Der Mitsubishi Space Star, seit 2012 als Nachfolger des Colt auf dem deutschen Markt, galt lange als Inbegriff des preiswerten Kleinwagens. Seine kompakten Maße, der geringe Verbrauch und der niedrige Anschaffungspreis lockten Käufer, die ein reines Stadtauto suchten. Doch dieser vermeintlich günstige Einstiegspreis täuscht. Er kaschiert eine Reihe spezifischer Konstruktionsschwächen und wiederkehrender Probleme, die wir in unserem ausführlichen Mitsubishi Space Star Test bei HH-Autos.com schonungslos aufdecken.
Motor und Antrieb: Die nackten Fakten und ihre Tücken
Mitsubishi hielt die Motorenpalette des Space Star bewusst überschaubar: Lediglich zwei Dreizylinder-Benziner standen zur Wahl.
- 1,0-Liter (Motorcode 3A90): 52 kW (71 PS) aus 999 cm³ Hubraum.
- 1,2-Liter (Motorcode 3A92): Startete mit 59 kW (80 PS), wurde nach dem zweiten Facelift im September 2020 jedoch auf ebenfalls 52 kW (71 PS) gedrosselt. Sein Hubraum beträgt 1.193 cm³.
Serienmäßig koppelte Mitsubishi beide Aggregate an ein manuelles Fünfganggetriebe. Für den stärkeren 1,2-Liter-Motor gab es optional ein stufenloses Automatikgetriebe (CVT).
Die Steuerkette entpuppt sich bei beiden Motorvarianten als Schwachpunkt. Schon ab etwa 80.000 Kilometern kann sie sich längen oder sogar reißen. Rasselnde Geräusche, besonders nach dem Kaltstart, sind ein klares Warnsignal. Wer diese Anzeichen ignoriert, riskiert kostspielige Motorschäden. Eine frühzeitige Kontrolle des Kettenspanners ist hier zwingend erforderlich.
Karosserie, Interieur und Fahrwerk: Wo der Rotstift angesetzt wurde
Der Space Star ist ein Kleinwagen, und das merkt man ihm an – sowohl bei der Materialwahl als auch bei der Geräuschdämmung.
Dämmung und Innenraum
Die Geräuschdämmung ist schlicht mangelhaft. Wind- und Abrollgeräusche dringen ungefiltert in den Innenraum. Hartplastik dominiert das Interieur. Robust mag es sein, doch von Wertigkeit ist hier keine Spur.
Rostvorsorge
Der Unterbodenschutz ab Werk erweist sich als unzureichend. Das beschleunigt die Korrosion, selbst wenn Mitsubishi eine 12-jährige Durchrostungsgarantie verspricht. Eine zusätzliche Konservierung ist daher dringend zu empfehlen, besonders in Regionen mit starkem Salzeinsatz im Winter.
Bremsen und Fahrwerk
Die Bremsanlage verschleißt überdurchschnittlich schnell. Im Stadtverkehr sind neue Bremsklötze nicht selten schon nach 10.000 bis 20.000 Kilometern fällig. Zudem neigen die Bremsscheiben zu ungleichmäßigem Verschleiß und Verzug.
Das Fahrwerk ist zu weich abgestimmt, was in Kurven und auf schlechten Straßen zu deutlichem Wanken führt. Auch die Stoßdämpfer geben frühzeitig den Geist auf; die vorderen können bereits vor 95.000 Kilometern undicht werden. Die Lenkung arbeitet unpräzise und gefühllos, mit kaum vorhandener Rückstellung in die Mittelposition. Auf deutschen Autobahnen leidet die Fahrstabilität bei höheren Geschwindigkeiten spürbar darunter.
Elektronik und Komfortsysteme: Ärger vorprogrammiert
Die Elektronik des Space Star birgt einige unangenehme Überraschungen, die den Alltag empfindlich stören können.
Startprobleme, Heizung und Klima
Modelle bis Baujahr 2014 litten unter einem defekten Anlasser, der im Leerlauf drehte und den Motorstart verhinderte. Die Heizleistung erweist sich oft als unzureichend; permanent strömt Luft aus allen Schlitzen. Fällt die Heizung einseitig aus, deutet das auf einen defekten Wärmetauscher hin. Der Klimakompressor verabschiedet sich häufig vorzeitig, insbesondere bei Fahrzeugen ab Baujahr 2012. Die Reparatur ist kostspielig, da meist der komplette Kompressor getauscht werden muss.
Infotainment und Zentralverriegelung
Das Infotainment-System und die Zentralverriegelung offenbaren immer wieder Funktionsstörungen. Die Zentralverriegelung streikt mitunter komplett, und elektrische Fensterheber bleiben häufig stecken.
