Ford Bronco (2026): Der Cowboy hat jetzt einen Hochschulabschluss

Vier Jahre lang war der Ford Bronco der coole Typ in der Klasse. Er sah besser aus als der Jeep Wrangler, fuhr sich auf der Straße manierlicher als der Land Rover Defender (naja, fast) und war ständig ausverkauft. Aber er hatte Schwächen. Das Cockpit wirkte stellenweise wie aus Legosteinen gebaut, und der Durst der EcoBoost-Motoren war legendär. Mit dem Modelljahr 2026 will Ford diese Kritikpunkte beerdigen. Der Bronco bekommt sein großes Facelift. Er trägt jetzt stolz eine volldigitale 12-Zoll-Instrumententafel (endlich!), ein Head-up-Display und eine noch breitere Brust. Doch während Jeep mit dem Wrangler 4xe steuerlich begünstigt durch deutsche Städte stromert, stellt sich beim Bronco die große Frage: Wo ist der Stecker? Ich bin den überarbeiteten Bronco Badlands und die neue, limitierte “Stroppe Edition” gefahren. Ist der Bronco jetzt perfekt oder nur perfekt geschminkt?

Das Facelift: Feinschliff für den Grobian

Äußerlich erkennt man den 2026er Jahrgang am leicht verbreiterten Kühlergrill mit neuer LED-Signatur und – je nach Ausstattung – lackierten Kotflügelverbreiterungen. Die “Stroppe Edition” (Nachfolger der Wildtrak-Idee) bringt den klassischen Baja-Look der 70er Jahre zurück: Calypso Coral, Wimbledon White und Astra Blue.

Ford hat verstanden: Never change a running system. Der Bronco sieht immer noch aus wie ein Bronco. Aber er wirkt teurer. Die neuen lackierten Teile (bei Outer Banks und Stroppe) nehmen ihm etwas von dem “Plastik-Spielzeug”-Look. Er steht satter da. Die “Stroppe Edition” ist pure Nostalgie. Wenn Sie damit vorfahren, werden Sie nicht als SUV-Prolet wahrgenommen, sondern als Kenner. Es ist die coolste Lackierung, die man derzeit für Geld kaufen kann. Punkt.

Innenraum: Endlich im Jahr 2026

Das wichtigste Update findet innen statt. Das analog-digitale Mischmasch-Tacho ist Geschichte. Alle Modelle erhalten nun ein 12-Zoll-Volldigital-Cockpit mit brillanter Grafik (Unreal Engine). Dazu kommt das SYNC 5 System (schneller, drahtloses CarPlay) und – erstmals – ein Head-up-Display.

Halleluja. Das alte Cockpit war charmant, aber billig. Das neue ist “State of the Art”. Die Grafiken ändern sich je nach “G.O.A.T. Mode” (Fahrmodus). Im Rock-Crawl-Modus sehen Sie Neigungswinkel und Diffsperren direkt im Blickfeld. Das Head-up-Display ist im Gelände Gold wert: Sie müssen den Blick nicht von der steilen Abfahrt nehmen, um zu wissen, wie die Räder stehen. Auch die Materialien wurden verbessert. Das Armaturenbrett im “Badlands” fasst sich jetzt weicher an. Es ist immer noch abwaschbar, wirkt aber nicht mehr wie eine Tupperdose.

Der Hybrid-Elefant im Raum

Technisch übernimmt der Bronco 2026 viele Komponenten des neuen Ford Ranger. Das nährt die Gerüchte um den Bronco PHEV (2.3 Liter Turbo + E-Motor), der den Jeep Wrangler 4xe angreifen soll. Offiziell bestätigt für den deutschen Marktstart Ende 2025 ist er jedoch noch nicht flächendeckend.

