Toyota 4Runner (2026) im Import-Test: Der unvernünftige Zwillingsbruder des Land Cruiser

Toyota 4Runner (2026) im Import-Test: Der unvernünftige Zwillingsbruder des Land Cruiser
Foto: Toyota

Mit der sechsten Modellgeneration baut Toyota den legendären 4Runner im Modelljahr 2026 auf der robusten TNGA-F-Leiterrahmen-Architektur komplett neu auf. Der rund 4,95 Meter lange US-Offroader teilt sich die technische Basis mit dem europäischen Land Cruiser (J250), setzt jedoch auf einen deutlich aggressiveren Zuschnitt für den weltweiten Geländeeinsatz.

Unter der kantigen Haube kombiniert der i-FORCE-MAX-Hybrid einen 2,4-Liter-Turbo-Vierzylinder mit einem Elektromotor zu 240 kW (326 PS) Systemleistung und gewaltigen 630 Nm Drehmoment. Trotz Importpreisen von über 85.000 Euro in Deutschland und einem Testverbrauch von rund 13 Litern Super fasziniert das Modell insbesondere in der werksseitig voll ausgestatteten Trailhunter-Version.

Technische Daten & Spezifikationen

Kategorie
Toyota 4Runner i-FORCE MAX Hybrid (US-Import 2026)
Motor & Antrieb
2.4L 4-Zylinder Turbo + E-Motor (HEV), zuschaltbarer Allradantrieb
Systemleistung / Drehmoment
326 PS (240 kW) / 630 Nm
Getriebe
8-Gang-Wandlerautomatik
0-100 km/h / Vmax
ca. 6,8 s / 175 km/h (abgeregelt)
Testverbrauch (Mix)
11,5 l/100 km (Normalbenzin)
Kfz-Steuer (Deutschland)
ca. 250 € – 300 € / Jahr
Fahrzeuglänge / -breite
4.950 mm / 1.976 mm (ohne Spiegel)
Bodenfreiheit
bis zu 233 mm (Trailhunter)
Basispreis (Import DE)
ca. 75.000 € bis 85.000 € (inkl. Zoll & Steuern)
Toyota 4Runner im Import - Bild 1
Foto: Toyota

Unterhalt, die Import-Rechnung und das Diesel-Defizit

Wer den 4Runner nach Deutschland importiert, muss den Taschenrechner zur Seite legen. Der US-Listenpreis von rund 55.000 Dollar (für Top-Versionen) lockt zunächst. Schlägt man jedoch Fracht, Zoll (10%), Einfuhrumsatzsteuer (19%) sowie die aufwendige Umrüstung für den deutschen TÜV (Lichtanlage, Nebelschlussleuchte) obendrauf, landen Sie als Endkunde oft zwischen 75.000 und 85.000 Euro. Ein offizieller, voll garantierter Toyota Land Cruiser startet hierzulande bei rund 70.000 Euro.

Sie zahlen beim Import also einen massiven Aufpreis und verzichten auf die legendäre europäische „Toyota Relax“-Werksgarantie (bis zu 15 Jahre). Stattdessen sind Sie auf die Basis-Gewährleistung des freien Importeurs angewiesen. Bei Motor und Getriebe gibt es kaum Probleme, da die Technik global im Einsatz ist. Brauchen Sie nach einem Rempler im Wald jedoch einen spezifischen 4Runner-Kotflügel, drohen wochenlange Wartezeiten auf das Container-Schiff aus den Staaten.

Der schmerzhafteste Unterschied zeigt sich an der Zapfsäule. Den europäischen Land Cruiser gibt es als bewährten, sparsamen 2.8-Liter-Turbodiesel. Den 4Runner gibt es ausschließlich als Benziner. Im Alltag fließen hier schnell 11 bis 12 Liter Super durch die Brennräume. Wer viel reist oder schwere Hänger zieht, verbrennt hier regelrecht Geld.

Design, Karosserie & das legendäre Heckfenster

Während der europäische Land Cruiser (J250) mit seinen runden (oder eckigen) Scheinwerfern stark auf Retro-Charme und Förster-Seriosität setzt, trägt der 4Runner Muskelshirt. Mit der aggressiven Front, den breiten Schultern und der nach hinten ansteigenden Seitenlinie sieht er aus, als wolle er beim Baja-1000-Rennen antreten.

Das absolute Kaufargument für Hardcore-Fans hat Toyota auch in der neuen Generation erhalten: Das versenkbare Heckfenster. Per Knopfdruck fährt die Scheibe der Heckklappe elektrisch komplett nach unten in die Tür. Das sorgt im Sommer für eine gigantische Durchlüftung im Innenraum, ohne dass es zieht (Hunde lieben es). Für Surfer ist es die perfekte Lösung, um lange Bretter einfach hinten herausschauen zu lassen. Der offizielle Land Cruiser besitzt dieses Feature nicht – hier lässt sich die Scheibe lediglich starr nach oben klappen.

Toyota 4Runner im Import - Bild 3
Foto: Toyota

Innenraum: „Wash-out“ statt Premium-Lounge

Im Innenraum merken Sie, dass der 4Runner nicht für den Boulevard, sondern für den Matsch gebaut wurde. Die Materialien im Cockpit sind extrem robust („Wash-out“-Charakter). Hier regiert widerstandsfähiger, harter Kunststoff, der Kratzer und Schlamm verzeiht. Der europäische Land Cruiser wirkt im direkten Vergleich eine Spur feiner und edler verarbeitet.

