VW Amarok (2026) im Test: Der „Edel-Ranger“ – Ist er sein Geld wert?

Es ist das offenste Geheimnis der Pickup-Welt: Der aktuelle VW Amarok (seit 2023) ist unter dem Blech ein Ford Ranger. Er wird nicht mehr in Hannover gebaut, sondern zusammen mit dem Ford in Südafrika. Viele VW-Fans haben geschrien: „Verrat!“ Aber wir schreiben das Jahr 2026. Der Amarok hat sich etabliert. Er ist der Pickup für Leute, die eigentlich einen Touareg wollen, aber eine Ladefläche brauchen (oder steuerlich absetzen müssen). Ist der VW nur ein Ford mit Botox, oder hat er eine eigene Seele? Und lohnt sich der Aufpreis zum Ranger? Ich habe den PanAmericana (die Offroad-Version) mit dem V6-Diesel getestet.

Design: Smoking statt Holzfällerhemd

Stellen Sie einen Ford Ranger und einen Amarok nebeneinander. Der Ranger sagt: „Ich fälle Bäume.“ Der Amarok sagt: „Ich verwalte den Wald.“ VW hat ganze Arbeit geleistet. Bis auf Dach, Fenster und Spiegel ist fast kein Blechteil gleich. Die Front mit dem „X-Design“ (beim PanAmericana) wirkt technisch und kühl. Die Radkästen sind eckiger. Er wirkt eleganter. Mit 5,35 Metern ist er ein Schiff. Der PanAmericana kommt mit schwarzem Styling-Bar, schwarzen 18-Zoll-Felgen und All-Terrain-Reifen. Das sieht nach Abenteuer aus, aber mit Stil.

Innenraum: Ein Ford mit VW-Lenkrad?

Ich klettere hinein. Der erste Eindruck: Es ist ein VW. Das Lenkrad, die digitalen Instrumente (Digital Cockpit), die Hebel – alles fühlt sich nach Wolfsburg an. Der zweite Eindruck: Es ist ein Ford. Der riesige, hochkante 12-Zoll-Touchscreen in der Mitte läuft zwar mit VW-Grafik, ist aber von der Logik her Ford (SYNC 4 Basis). Das ist gut! Das System ist schnell und stabil. Die Bedienung: Unter dem Screen gibt es echte Wippschalter (für Fahrprofi, Parkassistenz). Aber die Klimaanlage muss man weitgehend über den Touchscreen steuern. Das ist fummelig. Die Materialqualität ist für einen Pickup (Nutzfahrzeug!) exzellent. Das Armaturenbrett ist mit Lederimitat bezogen („Cricket“-Leder im Sitz). Platzangebot: Vorne sitzt man fürstlich. Hinten (Doppelkabine) ist es besser als im Vorgänger, aber die Rücklehne steht immer noch recht steil. Erwachsene halten es hier aber gut aus.

Fahrbericht: Der V6 ist der Grund, ihn zu kaufen

Kommen wir zum Herzstück. Im Vorgänger (Gen 1) war ein Audi-V6 verbaut. Jetzt arbeitet hier ein 3.0 Liter V6 Turbodiesel von Ford (der „Lion“-Motor). 177 kW (240 PS) und 600 Nm. Ist er schlechter? Nein. Er läuft seidig weich. Das Nageln ist fast weg. In Kombination mit der 10-Gang-Automatik (ebenfalls Ford) ist das ein Gedicht. Das Getriebe schaltet so unauffällig, dass man oft gar nicht weiß, welcher Gang drin ist. Es ist immer Kraft da. Auf der Straße: VW hat das Fahrwerk anders abgestimmt als Ford. Der Amarok wirkt komfortabler, etwas straffer und weniger schaukelig als der Ranger. Er fährt sich fast wie ein großes SUV. Auf der Autobahn sind 160 km/h entspannt möglich. Im Gelände: Der PanAmericana hat den zuschaltbaren Allrad mit Automatik-Modus (4A). Das heißt: Sie können auf trockener Straße mit Allrad fahren (wie ein permanenter Allradler). Das ist ein riesiger Sicherheitsgewinn gegenüber einfachen Pickups (wie Isuzu oder Toyota), die auf Asphalt nur Heckantrieb haben. Im Matsch helfen die Hinterachs-Sperre und die Untersetzung. Er wühlt sich überall durch. 3,5 Tonnen Anhängelast sind Ehrensache.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
VW Amarok PanAmericana 3.0 V6 TDI (2026)
Alex Wind Kommentar
Motor
3.0 V6 Turbodiesel
Kraftvoll, kultiviert, bärenstark.
Leistung
177 kW (240 PS) / 600 Nm
Genug Power für Hänger und Überholen.
Getriebe
10-Gang-Automatik (Shift-by-wire)
Schaltet viel und weich.
Antrieb
4MOTION (erweitert zuschaltbar)
Mit 4A-Modus (Straßen-Allrad)!
0-100 km/h
8,8 Sekunden
Flott für 2,5 Tonnen.
Vmax
180 km/h
Reicht völlig.
Verbrauch (Test)
10,8 l/100km (Diesel)
V6 kostet Sprit. Aber angemessen.
Anhängelast
3.500 kg
Das Arbeitstier.
Zuladung
ca. 1.000 kg
Passt eine Europalette quer drauf (zwischen Radkästen).
Preis (Basis V6)
ca. 58.000 €
Teuer.
Preis (Testwagen)
ca. 72.500 €
PanAmericana mit Extras.

