Die Elektro-Welt bei Mercedes steht Kopf. Die futuristischen „EQ“-Modelle (EQE, EQS) mit ihrer Seifenstück-Form kämpfen um Käufer. Aber ein Modell verkauft sich still und heimlich wie geschnitten Brot: Der Mercedes-Benz EQA. Warum? Weil er aussieht wie ein Auto. Genauer gesagt: Wie ein Mercedes GLA. Auch im Modelljahr 2026, kurz bevor die neue „MMA“-Plattform (der elektrische CLA) alles revolutioniert, hält der EQA die Stellung als Einstiegsdroge in die elektrische Sternen-Welt. Er ist ein sogenannter „Conversion-EV“. Er basiert auf einer Verbrenner-Plattform. Technisch ist das ein Kompromiss. Aber ist es vielleicht genau der Kompromiss, den die Kunden wollen? Wir haben den EQA 250+ (das Reichweiten-Wunder) getestet.
Das Design: Bitte nicht erschrecken
Wer einen EQE sieht, denkt an Ufos. Wer einen EQA sieht, denkt an einen GLA mit geglätteter Front. Das Facelift hat ihm gut getan. Der „Black Panel“-Grill trägt jetzt das Sternchen-Muster (Star Pattern), die durchgehenden Leuchtenbänder vorne und hinten wirken modern. Er ist hoch, kompakt und übersichtlich. Das ist sein Erfolgsgeheimnis: Er verlangt keine Umgewöhnung. Man steigt ein und fühlt sich wie in jedem Mercedes der letzten zehn Jahre. Für die konservative Stammkundschaft ist das Gold wert.
Der Antrieb: 250+ ist die „Goldene Mitte“
Es gibt den EQA als 300er und 350er mit Allrad und viel Leistung. Vergessen Sie die. Das einzig wahre Modell ist der EQA 250+. Er hat Frontantrieb, 190 PS (140 kW) und – das ist der Trick – die große 70,5 kWh Batterie. Damit wird der kleine Crossover zum Dauerläufer. WLTP sagt: Über 550 km. Realität 2026: 400 bis 450 km. Das ist ein hervorragender Wert für ein Auto, das nicht als reines E-Auto konzipiert wurde. Der Motor ist nicht sportlich. Er ist ein Gleiter. Er zieht sanft an, beschleunigt linear. Aber auf der Autobahn merkt man die Aerodynamik einer Schrankwand (im Vergleich zu einer Limousine). Ab 130 km/h steigt der Verbrauch auf 20 bis 22 kWh. Trotzdem: Die 400 Kilometer Autobahn-Reichweite (bei Tempo 120) schaffen Vertrauen.
Das Lade-Dilemma: 100 kW sind 2026 zu wenig
Hier zeigt sich das Alter der Plattform. Während Hyundai und Kia mit 800-Volt-Technik in 18 Minuten laden, nuckelt der EQA mit maximal 100 kW an der Säule. Mercedes sagt: „Aber er hält die Kurve lange konstant!“ Das stimmt. Aber 32 Minuten von 10 auf 80 Prozent sind im Jahr 2026 einfach nur Durchschnitt. Für die Langstrecke in den Urlaub braucht man Geduld. Wer nur zu Hause lädt (11 kW oder optional 22 kW AC – letzteres ist ein Pluspunkt!), dem kann es egal sein.
Innenraum: Vorne Business, hinten Frosch
Vorne ist der EQA ein Traum. Das MBUX-System (mit den zwei großen Screens) ist auch Jahre nach Einführung noch Referenz. Die Bedienung ist logisch, die Sprachsteuerung („Hey Mercedes“) versteht fast alles, und die Augmented-Reality-Navigation (Pfeile auf dem Kamerabild) ist genial. Die Materialien sind hochwertig, die Turbinen-Lüftungsdüsen sind beleuchtet. Das ist echtes Premium-Feeling. Aber hinten… Da der Akku im Fahrzeugboden Platz braucht, wurde der Boden angehoben. Die Sitzbank blieb aber gleich. Das Ergebnis: Als Erwachsener sitzt man hinten in der „Froschhaltung“. Die Knie sind hochgezogen, die Oberschenkel liegen nicht auf. Auf Langstrecken ist das unbequem. Auch der Kofferraum ist kleiner als beim Verbrenner-GLA (340 Liter). Das ist Golf-Niveau, nicht SUV-Niveau. Die Ladekabel müssen zudem unter den Boden oder in den Kofferraum (kein „Frunk“ vorne).
Fahrverhalten: Die Sänfte
Mercedes hat das Fahrwerk auf Komfort getrimmt. Und das ist gut so. Der EQA bügelt Schlaglöcher weg, als wären sie nicht da. Er ist extrem leise. Die Dämmung ist besser als im Tesla Model Y. Er ist kein Kurvenräuber (dafür ist er zu schwer und wankt zu sehr), aber er ist das perfekte Auto, um entspannt nach einem stressigen Arbeitstag nach Hause zu schweben. Die Rekuperation lässt sich über Schaltwippen einstellen – von „Segeln“ bis „One-Pedal-Driving“.
Fazit: Der beste „Nicht-Tesla“
Der Mercedes-Benz EQA (2026) ist technisch nicht das beste E-Auto seiner Klasse. Ein BMW iX1 lädt schneller und fährt sportlicher. Ein Tesla Model Y bietet viel mehr Platz. Aber der EQA ist der beste Mercedes für Einsteiger. Er bietet diesen unverwechselbaren Komfort, die grandiose Materialanmutung und das Prestige des Sterns. Er ist das Auto für Leute, die keine Experimente wollen. Der EQA 250+ ist dabei die einzig logische Wahl: Genug Reichweite, um die „Reichweitenangst“ zu besiegen, und genug Leistung für den Alltag.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie Komfort über alles stellen. Der EQA ist flüsterleise.
- Sie das MBUX-System lieben. Es ist immer noch das schönste Infotainment.
- Sie Angst vor „spacigen“ E-Autos haben und etwas Vertrautes suchen.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie oft Erwachsene hinten mitnehmen. Die Sitzposition ist schlecht.
- Sie ungeduldig an der Ladesäule sind. 100 kW sind „Old School“.
- Sie viel Gepäck haben. Der Kofferraum ist winzig für ein SUV.














