Suzuki Jimny 5-Türer (XL) 2026: Der große Import-Test

Suzuki Jimny 5-Türer (XL) 2026: Der große Import-Test
Foto: Suzuki

Obwohl der offizielle Vertrieb des Suzuki Jimny in Europa bereits im Jahr 2024 eingestellt wurde, beobachte ich mit großem Interesse, wie der Jimny als gestreckter 5-Türer, intern als XL bezeichnet, nun vereinzelt über Graumarkt-Importe seinen Weg auf deutsche Straßen findet. Bei diesem Anblick drängt sich mir unweigerlich die zentrale Frage auf, ob dieser um 3,98 Meter verlängerte Kult-Offroader mit seinem eher bescheidenen 102-PS-Saugmotor seinen doch exorbitant hohen Importpreis von rund 40.000 Euro überhaupt rechtfertigen kann. Mein ausführlicher Test soll detailliert beleuchten, wie sich diese gestreckte „G-Klasse für die Westentasche“ im täglichen Einsatz schlägt, ob der Kofferraum endlich den Anforderungen einer Familie gerecht wird und weshalb eine Fahrt mit diesem Fahrzeug auf der Autobahn für mich persönlich einer masochistischen Neigung gleichkommt.

Technische Daten & Spezifikationen

KategorieSuzuki Jimny 5-Türer (Import 2026)
Motor & Antrieb1.5L Vierzylinder-Sauger (K15B), zuschaltbarer Allrad (AllGrip Pro)
Leistung / Drehmoment102 PS (75 kW) / 130 Nm
Getriebe4-Gang-Automatik (oder 5-Gang manuell)
0-100 km/h / Vmaxca. 14,0 s / 140 km/h
Bodenfreiheit210 mm
Testverbrauch (Mix)8,2 l/100 km
Fahrzeuglänge / -breite3.985 mm / 1.645 mm (ohne Spiegel)
Kofferraumvolumen211 Liter
Basispreis (Schätzung DE)ca. 39.000 – 45.000 € (Graumarkt-Import)
Suzuki Jimny 5-Türer (XL) 2026 - Bild 1
Foto: Suzuki

Unterhalt und Versicherung: Was kostet der Import-Jimny im DACH-Raum?

Wer, wie ich, bereit ist, fast 40.000 Euro für ein Automobil zu investieren, das in Indien für einen Bruchteil dieses Betrages vom Band läuft, sollte sich von vornherein von jeglichen Vorstellungen einer wirtschaftlichen Anschaffung verabschieden. Die Versicherungseinstufung für Importfahrzeuge gestaltet sich in Deutschland oft als ein überaus komplexes Unterfangen, da viele Versicherer dazu neigen, solche „Exoten“ ohne eine offizielle Typschlüsselnummer individuell zu bewerten, was die Typklassen und damit die Prämien im Vergleich zum offiziellen europäischen Vorgänger spürbar in die Höhe treibt.

Auch die Kfz-Steuer erweist sich als ein wahrhaft schmerzhafter Posten in der Gesamtkalkulation, denn im Gegensatz zum letzten offiziellen Jimny in Europa, der geschickt eine Zulassungslücke als zweisitziges Nutzfahrzeug (N1) auszunutzen wusste, werden die meisten 5-Türer über aufwendige Einzelabnahmen als reguläre PKW (M1) zugelassen. Der veraltete Saugmotor stößt dabei massiv CO2 aus, was in Deutschland eine jährliche Steuer von weit über 200 Euro nach sich zieht – ein Betrag, der für ein Fahrzeug dieser Leistungsklasse in meinen Augen bemerkenswert hoch ist.

