Subaru Outback (2026) im Härtetest: Der bequemste Protest gegen den SUV-Wahnsinn

Es gibt Autos, die schreien nach Aufmerksamkeit. Sie haben riesige Nieren, leuchtende Logos und Auspuffblenden, die so fake sind wie die Lippen mancher Influencer. Und dann gibt es den Subaru Outback. Er steht da, langgestreckt, etwas höhergelegt, mit viel unlackiertem Plastik an den Flanken. Er schreit nicht. Er brummt nur leise. Im Jahr 2026, wo fast jeder Hersteller den klassischen Kombi beerdigt hat, um noch ein SUV-Coupé auf den Markt zu werfen, wirkt der Outback wie ein Fels in der Brandung. Er ist das Auto für den Architekten, der keine G-Klasse braucht, um sein Ego zu stützen. Er ist für den Tierarzt, der wirklich in den Wald muss.

Wir haben den japanischen “Crossover-Urvaeter” über deutsche Autobahnen, durch enge Altstadtgassen und über schlammige Feldwege gescheucht. Ist er der letzte echte Kombi für Abenteurer oder eine versoffene “Wanderdüne” aus einer vergangenen Zeit?

Der Antrieb: Entschleunigung per Gesetz

Wer in den Outback steigt, muss seine deutsche “Autobahn-Mentalität” an der Garderobe abgeben. Drückt man den Startknopf, meldet sich der 2.5-Liter-Boxermotor. Kein Turbo. Kein Hybrid-Boost. Einfach 2,5 Liter Hubraum und vier Zylinder, die sich flach gegenüberliegen. Das Ergebnis sind 169 PS. Klingt okay? In einem 1,7-Tonnen-Kombi fühlt sich das 2026 eher an wie “ausreichend minus”. Das CVT-Getriebe (Lineartronic) ist eine Ingenieursleistung für sich. Im Stadtverkehr ist es ein Traum. Man gleitet völlig ruckfrei, wie an einem Gummiband gezogen. Es ist die ultimative Sänfte. Aber wehe, Sie wollen auf der A7 bei Kasseler Bergen einen LKW überholen. Tritt man das Gaspedal durch (“Kickdown”), passiert erst mal akustisch viel. Der Motor springt auf 5.000 Umdrehungen und verharrt dort heulend, während der Tacho sich nur mühsam nach oben bewegt. Das ist der Moment, in dem der verwöhnte TDI-Fahrer Tränen in den Augen hat. Der Outback ist kein Raser. Er lehrt einen Demut. Reisegeschwindigkeit 140 km/h ist sein Sweetspot. Alles darüber wirkt gequält und treibt den Strudel im Tank an.

Fahrkomfort: Das fliegende Sofa

Aber wir verzeihen ihm den Motor. Sofort. Sobald die Straße schlecht wird. Das Fahrwerk des Outback ist ein Gedicht. Während moderne deutsche Autos oft “sportlich straff” abgestimmt sind (was Marketing-Deutsch für “hart und nervig” ist), federt der Subaru einfach alles weg. Kanaldeckel? Spürt man nicht. Schlaglöcher? Ein sanftes Wippen. Feldwege? Man schwebt drüber. Dank des langen Radstands liegt er satt und ruhig. Es ist dieses Gefühl von schwerer, massiver Sicherheit. Man sitzt in Nappaleder-Sesseln (im Top-Modell “Platinum”), die so weich sind, dass man darin schlafen möchte. Nach 600 Kilometern steigt man aus und fühlt sich frischer als in manchem 100.000-Euro-Premium-SUV. Das ist der wahre Luxus des Outback: Er stresst nicht.

