Wer den neuen Hyundai Santa Fe schon für eine mutige Ansage hielt, wird beim Anblick des neuen Palisade staunen. Hier kommt die zweite Generation des koreanischen Flaggschiffs – und ihr Design kennt keine Zurückhaltung. War der Vorgänger noch ein elegant gezeichnetes, aber eher rundliches SUV, wirkt der Nachfolger wie eine Kreuzung aus einem Range Rover und einem Cadillac Escalade.
Der Palisade ist das massive Verbrenner-Gegenstück zum kommenden Elektro-SUV Ioniq 9. Eine rollende Festung auf Rädern. Die entscheidende Neuerung für das Modelljahr 2026 steckt allerdings unter der gewaltigen Motorhaube: Ein Hybrid-Antriebsstrang löst auf vielen Märkten den extrem durstigen V6-Saugmotor ab. Im Rahmen einer exklusiven Ausfahrt mit einem seriennahen Prototyp auf einem abgesperrten Testgelände konnten wir bereits erfahren, ob dieser Familien-Koloss den etablierten deutschen Premium-Modellen das Leben schwer machen kann. Wir fuhren die absolute Top-Ausstattung „Calligraphy“.
Technische Daten & Spezifikationen
| Kategorie | Hyundai Palisade Calligraphy 2.5 Hybrid (2026) |
| Motor & Antrieb | 2.5L 4-Zylinder Turbobenziner + E-Motor, Allradantrieb (HTRAC) |
| Systemleistung | ca. 280 PS (206 kW) |
| Getriebe | 6-Stufen-Wandlerautomatik |
| 0-100 km/h / Vmax | ca. 8,2 s / 200 km/h |
| Testverbrauch (Mix) | 7,5 bis 8,5 l/100 km (Normalbenzin) |
| Sitzplätze | 7 (2+2+3) oder 8 (2+3+3) |
| Fahrzeuglänge / -breite | 4.995 mm / ca. 2.200 mm (mit Spiegeln) |
| Kofferraumvolumen | 509 bis 2.447 Liter |
| Basispreis (Schätzung Import) | ab ca. 60.000 € (Testwagen Calligraphy: ca. 75.000 €) |
Design und Abmessungen: Das Blockhaus auf Rädern
Bei Hyundai haben die Designer offensichtlich jedes Kurvenlineal aus dem Studio verbannt. Der Palisade steht massiv, aufrecht und mit einem enormen Selbstbewusstsein da. Die Frontpartie ragt fast senkrecht in den Fahrtwind. Ein riesiger, rechteckiger Kühlergrill wird von vertikalen LED-Leuchteinheiten flankiert, die das Auto noch breiter und präsenter wirken lassen. Die Fensterlinie zeigt vorn einen leichten Knick nach unten – ein Design-Zitat, das man sonst vom deutlich teureren Range Rover kennt. Das Heck schließt ebenso steil und ohne Schnörkel ab.
Mit knapp fünf Metern Länge und in Wagenfarbe lackierten Radläufen über 21-Zoll-Vielspeichen-Felgen (in der „Calligraphy“-Version) erzeugt er die Aura eines 120.000-Euro-Fahrzeugs. Man kann sich die Fragen der Nachbarn nach dem Lottogewinn bildlich vorstellen. Die deutsche Realität mahnt jedoch zur Vorsicht: Mit ausgeklappten Spiegeln kratzt der Palisade an der 2,20-Meter-Marke. In deutschen Parkhäusern und engen Innenstadtgassen fühlt sich das Manövrieren schnell an wie mit einem Linienbus. Für eine Standard-Garage aus den 70er-Jahren ist dieses Auto schlichtweg zu groß. Vor dem Kauf sollte man unbedingt nachmessen.
Innenraum: Purer Luxus ohne den deutschen Logo-Aufschlag
Der Einstieg in den Palisade offenbart einen gewaltigen Qualitätssprung. Das Curved Display, das aus zwei gestochen scharfen 12,3-Zoll-Bildschirmen besteht, kennen wir zwar aus anderen Hyundai-Modellen. Hier ist es aber in ein Armaturenbrett eingebettet, das großzügig mit Leder, offenporigem Echtholz und kühlen Metall-Applikationen verkleidet ist.
Die „Calligraphy“-Ausstattung lässt wirklich kaum einen Wunsch offen. Der Dachhimmel ist mit einem weichen Wildleder-Imitat ausgeschlagen, die Sitze sind mit feinem Nappaleder samt Rautensteppung bezogen. Auf langen Strecken ist die „Ergo Motion“-Massagefunktion für den Fahrer ein echter Segen. Die schwebende Mittelkonsole schafft darunter ein riesiges Ablagefach, das problemlos eine Handtasche oder einen Laptop aufnimmt.
Das wahre Highlight ist jedoch das Raumgefühl. Der Palisade ist ein vollwertiger Sieben- oder Achtsitzer. Unser Testwagen war mit beheizten und belüfteten „Captain’s Chairs“ in der zweiten Reihe ausgestattet – hier reist man komfortabler als in mancher Business-Class. Der Zustieg zur dritten Reihe erfolgt elektrisch per Knopfdruck. Das Erstaunlichste: In Reihe drei können tatsächlich Erwachsene sitzen, ohne die Knie an die Ohren pressen zu müssen. Selbst bei voller Bestuhlung schluckt der Kofferraum noch 509 Liter. Das reicht für Golfbags oder den Wocheneinkauf. Klappt man alle Lehnen um, wird der Hyundai mit 2.447 Litern Ladevolumen zum Luxus-Transporter.
