Audi RS 5 Avant (2026) im Test: V6-Biturbo trifft auf Plug-in-Hybrid

Audi RS 5 Avant (2026) im Test: V6-Biturbo trifft auf Plug-in-Hybrid
Foto: Audi AG

Mit dem neuen RS 5 Avant vollzieht Audi Sport einen epochalen Technologiesprung in der High-Performance-Mittelklasse. Erstmals verlässt sich der schnellste Mittelklasse-Kombi aus Ingolstadt nicht mehr allein auf reine Verbrennungskraft, sondern kombiniert den legendären 2,9-Liter-V6-Biturbo mit einem leistungsstarken Plug-in-Hybridsystem.

Das Ergebnis ist atemberaubend: Eine Systemleistung von rund 470 kW (640 PS) und über 800 Newtonmeter Drehmoment treiben den Allrad-Kombi in knapp 3,4 Sekunden auf Tempo 100. Dank einer rund 20-kWh-Batterie stromert der Sport-Avant über 80 Kilometer rein elektrisch. Bei Einstiegspreisen ab rund 115.000 Euro analysieren wir die neue Ära.

Technische Daten & Spezifikationen

Kategorie
Audi RS 5 Avant PHEV (Modelljahr 2026)
Motor & Antrieb
2.9L V6 Biturbo + starker E-Motor, Allradantrieb
Systemleistung / Drehmoment
639 PS (470 kW) / 825 Nm
Batteriekapazität
25,9 kWh brutto (22 kWh netto)
Ladeleistung (AC)
11 kW (Ladedauer ca. 2,5 Stunden) / Kein DC-Laden!
0-100 km/h / Vmax
3,6 s / 285 km/h (optional abgeregelt)
Reichweite elektrisch
WLTP: 84 km / Real: ca. 65 km
Testverbrauch (Akku leer)
ca. 10,8 l/100 km (Super Plus)
Fahrzeugbreite
2.096 mm (inkl. Spiegel – Passt in die Baustelle!)
Basispreis (Schätzung DE)
ab 107.850 € (Auslieferung ab Sommer 2026)
Audi RS 5 Avant - Bild 1
Foto: Audi AG

Unterhalt und Steuern: Das 0,5-Prozent-Schlupfloch (TCO)

Der Basispreis von fast 108.000 Euro ist eine massive Ansage, die mit den begehrten Kreuzen in der Aufpreisliste (Keramikbremsen, Carbon-Pakete) mühelos eskaliert. Doch für den deutschen Flottenmarkt ist dieses Auto ein hochkalkulierter, genialer Schachzug: Audi liefert eine brutale Fahrmaschine, die auf dem WLTP-Papier so unglaublich grün ist (CO2-Ausstoß von 88 bis 102 g/km), dass sie den heimischen Finanzämtern Tränen der Verzweiflung in die Augen treiben dürfte.

Dank der elektrischen Norm-Reichweite von über 80 Kilometern profitiert der neue RS 5 in Deutschland (anders als der Mercedes-AMG C 63) vollumfänglich von der massiven 0,5-Prozent-Dienstwagenversteuerung. Wer das Budget des Arbeitgebers und eine Tankkarte für die Firma hat, findet aktuell absolut keinen faszinierenderen Daily-Driver auf dem Markt. Wer den Wagen privat kauft und finanziert, muss hingegen mit extremen Wertverlusten in den ersten drei Jahren rechnen, wie sie für starke PHEVs in der Luxusklasse typisch sind.

Design, Abmessungen & der Baustellen-Schweiß

Wenn man auf diesen Wagen zugeht, wird sofort unmissverständlich klar, dass Audi Sport beim Design absolut keine Gefangenen gemacht hat. Der RS 5 kauert tief auf dem Asphalt und trägt einen derart stark verbreiterten Bodykit (ausgestellte Radhäuser), dass die zivilen A5-Modelle daneben fast schon magersüchtig und zierlich wirken. Die dunklen Matrix-LED-Scheinwerfer verfügen nun über eine RS-spezifische, digitale Tagfahrlicht-Signatur im „Checkered-Flag“-Design (Zielflagge). Das sieht im Rückspiegel des Vordermanns derart aggressiv aus, dass die linke Spur auf der Autobahn faktisch wie von Geisterhand frei wird.