Warnleuchten und Blinker
Warnleuchten im Armaturenbrett leuchten mitunter grundlos auf, meist verursacht durch fehlerhafte Sensoren. Auch die Blinker-Elektronik offenbart Schwächen: Blinker funktionieren gar nicht oder blinken zu schnell, was oft auf defekte Relais oder korrodierte Kontakte zurückzuführen ist.
Start-Stopp-System (AS&G)
Das Start-Stopp-System (AS&G) führte zu einem Rückruf für Modelle der Baujahre 2010-2018. Ein fehlerhaftes Motorsteuergerät erkannte den Ladezustand der Batterie nicht zuverlässig, was Startprobleme verursachen konnte. Ein Softwareupdate sollte dieses Problem beheben. Auch außerhalb dieser Rückrufaktion treten Defekte auf, besonders bei Kälte.
Getriebeprobleme: CVT und Schaltgetriebe – Eine leidige Angelegenheit
Die Getriebe des Space Star, insbesondere das optionale CVT, entpuppen sich als wiederkehrende Problemquelle.
Automatikgetriebe (CVT)
Ältere Versionen des Automatikgetriebes neigen zur Überhitzung, besonders bei starker Beanspruchung im Stadtverkehr oder mit Anhängerbetrieb. Besitzer klagen über ruckartige Gangwechsel und verzögerte Reaktionen beim Hochschalten. Häufig zeigen sich unsaubere Schaltvorgänge, Ruckeln beim Beschleunigen oder der plötzliche Wechsel in den Notlaufmodus. Ursachen sind meist verunreinigtes CVT-Fluid oder defekte Sensoren. Reparaturen am Automatikgetriebe übertreffen die Kosten für Schaltgetriebe-Instandsetzungen bei Weitem.
Schaltgetriebe
Auch das Schaltgetriebe ist nicht ohne Tadel: Manche Besitzer beklagen ein hakeliges Schaltgefühl und Geräusche beim Gangwechsel.
Rückrufe: Das Motorsteuergerät im Fokus
Mitsubishi sah sich in der Vergangenheit zu einem größeren Rückruf gezwungen, der Probleme mit dem Motorsteuergerät (ECU) betraf:
- Rückruf 2019 (KBA-Referenznummer 8920): Weltweit 366.000 Fahrzeuge, davon rund 97.000 in Deutschland, waren betroffen – darunter Space Star Modelle der Baujahre 2010-2018. Eine fehlerhafte Programmierung des Motorsteuergeräts (ECU) für das Start-Stopp-System (AS&G) verursachte das Problem. Das System erkannte den Ladezustand der Batterie nicht verlässlich, was dazu führen konnte, dass der Motor während der Fahrt ausging oder nicht wieder startete. Ein Softwareupdate sollte dieses Problem beheben.
Wer einen Gebrauchtwagen erwirbt, muss unbedingt überprüfen, ob diese Rückrufaktion bereits durchgeführt wurde.
ADAC Statistik: Ein unerwarteter Lichtblick
Trotz der langen Liste an Schwachstellen überrascht der Mitsubishi Space Star in der ADAC-Pannenstatistik mit einem positiven Ergebnis. Er schneidet dort besser ab als viele seiner direkten Konkurrenten und verzeichnet vergleichsweise wenige Pannenfälle. Im Jahr 2020 lag die Pannenquote bei lediglich 1,5 pro 1.000 Fahrzeuge – ein bemerkenswert niedriger Wert. Dies deutet darauf hin, dass die genannten Probleme zwar existieren, aber selten zu einem kompletten Liegenbleiber führen. Der Space Star zeigt sich in dieser Hinsicht erstaunlich widerstandsfähig.
Wartung und Kosten: Was ins Geld geht
Die erste Inspektion steht nach 12 Monaten oder 15.000 bis 25.000 km an, je nachdem, welcher Wert zuerst erreicht wird.
- Bremsbeläge: Der hohe Verschleiß erfordert häufige Wechsel und treibt die laufenden Kosten in die Höhe.
- Steuerkette: Bei Rasselgeräuschen muss der Kettenspanner umgehend geprüft werden, um größere Motorschäden zu verhindern. Ein Steuerketten-Wechsel schlägt typischerweise mit 800 bis 1.200 Euro zu Buche.
- Klimakompressor: Die Reparatur ist kostspielig, da meist der komplette Kompressor getauscht werden muss.
- Kupplung: Eine neue Kupplung kostet zwischen 900 und 1.400 Euro.
- Ersatzteile: Verschleiß- und Standard-Serviceteile bewegen sich preislich im Rahmen anderer Kleinwagen. Spezifische Komponenten wie Scheinwerfer können jedoch teurer ausfallen, da der Aftermarket hier weniger Alternativen bietet.
- Getriebeschaden: Ein Defekt am Automatikgetriebe ist in der Regel erheblich kostspieliger als die Instandsetzung eines manuellen Schaltgetriebes.
