Es ist still geworden um Jaguar. Totenstill. Seit fast zwei Jahren hat die britische Traditionsmarke keine neuen Autos mehr gebaut. Der I-Pace? Weg. Der F-Type? Geschichte. Die Händler hatten nichts zu verkaufen. Warum? Weil Jaguar den „Reset“-Knopf gedrückt hat. „Copy Nothing“ (Kopiere nichts) war der kontroverse Slogan Ende 2024. Jetzt, im Februar 2026, sehen wir das Ergebnis. Das erste Modell der neuen Ära: Ein elektrischer 4-Türer GT. Er will nicht mehr mit BMW und Audi spielen. Er will Bentley und Porsche angreifen. Er kostet sechsstellig. Er sieht aus wie nichts anderes auf der Straße. Ist das der Befreiungsschlag oder der letzte Nagel im Sarg der Raubkatze? Ich durfte einen ersten, exklusiven Blick auf den „Neuen“ werfen.
Design: Brutalismus statt Retro-Kitsch
Vergessen Sie alles, was Sie über Jaguar wissen. Keine geschwungenen Hüften wie beim E-Type. Kein Chrom-Grill wie beim XJ. Der neue Jaguar GT ist monolithisch.
- Die Front: Der Kühlergrill ist weg. Stattdessen gibt es eine extrem flache, breite „Maske“ mit ultra-dünnen Lichtschlitzen. Das neue Logo (der geschriebene „j a g u a r“ Schriftzug) ist beleuchtet.
- Die Proportionen: Die Haube ist endlos lang (obwohl da kein V12 drunter steckt). Die Kabine ist weit nach hinten gerückt („Cab backward“).
- Das Heck: Hier wird es wild. Es gibt – wie beim Polestar 4 – keine Heckscheibe. Ein Kamerasystem übernimmt die Sicht. Dafür ziehen sich horizontale Lamellen über die gesamte Breite. Er sieht aus wie ein Art-Deco-Block aus einem Cyberpunk-Film. Manche werden es hassen. Andere werden es lieben, weil es endlich wieder mutig ist. Er ist riesig (über 5 Meter), wirkt aber flacher als ein Porsche Taycan.
Innenraum: Lounge statt Cockpit
Die Türen öffnen sich gegenläufig (noch unbestätigt für Serie, aber im Preview so gezeigt). Innen herrscht Leere. Positive Leere. Jaguar nennt es „Sanctuary“ (Zufluchtsort). Es gibt kein riesiges „Hyperscreen“-Display wie bei Mercedes. Die Informationen werden auf eine „Crystal Bar“ projiziert, die sich über das Armaturenbrett zieht. Die Materialien sind radikal neu: Kein Wurzelholz. Stattdessen recycelter Marmorstaub(!), Kvadrat-Stoffe und kühles Aluminium. Die Sitze sind eher Sessel. Hinten sitzt man wie in einer First-Class-Lounge. Es riecht nicht nach Leder, sondern nach teurem Parfüm (ein integrierter Duftspender). Es ist klar: Hier geht es um Luxus, nicht um Rundenzeiten.
Technik: Die JEA-Plattform
Unter dem extravaganten Kleid steckt die brandneue JEA (Jaguar Electric Architecture). Die Daten, die die Ingenieure mir zuflüstern, sind beeindruckend:
- Reichweite: Ziel sind 700 km (WLTP).
- Leistung: Das „Einstiegsmodell“ startet bei ca. 423 kW (575 PS). Die Top-Version soll über 800 PS haben.
- Laden: Das ist der Key-Factor. 800-Volt-System (vielleicht sogar 900V?). Jaguar verspricht: 300 km Reichweite in 15 Minuten. Das Fahrwerk? Luftfederung ist Serie, gekoppelt mit einer aktiven Wankstabilisierung. Der GT soll schweben, nicht hoppeln.
Die Markt-Position: Ein gefährliches Spiel
Jaguar positioniert diesen Wagen bei ca. 120.000 bis 150.000 Euro. Damit verlässt man den Markt von BMW i5 und Mercedes EQE. Man zielt direkt auf:
- Porsche Taycan Turbo
- Audi e-tron GT
- Bentley Continental GT (Zukunft) Das Risiko: Wer 130.000 Euro ausgibt, greift oft zur „sicheren Bank“ (Porsche). Jaguar muss beweisen, dass die Qualität stimmt. Die Spaltmaße beim Preview-Modell waren perfekt, aber es war handgebaut. Die Händlerstruktur wird ausgedünnt. Man kauft den Jaguar künftig in „Boutiquen“, nicht im Autohaus am Industriegebiet.
Technische Daten (Prognose 2026)
Datenpunkt | Jaguar GT (JEA) – 2026 Preview | Alex Wind Kommentar |
Plattform | JEA (Jaguar Electric Architecture) | Exklusiv für Jaguar, nicht für Land Rover. |
Leistung | ca. 600 – 850 PS | Power im Überfluss. |
Reichweite | bis zu 700 km | Muss er schaffen, um GT zu sein. |
Länge | ca. 5,10 Meter | S-Klasse Format. |
Design | Heckscheibenlos / Brutalistisch | Polarisierend wie der Cybertruck, aber edel. |
Preis | ab 125.000 € | Der Preisschock für Alt-Kunden. |
Marktstart | Ende 2026 | Bestellbücher öffnen bald. |
Pro & Contra (Ersteinschätzung)
- ✅ Mut: Endlich kein „me too“-Design mehr. Ein Jaguar, der auffällt.
- ✅ Exklusivität: Sie werden diesen Wagen selten sehen. Das macht ihn begehrlich.
- ✅ Tech: Die JEA-Plattform scheint auf dem Papier extrem leistungsfähig (Ladespeed).
- ❌ Preis: Die Stammkundschaft (die XF oder F-Pace fuhr) wird abgehängt.
- ❌ Risiko: Wenn das Design floppt, gibt es keinen Plan B.
- ❌ Bedienung: Hoffentlich wird die „Crystal Bar“ nicht zu verspielt.
Fazit: Alex Wind meint…
Ich habe vor dem neuen Jaguar GT gestanden und hatte Gänsehaut. Nicht, weil er „schön“ ist im klassischen Sinne. Sondern weil er kompromisslos ist. Jaguar hat realisiert: „Wir können gegen die deutsche Premium-Liga im Massenmarkt nicht gewinnen.“ Also machen sie etwas ganz anderes. Der neue GT ist Kunst. Er ist für den Architekten, der keinen Porsche will. Für den Designer, dem ein Bentley zu protzig ist. Wenn er so fährt, wie er aussieht – souverän, leise, kraftvoll – dann könnte die Wette aufgehen. Jaguar ist tot. Lang lebe Jaguar.
FAQ
1. Wie heißt das Auto eigentlich? Jaguar hält den Namen noch geheim. Gerüchte sprechen von einer Rückkehr des Namens „XJ“ oder schlicht „Jaguar GT“. Manche spekulieren auf „I-Type“.
2. Was ist mit dem springenden Jaguar (Leaper)? Er ist zurück! Aber nicht als Kühlerfigur (Verletzungsgefahr), sondern als stilisiertes „Makers Mark“ an der Seite und im Innenraum. Das Hauptlogo ist aber der neue Schriftzug.
3. Wo wird er gebaut? Im Stammwerk in Solihull (UK). Jaguar bekennt sich voll zur britischen Produktion.

















