Lexus IS 500 (2025) vs. IS 350 (2026) im Test: V8-Abschied

Lexus IS 500 (2025) vs. IS 350 (2026) im Test: V8-Abschied
Foto: Lexus

Mit der Einstellung des IS 500 F Sport Performance beendet Lexus das Kapitel des frei saugenden 5,0-Liter-V8-Motors: Der 352 kW (479 PS) und 536 Nm starke Hochdrehzahl-Achtzylinder (2UR-GSE) scheidet aus dem US-Programm aus. Für das Modelljahr 2026 verbleibt als Spitzenmotorisierung der überarbeitete IS 350 mit einem 3,5-Liter-V6-Saugmotor (232 kW / 315 PS, 380 Nm).

Für Enthusiasten in Deutschland, wo die IS-Reihe nur noch über freie Bremerhaven-Importeure bezogen werden kann, markiert dieser Wechsel eine Zäsur: Während letzte IS 500 als wertstabile Sammlerstücke die 95.000-Euro-Marke erreichen, bietet der IS 350 ab rund 58.000 Euro eine charakterstarke V6-Alternative zu turbogeladenen Vierzylindern vom Schlage eines BMW 330i oder Audi A4.

Technische Daten & Spezifikationen

Kategorie
Lexus IS 500 F Sport (Letzte Modelle 2025)
Lexus IS 350 F Sport (Neu 2026)
Motor & Antrieb
5.0L V8 Saugbenziner (2UR-GSE)
3.5L V6 Saugbenziner
Leistung / Drehmoment
479 PS (352 kW) / 536 Nm
315 PS (231 kW) / 380 Nm
Getriebe
8-Stufen-Wandlerautomatik (Aisin)
8-Stufen-Wandlerautomatik (Aisin)
Antriebsart
Heckantrieb + Torsen-Sperrdifferenzial
Heckantrieb (AWD optional in US)
0-100 km/h / Vmax
ca. 4,5 s / 240 km/h (abgeregelt)
ca. 5,7 s / 230 km/h
Testverbrauch (Mix)
ca. 12,5 – 14,0 l/100 km (Super Plus)
ca. 9,5 – 11,0 l/100 km (Super)
Kofferraumvolumen
305 Liter
305 Liter
Breite (inkl. Spiegel)
ca. 2.030 mm (Baustellen-Sieg!)
ca. 2.030 mm
Importpreis (Real DE)
ca. 85.000 bis 110.000 €
ca. 50.000 bis 65.000 €
Lexus IS 500 vs. IS 350 - Bild 1
Foto: Lexus

Unterhalt und Versicherung (TCO)

Wer einen Lexus IS nach Deutschland oder Österreich importiert, muss die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) völlig anders kalkulieren als bei einem heimischen Modell. Da der IS in Europa keine offizielle Homologation besitzt, führt der Weg unweigerlich über eine teure und zeitaufwendige §21-Einzelabnahme beim TÜV. Darauf kommen 10 Prozent Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer, berechnet auf den Fahrzeugpreis plus der Frachtkosten.

Für Dienstwagenfahrer ist dieses Auto der finanzielle Super-GAU. Es handelt sich um reine Verbrenner mit großem Hubraum, weshalb die volle 1,0%-Regelung der Dienstwagenversteuerung greift. Von den Vorteilen der 0,25 % oder 0,5 % für E-Autos und Plug-in-Hybride ist man hier meilenweit entfernt. Zusätzlich schlägt die deutsche Kfz-Steuer wegen der umgerechneten, hohen CO2-Werte (insbesondere beim V8) gnadenlos zu. Versicherungstechnisch stufen viele Anbieter solche exotischen Grauimporte nur mit teuren Sonderkonditionen ein.

Einen massiven Lichtblick gibt es aber: die Mechanik. Die Technik von Lexus, sowohl der V6 als auch der V8, gilt in der Branche als absolut kugelsicher. Man kauft hier zwar meist ohne eine offizielle europäische Werksgarantie, doch das Risiko eines kapitalen Motorschadens ist bei diesen standfesten Saugmotoren ungleich geringer als bei jedem gebrauchten deutschen Premium-Konkurrenten mit seinen hochgezüchteten Biturbo-Aggregaten. Der IS 500 V8 wird als künftiges Sammlerstück zudem einen extrem stabilen Werterhalt aufweisen.