Der Baustellen-Nervenkitzel: Doch diese extreme optische Dominanz hat im Pendler-Alltag ihren Preis. Auf der A9 hinter Nürnberg fahre ich in eine langgezogene Autobahnbaustelle. Das Schild „2,1 Meter Breite“ auf der linken Spur taucht auf. Kann er das legal? Ja, aber es wird nasskalt auf der Stirn! Mit ausgeklappten Spiegeln füllt der RS 5 exakt 2.096 Millimeter der Spur aus. Damit bleiben furchteinflößende vier Millimeter gesetzliche Luft auf der linken Spur. Wer hier nicht über hundert Prozent Konzentration verfügt, verewigt die sündhaft teuren Felgen unwiderruflich an der Betonleitwand. Im Parkhaus am Münchner Flughafen folgt dann die nächste Herausforderung: Die Übersichtlichkeit nach hinten ist bauartbedingt schlecht, man muss sich blind auf die hochauflösenden 360-Grad-Kameras verlassen.

Audi RS 5 Avant - Bild 3
Foto: Audi AG

Innenraum: Touchscreen-Wahn und harte Plastik-Tatsachen

Ich öffne die schwere Tür und lasse mich in die wunderbar tief montierten Sportsitze fallen. Doch beim Blick auf das Armaturenbrett folgt Ernüchterung: Die Zeiten der klassischen, perfekten analogen Audi-Bedienung sind auch bei Audi Sport endgültig vorbei. Ein riesiges, gebogenes Doppel-Display dominiert das extrem reduzierte Cockpit.

Der qualitative Klopftest: Oben am Armaturenbrett und an den Türbrüstungen fühlt sich alles extrem hochwertig an, das Nappaleder ist griffig, die roten RS-Nähte sind perfekt und lasergenau verarbeitet. Aber wehe, die Hand rutscht in die tieferen Regionen der Türverkleidung hinab – dort klopfe ich plötzlich auf schnödes, kratzempfindliches Hartplastik, das in einem Auto der 100.000-Euro-Liga absolut nichts zu suchen hat.

Ergonomie-Desaster ISA: Was im Alltag jedoch wirklich und dauerhaft nervt, ist die Software. Nahezu jede Funktion wurde zwingend in den Touchscreen verbannt. Um die Klimaanlage bei Tempo 160 auf der Autobahn nachzujustieren, muss man den Blick unangenehm lange von der Straße nehmen. Noch schlimmer: Bei exakt 51 km/h im Stadtverkehr meldet sich der EU-vorgeschriebene ISA-Warner (Intelligent Speed Assistance) sofort mit einem extrem schrillen, nervenden Piepen. Um diesen akustischen Terrornerv zu deaktivieren, muss man vor absolut jeder neuen Fahrt tief und umständlich in die Untermenüs des Displays eintauchen. Das macht auf Dauer aggressiv.

Im Fond muss der Avant beweisen, ob er den Spagat zur Familienkutsche schafft. Ich setze mich „hinter mich selbst“ (1,85 m) und finde tadellose Beinfreiheit. Die Isofix-Halterungen sind perfekt erreichbar, der Kindersitz rastet mühelos ein. Der Kofferraum offenbart jedoch den hohen Tribut der Hybridtechnik: Die Batterie im Unterboden beansprucht spürbar Platz in der Ladehöhe. Für den großen Bugaboo-Kinderwagen und zwei Reisekoffer reicht es zwar, aber wer den alten RS 4 kennt, wird das verlorene Ladevolumen bitter vermissen.