Antrieb und Fahrverhalten: Der Hybrid rettet das Budget
Die erste Generation des Palisade wurde hauptsächlich mit einem 3,8-Liter-V6-Saugmotor ausgeliefert. Ein akustisch durchaus angenehmer Antrieb, der aber unter chronischem Durst litt und im Alltag selten unter 12 bis 14 Liter kam. Für Hubraum-Fans gibt es eine gute Nachricht: In den USA und im Nahen Osten wird Hyundai weiterhin einen V6 im Programm behalten. Für Märkte wie Europa (via Importeure) oder Korea liegt der Fokus nun aber klar auf dem 2,5-Liter-Turbo-Hybrid.
Die Systemleistung von 280 PS ist für das 2,2 Tonnen schwere Fahrzeug absolut ausreichend. Der Elektromotor sorgt für einen verzögerungsfreien Antritt an der Ampel, danach übernimmt der Vierzylinder-Turbo souverän den Vortrieb. Er läuft naturgemäß nicht so seidenweich wie der alte V6-Sauger, schiebt dafür aber im mittleren Drehzahlbereich spürbar kräftiger an. Die Sechsgang-Automatik verrichtet ihre Arbeit dabei völlig unauffällig im Hintergrund.
Fahrwerksseitig gibt Hyundai keine falschen Sport-Versprechen ab. Der Palisade ist konsequent auf den Komfort eines US-Highways ausgelegt. Er schaukelt auf langen Bodenwellen sanft nach, bügelt aber selbst grobe Fugen souverän glatt. Die Geräuschdämmung im Innenraum ist exzellent; das Auto ist leiser als mancher BMW X5. In schnell gefahrenen Kurven neigt sich die hohe Karosserie jedoch spürbar zur Seite. Das oft zitierte „Schiffsgefühl“ ist hier definitiv präsent. Mit seinem Allradantrieb (HTRAC) und diversen Terrain-Modi meistert er verschneite Straßen und Feldwege ohne Probleme. Für hartes Gelände ist das Fahrzeug aber schlicht zu lang und zu edel.
Die entscheidende Verbesserung zeigt sich an der Zapfsäule. Während der alte V6 seinen Besitzer zur Verzweiflung trieb, pendelte sich unser Testverbrauch mit dem neuen Hybrid-System bei sehr guten 7,5 bis 8,5 Litern auf 100 Kilometern ein. Für eine rollende Schrankwand dieses Formats ist das ein exzellenter Wert. Er hebt die Reichweite auf entspannte 800 Kilometer an.
Konkurrenz-Check
- Kia Telluride: Der koreanische Bruder. Technisch sind beide identisch, sie nutzen dieselbe Plattform und die gleichen Motoren. Optisch und bei der Fahrwerksabstimmung gehen sie aber getrennte Wege. Der Kia ist eine Spur straffer gefedert und zitiert einen rustikaleren Offroad-Look, während der Hyundai weicher abgestimmt und konsequent auf elitären Luxus getrimmt ist.
- BMW X7 / Mercedes GLS: Die deutschen Platzhirsche. Sie bieten prestigeträchtigere Logos, optional wuchtige V8-Motoren und feiner justierbare Luftfahrwerke. Wer diesen Status sucht, muss dafür allerdings auch den doppelten Fahrzeugpreis auf den Tisch legen.
- Toyota Grand Highlander: Der direkte Hybrid-Konkurrent. Der Toyota ist technologisch extrem effizient, wirkt im Innenraum aber spürbar plastischer, weniger detailverliebt und im Karosseriedesign deutlich zurückhaltender als der kantige Hyundai.
Pro & Contra
- ✅ Pro: Enormes Platzangebot, in dem sieben Erwachsene tatsächlich bequem reisen.
- ✅ Pro: Herausragende Materialqualität und eine Technik-Ausstattung auf Oberklasse-Niveau.
- ✅ Pro: Der neue Hybrid-Antrieb macht den Riesen endlich effizient und alltagstauglich.
- ✅ Pro: Gigantische Straßenpräsenz und die Optik eines deutlich teureren SUVs.
- ❌ Contra: Die schieren Abmessungen machen enge Parkhäuser zum schweißtreibenden Erlebnis.
- ❌ Contra: In Europa kein offizielles Modell, die Beschaffung läuft nur über spezialisierte Importeure.
- ❌ Contra: Sehr weich abgestimmtes Fahrwerk mit deutlicher Wankneigung in Kurven.
Alex Wind meint:
Der Hyundai Palisade (2026) ist der Geheimtipp für Großfamilien, die Platz für sieben Personen benötigen, sich aber strikt weigern, einen klassischen Van wie den Hyundai Staria oder VW Multivan zu fahren. Er liefert 90 Prozent des Luxus und der Präsenz eines BMW X7 – und das zum halben Preis.
Der neue Hybrid-Antrieb ist ein Segen. Er eliminiert den einzigen massiven Kritikpunkt des Vorgängers: den ausufernden Verbrauch. Von außen wirkt der Palisade wie der gepanzerte Dienstwagen einer FBI-Eskorte, während er innen die Insassen wie eine exklusive Wellness-Oase umschmeichelt. Wer eine Garage besitzt, die groß genug für fünf Meter Länge und 2,20 Meter Breite ist, sollte zugreifen. Meine dringende Empfehlung: Suchen Sie beim Importeur gezielt nach der voll ausgestatteten „Calligraphy“-Version. Der Aufpreis für den Wildleder-Himmel und die belüfteten Sitze in der zweiten Reihe lohnt sich. Ihre Familie wird es Ihnen auf der nächsten langen Urlaubsfahrt danken.





