Design, Abmessungen & Alltagstauglichkeit

Für das Modelljahr 2026 spendiert Lexus dem verbliebenen IS 350 eine nachgeschärfte Front. Der Diabolo-Kühlergrill wirkt noch dominanter, die Lufteinlässe sind gewachsen und die Voll-LED-Scheinwerfer blicken aggressiver. Optisch steht er satter auf der Straße, bewahrt sich aber die typische, rasiermesserscharfe Eleganz der Japaner. Das hebt ihn wohltuend vom deutschen Einheitsbrei ab.

Ein massiver, oft unterschätzter Vorteil im deutschen Pendler-Alltag ist die schlanke Karosserie. Die Limousine misst in der Länge vernünftige 4,71 Meter. Entscheidend ist aber die Breite: Mit ausgeklappten Außenspiegeln kommt der IS auf gerade einmal 2.030 Millimeter.

In der harten Realität der Autobahn bedeutet das einen klaren Vorteil. Während Fahrer eines aktuellen BMW M3 oder Audi RS 4 in verengten Baustellen schwitzen und sich rechts hinter den Lkw einreihen müssen, hat man im Lexus freie Fahrt. Man darf völlig legal, stressfrei und kaskoversichert die linke, meist auf 2,1 Meter limitierte Überholspur nutzen.

Lexus IS 500 vs. IS 350 - Bild 3
Foto: Lexus

Innenraum: Haptik-Check und Infotainment-Performance

Die wichtigste und längst überfällige Änderung für 2026 findet im Cockpit des IS 350 statt. Lexus hat das ergonomisch katastrophale, extrem ablenkende Touchpad in der Mittelkonsole endlich ersatzlos gestrichen. Stattdessen halten ein zeitgemäßes Cockpit mit einem hochauflösenden 12,3-Zoll-Touchscreen und ein volldigitaler Tacho Einzug. Das Display ist nun näher zum Fahrer gerückt und reagiert absolut flüssig.

Dieses Update ist die Rettung für jeden Importeur. Die klassischen Probleme von US-Importen (das Navi findet in Europa keine Straßen, das Radio überspringt europäische Frequenzen, DAB+ fehlt) lassen sich nun spielend umgehen. Wireless Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig. Navigation und Musik werden einfach vom Smartphone gestreamt. Die NVH-Dämmung (Noise, Vibration, Harshness) ist auf Top-Niveau; bei 130 km/h herrscht im Innenraum eine bemerkenswerte Ruhe, die nur vom Motor durchbrochen wird.

Die wahre Meisterleistung der Ingenieure ist jedoch das, was Lexus glücklicherweise nicht verändert hat. Anstatt dem grassierenden Touch-Wahn der Industrie zu folgen, behält der IS 2026 eine edle, massive Leiste mit echten Knöpfen für die Klimaanlage und haptisch perfekte Drehregler für die Lautstärke. Man bedient die Temperatur auf einer kurvigen Landstraße völlig blind und kann sich zu 100 Prozent auf das Fahren konzentrieren. Das ist echte, gelebte Ergonomie, von der sich Wolfsburg und Stuttgart eine dicke Scheibe abschneiden können.

Antrieb und Fahrdynamik

Das Herzstück dieser Autos definiert ihren völlig unterschiedlichen Charakter.

Der 5.0-Liter V8-Saugmotor (Code 2UR-GSE) im auslaufenden IS 500 ist ein mechanisches Relikt aus einer besseren Zeit. Er braucht keine anfälligen Turbolader, er giert nach reiner Drehzahl. Das Ansprechverhalten ist absolut ansatzlos, ohne jede Verzögerung auf den Millimeter Gaspedalweg. Im krassen Gegensatz zum sterilen, oft synthetisch über Lautsprecher verstärkten Klang deutscher Biturbo-Motoren ist dieser Lexus ein ehrliches Orchester. Er grollt im Stadtverkehr tief und brüllt bei 7.000 U/min wie ein Kampfjet im Tiefflug. Der reale Verbrauch liegt bei artgerechter Haltung aber auch schnell bei 14 Litern Super Plus.