Der Space Star bot trotz seiner bekannten Schwächen ein akzeptables Preis-Leistungs-Verhältnis und gehörte zu den günstigsten Neuwagen auf dem deutschen Markt. Die Produktion lief voraussichtlich Ende 2024 oder Anfang 2025 aus, sodass heute nur noch Lagerfahrzeuge oder Gebrauchtwagen zu finden sind. Eine detailliertere Analyse der Fahreigenschaften und des Alltagsnutzens finden Sie in unserem Mitsubishi Space Star Testbericht.
Übersicht der häufigsten Probleme und Spezifikationen
| Parameter/Problem | Details/Symptome | Ursache/Lösung |
| Motoren | 1.0L (3A90) 52kW/71PS, 1.2L (3A92) 52kW/71PS (ab 2020) | Dreizylinder-Benziner |
| Steuerkette | Rasselgeräusche beim Kaltstart, Längung/Riss ab 80.000 km | Frühzeitige Prüfung/Tausch des Kettenspanners, sonst Motorschaden |
| CVT-Getriebe | Überhitzung, ruckartige Gangwechsel, Notlaufmodus | Verunreinigtes Fluid, defekte Sensoren; teure Reparatur |
| Schaltgetriebe | Hakeliges Schalten, Geräusche beim Gangwechsel | Verschleiß Synchronringe/Schaltgestänge |
| Bremsen | Erhöhter Verschleiß (10.000-20.000 km), verzogene Scheiben | Häufiger Stadtverkehr, Materialqualität; regelmäßiger Wechsel |
| Rostschutz | Ungenügender Unterbodenschutz | Zusätzliche Konservierung empfohlen |
| Anlasser | Dreht im Leerlauf, Motor startet nicht (Modelle bis 2014) | Defekter Anlasser; Tausch |
| Heizung | Schwache Leistung, stetiger Luftstrom, einseitiger Ausfall | Defekter Wärmetauscher; Tausch |
| Klimakompressor | Vorzeitiger Ausfall (ab 2012) | Materialschwäche; Tausch des Kompressors |
| Motorsteuergerät (ECU) / Start-Stopp-System (AS&G) | Motor geht aus, Startprobleme, Nichtstarten des Motors (Rückruf 2019) | Softwarefehler; Softwareupdate |
| Blinker-Elektronik | Nicht funktionierend, zu schnelles Blinken | Defekte Relais, korrodierte Kontakte; Reparatur/Tausch |
| Fahrwerk | Starkes Wanken, undichte Stoßdämpfer (vor 95.000 km) | Weiche Abstimmung, Verschleiß; Tausch Stoßdämpfer |
| Lenkung | Ungenau, gefühllos, mangelnde Rückstellung | Konstruktionsbedingt; keine einfache Lösung |
| ADAC Pannenstatistik | 1,5 Pannen pro 1.000 Fahrzeuge (2020) | Überraschend robust in seiner Klasse |
Fazit von Alex Wind
Der Mitsubishi Space Star ist für mich ein reiner Stadtwagen, nicht mehr und nicht weniger. Die ADAC-Statistik bescheinigt ihm zwar eine überraschende Robustheit im Alltag, was angesichts der hier aufgeführten Mängelliste durchaus irritieren mag. Doch diese Probleme sind real und können empfindlich ins Geld gehen.
Mein Rat an Sie: Wer einen Space Star in Betracht zieht, muss extrem genau hinschauen. Ein Gebrauchtwagen mit Schaltgetriebe ist für mich die klar bessere Wahl, denn das CVT-Getriebe bleibt eine bekannte Schwachstelle. Ich würde penibel auf Rasselgeräusche beim Kaltstart achten und die Funktion von Klimaanlage sowie Elektronik sorgfältig prüfen. Ein Blick unter das Fahrzeug zur Beurteilung des Rostschutzes ist unerlässlich. Zudem muss die Durchführung der Rückrufaktion für das Motorsteuergerät zweifelsfrei dokumentiert sein.
Für den reinen Stadtverkehr oder als Zweitwagen kann der Space Star eine preiswerte Option darstellen. Wer jedoch regelmäßig längere Strecken fährt oder Wert auf Fahrkomfort und eine ansprechendere Anmutung legt, wird mit diesem Auto kaum glücklich. Die schwache Heizleistung und das indifferente Fahrverhalten sind im deutschen Winter und auf der Autobahn für mich deutliche Nachteile.
Meine Kaufempfehlung: Wer ein knappes Budget hat und bereit ist, die genannten Schwächen in Kauf zu nehmen oder präventiv zu handeln, kann zugreifen – allerdings nur nach einer äußerst gründlichen Prüfung, idealerweise mit einem erfahrenen Mechaniker an der Seite. Andernfalls empfehle ich, abzuwarten und nach Alternativen zu suchen, die weniger Kompromisse erfordern. Ich persönlich würde ihn meiden, wenn Langstreckenkomfort, Wintertauglichkeit oder eine sorgenfreie Software zu meinen Prioritäten zählen.
