Wenn Sie einen Mercedes GLS neben einen Jeep Grand Wagoneer stellen, wirkt der Deutsche plötzlich zierlich. Der Grand Wagoneer ist kein Auto. Er ist eine Immobilie. Lange Zeit war er das Synonym für amerikanischen Überfluss: V8-Motoren, die Benzin tranken, als gäbe es kein Morgen, und Abmessungen, die europäische Parkhäuser zum Weinen brachten. Doch im Modelljahr 2026 hat Jeep aufgeräumt. Der „kleine“ Wagoneer wurde gestrichen (alles heißt jetzt Grand Wagoneer). Der V8 ist endgültig tot. Und das Wichtigste: Es gibt eine neue Range-Extender-Version (REEV), die verspricht, diesen Koloss fast so effizient wie einen Kleinwagen zu machen. Wir haben das 5,45-Meter-Schiff (als L-Version sogar 5,76 Meter) getestet. Ist er nur groß oder auch großartig?
Das Design: Weniger Chrom, mehr LED
Jeep hat dem Grand Wagoneer für 2026 ein Facelift verpasst. Die gute Nachricht: Das viele Chrom ist weg. Der Grill ist jetzt dunkler, die Scheinwerfer sind schmaler und aggressiver. Der berühmte 7-Slot-Grill ist (natürlich) beleuchtet. Er sieht jetzt weniger aus wie ein Kühlschrank aus den 50ern und mehr wie ein moderner Luxus-Liner. Aber machen wir uns nichts vor: Er ist riesig. Die Motorhaube ist so hoch, dass man einem Mazda MX-5 fast auf das Dach schauen kann. Er hat Präsenz. Wer damit vorfährt, braucht keine Worte mehr. Er sagt: „Ich bin da. Und ich brauche zwei Parkplätze.“
Der Innenraum: Screens, Screens, Screens
Hier demütigt der Jeep die Konkurrenz. Vergessen Sie den Hyperscreen von Mercedes. Der Grand Wagoneer hat bis zu 75 Zoll an Bildschirmfläche.
- Digitaltacho.
- Zentraler Screen.
- Klimasteuerung unten.
- Beifahrer-Display (damit der Co-Pilot Netflix schauen kann, ohne den Fahrer abzulenken).
- Displays für die zweite Reihe. Es ist ein Kino auf Rädern. Dazu kommt das McIntosh-Soundsystem mit 23 Lautsprechern und 1.375 Watt. Wenn Sie hier „Hotel California“ hören, sehen Sie die Gitarrensaiten vor ihrem inneren Auge vibrieren. Die blauen VU-Meter auf dem Display sind ein nettes Retro-Detail. Die Verarbeitung? Auf Augenhöhe mit Audi. Echtes Walnussholz, dickes Palermo-Leder, metallische Drehregler. Hier klappert nichts.
Der Antrieb: Hurricane oder das REEV-Wunder?
Der V8 ist Geschichte. Der Standardmotor ist der 3.0-Liter „Hurricane“ Reihensechszylinder-Biturbo. 540 PS (High Output) und über 670 Nm. Er schiebt die 3 Tonnen souverän an. Er läuft seidenweich, fast vibrationsfrei. Aber: Er säuft immer noch. Wer den „Hurricane“ fordert, sieht schnell eine „15“ oder „18“ vor dem Komma (Liter/100km). Die Lösung kommt später im Jahr 2026: Der Grand Wagoneer REEV (Range Extended Electric Vehicle). Das Konzept ist genial: Ein 3.6-Liter V6 dient nur als Generator. Er lädt eine riesige Batterie (ca. 92 kWh). Den Antrieb übernehmen reine Elektromotoren. Das Versprechen: Ca. 200 km rein elektrische Reichweite und eine Gesamtreichweite von über 800 km. Das wäre der „Game Changer“. Ein Elektro-Jeep für den Alltag, ein Benziner für den Urlaub, ohne Reichweitenangst. Bis der REEV da ist, bleibt der Hurricane ein starker, aber durstiger Geselle.
Fahrverhalten: Sänfte mit Wankneigung
Der Grand Wagoneer sitzt auf einem Leiterrahmen (wie ein Truck), hat aber hinten eine Einzelradaufhängung und Luftfederung (Quadra-Lift). Das Ergebnis ist faszinierend. Er schwebt über Schlaglöcher. Lange Bodenwellen auf der Autobahn (Highway-Cruising) sind seine Paradedisziplin. Aber in Kurven spürt man die Physik. Er wankt. Er neigt sich. Die Lenkung ist extrem leichtgängig und gefühllos. Das ist gewollt. Er soll nicht sportlich sein. Er soll Sie isolieren. Und das tut er. Bei 130 km/h ist es drinnen so leise wie in einem Tonstudio.
Platzangebot: Besser als jeder Bus
Die meisten 7-Sitzer sind Mogelpackungen. Der Grand Wagoneer nicht. Selbst in der dritten Reihe können Erwachsene (bis 1,90m) bequem sitzen. Und wenn Sie die L-Version nehmen, haben Sie hinter der dritten Reihe immer noch einen Kofferraum, der größer ist als der eines VW Golf. Wer eine Großfamilie mit Hund und Gepäck transportieren muss, findet aktuell kein besseres Auto auf dem Markt. Punkt.
Fazit: American Dream 2.0
Der Jeep Grand Wagoneer (2026) ist beeindruckend. Er schlägt Cadillac und Lincoln in puncto Innenraum-Qualität und Technik. Er bietet mehr Platz als jeder BMW X7 oder Mercedes GLS. Mit dem neuen Facelift sieht er endlich so teuer aus, wie er ist. Das einzige Problem bleibt die Größe (in Europa) und der Verbrauch des Sechszylinders. Wer warten kann, sollte auf den REEV spekulieren. Das könnte das beste Luxus-SUV der Welt werden. Wer jetzt kauft, bekommt den luxuriösesten Dino der Welt.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie echten Platz für 7 oder 8 Personen brauchen (inklusive Gepäck).
- Sie das beste Infotainment und Soundsystem am Markt wollen.
- Sie gerne „King of the Road“ spielen und große Parklücken haben.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie in einer europäischen Altstadt wohnen. Sie werden steckenbleiben.
- Sie sportliches Fahrverhalten suchen. Er ist ein Kreuzfahrtschiff.
- Sie auf den Verbrauch achten (zumindest beim reinen Benziner).