Antrieb und Fahrdynamik: Fahrleistungen wie ein Supercar

Das wahre, mechanische Herz dieses Autos schlägt unter der Haube – und elektrisch im Unterboden. Audi kombiniert hier den bekannten 2,9-Liter-V6-Biturbo (510 PS) mit einem extrem mächtigen E-Motor, der weitere 130 kW in den Ring wirft.

  • Die Längsdynamik: Das Gesamtergebnis ist eine geradezu absurde Systemleistung von 639 PS und ein Drehmomentgebirge von gewaltigen 825 Newtonmetern. Drückt man das Fahrpedal auf dem unlimitierten Stück der A9 durch, passiert das Unfassbare: Der E-Motor überbrückt das noch vorhandene, winzige Turboloch des V6 in wenigen Millisekunden. Der RS 5 katapultiert sich völlig verzögerungsfrei in echten 3,6 Sekunden auf Tempo 100. Der brachiale Schub reißt auch jenseits der 200er-Marke nicht ab, erst bei optionalen 285 km/h setzt die Elektronik dem gewalttätigen Treiben ein Ende.
  • Die Querdynamik: Doch kann dieses schwere Monster (fast 2,3 Tonnen Leergewicht!) auch Kurven? Die erstaunliche Antwort lautet: Ja. Dank der völlig neuen „Dynamic Torque Control“ im hinteren Transaxle lenkt der Kombi derart spitz und aggressiv ein, dass man das massive Batterie-Gewicht in Kurven schlichtweg vergisst. Er kaschiert die Physik durch reine Rechenleistung und perfekte mechanische Sperren.
Audi RS 5 Avant - Bild 5
Foto: Audi AG

Die harte Realität an der Steckdose

Wo viel Licht ist, da ist auch extrem viel Schatten. Audi gibt für den PHEV-Avant einen sensationellen WLTP-Verbrauch von unter 4,5 Litern an. Klartext: Das ist ein völliges Labor-Märchen, das nur für die ersten 100 Kilometer gilt.

Die Netto-Batteriekapazität von 22 kWh reicht im echten Leben auf der Landstraße bei normaler Fahrt nicht für die versprochenen 84 Kilometer, sondern realistisch eher für knapp 65 Kilometer. Ist der schwere Akku einmal leer und man nutzt den V6-Biturbo auf der Autobahn artgerecht, klettert der Bordcomputer absolut rasant in Richtung der 11-Liter-Marke (Super Plus).

Das Lade-Versagen: Wenn Sie dann laden wollen, folgt die nächste Hürde. Das Aufladen an der heimischen Wallbox oder öffentlichen Säule dauert mit mickrigen 11 kW Ladeleistung (AC) quälende 2,5 Stunden. Eine zeitgemäße, schnelle DC-Schnellladefunktion (wie sie etwa Range Rover oder VW im PHEV anbieten) glänzt in der Preisliste durch peinliche Abwesenheit. Auf der Langstrecke ist das elektrische System somit nutzloser Ballast.

Konkurrenz-Check

Wer schlägt den brachialen Hybrid-RS im deutschen Premium-Duell?

Feature
Audi RS 5 Avant PHEV
Mercedes-AMG C 63 S T-Modell
BMW M3 Touring (Competition)
Motor
2.9L V6 Biturbo + E-Motor
2.0L 4-Zylinder + E-Motor
3.0L R6 Biturbo (Reiner Verbrenner)
Systemleistung
639 PS
680 PS
530 PS
0-100 km/h
3,6 s
3,4 s
3,6 s
E-Reichweite
WLTP: 84 km (0,5% Steuer)
WLTP: 13 km (Vollversteuerung)
Keine Batterie
Gewicht
ca. 2.250 kg
ca. 2.190 kg
ca. 1.940 kg (Dynamik-Sieger)
Basispreis (DE)
ab ca. 107.850 €
ab ca. 116.000 €
ab ca. 106.000 €

