Hyundai Inster startet unter 24.000 Euro und wird direkt wegen Brandgefahr zurückgerufen

Hyundai Inster startet unter 24.000 Euro und wird direkt wegen Brandgefahr zurückgerufen
Foto: Hyundai

Hyundai startet den neuen Inster in Deutschland mit einem Basispreis von 23.900 Euro. Dafür erhält der Käufer die 97 PS starke „Select“-Variante mit einem 42-kWh-Akku und einer soliden WLTP-Reichweite von 327 Kilometern. Der seit Dezember 2024 bestellbare Kleinwagen positioniert sich damit aggressiv im Marktsegment unter 25.000 Euro. Er unterbietet den neuen VW ID. Polo Trend (ab 24.995 Euro) knapp und zielt auf Kunden, denen ein Dacia Spring zu rudimentär, ein Citroën e-C3 aber zu reichweitenschwach ist. Doch der aggressive Preis wird durch eine verwirrende Aufpreispolitik und spürbare Kompromisse konterkariert. Schwerer wiegt jedoch ein Sicherheitsproblem, das direkt zum Marktstart einen offiziellen Rückruf nach sich zog.

Rückruf 16829R: Akute Brandgefahr ab Werk

Das gravierendste Problem des Inster ist ein Sicherheitsthema, das den Marktstart überschattet. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führt unter der Referenz 16829R einen offiziellen Rückruf für den elektrischen Kleinwagen. Allein in Deutschland sind 14.610 bereits produzierte Fahrzeuge betroffen, die in einem langen Zeitraum zwischen dem 14. Februar 2024 und dem 14. April 2026 vom Band liefen. Ursache ist ein potenziell undichtes 3-Wege-Ventil im Thermomanagementsystem des Hochvolt-Akkus. Dieses Bauteil regelt die Kühlung der Batteriezellen. Der Mangel betrifft damit das Herzstück von Hyundais neuer globaler Kleinwagen-Plattform, auf der künftig weitere Volumenmodelle basieren sollen.

Das Problem: Durch das Leck kann Kühlflüssigkeit auf unter Spannung stehende elektrische Komponenten tropfen. Die unmittelbare Folge ist akute Brandgefahr durch einen Kurzschluss.

Dass ein derart kritischer Mangel bei einem neuen Modell auftritt, erfordert von Hyundai maximale Transparenz. Mittlerweile läuft die offizielle Rückrufaktion unter dem Herstellercode 61D127 (KBA-Referenz 16829R) in den Werkstätten auf Hochtouren: Betroffene Halter werden über das KBA und die Vertragshändler benachrichtigt, um das potenziell undichte 3-Wege-Ventil im Kühlkreislauf des Hochvolt-Akkus kostenlos gegen ein modifiziertes, druckfestes Bauteil tauschen zu lassen. Der Werkstattaufenthalt ist mit rund 1,5 bis 2 Stunden veranschlagt (inklusive Entlüftung und Neubefüllung des Kühlsystems). Jeder Inster-Besitzer sollte zeitnah anhand seiner Fahrgestellnummer (VIN) beim Vertragspartner prüfen lassen, ob sein Fahrzeug bereits nachgebessert wurde, um jedes thermische Risiko konsequent auszuschließen.

Was der Inster wirklich kostet

Die Basisversion für 23.900 Euro ist nur der Anfang einer gestaffelten Preisstruktur. Der Sprung zur „Long Range“-Variante mit 115 PS und einem 49-kWh-Akku für bis zu 370 Kilometer Reichweite kostet mindestens 1.500 Euro extra und startet bei 25.400 Euro. Die Preisliste fächert sich dabei spürbar auf: Neben „Select“ und „Trend“ gibt es die Langstrecken-Version auch als „Cross“ sowie als Topmodell „Prime“ für 30.100 Euro. Die „Cross“-Variante für 29.100 Euro setzt zwar auf die identische Bodenfreiheit von 144 mm, ist aber keineswegs ein reines Optik-Paket: Hyundai verbaut hier eine modifizierte Federungs- und Dämpferabstimmung, die auf das höhere Leergewicht (bis 1.503 kg) und die serienmäßigen 17-Zoll-Räder ausgelegt ist. Dadurch steigt das zulässige Gesamtgewicht auf 1.790 kg, was eine praxistaugliche Zuladung von rund 380 bis 410 kg sichert. Zudem ist die robuste Dachreling für eine echte Dachlast von bis zu 100 kg freigegeben – ein handfester Nutzwert für Dachboxen oder Sportträger, den die zivilen Versionen so nicht bieten. Erst mit diesen Ausstattungen wird der Inster zum vollwertigen Mini-Crossover, überschreitet dann aber auch deutlich die 25.000-Euro-Schwelle.