Hier liegt das Problem für deutsche Käufer. Der Jeep Wrangler 4xe verkauft sich wie geschnitten Brot, weil er (theoretisch) elektrisch fahren kann und steuerliche Vorteile bietet. Der Bronco 2026 kommt vorerst weiter mit dem 2.7-Liter V6 EcoBoost (335 PS) oder dem 2.3-Liter Vierzylinder. Der V6 ist ein grandioser Motor. Er klingt kernig, er schiebt mächtig an. Aber er säuft. Rechnen Sie mit 12 bis 14 Litern Super. Bei artgerechter Haltung (Autobahn 150 km/h oder Gelände) sind es 16. Wer den Bronco als Firmenwagen will, hat ein Problem mit der CO2-Bilanz. Ford muss den Hybrid bringen (die Technik im Ranger PHEV ist ja fertig!). Wer jetzt kauft, wettet darauf, dass ihm der V6-Spaß die Tankrechnung wert ist. Und ehrlich gesagt: Das ist er.

Fahrwerk & Offroad: “HOSS” ist der Boss

Das HOSS-Fahrwerk (High-Performance Off-Road Stability Suspension) wurde neu abgestimmt. Der Stabilisator lässt sich nun auch unter Last entkoppeln (Smart Bar Disconnect).

Das ist der Grund, warum der Bronco besser ist als der Wrangler. Auf der Straße fährt er (dank Einzelradaufhängung vorne) präzise und komfortabel. Er wankt nicht wie ein Schiff im Sturm. Im Gelände entkoppeln Sie den Stabi, und er verschränkt wie ein Weltmeister. Das Update 2026 macht die Lenkung noch etwas direkter. Man hat nie das Gefühl, in einem landwirtschaftlichen Nutzfahrzeug zu sitzen. Es ist ein modernes SUV, das zufällig Wände hochfahren kann.

Preis & Verfügbarkeit: Teures Spielzeug

Der Einstiegspreis für den Bronco in Deutschland ist gestiegen. Ein gut ausgestatteter Badlands oder die neue Stroppe Edition kratzen an der 80.000-Euro-Marke.

80.000 Euro für einen Ford. Das ist eine Ansage. Dafür bekommen Sie einen Defender oder einen jungen BMW X5. Aber: Der Bronco ist wertstabiler. Gebrauchte Broncos verlieren kaum an Wert. Die Fan-Gemeinde ist riesig. Die neue “Stroppe Edition” wird garantiert ein Sammlerstück. Wenn Sie einen bekommen: Kaufen, nicht leasen. In 5 Jahren wird der mehr wert sein als heute.

Die Offroad-Ikonen 2026

Feature
Ford Bronco Badlands (2026)
Jeep Wrangler Rubicon 4xe
Land Rover Defender 110
Motor
2.7L V6 Turbo (335 PS)
2.0L PHEV (380 PS)
3.0L R6 Diesel (300 PS)
Verbrauch
ca. 13 l/100km
ca. 10 l (ohne Strom)
ca. 9,5 l/100km
Cockpit
Neu: Digital & HUD
Analog/Digital Mix
Pivi Pro (Digital)
Dach
Abnehmbar (Hard/Soft)
Abnehmbar
Fest (oder Faltdach)
Fahrwerk
Einzelrad vorne (Agil)
Starrachse vorne (Rustikal)
Einzelrad (Komfort)
Preis
ca. 78.000 €
ca. 82.000 €
ca. 85.000 €

Fazit: Der bessere Wrangler, aber ohne Stecker

Der Ford Bronco (2026) ist mit dem Facelift erwachsen geworden. Das neue Cockpit beseitigt den letzten echten Kritikpunkt (die billige Anmutung). Er fährt sich besser als ein Jeep und sieht cooler aus als ein Defender. Das einzige, was fehlt, ist der Plug-in-Hybrid für Deutschland. Wenn Ihnen der Verbrauch egal ist (oder Sie wenig fahren): Kaufen Sie den V6. Es ist der souveränste Antrieb. Wenn Sie Steuern sparen müssen: Warten Sie noch ein halbes Jahr. Der PHEV kommt. Er muss kommen. Ford kann das Feld nicht kampflos Jeep überlassen.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.

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