Wenn Sie heute einen Kia-Händler betreten, werden Sie sofort vom neuen EV3 angelächelt. Er ist schick, er ist elektrisch, er ist die Zukunft. Aber wenn Sie dann nach links schauen, sehen Sie einen alten Bekannten, der frisch vom Schönheitschirurgen kommt: Der Kia Sportage (Modelljahr 2026). Mit seinen neuen vertikalen „Star Map“-Scheinwerfern und dem breiteren Grill versucht er verzweifelt, so modern auszusehen wie seine elektrischen Brüder. Aber unter der Haube bleibt er konservativ. Und genau das ist seine Superkraft. Während VW beim Tiguan die Preise anzieht und Hyundai beim Tucson die Knöpfe verbannt, bleibt der Sportage der Pragmatiker. Ich bin das Facelift gefahren – als Plug-in-Hybrid und als den fast schon totgesagten Diesel. Ist der Sportage 2026 ein Auslaufmodell oder der Retter für alle, die noch nicht bereit für das Ladekabel sind?
Design & Cockpit: Curved Display trifft auf „Multi-Mode“-Frust
Das Facelift übernimmt die Designsprache des EV9: Vertikale Scheinwerfer, glattere Front. Innen dominiert das gebogene Panorama-Display (2x 12,3 Zoll) mit dem neuen „ccNC“-Betriebssystem. Die Mittelkonsole wurde aufgeräumt.
Kia hat das Auto optisch gestrafft. Er wirkt jetzt nicht mehr so verspielt wie der Vor-Facelift NQ5, sondern technischer, kühler. Das neue Infotainment ist rasend schnell. Kabelloses CarPlay ist endlich Standard in allen Versionen. Aber Kia hat leider auch das „Multi-Mode-Touch-Panel“ aus dem EV6 und Niro übernommen. Sie wissen schon: Diese schmale Leiste unter dem Bildschirm, die mal Klimaanlage und mal Radio-Steuerung ist. Sie drücken einen kleinen Knopf, und die Symbole wechseln. Ich hasse es. Im Jahr 2026 will ich blind die Temperatur ändern, ohne vorher zu prüfen, ob ich gerade versehentlich die Lautstärke auf Anschlag drehe. Es ist ein ergonomischer Rückschritt, der modern aussieht, aber im Alltag nervt. Wenn Sie damit leben können, ist der Rest des Cockpits (Verarbeitung, Sitze) allerdings tadellos.
Der Diesel: 136 PS sind genug (für die Freiheit)
Kia bietet weiterhin den 1.6 CRDi Mild-Hybrid mit 100 kW (136 PS) an. Er ist optional mit Allrad und 7-Gang-DCT erhältlich.
Hier ist der Grund, warum Sie den Sportage kaufen und nicht den EV3. Der Diesel ist kein Rennmotor. Er knurrt beim Kaltstart. Aber er schafft 900 Kilometer am Stück. Wenn Sie Außendienstler sind oder mit dem Wohnwagen nach Kroatien wollen, ist dieser Motor Gold wert. Er verbraucht real 6,0 bis 6,5 Liter (mit Allrad!). Das DCT-Getriebe schaltet im Facelift weicher als früher, die Anfahrschwäche ist dank 48-Volt-Boost fast weg. Es ist ein Antrieb aus der „alten Welt“, aber er funktioniert. Er zwingt Sie nicht zu Pausen. Er gibt Ihnen Freiheit. In einer Zeit, in der alles elektrisch wird, ist dieser Diesel ein Statement für Unabhängigkeit.
Plug-in Hybrid: Das 7,2-kW-Ärgernis
Der Sportage PHEV leistet weiterhin 265 PS Systemleistung. Der Akku hat 13,8 kWh Kapazität. Die elektrische Reichweite liegt bei ca. 70 km.
Hier hat Kia eine Chance verpasst. Das Facelift hat kein Upgrade auf 11 kW Ladeleistung erhalten. Der Sportage lädt an der Wallbox immer noch nur einphasig mit maximal 7,2 kW (oder effektiv 3,6 kW an vielen deutschen Säulen wegen Schieflastverordnung). Das bedeutet: Er blockiert die Ladesäule ewig. Ein VW Tiguan eHybrid lädt mittlerweile mit 50 kW DC schnell. Der Sportage PHEV ist damit technisch veraltet. Kaufen Sie ihn nur, wenn Sie:
- Ihn als Dienstwagen mit 0,5% versteuern.
- Eine eigene Wallbox haben und Zeit keine Rolle spielt. Für alle anderen ist der Diesel oder der Vollhybrid (HEV) die bessere Wahl.
EV3 vs. Sportage: Der Bruderkampf
Der neue Kia EV3 ist 4,30 Meter lang (Sportage: 4,51 Meter). Er kostet ähnlich viel, bietet aber dank Elektro-Plattform innen fast genauso viel Platz.
Das ist die bittere Wahrheit: Der EV3 ist das bessere Familienauto für die Stadt und das Umland. Er ist leiser, spritziger, hat einen Frunk und modernere Software. Der Sportage ist das bessere Auto für Vielfahrer und Zugfahrzeuge. Er darf mehr ziehen (bis 1.650 kg beim Diesel, der EV3 schafft weniger). Sie müssen sich entscheiden: Wollen Sie Zukunft (EV3) oder wollen Sie Reichweite ohne Planung (Sportage)?
Der Vergleich 2026
Feature | Kia Sportage 1.6 CRDi AWD (Facelift) | Kia EV3 Long Range | VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion |
Antrieb | Diesel Mild-Hybrid | Elektro | Diesel |
Leistung | 136 PS | 204 PS | 150 / 193 PS |
Reichweite | 900+ km | ca. 600 km | 1.000+ km |
Laden/Tanken | 3 Min | 30 Min | 3 Min |
Bedienung | Touch-Leiste (Nervig) | Touch-lastig | Smart Dial (Besser) |
Kofferraum | 526 – 1.715 L | 460 L + Frunk | 652 – 1.650 L |
Garantie | 7 Jahre | 7 Jahre | 2 Jahre |
Preis (Real) | ca. 42.000 € | ca. 44.000 € | ca. 48.000 € |
Fazit: Konservativ ist das neue Cool
Der Kia Sportage (2026) gewinnt keinen Innovationspreis mehr. Das 7,2-kW-Laden beim PHEV ist enttäuschend, die Touch-Leiste ist gewöhnungsbedürftig. Aber er ist ein Fels in der Brandung. Er bietet 7 Jahre Garantie, einen sparsamen Diesel und Allradantrieb zu einem Preis, bei dem VW Schnappatmung bekommt. Wenn Sie bereit sind für Elektro, kaufen Sie den EV3. Er ist das faszinierendere Auto. Aber wenn Sie einfach nur fahren wollen – weit, mit Anhänger, ohne App – dann ist der Sportage Diesel im Jahr 2026 immer noch einer der besten Deals auf dem Markt.


