Stellt der V6-Saugmotor im neuen IS 350 eine echte Alternative dar? Rational betrachtet: ja. Die 315 PS sind für sportliche Autobahn-Etappen absolut ausreichend, der Verbrauch pendelt sich bei vernünftigeren 10 Litern ein. Emotional ist er aber nur der Trostpreis. Ihm fehlt die brachiale Wucht, die Seele und das unberechenbare, rohe Element des großen V8. Er ist ein wunderbarer, laufruhiger Cruiser für die Landstraße, aber kein Auto, das den Puls in die Höhe treibt.

Lexus IS 500 vs. IS 350 - Bild 5
Foto: Lexus

Platzangebot für Familien und Freizeit

Hier zeigt die sportliche Architektur der Limousine ihre klaren Kompromisse. Der Lexus IS ist kein Raumwunder. Das will er auch gar nicht sein.

Der Kofferraum fasst magere 305 Liter. Das genügt für zwei mittelgroße Reisekoffer oder den Wocheneinkauf. Für den Familienurlaub mit Kinderwagen wird es jedoch extrem eng. Immerhin lassen sich die Rücksitzlehnen asymmetrisch umklappen, um längere Gegenstände durchzuladen.

Im Fond wiederholt sich dieses Bild. Die Isofix-Halterungen sind zwar vorbildlich unter eleganten Klappen versteckt, doch der Platz an sich ist limitiert. Erwachsene Passagiere über 1,80 Meter stoßen schnell mit den Knien an die Vordersitze und mit dem Kopf an die abfallende Dachlinie. Der massive Mitteltunnel für die Kardanwelle macht den mittleren Sitzplatz faktisch unbenutzbar. Der IS ist ein auf den Fahrer zugeschnittenes Auto, kein Familien-Shuttle.

Anhängelast, Getriebe und Wintertauglichkeit

Man sollte niemals die Worte „Lexus IS 500“ und „Anhängelast“ in einem Satz verwenden. Diese Fahrzeuge besitzen keine werksseitige Zugvorrichtung und sind in der EU für den Hängerbetrieb faktisch nicht zu homologieren. Wer Boote oder Pferde ziehen muss, ist hier an der falschen Adresse.

Die Kraftübertragung übernimmt in beiden Modellen eine klassische 8-Stufen-Wandlerautomatik von Aisin. Sie schaltet extrem weich und komfortabel, ist im manuellen Modus aber nicht ganz so rasiermesserscharf und blitzschnell wie ein Doppelkupplungsgetriebe von Porsche. Die Kraft geht beim IS 500 ausschließlich an die Hinterräder, wo sie von einem hervorragenden Torsen-Sperrdifferenzial gebändigt wird.

Der Winter-Faktor: 479 PS, reiner Heckantrieb und deutscher Schneematsch sind eine Kombination, die massiven Respekt und einen extrem sensiblen Gasfuß erfordert. Die Elektronik regelt zwar zuverlässig, aber die Physik lässt sich nicht austricksen. Premium-Winterreifen sind bei diesem Fahrzeug eine absolute Überlebenspflicht. Wer echte Allwetter-Tauglichkeit sucht, muss beim Importeur nach einem IS 350 AWD mit Allradantrieb fragen, opfert dann aber den V8.

Lexus IS 500 vs. IS 350 - Bild 7
Foto: Lexus

Konkurrenz-Check: Lexus IS gegen BMW M340i und Genesis G70

Wie schlägt sich der Exot gegen die etablierte deutsche Sport-Elite?

