Elementen im Scheinwerfer und dem schwarzen „Visor“-Streifen dazwischen ganz dezent den Ur-Capri. Auch das Heckfenster trägt den typischen Schwung in der C-Säule, den Kenner sofort wiedererkennen.
Trotzdem wirkt das SUV auf seinen riesigen Rädern extrem wuchtig. Seine Linienführung ist mutiger als die des braven VW ID.5. Er steht satter auf der Straße als ein Polestar 2. Ford hat es tatsächlich geschafft, dem nüchternen VW-Unterbau eine eigene, laute Seele einzuhauchen. Das gilt besonders, wenn der Wagen im knalligen „Vivid Yellow“ vor einem steht.
Innenraum: Die „My Private Locker“-Lösung
Das Cockpit kenne ich im Kern bereits aus dem elektrischen Explorer, aber es ist und bleibt ein ergonomisches Glanzstück. Im Zentrum thront der 14,6 Zoll große „SYNC Move“-Touchscreen. Seine Neigung lässt sich manuell verstellen. Steil gegen störende Sonneneinstrahlung, flach für eine ruhigere Optik.
Der eigentliche Clou ist aber etwas anderes. Schiebt man den Screen ganz nach unten, verriegelt er ein dahinterliegendes Fach – Ford nennt es „My Private Locker“. Sobald das Auto abgeschlossen ist, wird auch dieses Fach blockiert. Ein perfekter kleiner Safe für Wertsachen. Oben auf dem Armaturenbrett sitzt eine B&O-Soundbar. Sie sieht nicht nur gut aus, sondern liefert auch einen extrem druckvollen und klaren Klang.
Die Sportsitze mit integrierten Kopfstützen geben perfekten Halt. Trotz der abfallenden Dachlinie finden im Fond selbst Erwachsene bis 1,85 Meter erstaunlich gut Platz. Das eigentliche Kunststück wartet aber am Heck. Der Kofferraum fasst gigantische 572 Liter. Das ist deutlich mehr als im Mustang Mach-E und übertrifft paradoxerweise sogar den kastenförmigen Explorer. Grund dafür ist der längere hintere Überhang des Capri. Ein Hinweis für Hundebesitzer: Wegen der flachen Heckscheibe müssen große Hunde wie ein Labrador den Kopf einziehen oder sich weit in die Mitte legen. Für den reinen Tiertransport ist der Explorer die bessere Wahl. Leider hat Ford auch die unbeleuchteten Touch-Slider für die Lautstärke von VW übernommen. Ein Ergonomie-Fauxpas, der auch im Jahr 2026 noch stört.
Antrieb und Fahrdynamik: Der VW-Unterbau lernt tanzen
Die Befürchtung stand im Raum: Fährt sich der Capri am Ende nur wie ein umgelabelter VW ID.4? Die klare Antwort nach den ersten Testkilometern: Nein. Ford hat das Fahrwerk und die Lenkung komplett eigenständig und spürbar straffer abgestimmt.
Mein Testwagen mit dem 250 kW (340 PS) starken Dual-Motor-Allradantrieb schießt in 5,3 Sekunden auf Tempo 100. Das ist GTI-Niveau. Auf der Landstraße liegt der Capri deutlich satter und verbindlicher als ein VW ID.5. Er neigt sich weniger in Kurven, die Lenkung gibt spürbar mehr Feedback von der Straße. Der Restkomfort leidet darunter nicht übermäßig. Er fühlt sich einfach „fleischiger“ und direkter an als seine Verwandten aus Wolfsburg.
Reichweite und Laden: Die Heckantriebs-Empfehlung
Die Testfahrt ergab einen Verbrauch von soliden 17,5 kWh/100 km im gemischten Betrieb. Mit der neuen MEB-Batteriegeneration mit 79 kWh Netto-Kapazität sind im AWD-Modell reale Reichweiten zwischen 420 und 450 Kilometern drin. Am DC-Schnelllader zieht der Allradler mit bis zu 185 kW Strom. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent dauert 26 Minuten. Das ist für das Jahr 2026 ein ordentlicher Wert, auch wenn die 800-Volt-Systeme von Hyundai oder Kia mit 18 Minuten in einer anderen Liga spielen.