Ein Aspekt, der mir als Autoexperte besonders am Herzen liegt und den ich als entscheidenden Faktor hervorheben möchte, ist die Frage der Werksgarantie. Da es sich bei diesen Fahrzeugen um Importe aus Drittmärkten handelt – zumeist aus den VAE oder Indien –, greift die europäische Suzuki-Garantie hier schlichtweg nicht, weshalb Käufer somit zwingend auf die Reparaturkostenversicherung des freien Importeurs angewiesen sind. Ihnen rate ich dringend, diese Policen beim Kauf extrem genau zu prüfen, da meine Erfahrung zeigt, dass sie selten 100 % der Lohn- und Materialkosten abdecken, insbesondere wenn die Starrachse nach einem harten Geländeeinsatz einmal nachgeben sollte.

Design, Abmessungen & Alltagstauglichkeit

Als ich den 5-Türer das erste Mal erblickte, wirkte er auf mich wie eine optische Täuschung – ein Dackel, der in die Länge gezogen wurde, um es bildlich auszudrücken. Mit seinen 3,98 Metern Länge, was einem Zuwachs von 34 Zentimetern gegenüber dem 3-Türer entspricht, bleibt er dennoch kürzer als ein aktueller VW Polo, was seine kompakten Dimensionen eindrucksvoll unterstreicht. Die steile Windschutzscheibe und die bewusst sichtbaren Regenrinnen, die beim Aussteigen im Regen zuverlässig Wasser auf den Oberschenkel tropfen lassen, versprühen für mich einen ungebändigten Retro-Charme, der dem Jimny seinen unverwechselbaren Charakter verleiht.

Meine Erfahrungen im urbanen Umfeld zeigen, dass die schmale Karosserie von 1,64 Metern Breite ein wahrer Segen ist, da sie das Manövrieren in engen Gassen und Parklücken erheblich erleichtert. In Autobahnbaustellen fährt der Jimny völlig tiefenentspannt auf der linken 2-Meter-Spur, während ausgewachsene SUVs, so meine Beobachtung, panisch die Betonleitwände anpeilen, was die Überlegenheit des Jimny in solchen Situationen untermauert. Allerdings fordert der um 34 Zentimeter gestreckte Radstand seinen Tribut: Der Wendekreis, der beim 3-Türer das Drehen auf dem sprichwörtlichen Teller erlaubte, ist spürbar gewachsen, sodass ich feststellen musste, dass im Parkhaus nun ein zusätzlicher Rangiervorgang unumgänglich wird.

Suzuki Jimny 5-Türer (XL) 2026 - Bild 2
Foto: Suzuki

Innenraum: Haptik-Check und Infotainment-Performance

Als ich mich das erste Mal in den Jimny setzte, fühlte ich mich sofort in eine andere Zeit versetzt, denn hier dominiert gnadenloses, hohles Hartplastik, das keinerlei Kompromisse eingeht. Die Schrauben am Armaturenbrett sind bewusst sichtbar und nicht unter Blenden versteckt, was für mich kein Fehler, sondern ein Ausdruck ehrlichen, maskulinen Designs ist. Mein persönlicher Haptik-Check offenbarte, dass sich hier nach der Jagd oder einem schlammigen Ausflug alles problemlos feucht abwischen lässt, was die Robustheit des Innenraums unterstreicht. Dass sich das Lenkrad jedoch nur in der Höhe, aber nicht in der Tiefe (axial) verstellen lässt, empfinde ich im Jahr 2026 als ein ergonomisches Armutszeugnis seitens Suzuki, das den Fahrkomfort unnötig einschränkt.

Was die technologische Ausstattung betrifft, so hat der Importeur hier erfreulicherweise den Sprung in die Gegenwart geschafft, denn die Modelle sind oft mit dem großen 9-Zoll-Touchscreen ausgerüstet, der eine moderne Anmutung verleiht. Während meiner Testfahrten funktionierte Wireless Apple CarPlay tadellos, und das Menü wies erfreulicherweise keinen nennenswerten Input-Lag auf, was die Benutzerfreundlichkeit deutlich erhöht. Die physischen Schalter für die Fensterheber, die sich in der Mittelkonsole befinden, erfordern zwar eine gewisse Eingewöhnung, lassen sich aber, wie ich feststellen konnte, auch problemlos mit Arbeitshandschuhen bedienen, was ihre Praxistauglichkeit unterstreicht.

