Während alle Welt über Elektro-SUVs und 500-PS-Monster redet, gibt es sie noch: Die Helden des Alltags. Die Autos, die man kauft, weil das alte kaputt ist und das Budget nicht für einen Ioniq 5 reicht. Der Hyundai Bayon ist so ein Auto. Er ist der Einstiegs-Crossover von Hyundai. Technisch ist er ein i20, aber er bietet mehr Platz und diese modische SUV-Optik. Im Jahr 2026, nach dem Facelift (mit der durchgehenden Lichtleiste vorne), muss er sich in einem Haifischbecken behaupten. Der VW T-Cross ist der Platzhirsch, der Ford Puma der Sportler und im eigenen Haus drängt der neue Elektro-Zwerg Hyundai Inster. Hat der Bayon mit Verbrennungsmotor noch eine Daseinsberechtigung? Ich habe den kantigen Koreaner getestet.
Design: Pfeilspitzen und RoboCop-Licht
Der Bayon war schon immer… speziell. Von hinten sieht er mit den pfeilförmigen Rücklichtern aus wie kein anderes Auto. Man liebt es oder man findet es seltsam. Dazwischen gibt es nichts. Vorne hat das Facelift ihm gutgetan. Die durchgehende LED-Lichtleiste (Seamless Horizon Lamp) lässt ihn breiter und technischer wirken. Er sieht jetzt aus wie der kleine Bruder des Kona. Der Realitäts-Check: Der Bayon ist 4,18 Meter lang. Das ist das perfekte „Goldlöckchen-Maß“. Groß genug, um nicht übersehen zu werden, klein genug für jede Lücke. Er ist nicht so hoch wie ein echter SUV. Man steigt bequem ein (Hüftpunkt etwas höher als im i20), aber man thront nicht über dem Verkehr. Es ist eher ein „High-Hatchback“. Die Bodenfreiheit (165 mm) reicht für Feldwege, aber Allrad gibt es natürlich nicht.
Innenraum: Hartes Plastik, weicher Raum
Ich steige ein. Der Knock-Test: Es klonkt hohl. Das Armaturenbrett, die Türen – alles ist aus Hartplastik. Hier merkt man den Rotstift. Ein VW T-Cross wirkt (mittlerweile) hochwertiger. ABER: Die Verarbeitung ist Hyundai-typisch bombensicher. Hier klappert nichts, auch nicht auf Kopfsteinpflaster. Und dann die Ergonomie: Zwei 10,25-Zoll-Bildschirme (Tacho und Navi) sind Standard in der guten Ausstattung. Die Grafik ist klar, die Bedienung logisch. Und das Beste: Echte Tasten. Klimaanlage? Eigene Einheit mit Knöpfen. Sitzheizung? Ein echter Schalter. Spurhalteassistent aus? Ein langer Druck auf die Taste am Lenkrad. Das ist im Jahr 2026 purer Luxus. Man muss sich nicht durch Touch-Menüs wühlen. Das Raumwunder: Hier schlägt die Stunde des Bayon. Da er technisch ein i20 ist, aber den Radstand geschickt nutzt, ist der Platz hinten sensationell. Ich (1,85m) kann „hinter mir selbst“ sitzen und habe noch Luft an den Knien. Das schaffen viele Autos der Golf-Klasse nicht besser. Der Kofferraum: 411 Liter. Das ist mehr als in einem VW Golf (380 Liter)! Wer Familie hat, aber kein Geld für einen Tucson, wird den Bayon dafür lieben.
Fahrbericht: Der Dreizylinder knurrt, aber spart
Wir starten den 1.0 T-GDI (100 PS). Es ist ein Dreizylinder mit 48-Volt-Mildhybrid-Unterstützung. Im Leerlauf vibriert er leicht. Beim Beschleunigen hat er diesen typischen, kernigen „Nähmaschinen-Sound“. Gekoppelt ist er an das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT).
Szenario Stadt: Das DCT schaltet meist sauber, ruckelt aber manchmal beim Anfahren („Gedenksekunde“), wenn Start-Stopp und Hybrid-System sich sortieren müssen. Daran gewöhnt man sich. Der Bayon ist wendig. Die Lenkung ist sehr leichtgängig (typisch Hyundai), was das Einparken zum Kinderspiel macht.
Szenario Landstraße: Die 100 PS reichen völlig. Dank des Turbos (172 Nm) schwimmt man gut mit. Das Fahrwerk ist komfortabel. Anders als der Ford Puma, der sportlich um die Kurve zirkelt, will der Bayon lieber gemütlich gleiten. Er filtert Bodenwellen gut weg, wankt aber in schnellen Kurven etwas. Ein ehrliches, unaufgeregtes Fahrverhalten. Der Segel-Modus: Geht man vom Gas, schaltet der Motor sich oft komplett ab (Segeln), das 48V-System hält die Bordelektronik am Leben. Das spart Sprit.