Mein klarer Tipp: Verzichten Sie auf den Allradantrieb und nehmen Sie den Extended Range RWD (Hecktriebler). Er nutzt einen 77-kWh-Akku, leistet absolut ausreichende 286 PS und hat spürbar weniger Gewicht auf der Vorderachse. Das Ergebnis: Er lenkt leichtfüßiger ein und lässt auf der Landstraße das Heck dezent mitarbeiten. Das macht fast noch mehr Laune. Obendrein knackt der RWD im Alltag souverän die 500-Kilometer-Marke (WLTP: über 620 km) und wird so zu einem exzellenten Langstreckenauto.
Konkurrenz-Check
- VW ID.5 GTX: Der Teilespender. Technisch im Kern identisch, aber mit einem deutlich runderen, manche würden sagen langweiligeren, Design. Sein Infotainment-Display ist starr und das Fahrwerk fühlt sich entkoppelter an. Im Flottengeschäft sind die Leasingraten bei VW dafür oft schärfer kalkuliert.
- Tesla Model Y (AWD): Die rationale Messlatte. Das Model Y ist effizienter, hat spürbar mehr nutzbaren Raum inklusive Frunk und die bessere Software. Dafür federt das Fahrwerk deutlich poltriger. Sein Design ist auf deutschen Straßen mittlerweile zur optischen Gewohnheit geworden.
- Polestar 2: Der skandinavische Athlet. Er lenkt noch eine Spur knackiger ein und lädt seit dem Facelift schneller. Sein Innenraum ist aber wesentlich enger geschnitten, was am hohen Mitteltunnel liegt. Auch der Kofferraum ist für Familienausflüge deutlich knapper bemessen als der des Ford.
Pro & Contra
- ✅ Pro: Als Hecktriebler (RWD) mit real über 500 km Reichweite extrem langstreckentauglich.
- ✅ Pro: Überraschend großer Kofferraum mit 572 Litern, der sogar den Explorer übertrifft.
- ✅ Pro: Satteres, sportlicheres und direkteres Fahrverhalten als bei den VW-Pendants.
- ✅ Pro: Clevere „My Private Locker“-Lösung hinter dem verstellbaren Bildschirm.
- ❌ Contra: Der Name Capri wirkt auf einem SUV-Coupé historisch deplatziert.
- ❌ Contra: Hoher Preis, der selbstbewusst über dem praktischeren Schwestermodell Explorer liegt.
- ❌ Contra: Die unbeleuchteten Touch-Slider von VW erschweren die Bedienung.
- ❌ Contra: Miserable Sicht nach hinten durch das schmale Heckfenster.
Fazit von Alex Wind: Emotionalere MEB-Abstimmung mit Kult-Namen
Der neue Ford Capri ist ein verdammt gutes Elektroauto. Sein einziges Problem ist das schwere historische Erbe seines Namens. Hätte Ford dieses Auto „Probe“ oder „Cougar“ genannt, würde das Netz es vermutlich feiern. Mein Rat: Ignorieren Sie den Namen. Was bleibt, ist ein stilvolles, sehr reichweitenstarkes SUV-Coupé, das mit seinem 572-Liter-Kofferraum praktischer ist, als es die Dachlinie vermuten lässt. Er ist der emotionalere, besser abgestimmte VW ID.5. Sparen Sie sich das Geld für den schweren Allradantrieb. Kaufen Sie den Hecktriebler mit 286 PS. Er kommt weiter, lenkt agiler ein und ist im Alltag mehr als ausreichend. Und bitte: Wenn Sie sich schon für ihn entscheiden, dann bestellen Sie ihn in „Vivid Yellow“. Dieses Auto darf und muss auffallen.
Galerie





































