Totgesagte leben länger. Eigentlich hätte der Jeep Renegade längst im Museum stehen müssen. Er kam 2014 auf den Markt. In Auto-Jahren ist er ein Dinosaurier. Dazu kommt die Konkurrenz aus dem eigenen Haus: Der moderne, schicke Jeep Avenger wildert im gleichen Revier. Doch Stellantis baut den Renegade weiter. Warum? Weil er etwas hat, was dem Avenger fehlt: Ecken und Kanten. Er ist kein weichgespülter Crossover. Er ist ein Würfel. Er sieht aus, als hätte man einen Wrangler zu heiß gewaschen. Wir haben den Renegade 4xe (Plug-in-Hybrid) in der robusten Trailhawk-Version getestet. Ist er im Modelljahr 2026 nur noch Kult oder immer noch kompetent?
Das Design: Aerodynamik? Nein, danke.
In einer Welt, in der jedes Elektroauto wie ein rundgelutschtes Bonbon aussieht (um Reichweite zu schinden), ist der Renegade eine Wohltat. Die Windschutzscheibe steht fast senkrecht. Der Grill trägt stolz die sieben Schlitze. Die Rückleuchten erinnern an alte Jerry-Can-Benzinkanister (das „X“-Design). Er ist „anti-aero“. Und genau das lieben die Kunden. Man sitzt hoch, man sieht das Ende der Motorhaube (ein seltenes Gefühl heute!). Er versprüht dieses „Abenteuer-Feeling“, selbst wenn er nur vor dem Supermarkt in Bottrop parkt. Der kleine Bruder Avenger wirkt daneben wie ein Spielzeugauto, der Renegade wie ein Werkzeug.
Der Antrieb: 4xe ist die einzige Wahl für Fans
Wer Allrad will, muss Hybrid fahren. Das System kennen wir aus dem Compass: Ein 1.3-Liter Turbobenziner treibt die Vorderräder an, ein Elektromotor die Hinterräder. Systemleistung: 240 PS (im Trailhawk). Das klingt sportlich, aber der Renegade ist schwer (fast 1,8 Tonnen). Er sprintet flott los (dank E-Boost), aber auf der Autobahn wird es ab 130 km/h zäh – und laut. Der Wind verfängt sich in den A-Säulen. Die elektrische Reichweite der 11,4 kWh Batterie ist heute nur noch Durchschnitt. Rechnen Sie mit 35 bis 40 Kilometern im echten Leben. Ist der Akku leer, gönnt sich der kleine Kasten gerne 8 Liter. Die Schrankwand-Form fordert ihren Tribut. Wer nur in der Stadt fährt, kann zum neuen e-Hybrid (Mild-Hybrid) greifen, aber dem fehlt der Allradantrieb. Und ein Jeep ohne Allrad ist wie ein alkoholfreies Bier: Schmeckt ähnlich, macht aber weniger Spaß.
Im Gelände: Der Bergziegen-Faktor
Hier schlägt die Stunde des Renegade. Während der VW T-Roc oder Ford Puma an einer feuchten Wiese scheitern, fährt der Renegade Trailhawk einfach weiter. Er trägt das „Trail Rated“-Abzeichen zurecht.
- Unterfahrschutz aus Stahl.
- Erhöhte Bodenfreiheit.
- Spezielle Schürzen für bessere Böschungswinkel.
- „Rock Mode“ im Terrain-Select-System. Da der Elektromotor hinten sofort Drehmoment liefert, klettert er erstaunlich gut über Steine. Er ist der einzige Kleinwagen-SUV, mit dem man sich wirklich in den Wald trauen kann, ohne den Abschleppdienst auf Kurzwahl zu haben.
Innenraum: Plastik-Charme und Kopffreiheit
Steigen wir ein. Das Alter lässt sich nicht verbergen. Auch wenn Jeep dem Renegade inzwischen ein digitales Tacho und ein neueres Infotainment (10,1 Zoll) spendiert hat, bleibt die Basis alt. Es gibt viel hartes Plastik. Die Türverkleidungen klingen hohl. Aber: Es ist sympathisch. Überall sind kleine „Easter Eggs“ versteckt: Ein kleiner Willys-Jeep auf der Frontscheibe, der Grill in den Lautsprecherboxen, eine Karte der Wüste Moab in der Ablage. Das Raumgefühl ist gigantisch. Dank der Kastenform haben selbst Hutträger vorne und hinten massig Kopffreiheit. Der Kofferraum (330 Liter) ist allerdings klein. Quadratisch zwar, aber für den großen Urlaub zu knapp.
Renegade oder Avenger?
Das ist die Gretchenfrage.
- Der Jeep Avenger ist moderner, fährt sich PKW-ähnlicher, ist leiser und hat die bessere Elektrotechnik (als BEV). Er ist das vernünftigere Auto.
- Der Jeep Renegade ist das emotionalere Auto. Er fühlt sich „echter“ an. Er ist ein Charakterdarsteller.
Fazit: Für Individualisten
Der Jeep Renegade (2026) ist objektiv betrachtet zu teuer, zu durstig und innen zu plastiklastig. Aber Autos kauft man nicht nur mit Excel-Tabellen. Man kauft den Renegade, weil man morgens rauskommen und grinsen will. Er ist der letzte Mohikaner der kantigen Kleinwagen. Wer einen zuverlässigen Pendler sucht, kauft Toyota Yaris Cross. Wer aber heimlich davon träumt, Indiana Jones zu sein (auch wenn er nur Akten sortiert), kauft den Renegade.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie das Boxy-Design lieben. Er ist unverwechselbar.
- Sie in den Bergen wohnen und einen kompakten Allradler (4xe) brauchen.
- Sie über 1,90 Meter groß sind. Die Kopffreiheit ist ungeschlagen.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie viel Autobahn fahren. Er ist laut und säuft bei hohem Tempo.
- Sie modernste Assistenzsysteme und Premium-Materialien erwarten. Er ist rustikal.
- Sie einen großen Kofferraum brauchen. Da ist er nur Kleinwagen-Niveau.




