Platzangebot für Familien und Freizeit

Die entscheidende Veränderung des 5-Türers beginnt für mich ab der B-Säule, wo die hinteren Türen, obwohl sie schmal gehalten sind, den Einstieg auf die Rückbank massiv erleichtern. Ich selbst, mit meinen 1,85 m Körpergröße, konnte hier tatsächlich hinter einem ebenso großen Fahrer Platz nehmen, was die verbesserte Beinfreiheit eindrucksvoll demonstriert. Die Knie berühren zwar leicht die Sitzlehne, doch die Zeiten der klaustrophobischen Notsitze des 3-Türers sind für mich definitiv vorbei, was den Jimny nun auch für längere Fahrten mit mehreren Personen tauglich macht.

Endlich, so dachte ich mir, ist der Kofferraum in diesem Jimny als solcher nutzbar, was eine enorme Verbesserung darstellt. Mit einem Volumen von 211 Litern fasst er problemlos drei Getränkekisten oder das Gepäck für einen Wochenendausflug zu viert, was im Vergleich zu den lächerlichen 85 Litern des 3-Türers einen Quantensprung bedeutet. Klappt man die hinteren Sitze um, entsteht eine leicht ansteigende, aber großzügige Ladefläche, die vielfältige Transportmöglichkeiten bietet. Für Jäger und Outdoor-Fans ist der gestreckte Jimny meiner Einschätzung nach nun endlich ein vollwertiges Arbeitsgerät, das den Anforderungen des Alltags und der Freizeit gerecht wird.

Suzuki Jimny 5-Türer (XL) 2026 - Bild 3
Foto: Suzuki

Antrieb und Fahrdynamik: Alte Technik im Realitätscheck

Als ich den Motor startete, vernahm ich sofort das vertraute Geräusch des alten Bekannten: Der 1.5-Liter-Vierzylinder-Saugbenziner (K15B) mit seinen 102 PS und mageren 130 Nm Drehmoment, ganz ohne Turbo oder Hybridunterstützung. In Kombination mit dem gut 1.200 kg schweren 5-Türer und der (im Testwagen verbauten) fossilen 4-Gang-Wandlerautomatik wird jede Beschleunigung zu einer wahren Geduldsprobe, die meine Nerven auf eine harte Probe stellte. Das Überholen von LKWs auf der Landstraße erfordert einen schriftlichen Antrag in dreifacher Ausfertigung, denn der Motor schreit, die Drehzahl steigt ins Unermessliche, doch der Vortrieb setzt nur zäh und widerwillig ein.

Doch seine wahre, unbestreitbare Stärke offenbart dieses technische Relikt, wie ich selbst erfahren durfte, erst abseits befestigter Straßen. Der robuste Leiterrahmen, die Starrachsen vorne und hinten sowie der zuschaltbare Allradantrieb (AllGrip Pro) mit echter Geländeuntersetzung machen den Jimny zu einer wahren Bergziege, die sich durch jedes Terrain kämpft. Der gestreckte Radstand verringert zwar den Rampenwinkel leicht, sodass er auf Kuppen etwas früher aufsetzt als der Kurze, sorgt aber bei steilen Auffahrten für eine spürbar höhere Stabilität. Im Matsch fährt dieser Wagen Kreise um jeden modernen „Soft-Road“-SUV, was seine überragende Offroad-Kompetenz eindrucksvoll unterstreicht.

Auf der Autobahn jedoch, das muss ich unumwunden zugeben, gerät jede Fahrt schnell zur regelrechten Tortur. Bereits ab 120 km/h brüllt der Motor, der Fahrtwind tost unerbittlich um die steilen A-Säulen, und die schwammige Kugelumlauflenkung erfordert ständige, ermüdende Kurskorrekturen, um das Fahrzeug auf Spur zu halten. Der Verbrauch ist aufgrund der Aerodynamik einer Schrankwand gepfeffert: 8,2 Liter auf 100 Kilometer im Schnitt, bei Autobahntempo sogar deutlich zweistellig, sind für 102 PS inakzeptabel – doch den wahren Enthusiasten, so meine Beobachtung, stören solche Zahlen nicht im Geringsten.