Feature
Lexus IS 500 (US-Import)
Mercedes-AMG C 63 S
BMW M3 (G20 LCI)
Motor
5.0L V8 Saugbenziner
2.0L 4-Zylinder + E-Motor
3.0L R6 Biturbo
Leistung
479 PS
680 PS
480 bis 530 PS
Antrieb
Heckantrieb
Allradantrieb
Heck oder Allrad
Gewicht
ca. 1.765 kg
ca. 2.190 kg (Massiv!)
ca. 1.780 kg
Bedienung
Klima via echte Knöpfe
Alles via Touchscreen
iDrive & Touch
Preis (Real)
ca. 95.000 € (Sammler)
ab ca. 116.000 €
ab ca. 95.000 €

Analyse: Der neue Mercedes-AMG C 63 S E-Performance hat seinen V8 verloren. Er drückt zwar absurde 680 PS aufs Papier, scheitert aber emotional komplett an seinem synthetischen Vierzylinder-Klang und dem extremen Übergewicht von fast 2,2 Tonnen, das jede Leichtfüßigkeit erstickt. Der BMW M3 bleibt fahrdynamisch das Maß der Dinge für die Rennstrecke, wirkt im Alltag durch seine Perfektion aber fast schon klinisch und nervös. Der Lexus gewinnt als einziger den Preis für echte mechanische Emotionen und eine narrensichere, knopfbasierte Bedienung.

Pro & Contra

  • ✅ Pro: Der 5.0L V8 (IS 500) ist ein unzerstörbares, emotionales Meisterwerk und ein künftiges Sammlerstück.
  • ✅ Pro: Rasiermesserscharfes Design, das sich wohltuend vom deutschen Flotten-Einheitsbrei abhebt.
  • ✅ Pro: Ein Sieg der Ergonomie: Modernes Display (ab 2026), aber echte Knöpfe für die Klimasteuerung bleiben erhalten.
  • ✅ Pro: Baustellentaugliche Außenbreite von nur 2,03 Metern (inkl. Spiegel) für stressfreies Überholen.
  • ❌ Contra: Der fantastische V8 (IS 500) wurde für 2026 endgültig und ersatzlos gestrichen.
  • ❌ Contra: Sehr aufwendiger und teurer Importprozess, meist mit Verlust der europäischen Werksgarantie.
  • ❌ Contra: Stark eingeschränktes Platzangebot im Fond und ein winziger Kofferraum (nur 305 Liter).
  • ❌ Contra: Massiv hohe CO2-Steuern und teure Sondereinstufungen bei der Versicherung in Deutschland.

Fazit von Alex Wind: Der V8-Abschied des Lexus IS 500

Alex Wind zieht Bilanz: Wir brauchen hier nicht lange rational zu diskutieren: Wenn Sie das nötige Budget haben und auch nur den kleinsten Funken eines echten, passionierten Autofans in sich tragen, dann kaufen Sie den V8. Egal wie, egal mit welchem bürokratischen Aufwand.

Wenn Sie in Preisregionen jenseits der 80.000 Euro über einen aufwendigen Grauimport nachdenken, dann machen Sie bitte keine halben Sachen. Der frisch geliftete IS 350 (2026) ist ohne Frage ein wunderschönes Auto. Er merzt die nervigsten digitalen Schwächen der Vergangenheit aus. Aber am Ende des Tages ist er „nur“ die exotischere, asiatische Alternative zu einem braven BMW 330i.

Der IS 500 hingegen ist automobiles Kulturgut. Er ist der ungezähmte, lautstarke Mittelfinger gegen das seelenlose, rein steuergetriebene Downsizing der aktuellen Autoindustrie. Sichern Sie sich über einen fähigen Importeur sofort eines der allerletzten Modelle, am besten in der genialen Farbe „Molten Pearl“ oder „Incognito Grey“. Ja, fast 100.000 Euro für eine kompakte Lexus-Limousine ohne Garantie klingen für Excel-Jünger nach einem reinen Liebhaberkauf. Aber in spätestens zehn Jahren, wenn auf unseren Straßen alles nur noch leise und steril summt, werden Sie in Ihre Garage gehen, diesen unbändigen V8-Sauger aufwecken und mit einem breiten Grinsen wissen: Diese automobile Unvernunft war jeden einzelnen Cent wert.

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