Subaru Forester (2026) im Härtetest: Der letzte ehrliche Kumpel im SUV-Zirkus

Wenn man auf einem deutschen Supermarkt-Parkplatz die Augen schließt und lauscht, hört man sie: Die surrenden Elektro-SUV, die nagelnden Diesel-Kombis und das leise Wimmern der Besitzer, die Angst um ihre lackierten 21-Zoll-Felgen haben. Und dann gibt es da dieses eine Auto, dem das alles egal ist. Der Subaru Forester. Auch in der sechsten Generation (seit Ende 2024 auf dem Markt) verweigert er sich jedem Modetrend. Er hat keine Coupé-Dachlinie, kein „Night-Package“ für die Optik und er versucht gar nicht erst, sportlich zu sein. Er ist ein Werkzeug. Ein Gummistiefel zwischen all den Turnschuhen.

Wir haben den 2026er Forester e-Boxer dorthin mitgenommen, wo er hingehört: In den matschigen Nordschwarzwald, auf die unlimitierte Autobahn (wo er leidet) und in den Alltag einer Familie, die keine Angst vor Schmutz hat. Ist der „Förster-Ferrari“ heute noch zeitgemäß, oder ist er ein Relikt, das zu viel Benzin säuft?

Der Antrieb: Eine Hassliebe in Stufenlos

Drücken wir den Startknopf. Das Auto schüttelt sich kurz – dieser typische, kurze „Ruck“, wenn die Kolben horizontal gegeneinander boxen. Der 2.0-Liter-Benziner erwacht. Subaru setzt in Europa weiterhin auf den e-Boxer. Ein Mild-Hybrid-System, bei dem ein kleiner Elektromotor im Getriebe mithilft. Die nackten Zahlen im Jahr 2026: 136 PS vom Verbrenner, 16,7 PS vom E-Motor. Das klingt nach wenig für 1,7 Tonnen Blech. Und ehrlich gesagt: Das ist es auch.

Auf der Landstraße ist das entspannt. Der Boxer grummelt zufrieden, das CVT-Getriebe (Lineartronic) hält die Drehzahlen niedrig. Es ist ein Gleiten. Aber dann: Autobahnauffahrt, Beschleunigungsstreifen. Vollgas. Die Nadel springt auf 5.000 Touren, der Motor heult auf („Gummiband-Effekt“), und das Auto… nun ja, es nimmt Fahrt auf. Eher wie ein Containerschiff, nicht wie ein Schnellboot. Deutsche Autofahrer, die an das Drehmoment eines Turbodiesels gewöhnt sind, müssen hier umdenken. Überholmanöver auf der Landstraße wollen geplant sein. Wer „sportlich“ fahren will, sitzt im falschen Auto. Der Forester entschleunigt – ob man will oder nicht.

Allrad-Kompetenz: Wo der Spaß beginnt

Warum kauft man sich das dann? Wegen dem Moment, wenn der Asphalt aufhört. Wir sind eine nasse, steile Wiese hochgefahren. Ein Szenario, bei dem ein VW Tiguan oder BMW X1 mit ihrem „Haldex“-Allrad (Vorderräder drehen durch, dann kommt hinten Kraft an) nervös regeln und blinken. Der Subaru macht: Nichts. Er fährt einfach hoch. Der Symmetrical AWD ist permanent. Die Kraft ist immer da. Zusammen mit dem „X-Mode“-Drehregler in der Mittelkonsole gräbt sich der Forester durch Schlamm und Schnee, als wäre es trockener Beton. Man spürt physisch, wie das System arbeitet. Es ist mechanisches Vertrauen. Für Jäger, Pferdebesitzer (2 Tonnen Anhängelast sind okay, aber nicht Weltklasse) und Bewohner des Alpenvorlandes ist das die Lebensversicherung. Man bleibt nicht stecken. Punkt.