Konkurrenz-Check

  • Dacia Duster TCe 130 4×4: Für mich stellt der Dacia Duster den pragmatischen Gegenentwurf dar. Der neue Duster kostet als Neuwagen mit voller Garantie fast die Hälfte (!) des Import-Jimnys, was ihn zu einer äußerst attraktiven Alternative macht. Er fährt auf der Straße um Welten leiser und komfortabler und kann im leichten bis mittleren Gelände extrem gut mithalten. Was ihm meiner Ansicht nach jedoch fehlt, ist der absolute Kult-Faktor und der robuste Leiterrahmen für extremes Hardcore-Offroad, die den Jimny so einzigartig machen.
  • Gebrauchter Jimny 3-Türer (GJ/HJ): Da die offiziellen 3-Türer auf dem Gebrauchtmarkt, oft als LKW/N1 zugelassen, mittlerweile als regelrechte Anlageobjekte gehandelt werden und Preise von 25.000 bis 35.000 Euro aufrufen, ist der Schritt zum neuen 5-Türer-Import für 40.000 Euro fast schon eine Überlegung wert. Man erhält hier zumindest den entscheidenden Mehrwert beim Platzangebot, der den Alltag spürbar erleichtert, was ich persönlich als wichtigen Faktor betrachte.
Suzuki Jimny 5-Türer (XL) 2026 - Bild 4
Foto: Suzuki

Pro & Contra

  • ✅ Pro: Ein Kult-Faktor, der seinesgleichen sucht und für mich der absolute Sympathieträger ist.
  • ✅ Pro: Endlich ein alltagstaugliches Platzangebot, mit 211 Litern Kofferraum und einer echten Rückbank.
  • ✅ Pro: Eine überragende Offroad-Performance, dank Leiterrahmen, Starrachsen und Untersetzung, die mich immer wieder begeistert.
  • ❌ Contra: Ein absurdes Preis-Leistungs-Verhältnis, da Graumarkt-Preise um 40.000 Euro schwer zu rechtfertigen sind.
  • ❌ Contra: Keine offizielle europäische Werksgarantie, da die Garantie nur über Importeure läuft, was ein erhebliches Risiko darstellt.
  • ❌ Contra: Ein katastrophales NVH-Verhalten und ein hoher Verbrauch auf der Autobahn, die jede längere Fahrt zur Qual machen.
  • ❌ Contra: Ein zäher Saugmotor gepaart mit einer archaischen 4-Gang-Automatik, die den Vortrieb unnötig hemmt.

Alex Wind meint:

Der Suzuki Jimny 5-Türer (2026) entzieht sich meiner rationalen Bewertung vollkommen, denn für 40.000 Euro liefert er die Fahrleistungen eines Kleinwagens aus dem Jahr 2005 und die Fahrdynamik eines Traktors. Und genau diese scheinbaren Unzulänglichkeiten sind es, die ihn für viele so begehrenswert machen. Er ist für mich der mechanische, laute und trotzige Mittelfinger gegen die perfekten, aber seelenlosen Elektro-SUVs unserer Zeit, die den Markt überschwemmen. Der 5-Türer behebt das einzige echte Manko des Vorgängers, nämlich die fehlende Alltagstauglichkeit, was ihn nun auch für breitere Käuferschichten interessant macht. Wer Jäger ist, in den Alpen wohnt oder ein extrem charakterstarkes Zweitauto sucht und zudem das nötige Kleingeld für die Import-Aufschläge übrig hat, wird diesen Würfel bedingungslos lieben. Wer hingegen mehr als 20 Kilometer Autobahn am Stück fahren muss, sollte meiner persönlichen Empfehlung nach einen weiten Bogen um diese verbotene Frucht machen, um Enttäuschungen zu vermeiden.egen mehr als 20 Kilometer Autobahn am Stück fahren muss, sollte einen weiten Bogen um diese verbotene Frucht machen.

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