Toyota 4Runner (2026) im Import-Check: Der böse Zwilling des Land Cruiser

In den USA ist er eine Religion. Der Toyota 4Runner steht für Freiheit, Surfen und Unzerstörbarkeit. Mit der sechsten Generation hat Toyota den Kult-Offroader komplett neu erfunden. Doch technisch ist er nun der Zwillingsbruder des bei uns erhältlichen Land Cruiser 250. Macht ein Import da überhaupt noch Sinn? Wir haben den US-Boy unter die Lupe genommen.

Wenn Sie einen Toyota-Händler in Deutschland besuchen, zeigt er Ihnen stolz den neuen Land Cruiser (J250). Ein fantastisches Auto, keine Frage. Aber manchen ist er zu brav, zu „retro“, zu sehr „Förster“. Für diese Menschen gibt es in den USA den 4Runner. Im Modelljahr 2026 basiert auch er auf der modernen TNGA-F-Plattform. Das bedeutet: Gleicher Leiterrahmen, gleiche Achsen, gleiche Motoren wie der Land Cruiser. Aber die Verpackung ist eine andere. Wo der Land Cruiser seriös wirkt, trägt der 4Runner Muskelshirt. Besonders in den Versionen TRD Pro oder dem neuen Overlanding-Modell Trailhunter sieht er aus, als wolle er zum Frühstück Jeeps fressen.

Das Problem: Toyota verkauft ihn nicht in Europa. Wer ihn will, muss den mühsamen Weg des Grauimports gehen. Lohnt sich das für ein Auto, das technisch fast identisch zu einem offiziell verfügbaren Modell ist?

Design & Karosserie: Das Heckfenster-Argument

Es gibt ein Feature, das den 4Runner einzigartig macht, und Toyota hat es zum Glück in die neue Generation gerettet: Das versenkbare Heckfenster. Per Knopfdruck fährt die Scheibe der Heckklappe elektrisch nach unten. Das sorgt für eine Durchlüftung wie im Cabrio, ohne dass es zieht. Hunde lieben es. Surfer lieben es, weil das Brett hinten rausschauen kann. Der Land Cruiser hat das nicht (dort lässt sich die Scheibe nur separat hochklappen).

Auch sonst ist der 4Runner innen enger geschnitten als der Land Cruiser. Die Windschutzscheibe steht steiler, das Dach wirkt niedriger. Man fühlt sich „eingebauter“, sportlicher. Das Cockpit selbst wird dominiert vom riesigen 14-Zoll-Screen (in den Top-Versionen), den wir auch aus dem US-Pickup Tacoma kennen. Die Materialien sind robust („Wash-out“-Charakter), aber etwas weniger fein als im europäischen Land Cruiser. Hier regiert Hartplastik, das Schlamm verträgt.

Antrieb: V6 ist tot, lang lebe der Turbo

Fans haben geweint, als Toyota verkündete: Der legendäre 4.0-Liter-V6-Sauger ist Geschichte. Dieser Motor war unkaputtbar, aber auch lahm und durstig. Im 2026er 4Runner arbeiten Vierzylinder:

  1. i-FORCE (2.4 Turbo): 278 PS. Ein solider Motor, der deutlich besser zieht als der alte V6.
  2. i-FORCE MAX (Hybrid): 326 PS und brachiale 630 Nm Drehmoment.

Dieser Hybrid ist der „Sweet Spot“. Der Elektromotor sitzt zwischen Motor und 8-Gang-Automatik. Er macht den 4Runner an der Ampel zum Sportwagen und hilft im Gelände mit sofortigem Drehmoment. Aber Vorsicht: Es ist kein Spar-Hybrid wie im Prius. Rechnen Sie auch hier mit 10 bis 12 Litern Benzin. Diesel gibt es im 4Runner nicht – ein riesiger Nachteil gegenüber dem europäischen Land Cruiser, den es ja als 2.8 Diesel gibt.

Offroad: Der „Trailhunter“

Warum importieren Leute dieses Auto? Wegen der Ausstattungslinie „Trailhunter“. Toyota verkauft den Wagen ab Werk fertig umgebaut für die Weltreise. Er kommt mit:

  • ARB-Fahrwerk mit Old Man Emu Dämpfern (höhergelegt).
  • Massiven Unterfahrschutz-Platten.
  • Einem integrierten Schnorchel für Wasserdurchfahrten.
  • Dachgepäckträger und Zusatzscheinwerfern von Rigid Industries.

Das alles ist ab Werk eingetragen (in den USA) und hat Garantie. Wer so etwas in Deutschland am Land Cruiser nachrüsten will, zahlt tausende Euro und verbringt Tage beim TÜV. Der Import eines Trailhunter ist also eine „Turn-key“-Lösung für Abenteurer.

Import-Check: Die harte Rechnung

Ein Toyota Land Cruiser (J250) kostet in Deutschland als Diesel ca. 70.000 Euro. Ein importierter 4Runner Trailhunter kostet in den USA ca. 55.000 Dollar. Klingt billig? Warten Sie.

  • Fracht & Versicherung
  • 10% Zoll
  • 19% Einfuhrumsatzsteuer
  • Umrüstung (Licht, Nebelschlussleuchte, Datenblatt) = Endpreis in Deutschland: ca. 75.000 bis 80.000 Euro.

Sie zahlen also mehr als für den Land Cruiser, haben aber:

  • Keine offizielle Herstellergarantie (nur Händler-Gewährleistung).
  • Einen Benziner, der viel verbraucht (statt sparsamem Diesel).
  • Probleme bei der Ersatzteilversorgung (Karosserieteile müssen aus den USA kommen).

Fazit: Eine Entscheidung des Herzens

Der Toyota 4Runner (2026) ist objektiv betrachtet die schlechtere Wahl für Deutschland. Der hier erhältliche Land Cruiser ist praktischer, hat den besseren Motor (Diesel) für unsere Verhältnisse und volle Garantie. Aber Autos kauft man nicht immer mit dem Kopf. Der 4Runner sieht cooler aus. Er ist exklusiver (Sie werden der Einzige im Landkreis sein). Und er hat dieses verdammte Heckfenster.

Kaufen Sie ihn (Import), wenn:

  • Sie den Look des Trailhunter lieben und keine Lust auf Tuning-Werkstätten haben.
  • Sie Diesel hassen und die Power des 326-PS-Hybriden wollen (den gibt es im deutschen Land Cruiser nämlich nicht!).

Lassen Sie es, wenn:

  • Sie ein Arbeitstier suchen. Kaufen Sie den Land Cruiser oder einen Toyota Hilux.
  • Sie Angst vor hohen Werkstattrechnungen und Wartezeiten auf Teile haben.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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