Wenn Sie einen großen, siebensitzigen SUV suchen, der nicht an jeder Ecke steht, ist die Auswahl in Deutschland klein. Der Infiniti QX60 war lange der Geheimtipp für US-Car-Fans, die keinen Cadillac Escalade wollten. Er war hübsch, er war bequem, aber technisch etwas… nun ja, angestaubt. Das ändert sich jetzt. Mit dem Modelljahr 2026 rollt der QX60 als Import zu uns – und er hat Hausaufgaben gemacht. Das alte Infotainment ist rausgeflogen, ersetzt durch ein modernes Google-System. Es gibt eine neue „Sport“-Ausstattungslinie, die den Chrom-Barock durch düsteres Schwarz ersetzt. Aber der Elefant im Raum ist kleiner geworden – buchstäblich. Der geliebte 3.5-Liter-V6 ist tot. Stattdessen arbeitet unter der Haube der 2.0-Liter-VC-Turbo-Vierzylinder. Ein Vierzylinder in einem 5-Meter-Schiff für über 70.000 Euro? Ich habe den Exoten gefahren, um zu klären: Ist das Downsizing ein Geniestreich oder der Grund, doch lieber einen gebrauchten BMW X5 zu kaufen?
Der Motor: 4 Zylinder gegen 2,2 Tonnen
Der QX60 wird ausschließlich vom 2.0-Liter VC-Turbo (Variable Compression) angetrieben. Er leistet 200 kW (272 PS) und 388 Nm Drehmoment. Gekoppelt an eine 9-Gang-Automatik (kein CVT mehr!).
Lassen Sie uns ehrlich sein: Wenn Sie den Startknopf drücken, fehlt etwas. Kein sonores V6-Grummeln mehr. Der Vierzylinder klingt im Leerlauf… unauffällig. Fast schon zu brav. Aber die Technik ist faszinierend. Der Motor ändert physikalisch seine Verdichtung, um entweder effizient (Autobahn) oder kräftig (Ampelstart) zu sein. Und in der Praxis? Er schlägt sich wacker. Dank der 9-Gang-Automatik (danke, Nissan, dass das CVT weg ist!) fühlt sich der Wagen spritzig an. Bis Tempo 100 vermisst man den V6 kaum. Das Drehmoment liegt früher an. Aber auf der deutschen Autobahn, jenseits von 160 km/h, geht ihm die Puste aus. Wo ein BMW X5 xDrive40i oder ein Audi Q7 50 TDI souverän weiterschieben, wirkt der Infiniti angestrengt. Er ist ein Cruiser für Richtgeschwindigkeit, kein Jäger. Der Verbrauch? Real 10 bis 11 Liter. Das ist okay, aber kein Diesel-Niveau.
Cockpit & Google: Endlich im Jahr 2026 angekommen
Das Modelljahr 2026 bringt zwei riesige 12,3-Zoll-Screens und Google Built-in. Das bedeutet: Google Maps, Assistant und Play Store sind nativ integriert.
Das war die Rettung. Das alte System war langsam und grafisch auf dem Stand von 2015. Das neue System fliegt. „Hey Google, navigiere mich nach Sylt.“ Zack, Route da. Inklusive Stauumfahrung in Echtzeit. Die Bildschirme sind gestochen scharf. Und Infiniti hat – Gott sei Dank – die haptischen Klimaregler behalten. Man muss nicht im Touchscreen wühlen, um die Sitzheizung zu aktivieren. Besonders in der neuen „Autograph“-Ausstattung mit gestepptem Semianilin-Leder und offenporigem Holz fühlt sich der Innenraum verdammt hochwertig an. Es ist dieser „warme“ Luxus, den deutsche Hersteller oft gegen kalten Techno-Chic tauschen.
Platz & Komfort: Die „Captain’s Chairs“ sind Pflicht
Der QX60 ist einer der wenigen SUVs seiner Klasse, der in der zweiten Reihe „Captain’s Chairs“ (Einzelsitze) anbietet, die man samt Kindersitz nach vorne klappen kann, um in die dritte Reihe zu kommen.
Das ist der USP. Wenn Sie drei oder vier Kinder haben, ist dieses Auto ein Segen. Der Zugang zur dritten Reihe ist kinderleicht. Und hinten können tatsächlich Menschen sitzen, die Beine haben. Nicht für 800 km, aber für den Ausflug zum See reicht es. Der Fahrkomfort ist typisch amerikanisch: Weich, schluckfreudig, entkoppelt. Er bügelt deutsche Schlaglöcher weg, als wären sie nicht da. In Kurven wankt er, ja. Aber wer mit diesem Auto rasen will, hat das Konzept nicht verstanden. Es ist eine Familien-Lounge.
Preis & Import: Die harte Rechnung
Offiziell gibt es Infiniti in Europa nicht mehr. Über Importeure (z.B. AEC oder Geiger) liegt ein 2026er QX60 Autograph zulassungsfertig bei ca. 75.000 bis 85.000 Euro.
Hier wird die Luft dünn. Für 85.000 Euro bekommen Sie einen jungen BMW X5 30d oder einen Audi Q7. Die Deutschen bieten:
- Bessere Motoren (Sechszylinder!).
- Ein dichtes Werkstattnetz.
- Höheren Wiederverkaufswert. Der Infiniti bietet:
- Exklusivität (Sie sind der Einzige).
- Bessere Ausstattung (alles drin, was bei Audi 20.000 € extra kostet).
- Ein Design, nach dem sich Leute umdrehen.
Der Exoten-Check
Feature | Infiniti QX60 Autograph (Import) | Audi Q7 45 TFSI | Volvo XC90 B5 |
Motor | 2.0L R4 Turbo (272 PS) | 2.0L R4 Turbo (265 PS) | 2.0L R4 Turbo (250 PS) |
Zylinder | 4 (Variable Compression) | 4 | 4 |
Infotainment | Google Built-in (Neu) | MMI Touch | Google Built-in |
Sitzplätze | 6 oder 7 (Top Zugang) | 5 oder 7 (Enger) | 7 |
Charakter | US-Lounge, weich | Technisch, perfekt | Skandinavisch, kühl |
Exklusivität | Extrem Hoch | Massenware | Mittel |
Preis (Real) | ca. 80.000 € | ca. 85.000 € | ca. 82.000 € |
Fazit: Für Familien, die den Mainstream hassen
Der Infiniti QX60 (2026) ist kein Auto für den typischen deutschen Dienstwagenfahrer. Der Vierzylinder ist auf der Autobahn nur „ausreichend“, und das fehlende Händlernetz ist ein Risiko. Aber für Privatkäufer, die Platz brauchen und den aggressiven Look der deutschen Konkurrenz satt haben, ist er eine Oase. Er ist wunderschön, innen extrem wohnlich und dank Google-Update endlich zukunftssicher. Wenn Sie ihn kaufen, nehmen Sie die Ausstattung „Autograph“ in „Deep Bordeaux“ (Zweifarblackierung). Wenn schon Exot, dann richtig.




























