Es ist fast tragisch. Da steht er vor mir, der Acura RDX des Modelljahres 2026. Er sieht blendend aus – scharf gezeichnet, mit dem neuen rahmenlosen „Diamond Pentagon“-Grill, den er sich vom großen Bruder MDX abgeschaut hat. Er duckt sich aggressiv auf seine 20-Zoll-Felgen. Aber wenn man die Tür öffnet, fühlt man sich wie in einer Zeitkapsel. Während der MDX letztes Jahr endlich den verhassten Touchpad-Controller gegen einen modernen Touchscreen mit Google Built-in getauscht hat, muss der RDX weiter leiden. Acura hat das „True Touchpad Interface“ behalten. Warum? Wahrscheinlich, weil das Geld für das komplett neue Armaturenbrett erst für die nächste Generation (erwartet 2027/28) freigegeben wurde. Das macht den 2026er RDX zu einem schwierigen Fall für den Import. Er ist fahrdynamisch immer noch einer der besten SUVs der Welt. Aber digital ist er ein Dinosaurier. Lohnt sich der Aufwand, dieses Auto nach Deutschland zu holen, wenn an jeder Ecke ein modernerer BMW X3 steht?
Das „Touchpad-Trauma“: Warum Acura?
Das Infotainment wird weiterhin über ein Touchpad auf der Mittelkonsole gesteuert, das „absolut“ positioniert ist (die Position auf dem Pad entspricht der Position auf dem 10,2-Zoll-Screen). Es gibt keinen Touchscreen.
Ich muss ehrlich sein: Im Jahr 2026 ist das schwer zu schlucken. Wenn Sie Apple CarPlay nutzen (was zum Glück wireless funktioniert), wird das Touchpad zur fummeligen Maus. Während Sie im neuen Audi Q5 einfach auf das Icon tippen, wischen und klicken Sie im Acura wie ein Buchhalter in Excel. Ist es unbedienbar? Nein. Man gewöhnt sich daran. Ist es Premium? Nein. Es wirkt altbacken. Aber es hat einen Vorteil, den wir in der „Touch-Everything“-Ära vergessen haben: Der Bildschirm sitzt weit weg, perfekt im Sichtfeld. Und es gibt keine Fingerabdrücke. Wer „Digital Detox“ mag, könnte sich hier wohlfühlen. Alle anderen werden fluchen.
SH-AWD: Der Grund, warum wir ihn trotzdem lieben
Unter der Haube arbeitet der bekannte 2.0-Liter-VTEC-Turbo mit 200 kW (272 PS) und 380 Nm. Gekoppelt an eine 10-Gang-Automatik und den „Super Handling All-Wheel Drive“ (SH-AWD).
Vergessen Sie das Touchpad. Fahren Sie los. Suchen Sie sich eine nasse, enge Landstraßenkurve im Schwarzwald. Geben Sie Gas. Was dann passiert, kann kein Audi Q5 quattro (mit seiner Ultra-Technologie, die eigentlich Frontantrieb ist). Der Acura RDX leitet bis zu 70% der Kraft nach hinten und davon bis zu 100% an das kurvenäußere Rad. Er „dreht“ sich förmlich in die Kurve ein. Das ist Torque Vectoring in Reinkultur. Es fühlt sich mechanisch, echt und gierig an. Der Motor hängt bissig am Gas, die 10-Gang-Box feuert die Gänge durch. Wer SUVs hasst, weil sie langweilig sind, wird den RDX lieben. Er fährt sich wie ein hochgelegter Hot Hatch. Das ist der einzige, aber gewichtige Grund, dieses Auto zu importieren.
Kein Hybrid? Ein teures Vergnügen in Deutschland
Anders als der neue Honda CR-V oder der kommende RDX-Nachfolger hat das 2026er Modell keine Hybrid-Option.
Das tut an der deutschen Tankstelle weh. Der RDX genehmigt sich im Schnitt 10 bis 11 Liter Super. Wenn Sie das SH-AWD-System fordern (und das werden Sie), sind es 13 Liter. Ein BMW X3 30e (Plug-in-Hybrid) oder ein Mercedes GLC Diesel fahren Kreise um den Acura, wenn es um Effizienz geht. Der RDX ist ein Auto für US-Benzinpreise. In Deutschland ist er ein Luxusgut für Wenigfahrer.
Import & Kosten: Die Rechnung für Individualisten
Einen neuen Acura RDX A-Spec oder Advance importieren zu lassen, kostet inklusive Zoll, Steuer und Umrüstung ca. 55.000 bis 65.000 Euro.
Für 60.000 Euro bekommen Sie einen sehr gut ausgestatteten jungen gebrauchten BMW X3 M40i. Der BMW hat einen Sechszylinder. Er hat ein besseres Navi. Er hat ein Händlernetz. Der Acura hat… Exklusivität. Sie werden der Einzige auf dem Supermarktparkplatz sein. Die Leute werden fragen: „Ist das dieser neue China-SUV?“ Und Sie werden antworten: „Nein, das ist japanische Ingenieurskunst aus Ohio.“ Wenn Sie Honda-Fan sind, ist das unbezahlbar. Für alle anderen ist es ein wirtschaftliches Wagnis.
Der Dynamiker gegen den Platzhirsch
Feature | Acura RDX A-Spec (Import 2026) | BMW X3 xDrive30 (G45) | Lexus NX 350 F Sport |
Motor | 2.0L Turbo (272 PS) | 2.0L Turbo (258 PS) | 2.4L Turbo (279 PS) |
Antrieb | SH-AWD (Torque Vectoring) | xDrive (Allrad) | AWD |
Infotainment | Touchpad (Altbacken) | Curved Display (Touch) | Touchscreen (Modern) |
Fahrspaß | Sehr Hoch (Agil) | Hoch (Ausgewogen) | Mittel (Synthetisch) |
Verbrauch | ca. 11 l/100km | ca. 8,5 l/100km | ca. 9,5 l/100km |
Exklusivität | Extrem Hoch | Massenware | Mittel |
Preis (Real) | ca. 62.000 € (Import) | ca. 70.000 € | ca. 68.000 € |
Fazit: Kaufen Sie ihn, bevor er weichgespült wird
Der Acura RDX (2026) ist ein Auslaufmodell im besten Sinne. Sein Nachfolger wird wahrscheinlich ein Hybrid sein, vielleicht sogar mit CVT-Getriebe, vollgepackt mit Bildschirmen. Dieser RDX hier ist „Old School“. Ein ehrlicher Turbomotor, eine Wandlerautomatik, ein mechanischer Allradantrieb. Wenn Sie mit dem fummeligen Touchpad leben können und Ihnen der Verbrauch egal ist, bekommen Sie eines der fahraktivsten SUVs der Welt. Es ist kein Auto für Tech-Nerds. Es ist ein Auto für Fahrer.




















