In der Welt des Ultra-Luxus hat sich etwas verschoben. Früher kaufte man eine Mercedes S-Klasse oder einen BMW 7er, wenn man es geschafft hatte. Aber Limousinen haben ein Problem: Man muss tief „hineinfallen“, und die Decke drückt. Asien hat das schon lange verstanden. Dort sind Minivans die wahren Könige. Der Lexus LM (Luxury Mover) ist Toyotas Antwort auf die europäische Luxus-Elite. Er ist kein umgebauter Lieferwagen (wie die V-Klasse). Er basiert auf der PKW-Plattform GA-K. Im Jahr 2026 ist er nun endlich auch in Europa angekommen. Ich habe die verrückteste Version getestet: Den 4-Sitzer mit Trennwand. Ist dieser „Bus“ seine 150.000 Euro wert, oder ist es nur ein teurer Toyota mit viel Chrom?
Design: Ein Grill, den man vom Mond sieht
Sprechen wir den Elefanten im Raum an. Der Kühlergrill. Er ist nicht nur groß. Er ist monumental. In Wagenfarbe lackiert („Spindle Body“), sieht er aus wie die Maske eines außerirdischen Samurai. Auf der Autobahn räumt der LM die linke Spur effektiver als eine G-Klasse. Die Silhouette ist ein klassischer Kasten, aber mit Unmengen an Chrom. Das Highlight: Die Schiebetüren gleiten so sanft und leise auf, als wären es Luftschleusen eines Raumschiffs. Länge: 5,13 Meter. Das ist viel, aber kürzer als eine lange S-Klasse. Die Parkplatzsuche ist einfacher, als man denkt.
Innenraum: Willkommen im Privatjet
Vergessen Sie den Fahrerplatz. Der ist hochwertig, aber unspektakulär (Lenkrad vom RX, Bildschirme vom NX). Die Magie passiert hinten. In der 4-Sitzer-Version trennt eine feste Wand den Fahrer von den Passagieren. Darin integriert:
- 48-Zoll-Bildschirm. Ja, achtundvierzig. Man kann ihn teilen (für zwei Passagiere) oder Kino im Breitbildformat schauen.
- Absenkbare Glasscheibe. Auf Knopfdruck wird das milchige Glas transparent. Oder andersrum. Absolute Privatsphäre.
Die Sitze: Das sind keine Sitze. Das sind Throne. L-Aniline-Leder (das weichste, das Lexus hat). Sie lassen sich fast flach zur Liege ausfahren. Die Massage wärmt und knetet gleichzeitig. Climate Concierge: Infrarot-Sensoren scannen Ihre Körpertemperatur (Gesicht, Brust, Beine) und regeln Klima und Sitzheizung automatisch nach. Das funktioniert beängstigend gut.
Fahrbericht: Der „Rear Comfort“ Modus
Unter der Haube des LM 350h arbeitet der bekannte 2.5 Liter Hybrid. 184 kW (250 PS) und Allrad (E-Four). Reicht das für fast 2,8 Tonnen? Für den Fahrer: Gerade so. 0-100 km/h in 8,7 Sekunden. Er ist nicht schnell, aber dank der E-Motoren antrittsstark. Bei Vollgas heult das CVT-Getriebe auf, aber so fährt man dieses Auto nicht. Für den Passagier: Lexus hat einen speziellen „Rear Comfort“ Fahrmodus entwickelt. Er unterdrückt das Nicken beim Bremsen und Wanken in Kurven. Das Gefühl ist schwebend. Die Geräuschdämmung (Active Noise Control) ist fantastisch. Man hört keine Reifen, keinen Motor. Nur die eigenen Gedanken oder den Sound aus der Mark Levinson Anlage (23 Lautsprecher). Das ist Rolls-Royce-Niveau, aber mit hoher Sitzposition. Im Gegensatz zur Mercedes V-Klasse, die bei Bodenwellen oft poltert (Nutzfahrzeug-Wurzeln), schluckt der Lexus LM alles weg wie eine Limousine.