Innenraum: Die Rache der echten Tasten

Während VW und Tesla versuchen, alles auf Touchscreens zu verbannen, geht Subaru einen Mittelweg. Ja, da ist dieser riesige, vertikale 11,6-Zoll-Bildschirm in der Mitte. Er sieht immer noch ein bisschen so aus, als hätte jemand ein iPad mit Heißkleber ins Armaturenbrett gepappt. Die Grafik wirkt 2026 etwas altbacken, fast wie Windows 95 im Dark Mode. Aber drumherum? Echte Knöpfe. Man kann die Temperatur verstellen, ohne hinzusehen. Man kann die Lautstärke regeln, während man Handschuhe trägt. Die Tasten sind groß, wuchtig und haben einen satten Druckpunkt. Nichts wirkt filigran. Das Material im Innenraum? Viel Hartplastik, ja. Aber es ist dieses „gute“ Hartplastik. Das, wo man weiß: Wenn der Hund hier mit matschigen Pfoten drüberläuft oder das Kind den Joghurt verschmiert, nehme ich einen feuchten Lappen und wische es weg. Es ist ein „abwaschbares“ Auto. Nichts für Ästheten, die Klavierlack streicheln wollen, sondern für Pragmatiker. Die Sitze sind breit und bequem, fast wie Fernsehsessel. Hinten ist Platz ohne Ende, und der Kofferraum ist breit und quadratisch. Kein Design-Schnickschnack, der Ladevolumen frisst.

EyeSight: Der übervorsichtige Beifahrer

Subaru ist stolz auf sein „EyeSight“-System (Stereo-Kameras hinter der Windschutzscheibe). Im Modelljahr 2026 ist es noch präziser geworden. Manchmal zu präzise. Das System ist wie eine überängstliche Schwiegermutter auf dem Beifahrersitz. Es piept, wenn man die Spurlinie nur anschaut. Es piept, wenn der Vordermann bremst. Es piept, wenn man an der Ampel pennt und der Vordermann losfährt. Ja, es ist extrem sicher. Es hat vermutlich schon tausende Unfälle verhindert. Aber im deutschen Stadtverkehr, wo man oft eng und dynamisch fährt, kann das Konzert nerven. Zum Glück lassen sich die Töne dezimieren, aber das System ist immer „wach“.

Der Verbrauch: Die bittere Wahrheit

Kommen wir zum wunden Punkt. Hybrid hin oder her. Wer den Forester e-Boxer auf der Autobahn mit Richtgeschwindigkeit 130 km/h bewegt, muss mit 8,5 bis 9,5 Litern Super rechnen. Im Stadtverkehr drückt der E-Motor den Verbrauch mal auf 7,5 Liter, aber darunter kommt man selten. Für ein Auto mit 136 PS ist das im Jahr 2026 eigentlich zu viel. Ein Toyota RAV4 Hybrid fährt Kreise um den Forester, was Effizienz und Leistung angeht. Man bezahlt an der Tankstelle die „Boxer-Steuer“ (Reibung des permanenten Allrads, Aerodynamik wie eine Schrankwand). Wer Kilometer schrubbt, wird mit dem Forester arm. Wer nur im Landkreis pendelt und am Wochenende in den Wald fährt, dem ist das egal.

Fazit: Ein Charakterdarsteller

Der Subaru Forester (2026) ist kein Auto, das man kauft, um den Nachbarn zu beeindrucken. Der Nachbar wird denken: „Aha, er geht jetzt wohl unter die Förster.“ Aber es ist ein Auto, das man liebt, wenn es drauf ankommt. Wenn im Januar der Schneesturm tobt. Wenn man den Hänger vom matschigen Festival-Gelände ziehen muss. Wenn man einfach nur seine Ruhe haben will und keine Lust auf Touchscreen-Menüs hat.

Er ist ehrlich. Er ist teuer im Unterhalt (Sprit) und etwas lahm. Aber er wird auch in 20 Jahren noch laufen, wenn die hochgezüchteten Turbo-Motoren der Konkurrenz längst den Geist aufgegeben haben.

Kaufen Sie ihn, wenn:

  • Sie wirklich Allrad brauchen (Berge, Matsch, Schnee). Nicht nur für das Gefühl, sondern für die Traktion.
  • Sie ein Auto suchen, das Sie nicht mit Technik bevormundet (außer beim Piepen).
  • Sie Hunde haben. Der Kofferraum ist niedrig und perfekt für Vierbeiner.

Lassen Sie es, wenn:

  • Sie Vielfahrer auf der Autobahn sind. Der Verbrauch und das CVT-Geheule machen mürbe.
  • Sie Ampelrennen gewinnen wollen. Jeder Dacia Spring zieht Ihnen auf den ersten Metern davon.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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