Analyse: Der Mercedes-AMG C 63 S E-Performance bietet auf dem nackten Papier noch etwas mehr Leistung, scheitert in der harten Realität aber an seinem emotionslosen Vierzylinder-Klang und einer lächerlich geringen Elektro-Reichweite (13 km), die ihm in Deutschland alle rettenden Steuervorteile verwehrt. Der Audi-V6 ist hier der weitaus emotionalere und klügere Plug-in-Antrieb. Der BMW M3 Touring ist hingegen der absolute Purist in dieser Runde. BMW verzichtet beim M3 weiterhin auf den Stecker, spart sich das Akkugewicht und liefert den rohesten, dynamischsten Reihensechser der Klasse. Wer das Auto rein privat kauft und den ultimativen mechanischen Grip sucht, nimmt zwingend den extrem agilen BMW. Wer das Auto jedoch über die Firma leasen kann, greift aus steuerlichen Gründen zwingend zum stark subventionierten Audi.

Audi RS 5 Avant - Bild 7
Foto: Audi AG

Pro & Contra

  • ✅ Pro: Brutale, übergangslose Kraftentfaltung dank E-Boost (825 Nm dämmen das Turboloch extrem ein).
  • ✅ Pro: Stark subventionierte 0,5%-Dienstwagenversteuerung durch die hohe Batterie-Reichweite.
  • ✅ Pro: Herausragende, Physik-kaschierende Querdynamik durch die neue Dynamic Torque Control.
  • ✅ Pro: Breite von unter 2,10 Metern (inkl. Spiegel) erlaubt knapp die legale Nutzung der linken Baustellenspur.
  • ❌ Contra: Sehr hoher Basispreis, der mit Kreuzen in der Aufpreisliste völlig eskaliert.
  • ❌ Contra: Absolut unverständlich: Keine Gleichstrom-Schnellladefunktion (DC) im Auto verbaut.
  • ❌ Contra: Sehr umständliche, rein Touch-basierte Bedienung von Klimaanlage und dem extrem nervigen ISA-Warner.
  • ❌ Contra: Viel hartes, kratzempfindliches Plastik im unteren Bereich der Türverkleidungen.

Fazit von Alex Wind: Brachialer Leistungshybrid für Sportwagen-Vielfahrer

Alex Wind meint: Der Audi RS 5 Avant meistert den Spagat aus brachialer Längsdynamik und steuerlich attraktiver Teilelektrifizierung souverän. Das Mehrgewicht der Hybridbatterie spürt man zwar in engen Kehren, doch der Allradantrieb mit Sportdifferenzial kaschiert die Kilos meisterhaft.

Ich gebe völlig unumwunden zu: Ich war fest bereit, diesen neuen Hybrid-RS aus tiefstem Herzen zu hassen. Ein Performance-Kombi, der die Waage mit deutlich über zwei Tonnen massiv belastet und an der Steckdose nuckeln muss, klang für mich wie das endgültige, traurige Ende des reinen mechanischen Fahrspaßes. Doch die Realität auf der Straße hat mich eines Besseren belehrt. Der furiose V6-Biturbo harmoniert derart erschreckend perfekt mit dem kräftigen Elektromotor, dass dieser endlose, turbofreie Durchzug auf der Autobahn förmlich süchtig macht.

Ja, der Einstiegspreis von knapp 108.000 Euro ist eine absolute finanzielle Ansage. Und ja, das umständliche Touchscreen-Layout im Innenraum samt diesem ständigen Piepen des EU-Tempowarners raubt mir im Alltag den letzten Nerv. Aber rein strategisch betrachtet ist dieses Auto für den deutschen Markt ein absolut genialer Schachzug: Audi liefert eine brutale, unvernünftige Fahrmaschine, die auf dem Steuerpapier so tiefgrün gerechnet wurde, dass sie den Finanzämtern Tränen der Verzweiflung in die Augen treibt. Wer das Budget und eine Ladekarte für die eigene Firma hat, findet 2026 aktuell definitiv keinen faszinierenderen Daily-Driver.

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