Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als wir über den Kühlergrill des 7ers gelacht haben? Diese Zeiten sind vorbei. Wenn Ende 2025 ein BMW i7 im Rückspiegel auftaucht, lacht niemand mehr. Man macht Platz. Der i7 hat sich etabliert. Er ist das dominante Statement der deutschen Oberklasse. Während der Mercedes EQS immer noch aussieht wie ein rundgelutschtes Stück Seife (auch mit dem Stern auf der Haube), ist der i7 eine rollende Burg. Zum Modelljahr 2026 hat BMW die Technik verfeinert: Der „Personal Pilot L3“ erlaubt nun autonomes Fahren in noch mehr Situationen, und die Motoren wurden effizienz-optimiert. Aber die Kernfrage bleibt: Kann ein Elektroauto, das auf einer Verbrenner-Plattform basiert und „nur“ 400-Volt-Technik nutzt, wirklich die Speerspitze der Technologie sein? Ich habe mich auf den Rücksitz gesetzt, den 31-Zoll-Monitor heruntergefahren und die Welt ausgesperrt.
Level 3: Endlich legal E-Mails schreiben
Der „BMW Personal Pilot L3“ erlaubt es dem Fahrer, bei Geschwindigkeiten bis 60 km/h (technisch vorbereitet für 95 km/h, je nach Gesetzeslage Ende 2025) auf Autobahnen die Hände vom Lenkrad zu nehmen und den Blick von der Straße abzuwenden. Das System übernimmt die volle Haftung.
Das ist der wahre Luxus. Nicht das Leder, nicht das Gold. Sondern Zeit. Ich stand im Stau auf dem Münchner Ring. Normalerweise ist das verlorene Lebenszeit. Im i7 2026 aktivieren Sie den Pilot, das Lenkrad leuchtet türkis, und Sie drehen sich zum Beifahrer oder schauen Netflix auf dem Zentraldisplay. Es funktioniert gespenstisch gut. Der Wagen fädelt sich ein, bremst sanft, hält die Spur. Mercedes hatte es zuerst, aber BMW hat es (subjektiv) geschmeidiger abgestimmt. Wenn Sie Geschäftsführer sind, ist dieses Feature allein die 6.000 Euro Aufpreis wert. Es verwandelt den Stau in Arbeitszeit.
Der Theater-Screen: Gimmick oder Geniestreich?
Im Fond wartet optional der 31,3-Zoll „BMW Theatre Screen“, der aus dem Dachhimmel fährt. Er bietet 8K-Auflösung, Amazon Fire TV Integration und Surround Sound.
Ich gebe es zu: Als ich das 2022 zum ersten Mal sah, hielt ich es für Blödsinn. Jetzt, 2026, liebe ich es. Es ist der „Wow-Effekt“, den keine S-Klasse bieten kann. Wenn Sie Kunden abholen, drücken Sie auf dem kleinen Touch-Display in der Tür auf „Cinema Mode“. Die Rollos fahren hoch, der Bildschirm fährt runter, Hans Zimmer Sound ertönt. Das ist Showbusiness. Aber es gibt einen Haken: Wenn der Fahrer groß ist und den Sitz weit hinten hat, sitzt der Bildschirm sehr nah vor Ihrem Gesicht. Und der Rückspiegel des Fahrers wird nutzlos (dafür gibt es aber jetzt den digitalen Spiegel). Trotzdem: Es ist das Feature, das den i7 vom „Auto“ zum „Erlebnis“ macht.
Antrieb: xDrive60 reicht völlig (vergessen Sie den M70)
Der i7 xDrive60 leistet 400 kW (544 PS) und bietet eine WLTP-Reichweite von bis zu 625 km. Der i7 M70 leistet 660 PS, kostet aber deutlich mehr.