Die Architektur im 4Runner ist zudem spürbar enger geschnitten. Die Windschutzscheibe steht steiler, das Dach wirkt niedriger. Sie thronen nicht erhaben über dem Verkehr, sondern fühlen sich wie in einem echten, tief liegenden Offroader „eingebaut“. Dominiert wird das Cockpit von einem gigantischen, gut ablesbaren 14-Zoll-Touchscreen, den wir auch aus dem US-Pickup Tacoma kennen.

Antrieb und Fahrdynamik: Der Turbo-Hybrid (i-FORCE MAX)

Der legendäre, aber unfassbar lahme 4.0-Liter-V6-Sauger ist Geschichte. Toyota setzt auch im 4Runner auf Vierzylinder-Turbos. Der Basis-Motor (i-FORCE mit 278 PS) ist solide, doch der wahre „Sweet Spot“ für Import-Käufer ist der i-FORCE MAX (Hybrid).

Hier sitzt ein Elektromotor zwischen dem Verbrenner und der 8-Gang-Automatik. Die Systemleistung liegt bei 326 PS und brachialen 630 Nm Drehmoment. Dieses System gibt es im deutschen Land Cruiser aktuell nicht! Der Elektromotor bügelt das Turboloch des Verbrenners gnadenlos glatt. An der Ampel zieht das schwere SUV zornig davon, und im schweren Gelände sorgt das sofort anliegende Drehmoment für extrem präzises Klettern ohne langes Aufheulen des Verbrenners. Aber Vorsicht: Es ist ein Performance-Hybrid, kein Spritspar-Wunder wie in einem Prius. Auf der unlimitierten Autobahn ist mangels Aerodynamik bei knapp über 170 km/h ohnehin Schluss.

Toyota 4Runner im Import - Bild 5
Foto: Toyota

Das werkseitige Overlanding-Paket: Die Trailhunter-Version

Warum importieren Menschen einen 4Runner? Die Antwort lautet meist: Trailhunter. Diese neue Ausstattungslinie ist ein echter Volltreffer für Abenteurer. Toyota verkauft das Auto ab Werk als fertig umgebautes Expeditionsmobil. Es kommt serienmäßig mit:

  • ARB-Fahrwerk mit Old Man Emu Dämpfern (inkl. Höherlegung ab Werk)
  • Massiven Unterfahrschutz-Platten aus Stahl
  • Einem integrierten Schnorchel an der A-Säule für Wasserdurchfahrten
  • Einem extrem robusten ARB-Dachgepäckträger
  • Zusatzscheinwerfern von Rigid Industries

In den USA hat dieses Setup volle Werksgarantie. Wer einen europäischen Land Cruiser mit diesen Komponenten nachrüsten will, zahlt schnell 10.000 Euro beim Tuner und verbringt nervenaufreibende Tage für Einzelabnahmen beim TÜV. Der 4Runner Trailhunter ist eine „Turn-key“-Lösung (Schlüssel umdrehen und in die Wildnis fahren) für Overlander.

Konkurrenz-Check

  • Toyota Land Cruiser (J250): Der offizielle Zwilling. Bietet den für Europa so wichtigen Dieselmotor, volle Herstellergarantie, oft feinere Materialien im Innenraum und ein flächendeckendes Servicenetz. Er ist objektiv in jeder Hinsicht das schlauere Auto.
  • Ford Bronco: Der amerikanische Rivale. Fährt sich auf der Straße spürbar hemdsärmeliger und unruhiger als der moderne Toyota, bietet aber das geniale Gimmick der abnehmbaren Dachtüren für reines Open-Air-Gefühl im Gelände.
  • Ineos Grenadier: Der britische Panzer. Ein reines Werkzeug für die Jagd und die Landwirtschaft. Er ist im Gelände überragend, auf der Langstrecken-Autobahn jedoch laut, unkomfortabel und durstig.
Toyota 4Runner im Import - Bild 7
Foto: Toyota

Pro & Contra

  • ✅ Pro: Brachialer Hybrid-Antrieb mit 326 PS und 630 Nm (im EU-Land Cruiser nicht verfügbar).
  • ✅ Pro: Das komplett versenkbare Heckfenster ist ein legendäres Komfort-Feature.
  • ✅ Pro: „Trailhunter“-Version ist das perfekte Expeditionsmobil ab Werk (kein Tuning nötig).
  • ✅ Pro: TNGA-F-Leiterrahmen-Plattform macht das Auto im Gelände nahezu unaufhaltsam.
  • ❌ Contra: Finanziell unsinnig (Importkosten treiben den Preis über den des Land Cruiser).
  • ❌ Contra: Kein sparsamer Dieselmotor verfügbar (hoher Benzinverbrauch im Alltag).
  • ❌ Contra: Fehlende Toyota-Europagarantie und teure Ersatzteilbeschaffung nach Unfällen.

Fazit von Alex Wind: Emotionaler US-Abenteurer mit hohen Import-Hürden

Der Toyota 4Runner (2026) ist objektiv betrachtet die schlechteste Wahl, die Sie für den deutschen Alltag treffen können. Der offizielle Toyota Land Cruiser ist praktischer, bietet den sparsameren Diesel für unsere Autobahnen und das beruhigende Kissen der Werksgarantie. Aber Autos kauft man nicht immer mit Excel-Tabellen. Der 4Runner hat dieses unverschämte Überholprestige, das versenkbare Heckfenster und – als Trailhunter – einen Offroad-Look ab Werk, der jeden Nachrüst-Tuner vor Neid erblassen lässt. Erlebt man die Wucht der 630 Newtonmeter des Hybrid-Motors im Matsch, versteht man, warum die Amerikaner dieses Auto wie eine Religion verehren. Wenn Geld keine Rolle spielt und Sie Benzin statt Diesel im Blut haben, holen Sie sich den Import. Für alle anderen ist der Weg zum deutschen Toyota-Händler die intelligentere Lösung.

Galerie