Kia EV2 (2026) im Test: Der „Volks-Kia“ – Killer für Renault 5 und VW ID.2?

Lange haben wir gewartet. Tesla hat das „25.000-Euro-Auto“ immer wieder verschoben. VW hat mit dem ID.2 gekämpft. Und Kia? Die haben einfach gemacht. Der Kia EV2 ist da. Er ist der inoffizielle Nachfolger des Kia Rio und des kultigen Kia Soul. Er ist klein (4,00 Meter). Er ist kantig. Und er kostet in der Basis tatsächlich unter 25.000 Euro. Im Jahr 2026 ist das Segment der elektrischen Kleinwagen endlich explodiert. Der Renault 5 ist der schicke Franzose, der Citroën ë-C3 der Preisbrecher. Wo ordnet sich der Koreaner ein? Ist er der „Golf“ der kleinen E-Autos – vernünftig, gut, aber vielleicht etwas langweilig? Ich bin den kleinsten Stromer der „Plan S“-Strategie gefahren.

Design: Ein geschrumpfter EV9

Kia nennt die Designsprache „Opposites United“. Ich nenne es: Lego für Erwachsene. Der EV2 sieht aus, als hätte man einen riesigen EV9 zu heiß gewaschen. Und das ist ein Kompliment! Er ist boxy. Er hat Kanten. Er steht aufrecht da. Anders als der rundliche Renault 5 wirkt der EV2 robust, fast wie ein winziger SUV. Der Parkplatz-Check: Mit genau 4 Metern Länge ist er so kurz wie ein VW Polo. Aber dank der Kastenform ist er ein Raumwunder. Die Übersichtlichkeit ist grandios (senkrechte Heckscheibe!). Man weiß genau, wo das Auto aufhört. Parksensoren braucht man fast nicht (hat er aber).

Innenraum: Plastik-Fantastik mit Charme

Wer 25.000 Euro bezahlt, darf kein S-Klasse-Leder erwarten. Ja, im EV2 gibt es viel Hartplastik. Die Türverkleidungen, das Armaturenbrett unten – alles klopffest. Aber: Kia kaschiert es clever. Es gibt Stoffe aus recyceltem PET, coole Texturen und helle Farben. Es wirkt nicht billig, sondern modern und robust („IKEA-Style“). Das Cockpit: Zwei 12,3-Zoll-Screens (in den höheren Ausstattungen) verschmelzen zu einem Panel. Die Software ist die gleiche wie in den großen Brüdern (ccNC). Sie ist schnell, hat Routenplanung mit Ladestopps und Over-the-Air Updates. Gott sei Dank: Es gibt echte Tasten für die wichtigsten Funktionen unter dem Screen (Home, Map, Media) und – Trommelwirbel – echte Schalter für die Klimaanlage! Platzangebot: Der Radstand ist riesig für die Kürze. Vorne sitzt man luftig (kein Mitteltunnel). Hinten können zwei Erwachsene (bis 1,80m) sitzen, ohne den Kopf einzuziehen (dank der Kastenform). Der Kofferraum: 320 Liter. Das ist Polo-Niveau. Durch den doppelten Boden entsteht eine ebene Fläche beim Umklappen. Einen Frunk (vorderer Kofferraum) gibt es auch – klein, aber er reicht für das Ladekabel. Das bietet der VW ID.3 bis heute nicht!

Fahrbericht: Der Stadt-König

Wir starten. Der EV2 steht auf einer vereinfachten Version der E-GMP-Plattform. Das heißt: 400-Volt-Technik (statt 800V) und Frontantrieb. Mein Testwagen hat 125 kW (170 PS). Das klingt nach viel für einen Kleinwagen. Ist es auch. Szenario Stadt: Ampelstart. Der EV2 wieselt los. 0 auf 50 km/h ist ein Wimpernschlag. Der Wendekreis ist winzig. Er macht in der Stadt unglaublich viel Spaß, weil er so handlich ist. Das Fahrwerk ist straffer als beim Citroën ë-C3, aber komfortabel genug für Kopfsteinpflaster.

Szenario Autobahn: Bis 120 km/h ist er erstaunlich leise. Vmax ist bei 150 km/h begrenzt. Der Spurhalteassistent (HDA) funktioniert so gut wie im großen EV6. Das Auto wirkt bei hohem Tempo erwachsen und liegt satt.

Verbrauch & Reichweite: Es gibt zwei Akkus: 42 kWh (LFP) und 58 kWh (NMC). Ich fahre den kleinen LFP-Akku (günstiger, langlebiger).