Fahrwerk und Nutzwert: Die spürbaren Defizite

Aufgrund des kurzen Radstands stößt die Federung bei kurzen Kanten schnell an ihre Grenzen und leitet Stöße recht trocken an die Insassen weiter. Bei sportlicherer Kurvenfahrt, etwa in engen Kreisverkehren, neigt das kurveninnere Vorderrad zum Scharren – ein klares Zeichen für die überforderte Traktionskontrolle. Auf der Autobahn machen sich zudem präsente Windgeräusche an den A-Säulen bemerkbar. Dieses Geräusch ist in der Kleinwagenklasse nicht unüblich, beim Inster tritt es aber früher und deutlicher auf als etwa beim direkten Konkurrenten VW ID. Polo, was längere Autobahnetappen anstrengend macht. Die Ladeleistung von maximal 85 kW ist für diese Klasse in Ordnung. Der größte Kompromiss im Alltag ist aber der Kofferraum: Mit nur 238 Litern Fassungsvermögen ist das Ladeabteil winzig. Das Volumen liegt damit weit unter dem Niveau, das selbst Kleinwagen mit Verbrennungsmotor vor über einem Jahrzehnt boten. Die Integration des Akkus im Fahrzeugboden fordert hier offensichtlich ihren Tribut.

Alex Winds Urteil zum Hyundai Inster: Licht und Schatten im Kleinstwagen-Segment

Der Hyundai Inster platziert sich preislich im oberen Mittelfeld der Günstig-Stromer. Er ist mit 23.900 Euro über 30 Prozent teurer als der Dacia Spring (17.900 Euro), bietet dafür aber auch eine erheblich größere Reichweite. Ganz so einfach ist der Vergleich eben nicht, denn für einige Konkurrenten wie den Dacia Spring lagen zum Redaktionsschluss keine finalen WLTP-Angaben für die Basisversionen vor – eine Datenlücke, die auch unsere Tabelle widerspiegelt. Der härteste Gegner des Inster dürfte der neue VW ID. Polo sein. Dieser wirft für einen Aufpreis von rund 1.100 Euro eine vergleichbare Reichweite und das Renommee der Marke Volkswagen in die Waagschale. Während der Citroën e-C3 einen radikalen Komfort-Ansatz verfolgt und der Fiat Grande Panda auf retro-futuristisches Design setzt, will der Inster als pragmatischer Allrounder punkten. Diese Positionierung wird durch die technischen Mängel und den Rückruf jedoch massiv geschwächt.

Modell Basispreis (UVP) Reichweite (WLTP) Akku (brutto)
Dacia Spring 17.900 € – 27,5 kWh
Leapmotor T03 18.900 € 265 km –
Ari Poly 19.028 € – 17,3 kWh
Renault Twingo Electric Evolution 19.990 € 263 km –
Citroën e-C3 20.140 € 215 km –
BYD Dolphin Surf Active 23.490 € 220 km 30,0 kWh
Hyundai Inster Select 23.900 € 327 km 42,0 kWh (netto)
Leapmotor B03X 24.900 € 292 km –
VW ID. Polo Trend 24.995 € 334 km –
Fiat Grande Panda Elektro 25.990 € 320 km –
Geely E2 Ultra 26.990 € 345 km 47,1 kWh

Das Angebot wirkt auf den ersten Blick verlockend: ein vollwertiges Elektroauto mit alltagstauglicher Reichweite zu einem Preis, der Elektromobilität zugänglicher machen soll. Dem stehen jedoch inakzeptable Mängel gegenüber. Für mich wiegt der sicherheitskritische Rückruf wegen Brandgefahr direkt zum Marktstart schwerer als jeder Preisvorteil. Die unübersichtliche Preispolitik schwächt das Paket zusätzlich. Hinzu kommen die spürbaren Kompromisse bei Fahrkomfort und Nutzwert. Der Inster schließt zwar eine wichtige Marktlücke, doch der Rückruf mit der KBA-Referenz 16829R ist eine Hypothek, die das gesamte Konzept infrage stellt.


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