Szenario Autobahn: Bis 130 km/h ist alles okay. Darüber wird es laut (Wind und Motor). Vmax ist 180 km/h. Der Spurfolgeassistent hält das Auto souverän in der Mitte. Für die Urlaubsfahrt einmal im Jahr reicht das, für tägliche Vertreter-Touren fehlt etwas Dämmung.
Der Verbrauch:
- Stadt: 5,8 Liter.
- Landstraße: 4,9 Liter.
- Autobahn (130 km/h): 6,5 Liter. Im Schnitt sind 5,5 bis 6,0 Liter realistisch. Das ist ein fairer Wert.
Technische Daten & Realitäts-Check
Datenpunkt | Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48V (2026) | Alex Wind Kommentar |
Motor | 1.0 R3 Turbo (Mild-Hybrid) | Der Standard-Antrieb. Robust. |
Leistung | 74 kW (100 PS) / 172 Nm | 120 PS Version wurde oft gestrichen. |
0-100 km/h | 11,7 Sekunden | Fühlt sich dank Turbo spritziger an. |
Vmax | 180 km/h | Ausreichend. |
Getriebe | 7-Gang-DCT (Automatik) | Komfortabel, aber teils ruckelig beim Anfahren. |
Verbrauch (Test) | 5,9 l/100km | Kein Sparwunder, aber solide. |
Kofferraum | 411 – 1.205 Liter | Das Highlight! Schlägt den Golf. |
Länge | 4.180 mm | Perfekt für die Stadt. |
Preis (Basis) | ca. 22.900 € | Teurer geworden, aber oft Rabatte. |
Preis (Testwagen) | 28.500 € | Prime-Ausstattung mit Navi & Bose. |
Pro & Contra
- ✅ Platzangebot: Hinten und im Kofferraum erstaunlich groß.
- ✅ Bedienung: Echte Tasten und logisches Infotainment.
- ✅ Garantie: 5 Jahre ohne Kilometerbegrenzung (unschlagbar!).
- ✅ Ausstattung: Sitzheizung hinten, Bose-Sound, Lenkradheizung – in dieser Klasse selten.
- ❌ Material: Sehr viel Hartplastik im Innenraum.
- ❌ Getriebe: Das DCT wirkt beim Anfahren manchmal unharmonisch.
- ❌ Motor: Der Dreizylinder läuft etwas rau.
- ❌ Ladekante: Relativ hoch, man muss Wasserkisten drüberheben.
Konkurrenz-Check
- VW T-Cross: Der Solide. Fühlt sich wertiger an, hat die verschiebbare Rückbank (genial!), ist aber ausstattungsbereinigt 3.000 – 5.000 € teurer.
- Ford Puma: Der Sportler. Sieht sexy aus, fährt wie ein Go-Kart, hat die geniale „MegaBox“ im Kofferraum, ist aber hinten viel enger als der Bayon.
- Seat Arona: Der Oldie. Technisch solide, aber im Innenraum mittlerweile etwas angestaubt. Oft günstig im Leasing.
Fazit: Alex Wind meint…
Der Hyundai Bayon (2026) ist kein Auto, von dem man nachts träumt. Er ist das Auto, das man kauft, wenn man rechnen kann. Er bietet mehr Platz als die meisten Konkurrenten. Er hat die beste Garantie (5 Jahre). Er hat Technik, die funktioniert und nicht nervt. Er ist der legitime Nachfolger der alten Kompaktklasse: Außen klein, innen groß, bezahlbar. Wer über das viele Hartplastik und das polarisierende Heck hinwegsehen kann, bekommt hier das vielleicht vernünftigste Auto unter 30.000 Euro. Wem empfehle ich ihn: Jungen Familien, Rentnern (bequemer Einstieg) und Pragmatikern. Wem rate ich ab: Design-Fetischisten und Autobahn-Rasern.
FAQ
1. Reicht der 84 PS Sauger (1.2 MPI)? Nur wenn Sie ausschließlich in der Stadt fahren. Der Motor hat keinen Turbo, man muss ihn quälen, um voranzukommen. Sobald es auf die Landstraße geht, werden Sie den 100 PS Turbo vermissen. Der Aufpreis lohnt sich immer!
2. Handschaltung oder Automatik (DCT)? Der Handschalter (iMT) hat eine elektronische Kupplung, was das Segeln ermöglicht. Er schaltet sich knackig. Wer Geld sparen will, nimmt den Handschalter. Das DCT ist purer Komfort für den Stau, kostet aber ca. 1.500 € extra.
3. Gibt es einen Bayon Elektro? Nein. Der Bayon steht auf einer Verbrenner-Plattform. Wer einen kleinen Elektro-Hyundai will, muss zum Hyundai Inster (kleiner) oder zum Kona Elektro (größer, teurer) greifen.


































