Acura ZDX (2026) im Import-Check: Das beste Elektroauto von General Motors… ist ein Acura?

Es gibt Momente in der Autogeschichte, die sind kompliziert. Der Acura ZDX ist so ein Moment. Wir schreiben das Jahr 2026. Acura, die Edel-Marke von Honda, brauchte dringend ein großes Elektroauto. Aber Honda hatte noch keine eigene Plattform fertig. Also riefen sie in Detroit an. Das Ergebnis steht vor uns: Der neue ZDX basiert auf der GM Ultium-Plattform. Technisch ist er ein Zwilling des Cadillac Lyriq und des Chevrolet Blazer EV. Er wird sogar im selben Werk in Tennessee gebaut. Für Honda-Puristen ist das Blasphemie. „Ein Acura mit Ami-Genen? Niemals!“ Aber warten Sie ab. Denn Acura hat etwas geschafft, was GM selbst verbockt hat. Sie haben die Technik genommen und die nervigsten Fehler korrigiert. Wir haben den ZDX A-Spec und den 500-PS-starken Type S getestet. Ist das nur ein Umlabel-Job oder der bessere Cadillac?

Das Design: Endlich wieder ein schöner Acura

Erinnern Sie sich an den ersten ZDX von 2009? Dieses seltsame Coupé-SUV-Ding, das niemand kaufte, weil es seiner Zeit zu weit voraus war? Der neue ZDX trägt den Namen zu Recht, denn er sieht fantastisch aus. Er ist lang, breit und flach. Das „Diamond Pentagon“-Gesicht ist jetzt eine geschlossene Licht-Signatur, die nachts leuchtet. Im Gegensatz zum etwas barocken Cadillac Lyriq wirkt der ZDX sportlicher, straffer. Er sieht aus wie ein Acura Precision EV Concept, das durch den TÜV gekommen ist. Im Alltag: Die Leute schauen hin. Besonders in der Farbe „Double Apex Blue Pearl“ (exklusiv für Type S) ist er ein Hingucker. Er wirkt weniger massiv als ein deutscher SUV, eher wie ein höhergelegter Sportkombi. Und das Beste: Er hat normale Türgriffe (nicht diese seltsamen Druckknöpfe wie der Cadillac) und echte Spiegel. Form follows Function.

Innenraum: Der Tod des Touchpads (Halleluja!)

Jahrelang haben wir Acura für das „True Touchpad Interface“ kritisiert. Diese Laptop-Steuerung in der Mittelkonsole war ein ergonomischer Unfall. Im ZDX ist sie weg. Endlich. Stattdessen gibt es einen 11,3-Zoll-Touchscreen. Ja, Kenner sehen sofort: Der Lenkstockhebel, die Fensterheber und der Lautstärkeregler stammen aus dem GM-Regal. Das fühlt sich für einen Acura-Fahrer im ersten Moment fremd an. Aber dann kommt der große Triumph: Während GM in seinen eigenen Autos (Chevy, Cadillac) Apple CarPlay und Android Auto gestrichen hat, hat Acura es behalten. Sie bekommen das exzellente „Google built-in“ System (mit Maps und Assistant), können aber trotzdem Ihr iPhone kabellos spiegeln. Das ist der „Killer-Feature“-Moment. Allein deswegen würden viele den ZDX dem Cadillac vorziehen. Der Sound: Acura war berühmt für das ELS-System. Im ZDX gibt es nun erstmals Bang & Olufsen. Ist es schlechter? Nein. Es ist anders. Druckvoller, basslastiger. Mit 18 Lautsprechern (im Type S) verwandelt es das Auto in einen Konzertsaal. Es ist eines der besten Systeme in dieser Klasse. Das Platzangebot ist riesig (danke, Ultium-Plattform). Hinten sitzt man wie in der Business Class, und der flache Boden sorgt für viel Beinfreiheit.