Innenraum & Bedienung: Ein analoger Gruß aus Japan

In der Mitte thront auch hier der vertikale 11,6-Zoll-Touchscreen. Er ist groß, er ist hell, und die Menüführung ist… sagen wir “eigenwillig”. Manchmal sucht man die Sitzheizungseinstellung einen Klick zu lange. Aber Subaru hat verstanden, was wichtig ist: Es gibt noch echte Drehregler für Lautstärke und Senderwahl. Die Tasten am Lenkrad sind groß und griffig. Die Verarbeitung ist auf einem Niveau, das viele überrascht. Ja, im unteren Bereich gibt es Hartplastik (gut zum Abwischen!), aber obenrum ist alles weich unterschäumt. Es riecht nicht nach Chemiefabrik, sondern neutral und wertig. Und der Platz? Gigantisch. Der Kofferraum ist eine Höhle. Da die Heckklappe breit und die Ladekante niedrig ist, wirft man Getränkekisten einfach hinein. Klappt man die Rücksitze um, entsteht eine Ebene, auf der zwei Erwachsene zur Not schlafen können. Ein geniales Detail, das jeden Dachbox-Besitzer freut: Die Dachreling hat integrierte Querträger. Man muss keine teuren Thule-Träger kaufen und im Keller lagern. Man klappt sie einfach aus, wenn man sie braucht. Warum macht das sonst niemand?

Der Durst: Die 10-Liter-Wahrheit

Kommen wir zum Schmerzpunkt. Der Outback ist ein Säufer. Permanenter Allrad, großer Hubraum, Aerodynamik wie ein Ziegelstein und das Gewicht fordern Tribut. Wer ihn streichelt, schafft 8,5 Liter. Im normalen deutschen Mix (Stadt/Land/Bahn) pendelt sich der Bordcomputer eher bei 9,5 bis 10,5 Litern Super ein. Im Jahr 2026, wo Benzin nicht billiger geworden ist, ist das eine Ansage. Ein vergleichbarer Diesel-Kombi (z.B. ein gebrauchter VW Passat Alltrack) fährt mit 6,5 Litern. Man zahlt an der Zapfsäule den Preis für die Exklusivität und die Boxermotor-Laufruhe.

EyeSight: Der digitale Schutzengel mit Nerv-Faktor

Auch der Outback nutzt das kamerabasierte “EyeSight”-System. Es sieht alles. Es sieht die Bremslichter drei Autos weiter vorne. Es sieht den Fußgänger, der noch gar nicht weiß, dass er auf die Straße laufen will. Aber es ist auch ein strenger Erzieher. Blick kurz aufs Handy? Piep. Spurwechsel ohne Blinker? Piep. An der Ampel geträumt? Piep. (Der Wagen sagt einem sogar: “Vorderes Fahrzeug hat sich bewegt”). Das System gehört zu den besten und sichersten der Welt, keine Frage. Aber für den souveränen deutschen Autofahrer, der glaubt, alles im Griff zu haben, fühlt es sich oft bevormundend an. Man kann es abschalten, aber beim nächsten Start ist der Aufpasser wieder da.

Fazit: Für den Individualisten mit Tankkarte

Der Subaru Outback (2026) ist ein Anachronismus. Er ist ein großer, durstiger Saugbenziner in einer Welt von Elektroautos und Turbos. Aber genau das macht seinen Charme aus. Er ist mechanisch, er ist ehrlich, er ist unfassbar komfortabel und er kommt im Gelände weiter als 90% aller Mode-SUVs. Er ist das Auto für Leute, die nicht auffallen wollen, aber überall hinkommen müssen.

Kaufen Sie ihn, wenn:

  • Sie Komfort über alles stellen. Das Fahrwerk ist Referenzklasse.
  • Sie einen Kombi wollen, aber SUV-Bodenfreiheit brauchen (Stichwort: Waldwege, hohe Bordsteine).
  • Sie Dinge transportieren (Dachreling-Trick!).

Lassen Sie es, wenn:

  • Sie jeden Cent an der Tankstelle umdrehen. Der Outback frisst Ihr Budget auf.
  • Sie es eilig haben. Auf der linken Spur ist der Outback nur Opfer, kein Täter.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.