Pro & Contra

  • Motor: Der V6 TDI ist souverän undlaufruhig. Der einzig wahre Motor für dieses Auto.
  • Allrad: Das 4A-System (permanenter Modus) macht ihn sicher bei Regen und Schnee.
  • Komfort: Fährt sich weniger „LKW-artig“ als Hilux oder D-Max.
  • Innenraum: Hochwertige Anmutung und bequeme Sitze.
  • Preis: Er ist spürbar teurer als der baugleiche Ford Ranger.
  • Bedienung: Klima-Steuerung im Touchscreen nervt mit Arbeitshandschuhen.
  • Getriebe-Wählhebel: Der kleine „Stummel“ (e-Shifter) ist gewöhnungsbedürftig.
  • AdBlue: Bei flotter Fahrt trinkt er auch reichlich Harnstoff.

Konkurrenz-Check

  • Ford Ranger (Wildtrak/Platinum): Der Zwilling. Technisch zu 95% identisch. Sieht amerikanischer aus, Bedienung ist etwas rustikaler, aber er ist günstiger. Wer aufs Geld schaut, nimmt den Ford.
  • Toyota Hilux (GR Sport): Der Unzerstörbare. Technisch veraltet (4-Zylinder, 6-Gang-Wandler), fährt sich holpriger, hält aber wahrscheinlich auch nach einem Atomkrieg noch.
  • Isuzu D-Max: Der Ehrliche. Viel günstiger, reines Nutzfahrzeug, weniger Komfort.

Fazit: Alex Wind meint…

Der VW Amarok (2026) ist der beste Pickup für Menschen, die eigentlich keinen Pickup brauchen. Er ist so komfortabel, leise und schick, dass man ihn problemlos als Familienauto nutzen kann (wenn man eine Abdeckung für die Ladefläche hat). Der 3.0 V6 ist ein Muss. Vergessen Sie den 2.0 TDI (205 PS), der muss sich zu sehr quälen. Ist er besser als der Ford Ranger? Objektiv: Nein, sie sind gleich gut. Subjektiv: Ja, er wirkt feiner, deutscher, geschliffener. Wenn Sie mit dem Pickup zum Kunden oder vors Restaurant fahren wollen: Nehmen Sie den Amarok Aventura oder PanAmericana. Wenn Sie ihn nur im Wald verkratzen: Nehmen Sie den Ranger.

FAQ

1. Ford V6 oder VW V6 – welcher war besser? Der „alte“ VW-V6 (Gen 1) war spritziger, aggressiver. Der „neue“ Ford-V6 (im aktuellen Amarok) ist bulliger, gelassener, „truckiger“. Er passt eigentlich besser zum Fahrzeugcharakter, auch wenn er auf dem Papier etwas weniger PS hat (240 statt 258).

2. Amarok als Plug-in-Hybrid? Ford hat für den Ranger einen PHEV (2.3 Benziner + E-Motor) gebracht. Dieser ist technisch auch für den Amarok verfügbar. Prüfen Sie beim Händler die Verfügbarkeit für 2026 in Ihrem Markt – er ist interessant für die Steuer, aber der V6 Diesel zieht souveräner.

3. Passt eine Europalette drauf? Ja! Wie beim Vorgänger ist der Abstand zwischen den Radkästen breit genug (1.227 mm), um eine Europalette quer zu laden. Das ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal gegenüber manchen Konkurrenten.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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