Der Antrieb: Type S – Wenn der Honda-Ingenieur Hand anlegt

Wir sind ehrlich: Der A-Spec (Hinterradantrieb, 340 PS) ist ein feiner Cruiser. Er kommt weit (ca. 500 km nach EPA/WLTP-Mix), er ist leise. Aber er ist kein Ereignis. Das Ereignis ist der Type S. 500 PS. 738 Nm Drehmoment. Allrad. Das Ding wiegt über 2,7 Tonnen. Aber Acura hat etwas getan, was Honda sonst nie tut: Sie haben eine Luftfederung (Air Suspension) verbaut. Zusammen mit den adaptiven Dämpfern kaschiert der Type S sein Gewicht magisch. Im „Sport“-Modus senkt er sich ab. Die riesigen gelben Brembo-Bremsen (6 Kolben vorne!) beißen zu, als hätten sie einen Anker geworfen. Er fährt sich nicht wie ein amerikanisches Schiff. Er fährt sich präziser, verbindlicher. Natürlich ist er kein Civic Type R. Die Physik lässt sich nicht betrügen. Aber er ist der sportlichste Ultium-SUV, den es gibt. Laden: Hier merkt man die GM-Basis. Er lädt mit maximal 190 kW. Das ist okay (10 auf 80% in ca. 40 Minuten), aber gegen die 800-Volt-Technik von Porsche oder Hyundai/Kia sieht er alt aus. Für die Langstrecke reicht es, aber man trinkt den Kaffee besser in Ruhe.

Fahrverhalten: Hands-Free Cruising

Ein Highlight, das Acura von GM übernommen hat, ist das Assistenzsystem. Acura nennt es „AcuraWatch 360+“. In Wahrheit ist es Super Cruise. Das bedeutet: Auf freigegebenen Autobahnen (in den USA riesig verbreitet, in Europa kommt es langsam) können Sie die Hände vom Lenkrad nehmen. Das Auto fährt, lenkt und überholt selbstständig. Es ist das entspannteste Fahren, das man sich vorstellen kann. Die Kombination aus der Ruhe des E-Antriebs, dem Bang & Olufsen Sound und dem Hands-Free-System macht den ZDX zum ultimativen Kilometerfresser.

Fazit: Der pragmatische Held

Der Acura ZDX (2026) ist kein „echter“ Honda. Es fehlt dieses letzte Quäntchen mechanische Perfektion im Detail. Aber er ist ein verdammt gutes Elektroauto. Er sieht besser aus als seine GM-Geschwister. Er fährt sich sportlicher (Type S). Und er hat Apple CarPlay. Für Acura-Fans ist er die Brücke in die Zukunft, bis Honda seine eigene „0 Series“ Plattform fertig hat. Für alle anderen ist er ein Geheimtipp: Die Technik des Cadillac Lyriq, aber ohne dessen Design-Eskapaden und Software-Einschränkungen.

Die ungeschminkte Wahrheit:

  • Die Start-Taste: Sie ist dort, wo sie hingehört. Aber der Sound beim Starten ist ein generisches digitales „Wusch“, kein technisches Klicken. Man vermisst die Honda-Seele etwas.
  • Das Handschuhfach: Wie beim Cadillac Lyriq gibt es keinen Griff. Man muss es über den Touchscreen öffnen. Warum, Acura? Warum habt ihr diesen Unsinn übernommen?

Kaufen Sie ihn, wenn:

  • Sie einen elektrischen Luxus-SUV wollen, der nicht wie ein Raumschiff aussieht.
  • Sie Apple CarPlay nutzen wollen (ein K.O.-Kriterium gegen Chevy/Cadillac).
  • Sie auf Bang & Olufsen Sound stehen.

Lassen Sie es, wenn:

  • Sie ultraschnelles Laden (800 Volt) brauchen.
  • Sie einen „leichten“ Sportwagen suchen. 2,7 Tonnen sind eine Ansage.
  • Sie allergisch auf GM-Teile im Innenraum reagieren.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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