Technische Daten & Realitäts-Check
Datenpunkt | Lexus LM 350h (2026) | Alex Wind Kommentar |
Motor | 2.5 Hybrid (R4) | Zuverlässig, sparsam, aber ohne V8-Drama. |
Leistung | 184 kW (250 PS) | Reicht für das sanfte Gleiten. |
Antrieb | Allrad (E-Four) | E-Motor hinten hilft bei Traktion. |
0-100 km/h | 8,7 Sekunden | Entschleunigung ist das Ziel. |
Verbrauch (Test) | 8,2 l/100km | Lächerlich wenig für einen Palast. |
Konfiguration | 4 oder 7 Sitze | 4 Sitze = Boss-Level. 7 Sitze = Familien-Shuttle. |
Screen hinten | 48 Zoll | Größer als der Fernseher in manchen Küchen. |
Preis (Basis) | ab ca. 122.000 € | Teuer. Sehr teuer. |
Preis (Testwagen) | ca. 148.000 € | 4-Sitzer Takumi Ausstattung. |
Pro & Contra
- ✅ Komfort: Der beste Rücksitz der Autoindustrie. Punkt.
- ✅ Privatsphäre: Die Trennwand schafft einen echten, isolierten Raum.
- ✅ Fahrwerk: Die GA-K Plattform eliminiert das typische „Bus-Wackeln“.
- ✅ Effizienz: 8 Liter Verbrauch sind für diese Größe top.
- ❌ Dynamik: 250 PS sind für den Preis etwas wenig „Souveränität“. Der 500h (371 PS) wäre passender, kommt aber nicht überall.
- ❌ Kofferraum (4-Sitzer): Kaum vorhanden. Zwei Handgepäck-Koffer. Die Wand frisst den Platz.
- ❌ Image: Für manche ist es immer noch „nur ein teurer Van“.
Konkurrenz-Check
- Mercedes-Benz V-Klasse (Exclusive): Der Hauptgegner. Bietet mehr Platz und Diesel-Motoren, ist aber fahrwerksseitig härter und innen moralisch veraltet. Der Lexus ist technologisch eine Generation weiter.
- Zeekr 009: Der elektrische Angreifer. Schneller, moderner, günstiger, aber hinten fehlt die totale Abschottung (Wand) und der Marken-Status.
- Toyota Alphard: Der Zwilling. Günstiger, fährt ähnlich, aber ohne die luxuriöse Trennwand und mit einfacheren Materialien.
Fazit: Alex Wind meint…
Der Lexus LM (2026) ist der Tod der Luxus-Limousine. Wenn Sie einen Chauffeur haben, gibt es keinen Grund mehr, eine S-Klasse zu kaufen, außer Gewohnheit. Im Lexus LM können Sie (fast) aufrecht stehen. Sie können Zoom-Calls auf 48 Zoll machen. Sie können in einem Bett schlafen. Es ist kein Auto für den Fahrer. Es ist ein Werkzeug zum Regieren (oder zum extrem komfortablen Reisen). Meine Empfehlung: Wenn Sie es für sich und einen Fahrer kaufen – nur den 4-Sitzer. Wenn es für die Familie ist – nehmen Sie den 7-Sitzer, aber dann verschwindet die Magie der Trennwand.
FAQ
1. Was kann man an den 48-Zoll-Screen anschließen? Unten an der Trennwand gibt es HDMI-Ports. Sie können Laptop, PlayStation 5 oder Apple TV anschließen. Auch Miracast (vom Handy) geht. Der Screen ist teilbar: Links Excel, rechts Netflix.
2. Hört der Fahrer, was hinten gesprochen wird? Wenn die Glasscheibe oben ist: Nein. Die Dämmung ist massiv. Für die Kommunikation gibt es eine Gegensprechanlage.
3. Ist er wintertauglich? Der E-Four Allrad ist eine elektrische Anfahrhilfe. Er ist kein echter Offroader. Für die verschneite Auffahrt zur Villa reicht es, aber im tiefen Matsch sollte man mit dem langen Radstand vorsichtig sein.
