  • Stadt: 12,5 kWh/100km. (Hier kommt man über 300 km weit!).
  • Autobahn (120 km/h): 17,5 kWh/100km.
  • Realistische Reichweite (Mix): ca. 260 – 280 km. Mit dem großen Akku sind echte 380 km drin.

Laden: Hier merkt man den Rotstift. Keine 800-Volt-Rakete wie beim EV6. Maximal 85 kW (kleiner Akku) oder 115 kW (großer Akku). Von 10 auf 80 % dauert es 30 Minuten. Für die Langstrecke ist das okay, aber nicht rekordverdächtig. Aber mal ehrlich: Wer fährt mit dem EV2 täglich von Hamburg nach München?

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Kia EV2 „Earth“ (2026)
Alex Wind Kommentar
Antrieb
Frontantrieb (FWD)
Spart Platz und Kosten.
Leistung
125 kW (170 PS)
Die „GT-Line“ könnte noch stärker kommen.
0-100 km/h
7,9 Sekunden
Flott!
Batterie
42 kWh (LFP)
LFP ist robust und brennt quasi nicht. Top!
Laden (DC)
max. 85 kW
Klassendurchschnitt. Reicht für die Pinkelpause.
Laden (AC)
11 kW
Serie. Wallbox zuhause ist in 4h fertig.
Verbrauch (Test)
14,2 kWh/100km
Sehr effizient.
Kofferraum
320 – 1.080 Liter
+ Frunk! Sehr praktisch.
Preis (Basis)
ab ca. 24.500 €
Das Versprechen wurde gehalten.
Preis (Testwagen)
29.900 €
Mit Wärmepumpe & Navi.

Pro & Contra

  • Preis-Leistung: Viel Auto und Technik für unter 30k.
  • Design: Charakterstark („Baby EV9“) und raumeffizient.
  • Frunk: Endlich ein Kleinwagen mit Platz fürs Kabel vorne.
  • Garantie: 7 Jahre Kia-Garantie (auch auf Akku/Auto). Das Killer-Argument.
  • Laden: 400-Volt-System lädt langsamer als die großen Brüder.
  • Material: Hartplastik dominiert den Innenraum.
  • Basis-Ausstattung: In der 24.000€-Version fehlen oft Sitzheizung und Navi.

Konkurrenz-Check

  • Renault 5 E-Tech: Der Style-König. Sieht retro-schick aus, fährt sich etwas sportlicher, hat Google Automotive, ist aber oft teurer und hinten enger.
  • Citroën ë-C3: Der Preisbrecher (ab 23.300 €). Fährt komfortabler (weicher), wirkt aber innen billiger und hat veraltete Software.
  • VW ID.2all (Serienversion): Der ewige Rivale. Wird wahrscheinlich etwas wertiger im Innenraum sein, aber VW tut sich beim Preis schwer.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Kia EV2 (2026) ist der Vernunft-Sieger. Er ist nicht so emotional wie ein Renault 5. Er ist nicht so billig wie ein Dacia Spring. Aber er ist das kompletteste Paket. Er bietet Platz, moderne Software, V2L (man kann den E-Grill anschließen!) und 7 Jahre Garantie. Er ist der legitime Nachfolger des VW Golf für das Elektro-Zeitalter: Er macht alles gut, nichts falsch und passt für 90% der Menschen. Wer ein Auto sucht, um cool auszusehen, kauft den Renault 5. Wer ein Auto sucht, das einfach jeden Tag funktioniert und den Geldbeutel schont, kauft den Kia EV2. Meine Empfehlung: Nehmen Sie den LFP-Akku (hält ewig) und investieren Sie das gesparte Geld in das Winter-Paket (Wärmepumpe/Sitzheizung).

FAQ

1. Hat er Vehicle-to-Load (V2L)? Ja! Im Innenraum gibt es eine Steckdose (Option), und per Adapter kann man außen Geräte (Laptop, E-Bike) laden. In dieser Klasse ein absolutes Alleinstellungsmerkmal!

2. LFP oder NMC Akku? Der kleine Akku ist LFP (Lithium-Eisen-Phosphat). Er ist etwas schwerer, aber robuster, billiger und man darf ihn immer auf 100% laden. Für den Stadtverkehr und Pendler die bessere Wahl! Der große NMC-Akku lohnt sich nur für Langstrecken-Fahrer.

3. Ist das der Nachfolger des Kia e-Soul? Geistig ja. Der e-Soul war auch kantig und praktisch. Der EV2 übernimmt dieses Konzept, ist aber moderner, effizienter und deutlich günstiger.

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    Author: Alex Wind
    Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.