Sparen Sie sich den M70. Der i7 ist kein Sportwagen. Er wiegt 2,7 Tonnen. Der „normale“ xDrive60 beschleunigt in 4,7 Sekunden auf 100 km/h. Das ist schnell genug, um jedem Vertreter-Diesel davonzufahren. Viel wichtiger ist die Souveränität. Der Elektroantrieb passt perfekt zu diesem Schiff. Er ist lautlos, vibrationsfrei und hat immer Drehmoment. Die Wankstabilisierung (Executive Drive Pro) hält den Wagen in Kurven gerade, aber man spürt die Masse. Er will gleiten, nicht rasen. Und beim Gleiten ist er unschlagbar.
Die 400-Volt-Frage: Ein Problem?
Der i7 basiert auf der CLAR-Plattform und nutzt ein 400-Volt-System. Die Ladeleistung liegt bei maximal 195 kW. Ein Audi e-tron GT lädt mit 320 kW (800 Volt).
Auf dem Papier ist das eine Niederlage. In der Praxis? Jein. BMW hat die Ladekurve exzellent programmiert. Der i7 hält die 195 kW lange und fällt nur langsam ab. Sie laden in 30 bis 34 Minuten von 10 auf 80%. Ein 800-Volt-Auto schafft das in 20 Minuten. Die Frage ist: Stört Sie das? Wenn Sie auf der Langstrecke eh im Fond sitzen und einen Film schauen oder Mails beantworten, sind 10 Minuten mehr Pause egal. Wenn Sie es eilig haben, nervt es. Für ein Auto, das 2026 als „Technologieträger“ verkauft wird, ist 400 Volt eigentlich zu wenig. Aber BMW kaschiert es mit einer perfekten Ladeplanung und Vorkonditionierung.
Preis & Wert: Luxus hat seinen Preis
Ein gut ausgestatteter i7 xDrive60 kostet 2026 schnell 160.000 Euro. Der Wertverlust im ersten Jahr ist (wie bei allen Luxus-EVs) gigantisch.
Mein Rat: Leasen Sie ihn. Oder kaufen Sie einen Jahreswagen. Ein i7, der ein Jahr alt ist, kostet oft nur noch 100.000 Euro. Das ist immer noch viel Geld, aber für das gebotene Niveau an Komfort und Verarbeitung ein fairer Deal. Die Materialien (Kaschmir-Wolle in den Sitzen!) sind eine haptische Sensation und lassen Tesla wie Dacia wirken.
Der Gipfel der Elektromobilität
Feature | BMW i7 xDrive60 (2026) | Mercedes EQS 580 (Facelift) | Lucid Air Grand Touring |
Leistung | 544 PS | 544 PS | 819 PS |
Akku (Netto) | 101,7 kWh | 118 kWh | 112 kWh |
Reichweite (WLTP) | ca. 620 km | ca. 750 km | ca. 830 km |
System | 400 Volt | 400 Volt | 900 Volt |
Laden | 195 kW | 200 kW | 300 kW+ |
Fond | Kino (31 Zoll) | Tablet | Standard |
Charakter | Fahrmaschine & Lounge | Sänfte & Reichweite | Tech-Pionier |
Preis (Real) | ca. 145.000 € | ca. 150.000 € | ca. 130.000 € |
Fazit: Das beste Auto der Welt (für Passagiere)
Der BMW i7 (2026) ist vielleicht nicht das effizienteste Elektroauto (das ist der Lucid). Er ist auch nicht der Reichweiten-König (das ist der EQS). Aber er ist das beste Luxus-Erlebnis. Die Kombination aus automatischen Türen (die sich auf Knopfdruck öffnen), dem Theater-Screen und dem absolut entkoppelten Fahrwerk ist einzigartig. Er ist ein Statement gegen den Minimalismus. Er ist maximalistisch. Wenn Sie das Geld haben und nicht selbst fahren müssen (oder im Stau den Pilot nutzen): Es gibt derzeit keinen besseren Ort, um Zeit zu verbringen, als den Fond eines i7.



















