Es gab eine Zeit, da roch ein Land Rover Defender nach nassem Hund und Diesel. Diese Zeit ist lange vorbei. Aber was Land Rover mit dem Modelljahr 2026 auf die Räder gestellt hat, sprengt jede Vorstellungskraft des alten Landadels. Der neue König im Dschungel (und auf der Maximilianstraße) heißt Defender OCTA. Vergessen Sie den alten Kompressor-V8. Der OCTA ist ein technologisches Monster mit BMW-Herzen und einem Fahrwerk, das die Physik beleidigt. Er will nicht mehr nur durch den Schlamm wühlen, er will den Mercedes-AMG G 63 auf der Autobahn jagen. Gleichzeitig hat Land Rover die “zivilen” Modelle (90, 110 und den riesigen 130) renoviert. Neuer 13-Zoll-Screen, bessere Sitze und – endlich – mehr Luxus für die dritte Reihe. Ich bin das neue Flaggschiff OCTA und den Familien-Bus Defender 130 gefahren. Ist das noch ein Geländewagen oder schon ein hochgelegter Supersportwagen?
Defender OCTA: 635 PS und keine Wankbewegung
Das Herzstück des OCTA ist der 4.4-Liter V8 Twin Turbo (Mildhybrid) aus dem BMW-Regal. Er leistet 467 kW (635 PS) und 750 Nm (im Launch Mode 800 Nm). Das Fahrwerk nutzt die 6D Dynamics Technologie: Hydraulisch vernetzte Dämpfer ersetzen die mechanischen Stabilisatoren und kontrollieren Wanken und Nicken aktiv.
Lassen Sie uns kurz innehalten. Ein Defender, der in 4,0 Sekunden auf 100 km/h sprintet? Das klingt absurd. Aber es fühlt sich noch absurder an. Dank der 6D Dynamics (bekannt aus dem Range Rover Sport SV) liegt dieses 2,5-Tonnen-Haus in der Kurve flach wie ein Brett. Kein Wanken. Kein Nicken beim Bremsen. Es ist Hexenwerk. Der BMW-V8 schiebt mit einer Brutalität an, die dem alten 5.0 Kompressor fehlt. Der Alte war charmant und laut. Der Neue ist präzise und tödlich schnell. Drücken Sie die beleuchtete “OCTA”-Taste am Lenkrad, und das Auto spannt die Muskeln an. Der Sound ist bassig, böse, aber nicht so vulgär wie im G 63. Es ist der britische James Bond, der gerade jemanden durch die Wand wirft, ohne den Anzug zu zerknittern. Aber Vorsicht: Mit 22-Zoll-Felgen und All-Terrain-Reifen ist das Grip-Limit auf nasser Straße schnell erreicht. Dann hilft nur noch die Elektronik gegen die Physik.
Innenraum 2026: 13 Zoll und “Body and Soul”
Alle Defender 2026 erhalten das neue, größere 13,1-Zoll Pivi Pro Infotainment. Der Wählhebel wurde versetzt, um Platz zu schaffen. Im OCTA gibt es die “Body and Soul” Sitze (BASS), die Musik in Vibrationen umwandeln.
Endlich ist der Bildschirm groß genug für dieses riesige Auto. Das Pivi Pro System reagiert sofort, die Menüs sind logisch. Die neuen Materialien im OCTA (“Ultrafabrics” PU-Leder, das 30% leichter ist als echtes Leder) fühlen sich technisch und robust an. Ein Highlight für den Familienfrieden im Defender 130: Die neuen Captain’s Chairs in der zweiten Reihe. Endlich kommt man bequem in die dritte Reihe durch. Und wer den 130er als Abenteuer-Mobil nutzt, wird den optionalen integrierten Luftkompressor im Kofferraum lieben. Reifen ablassen für den Sand, aufpumpen für die Straße – ohne an der Tankstelle Schlange zu stehen. Das sind Details, die zeigen: Land Rover weiß noch, was Offroad bedeutet.
Defender 130: Der Bus für Besserverdiener
Der Defender 130 (5,36 Meter lang) bekommt 2026 den D350 Diesel (350 PS, 700 Nm) als Standard-Selbstzünder.
Das ist mein Geheimtipp. Vergessen Sie den OCTA für den Alltag. Der D350 ist der Motor, den Sie wollen. Er hat Drehmoment ohne Ende, verbraucht real unter 10 Liter (der OCTA nimmt gerne 15-18) und zieht 3,5 Tonnen, ohne zu zucken. Der 130er ist im Stadtverkehr ein Albtraum (Parkhäuser meiden!), aber als Reisefahrzeug unschlagbar. Mit 8 Sitzen (oder 5 und einem Kofferraum, in dem man wohnen kann) ist er der coolere VW Bus. Er wankt mehr als der OCTA, ja. Aber er federt weicher. Er ist das Auto, mit dem Sie nach Korsika fahren, nicht zum Nürburgring.
Preis-Check: G-Klasse Niveau?
Der Defender OCTA startet bei ca. 185.000 Euro. Die “Edition One” kratzt an der 200.000er Marke. Ein Defender 110 D350 X-Dynamic liegt bei ca. 110.000 Euro.
Das ist der neue Standard. Land Rover positioniert den Defender nicht mehr als “Arbeitstier”, sondern als Luxusgut. Ist der OCTA 185.000 Euro wert? Rational: Nein. Emotional: Ja. Er ist exklusiver als ein G 63 (den jeder Fußballprofi fährt) und technisch faszinierender. Aber der wahre “Value King” bleibt der D350 Diesel. Er bietet 90% des Coolness-Faktors für fast den halben Preis des OCTA.
Die Titanen-Schlacht 2026
Feature | Defender OCTA (2026) | Mercedes-AMG G 63 | Defender 130 D350 |
Motor | 4.4L V8 Biturbo (BMW) | 4.0L V8 Biturbo | 3.0L R6 Diesel |
Leistung | 635 PS | 585 PS | 350 PS |
0-100 km/h | 4,0 s | 4,3 s | 6,6 s |
Fahrwerk | 6D Dynamics (Hydraulik) | Adaptiv / Hydraulik (Opt.) | Luftfederung |
Wattiefe | 1.000 mm (OCTA Mode) | 850 mm | 900 mm |
Sitze | 5 | 5 | bis zu 8 |
Preis (Start) | ca. 185.000 € | ca. 200.000 € | ca. 105.000 € |
Fazit: Das Beste oder nichts?
Der Land Rover Defender OCTA (2026) ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Er zeigt, was möglich ist, wenn Geld keine Rolle spielt. Er eliminiert die Schwächen des hohen Aufbaus fast vollständig. Aber er entfernt sich weit von der Ur-Idee des Defender. Wenn Sie das ultimative Statussymbol suchen, kaufen Sie den OCTA. Wenn Sie das beste Familienauto der Welt suchen, kaufen Sie den Defender 130 D350. Er ist der ehrlichere Held. Und für die gesparten 80.000 Euro können Sie eine sehr lange Weltreise machen.
















